Die griechische Fassung der hebräischen Bibel zwischen Judentum und Christentum, Rezension Christoph Fleischer und Niklas Fleischer, Welver, Dortmund 2016

Zu: Siegfried Kreuzer (Hg.): Einleitung in die Septuaginta, Handbuch zur Septuaginta, Handbook oft he Septuagint, Band 1, Volume 1, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2016, ISBN: 978-3-579-08100-7, mit Bibliographischen Abkürzungen und Basisbibliographie sowie Allgemeine Abkürzungen, 720 Seiten, Preis: 198,- Euro

Einleitung in die Septuaginta von
Einleitung in die Septuaginta
Das Handbuch zur Septuaginta, dessen erster Band in diesem Jahr (2016) erschienen ist, liegt mir/uns in einer PDF Fassung ohne Kopierfunktion vor. Dieses Exemplar ist hingegen geeignet, sich einen ersten Überblick zu verschaffen und darüber zu berichten. Der erste Teil berichtet über einen Dialog zwischen einem ITler und einem Theologen , der sich durch Rückfragen zum Verhältnis zwischen Judentum und Christentum entwickelt hat. Die These bzw. Fragestellung ist: Besteht die Möglichkeit, dass das Christentum aus dem griechisch-sprechenden Teil des Judentums entstanden ist bzw. dass dieser Teil fast vollständig zum Christentum konvertiert ist? Gibt es in der Tradition der Septuaginta Hinweise dafür, dass jüdisch-hellenistische Theologie zur christlichen Theologie geworden bzw. in ihr enthalten ist?

Der zweite Teil sind Notizen zur Einleitung und zu einigen Weisheitsbüchern und zu den Psalmen. Die Notizen zum Hiobbuch sind bereits in den ersten Teil eingearbeitet.

Teil 1 Dialog Niklas Fleischer (Informatiker) und Christoph Fleischer (Ev. Pfarrer).

Donnerstag, 18:45

Wir hatten uns kürzlich über die Septuaginta unterhalten. Hast Du Lust etwa zu dem Verhältnis zum NT zu lesen? Ab Seite 663 oder/und 678?

Schaue ich mir gerade mal an.

 

Donnerstag, 21:15

 

Was sind Frühe Christen bzw. was ist die Urgemeinde?

 

Was soll das?

 

Nein ich lese gerade nur einen Abschnitt. Sehr spannend, aber relativ spekulativ für mich. Aber ich komme auch stark aus den Naturwissenschaften, evtl. gehe ich zu historisch kritisch an die Sache.

 

Anders gesagt: wir haben nur Texte, was heißt: Korinther, Römer, Judaisten, Griechen usw.?

Versuch mal was über ein Buch zu lesen, was Du kennst, z. B. Genesis, vielleicht wäre das besser.

Und die Einleitung bis ca. S. 80

 

Für mich als ITler (Fachinformatiker und Student der Wirtschaftsinformatik) ergibt sich Wissen immer erst als Verknüpfung mehrere Informationen. Ist das nicht eine Betrachtung der Bibeltexte, ohne diese wirklich in einen genauen historischen Kontext einordnen zu können? (Anm. CF: Das ist in der Tat ein gewichtiger Einwand. Der Kontext kommt in der Exegese oft zu kurz oder wird auf reine Religionsgeschichte reduziert. Hier wirkt dadurch die Textgeschichte z. T. kaum nachvollziehbar und sogar spekulativ.)

 

Welchen Text? Hier steht etwas zu Hiob: Rezension LXX (zu: Job / Das Buch Ijob/ Hiob, Markus Witte, S. 407 – 421)

 

Buch Hiob (Anm.: einige Notizen zur zuvor abgeschlossenen Lektüre dieses Abschnitts, in den Dialog hineinkopiert): Ausführliche Erläuterung der Textgeschichte und der Quellenlage. Was ist ein Stich? Solche Fachausdrücke müssen bekannt sein, werden nicht gesondert erklärt. (Ein Stich ist eine Zeile im Text.)

Hiob im Griechischen Bibeltext ist kein Auswärtiger, sondern ein Einheimischer. Das wird durch die Verwendung der Gottesbezeichnung „Adonai“ signalisiert, im Hebräischen steht meist allgemeiner „Elohim“. (Oder sollte man sagen, dass Hiob dadurch zum Prototyp des Diasporajuden wird?) Es gibt ein paar Veränderungen im Text. Die Texte der Freunde werden nicht in Lyrik wiedergegeben, wobei der Parallelismus als Stilmittel bleibt. Das Hauptthema ist wohl die Gerechtigkeit, die auch sonst in der LXX im Vordergrund steht. Hiob ist ein Vorbild, weil er als der Geduldige gilt (bis in die Bilder der Katakomben hinein).

 

Ich lese gerade die Einleitung von der Septuaginta im frühen Christentum (Martin Karrer: Der Septuagintatext im frühen Christentum, S. 663 – 677).

Ab Seite 663.

 

Das könnte wichtig sein, denn alle Zitate im NT sind aus der LXX. (vgl. Dazu gibt es auch einen Aufsatz, den wir aber (noch) nicht gelesen haben: Die Bedeutung der Septuagintazitate im Neuen Testament auf dem Hintergrund der alttestamentlichen Textgeschichte, S. 678 – 695).

 

Z.B. der Autor (Martin Karrer) geht davon aus, das die biblischen Autoren direkt mehrere Sprachfassungen erstellten.

Hmm, die Hiob-Sache ist spannend

Hiob ist aus Uz, also definitiv Diaspora – oder kein Jude?

 

Ich lese noch Psalmen, Kohelet und Weisheit.

Stimmt, das ist gut – obwohl naja.

(Eingefügt Link)https://en.wikipedia.org/wiki/Land_of_Uz/ Land of Uz – Wikipedia, the free encyclopedia/ The Land of Uz (Hebrew: ארץ עוץ) is a location mentioned in the Old Testament, most prominently in the Book of Job, which begins, „There was a man in the land of Uz, whose name was Job“.[1] Scholars have not identified any actual country which corresponds to Uz./ en.wikipedia.org

 

Obwohl das auch Spekulativ ist.

 

Uz gibt es nicht, ist symbolisch.

 

Jopp… trotzdem interessant. Es wird explizit herausgehoben, dass er aus einem anderen Land ist.

 

Qumran sagt: Uz ist Edom

 

Eben. Dann ist das schon eine Botschaft.

 

Also ich habe so langsam den Eindruck, davon geht man ja inzwischen auch in der Soziologie aus, dass es ja auch fast schwierig ist von greifbaren Völkern zu sprechen. Gab es einfach arabische Stämme, unter denen es monotheistische Strömungen gab? Oder waren das einfach jüdisch beeinflusste Stämme? (ITler springt ins 6. Jahrhundert, doch die Frage ist interessant: Warum gibt es im Hellenismus Interesse am Judentum?)

 

Ich würde sagen, dass es reicht, die Motive zu erkennen. Mehr kann man historisch nicht herausbekommen. Hier im Hiob kommt das Motiv Diaspora zur Geltung.

 

Hmm..

 

Hiob ist in der Fremde und trotzdem gottgläubig.

(Gehe zurück auf die Frage: Wer oder was ist die Urgemeinde, Urkirche?) Die Urgemeinde ist in Jerusalem bis 70, danach verschwunden. Die anderen Gemeinden erschließen wir aus den Briefen und der Apostelgeschichte.

 

Lese gerade, aber es geht da auch um die Beziehungen einer Frühgemeinde / griechische Juden – Was ist APK?

 

Weiß nicht. Vorn ist ein Abk. Verzeichnis – Ich kenne es nicht (Anmerkung: die Abkürzung wird nicht aufgeführt, könnte die Apokalypse des Johannes meinen)

 

Wie muss ich die Tabelle 3 auf Seite 668 Verstehen? Lege mir gerade mal die Übersetzungen daneben.

 

Sacharja 9,9 Siehe dein König kommt zu dir…,

Vergleich der Zitationen Mt 21, Joh 12, Justin

Wo ist der Inhalt dazu?

 

Ab Seite 670?

 

Geht sehr ins Sprachwissenschaftliche, dazu fehlt mir etwas Background im Griechisch und Jüdischen.

 

Das macht es etwas schwierig, gebe ich zu.

Manchmal reicht es aber, die Bibel aufzuschlagen!

 

Sacharja 9,9, S. 669 oben (Das ist die Antwort auf die Frage oben.)

 

Hat das Christentum das Spektrum aufgesogen, welches im Mittelmeerraum durch die Diaspora von Monotheismus gehört hatte, aber per se nicht Jüdisch sein konnte? Daher auch die explosionsartige Ausbreitung trotz widrigster Umstände der ersten Jahrhunderte?

 

Das ist die Vermutung. (Anmerkung: Ist wohl zur Zeit etwas aus dem Blick gekommen. Aber wenn man viele Texte genau liest, wird die Nähe zum Judentum immer wieder gesehen. Nur dass das speziell die Form des Diasporajudentums ist, seltener.)

 

Dazu kamen vielleicht die Anteile der griechischen Juden, die mit der Heidenmission sympathisierten? Der Rest ist von denen ist irgendwann ggf. in die Nichtigkeit verschwunden?

 

Das zu den griechischen Juden sind aber eher meine Gedanken hat mit dem Text so nichts zu tun. Wir hatten vor ein paar Wochen mal darüber gesprochen. Der Text geht stark auf griechische Textparallelen zwischen Septuaginta und Matthäus/Markus ein.

 

Also der Text ist interessant, aber die Argumentation muss ich ohne Griechisch und Jüdisch-Kenntnisse natürlich hinnehmen. Der Autor nutzt das Sacharja-Zitat um zu zeigen, das sich die Christlichen Autoren vielfältig mit Griechisch-Jüdischen Texten beschäftigt haben. Wenn das NT das AT zitiert, zitiert es mehr oder weniger direkt die Septuaginta – Wenn ich es richtig verstehe?

 

Aber die Argumentation geht im Detail auf Konstrukte der griechischen und jüdischen (hebräischen?) Sprache ein, damit kann ich leider nicht soviel anfangen.

Ist halt schon theologisch/wissenschaftliche Literatur –

 

Ja, das ist eigentlich klar. Aber was heißt das für die Urkirche, dass sie eine jüdische Sekte ist?

 

Sekte ist ein schwieriger Begriff (und trifft es dann ja wohl ohnehin nicht, Anm. CF)

 

Wir gehen jetzt von unserem Vereins- und Kirchenbild aus, wenn wir von einer Urgemeinde sprechen.

Tatsächlich waren es doch eher theologische Strömungen? Mich wundern immer diese hingenommenen Gruppenauffassungen, obwohl es kaum Beschreibungstexte über das eigentliche Alltagsleben der Urgemeinden gibt, mal von den Paulusbriefen abgesehen.

 

Das überträgt man dann eben

 

Ekklesia, dass ist die Versammlung der Polis – auf die Kirche bezogen auch?

 

Waren nicht die Jüdischen Autoren der Septuaginta häretisch?

*schon

 

Vergleich das mal mit den Resultaten von Martin Luthers Bibelübersetzungen.

Kann man evtl. analog sehen.

Ich glaube, hinter der Entstehung Septuaginta/Christentum stecken möglicherweise Parallelen.

Die Tora wird es zu diesem Zeitpunkt ja schon gegeben haben. Es war aber offenbar nicht mehr Alltagssprache, sodass sich einige veranlasst sahen eine griechische Übersetzung zu verfassen – die ja auch vom heutigen Judentum nicht übernommen wurde, wenn ich es richtig sehe.

Die Autoren konnten ja offenbar Hebräisch, wenn Sie in der Lage waren Übersetzungen anzufertigen. (wichtige Beobachtung. Welche Rolle spielt die Kenntnis des hebräischen?)

 

Ja, klar!

 

War es schon ein Versuch, die monotheistische Botschaft in den griechischen Kulturraum zu tragen?

 

Gut, klingt gut.

 

Die Frage ist nur: Wie passt Jesus in dieses Spektrum? Kommt er aus dem Kontext dieser schon leicht häretischen „Tora-Übersetzter“ oder passte er nur gut dazu?

 

Hieß er Jesus oder Jehoschuah? (ITler springt in die NT – Ebene).

 

Jesus wirkt wie ein theologischer Versuch, im jüdischen die Erwartungshaltung auf das Heil zu reformieren. (Anmerkung: Dazu müsste man die Texte zu den Messiaserwartungen lesen).

 

Ich denke es gab schon eine historische Person, aber die Frage ist schon, wieviel Abstraktion es hier gibt.

Vor Flavius Josephus gibt es keine Quellen wenn ich das richtig sehe, und da haben wir schon eine Lücke von 100 Jahren.

 

Ich glaube, um das Urchristentum zu verstehen muss man sich glaube ich von dem Gedanken verabschieden, den Jüdischen Glauben als Homogene Religion zu verstehen.

Das ist sie doch vermutlich schon seit der Diaspora nicht mehr gewesen?

 

Ich denke Jesus passte einfach gut in die Zeit. Wird schon als Figur in Judäa existiert haben und sich berufen gefühlt haben – vermutlich ein Hochbegabter und Charismatischer Mensch. Vielleicht muss man ihn sich eher als Politiker, denn als Propheten vorstellen?

 

Das Harren auf das Heil sollte durch ein Hinarbeiten ersetzt werden. Passt doch auch gut zur Heidenmission, die ja quasi erst noch etwas später dazu kam. Jesus hat doch noch keine Heidenmission betrieben, oder sehe ich das Falsch?

Stärkt mich eher noch in der Vermutung, das Christentum letztendlich ein Reformjudentum ist, wo dann immer mehr Folklore dazu kam. Es ist ja keine Religion für sich mit unabhängigem Kanon. Am Anfang steht das AT „wink“-Emoticon

Der Islam umgeht das glaube ich etwas, in dem einfach mehr eingearbeitet wurde. Die Autoren des NT haben aber nicht nochmal das AT kopiert, es gab ja die Septuaginta.

 

Es gibt Beispiele für Jesu Heidenmission: der barmherzige Samariter, der römische Hauptmann und die syrophönizische Frau.

 

Samariter sind doch keine Heiden…

Hauptmann und Phönizierin okay.

 

Die Samariter gibt es doch immer noch? Hab letztens mal ne TV Doku gesehen. Ist eine Palästinensische Volksgruppe die immer noch eine stark zum Judentum verwandte Religion pflegt.

 

Der Hauptmann ist keine direkte Bekehrung, oder sehe ich das Falsch?

Vielleicht hat der Hauptmann Jesus auch freundlich bei seinem Haus abgewiesen, immerhin hätte sich der Militärangehörige mit einem „Hausbesuch“ Probleme einhandeln können. Interessante Geschichte.

 

Carsten Peter Thiede hat gezeigt, dass Galiläa sehr griechisch geprägt war.

 

Der jüdische Glaube ist aber gleichzeitig präsent, zeigt ja schon diese römische Münzsache. Sogar die Römer haben sich an das Bilderverbot gehalten.

 

Eben Diaspora

Schon merkwürdig. Geschichte ist schon komisch.

 

Gut.

Die Begegnung mit der kanaanäischen Frau ist auch keine direkte Bekehrung. Und wieder direktes Rand/Einflussgebiet.

Es erfolgt ja keine Taufe, die Frau glaubt nur an die Heilskraft und kommt zu Jesu, unabhängig von der Religion/Stammesangehörigkeit – es erfolgt aber keine Taufe, trotzdem erkennt Jesus die Innige Religiosität der Frau an, oder?

 

Ich bin müde

Wie verbleiben wir?

 

Können wir ja am Sonntag besprechen.

 

Gut, willst du dir die Texte noch ansehen?

 

Aber ja prinzipiell gern.

 

Also abwarten.

Dann lese ich erst mal die Weisheitstexte.

 

Sieh mal, ob Du hier was Verständliches findest. Da sind ja Leseproben zu den einzelnen Büchern(www.septuagintaforschung.de):

Veröffentlichungen | Forschungsprojekte zur Septuaginta in Deutschland, Kreuzer, Siegfried / Meiser, Martin / Sigismund, Marcus (Hrsg.): Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament, Band 286, Die Septuaginta – Entstehung, Sprache, Geschichte, ISBN 978-3-16-151698-6, Vorwort und Inhaltsverzeichnis

 

 

 

Teil 2

Die folgenden Sätze erinnern eher an die Zusammenfassung einiger Notizen als eine kritische Rezension. Diese Arbeit möge den Fachgelehrten überlassen bleiben.

Einleitung: Siegfried Kreuzer: Entstehung und Überlieferung der Septuaginta, S. 30 – 83

Typisch für die hellenistische Zeit ist die große Bedeutung der Bildung unter Anerkennung der jeweiligen Glaubensrichtungen. Die leitende Philosophie war die Stoa. Da es in der stoischen Ethik einige Parallelen zu Judentum gibt und das Judentum eine Rechtsschule entwickelt hat, war das Judentum ein selbstverständlicher Teil der hellenistischen Welt (vgl. S.30). Alexander war nicht nur Herrscher über Ägypten, sondern ließ sich zum Pharao krönen (vgl. S. 32). Nach seinem Tod erbten die Ptolemäer seine Herrschaft im ägyptisch-israelischen Teil. Alexandria wurde die neue Hauptstadt des hellenistischen Reiches der Ptolemäer. (vgl. S. 33) Die große Bibliothek in Alexandria und aber auch Bibliotheken an anderen Orten des Reiches zeigt eine hohe Bedeutung der Buchkultur im Hellenismus. (vgl. S. 36)

Es lebten viele Juden in Ägypten, auch nach dem Exil. Die griechische Sprache setzte sich auch im Judentum immer mehr durch. In Ägypten wurde griechisch gesprochen und geschrieben (vgl. S. 38). Die Legende erzählt, dass der heidnische König in Ägypten die griechische Übersetzung des Alten Testaments gewünscht haben soll. (vgl. S. 41). Die griechische Übersetzung des AT wurde vom König offiziell anerkannt. Das galt dem Judentum als Zeichen der Wertschätzung. (vgl. S. 48)

Die Anzahl und Reihenfolge der biblischen Schriften in der Septuaginta variiert von Ausgabe zu Ausgabe. Die Auswahl der Schriften wurde letztlich erst 1935 von Alfred Rahlfs (LXX Handausgabe) kanonisiert. (vgl. S. 50)

Die Einleitung, wie auch die jeweiligen Texterläuterungen geben einen ausführlichen überblick über die Quellenlage. Der Codex Vaticanus hat das größte Gewicht. (vgl. S. 51). Trotzdem ist die Entdeckung der Schriften in Qumran einwichtiger Grund für die Neubearbeitung der Septuaginta.

Die Aufzählung der Funde in Qumran soll ist geeignet, eine Tendenz anzudeuten, die lautet in etwas: Die LXX darf nicht gegen die hebräische Bibel ausgespielt werden. Ihr Wert ist also sehr hoch! (vgl. S. 52)

Der hebräische Text hat eine hohe Bedeutung, kommt aber immer mehr aus der Übung. So sind etwa die Psalmen sind interlinear übersetzt, also Wort um Wort, um griechisch sprechende Menschen an den hebräischen Text heranzuführen. (vgl. S. 53)

Obwohl der LXX – Text vom Hebräischen abweicht, wurde betont, dass die Autoritäten des Judentums die LXX ausdrücklich autorisiert haben. Daraus ergibt sich eine gewisse Rechtfertigungstendenz. (vgl. S. 57) Trotzdem kann man nicht einfach sagen: Septuaginta ist christlich, und der hebräische Text jüdisch, schon allein deshalb nicht, weil die Septuaginta wesentlich früher entstanden ist als das Christentum. Festzustellen lässt sich aber:  Zuerst war die eigentliche LXX, danach erfolgte eine hebraisierende Bearbeitung. (vgl. S. 61)

Das meint: 1. die LXX wurde von den Christen verwendet, 2. die innerjüdische Revision war aber offensichtlich keine Reaktion auf das Christentum da es sie schon vorher gab. (vgl. S. 62)

Aber auch von den Samaritanern gab es biblische Schriften in griechischer Sprache, auch über den Pentateuch hinaus. Die Samaritaner waren ebenfalls überall im Mittelmeerraum verbreitet. (vgl. S. 66) Von den christlichen Bearbeitungen ist wohl die lukianische am wichtigsten, da sie in einzelnen Schriftproben durch Funde in Qumran bestätigt wurde. (vgl. S. 71)

Im Schlussteil der Einleitung geht es wiederum um die Entstehung der Septuaginta in zwei Phasen. Hier wird konkret gesagt, dass die erste Version von Alexandria ausging und die zweite, spätere von Palästina/Jerusalem. (vgl. S. 75) Der zweite Teil orientierte den Text wieder mehr an der hebräischen Bibel.

Sirach 38/39 (Jesus  Sirach 38,34 a 39,1) werden die Teile der Septuaginta und die Reihenfolge aufgeführt: Gesetz, Weisheit und Weissagungen. (vgl. S. 76)

Qumran ist ein Beleg dafür, dass die Septuaginta im Judentum anerkannt und verbreitet war. (vgl. S. 79) dies gilt wohl auch über die Entstehungszeit des Christentums hinaus. In den hebräisch orientierten Ausgaben wird der Gottesname als Tetragramm geschrieben. Dies deutet auf jüdische Varianten der Septuaginta, auch gleichzeitig mit der christlichen Verwendung. (vgl. S. 80) Erst gegen Ende der Antike wurde der hebräische Bibeltext in den Synagogengemeinden ausschließlich verwendet. (vgl. S. 82) Diese Beobachtung der gleichzeigten Verwendung der Septuaginta im Christentum wie im Judentum bestätigt die Vermutung, dass das Christentum und das Judentum eine Zeitlang sehr friedlich nebeneinander lebten. Das heißt ja auf die Eingangsfrage bezogen, dass einige griechisch sprechenden Juden zum christlichen Glauben übertraten und andere sich der Synagogengemeinde anschlossen. Es wird aber auch deutlich, dass das Christentum ohne das Alte Testament undenkbar wäre.

 

4.1 Psalmoi / Das Buch der Psalmen, Eberhard Bons/ Ralph Brucker (S. 333 – 353)

 

Der hebräische Urtext wird Wort für Wort übersetzt, was z. T. im Griechischen ungewöhnlich klingen mag. (vgl. S. 343)

Bemerkenswerte Umwandlung der Gottesvorstellung von sprachlichen Bildern wie Fels, Burg usw. zu menschlichen Eigenschaften. (vgl. S. 348)

Die Tendenz zum Monotheismus lässt sich an einigen Übersetzungsinhalten ablesen. Psalm 82 heißt jetzt zu Beginn: „Gott wer kann mit dir verglichen werden.“ (vgl. S. 349)

Die Psalmen werden im NT sehr oft zitiert. (vgl. S. 350)

Die Psalmen sind vom 2. Jahrhundert an das Gebetbuch der Kirche. (vgl. S. 352)

Jedes Kapitel endet mit weiteren Perspektiven für die Forschung. Die Psalmen sind wohl da ein gutes Beispiel. Gerade der Einfluss der Septuagintapsalmen auf Kirche ist weitestgehend noch unerforscht. (vgl. S. 353)

 

5.2 Ekklasiastes/ Kohelet/ Der Prediger Salomo, Peter J. Gentry (mit Yun-Yeong-Yi) (S. 389 – 397)

 

Jeder Artikel geht ausführlich auf die Textausgaben und Quellen ein. Dazu werden die aktuellen kritischen Ausgaben genannt. (vgl. S. 390)

 

5.3 Asma/ Canticum Canticorum/ Das Hohelied, Eva Schulz-Flügel (S. 398 – 406)

 

In einigen Fällen wie dem Hohenlied begünstigte die griechische Übersetzung eine allegorische Bibelauslegung im Judentum wie später auch in der Kirche. (vgl. S. 404)

 

5.4 Job/ Das Buch Ijob/ Hiob, Markus Witte (S. 407 – 421)

Siehe im Text oben

 

5.5 Sophia Solomonos/ Sapientia Salomonis/ Weisheit Salomos, Helmut Engel (S. 422 – 436)

 

Das Buch Weisheit ist in griechischer Sprache verfasst, aber in hebräischer Lyrik. Das Zitat gibt eine gute Beschreibung dieser Stilmittel. (S. 425)

Stil und Inhalt entsprechen sich. Gegenüberstellungen führen zu dem bekannten Dualismus gut und böse. … Zwei Kulturen, die sich ergänzen und in einer Person zusammengehören. (vgl. S. 427)

Es geht weniger um Riten und Speisegebote, als um die Gebote und um die Verehrung des einen Gottes. … Soll zeigen: Die klassischen Werte der griechischen Philosophie von Gerechtigkeit bis Freundschaft finden sich auch in der jüdischen Religion. Das will die Weisheit darstellen und schlägt damit eine Brücke zwischen Judentum und Hellenismus. (vgl. S. 428)

Die Zielgruppe umfasst Juden und Jüdinnen, die sich sowohl in der Philosophie auskannten, als auch die sprachlichen und rhetorischen Darstellungen der Bibel und der jüdischen Traditionen kannten. … Anknüpfungspunkte für das Neue Testament und die Kirche gibt es genügend, wie z. B.

1.7 „Geist des Herrn“ in den Pfingstliedern

2.10 – 20 Jesus in Passion und Auferweckung als der leidende Gerechte

3, 1-9 bekannt als Begräbnislesung

11,17 – 12,2 Gott in Allmacht, Liebe und Gerechtigkeit

18, 6-9 „Diese Nacht“ Ostern (vgl. S. 435)

 

 

 

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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