Gottes Wege sind unerforschlich – oder? Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2016

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Zu: Jonas Jonasson: Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind, aus dem Schwedischen übersetzt von Wibke Kuhn, Carl’s books, München 2016, ISBN 9783570585627, Hardcover, Preis 19,99 Euro

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Das dritte Buch von Jonas Jonasson steht in Deutschland, nachdem es im April 2016 spontan auf Platz 1 kam, nach fast einem halben Jahr immerhin noch auf Platz 9 der SPIEGEL-Bestsellerliste. Die oft überraschende Komik, die knappe, oft holzschnittartige Charakterisierung der Akteure, die an einen Comic denken lässt und die absolut vielseitige Erzähltechnik sorgen für genügend Spannung, ausreichend Unterhaltung mit Witz und zugleich für inhaltlichen Tiefgang. Anmerkung: Das Hörbuch ist von Jürgen von der Lippe gelesen und würde mich daher auch interessieren, da er für mich einen ähnlichen Stil verkörpert.

Zunächst möchte ich einige Sätze aus dem abschließenden Nachwort zitieren, das mit „Danksagung“ überschrieben ist. Dort heißt es nach der Nennung von Verleger und Lektoren, Freunde, Verwandte und Agenten, die das Buchprojekt unterstützt haben, nach der Erwähnung von „Ärzte ohne Grenzen“: „Von all denen, die nicht mehr namentlich auf diese Dankesseite passen, möchte ich insbesondere Gott nennen.“ (S. 348). Dass Gott in diesem Buch recht oft vorkommt, ist mir beim Lesen ziemlich schnell aufgefallen und ich habe mir eine ganze Reihe von Notizzetteln geschrieben, in denen entweder etwas über die Kirche gesagt wird, ein Bibelwort vorkommt oder von Gott die Rede ist. Doch gerade diese Zettel jetzt aufzuzählen würde einer Inhaltsangabe gleichkommen, auf die ich lieber verzichten möchte, um dem situativen Witz nicht vorzugreifen, der die Lektüre der Bücher von Jonas Jonasson immer so unterhaltsam macht.

Doch das ist für mich als evangelischem Pfarrer ein tolles Phänomen, dass es dem Autor gelungen ist, ein kurzweiliges und zugleich wichtiges Buch zu schreiben, dass wieder ein schweres Thema leicht serviert. Im Nachwort heißt es darum auch: „Ich finde auch, er (Gott) könnte mal ein bisschen mehr daran arbeiten, dass seine eifrigsten Fans ihn nicht immer so schrecklich ernst nehmen. Damit wir alle anfangen, ein bisschen netter zueinander zu sein, und damit wir Grund haben, öfter zu lachen als zu weinen.“ (S. 349)

Die Kirchengeschichte, die hier erzählt wird, braucht einen Kontrastpartner, um lebendig zu wirken, und das, wie es der Titel schon andeutet, die Unterwelt. Die ehemalige Pfarrerin Johanna Kjellander benötigt nach dem Rauswurf aus ihrer alten Gemeinde einen Neuanfang. Was passt dazu besser als der Rezeptionist eines Hotels, das früher ein Bordell war und Mörder-Anders, der eigentlich Johanns Andersson heißt. Die drei schließen sich zu einer Art Gang zusammen, um auch im finanziellen Interesse etwas Neues auf die Beine zu stellen, wobei ihnen ein Autoschieberehepaar, genannt Graf und Gräfin, in die Quere kommt.

Die Aktion, die die Gang auf die Beine stellt, ist durch Bibelzitate unterlegt, die aber nicht immer ganz glaubenskonform ausgelegt werden. Das Verrückte daran ist, dass es nicht nur zum Humor beiträgt, sondern dass es auch erfolgreich ist. Das Prinzip der Unternehmung lautet: „Geben ist seliger als Nehmen.“

Dieses Prinzip wirkt tatsächlich verstörend und löst einige Schießereien aus. Spannung, Humor und eine interessante Folge von Szenen werden inhaltlich mit Glaubensfragen unterfüttert. So entsteht ein interessantes und lesenswertes Buch, das mit der Frage spielt, was Kirche heute sein könnte.

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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