Magazin theomag.de 103 erschienen – Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

luther

Ende dieses Monats beginnt jenes Geschehen, dem der Protestantismus angeblich seit 10 Jahren entgegenfiebert: das einjährige Jubiläumsfest zum 500-jährigen Jubiläum des Thesenanschlags in Wittenberg. Und wie kürzlich beim Besuch in Wittenberg hat man das Gefühl, dass die Evangelische Kirche diesem besonderen Ereignis eher entgegenstolpert, als dass sie der Welt zeigen würde, was Evangelisch-Sein heute bedeuten könnte. In der Stadt Wittenberg jedenfalls war zwar die Fußgängerzone touristisch weitgehend hergerichtet, das Schloss aber noch deutlich im Renovierungsstadium und auch das Lutherhaus wegen Renovierung nicht zugänglich. Die Bilder-Ausstellung im Augusteum war eher konventionell und kaum bewegend, das Melanchthonhaus wenig überzeugend (mit zu viel Plastikcharme), die Cranach-Werkstätten historisierend, aber nicht wirklich inspirierend.

Das Erschreckendste aber war, dass die Besuchergruppen, die durch Wittenberg eilten, einen Altersschnitt deutlich über 65 Jahre hatten. Nur im Augusteum wurde eine Mittelschul-Klasse durch die Bilder-Ausstellung geleitet. Ich fürchte, so muss man sich auch das Luther-Jubiläum vorstellen. Aber vielleicht wird man ja auch in Kürze angenehm enttäuscht. Warten wir es ab, Ende Oktober wissen wir mehr.

Das aktuelle Heft des Magazins für Kunst, Kultur, Theologie und Ästhetik (Ausgabe 103) widmet sich der Kirchenmusik. Und Kirchenmusik, das wird schnell klar, ist mehr als die sonntägliche Gottesdienstbegleitung. Im vorliegenden Heft verstehen wir darunter im weitesten Sinne alles, was sich musikalisch mit der Kirche verbindet.

Der Hauptteil VIEW besteht zunächst einmal aus einem grundlegenden Essay zum Thema von Wolfgang Vögele. Darüber hinaus gibt es Reflexionen zum Thema Kirchenmusik und Reformation von Harald Schroeter-Wittke, der Erschließung eines sozusagen kirchenmusikpolitisch bedeutsamen Gemäldes von Andreas Mertin und der Analyse eines kirchenkritischen Musikstücks und Musikvideos von Prisca Frey. Darüber hinaus gibt es noch Texte von Harald Schroeter-Wittke zur Kirchenmusikkritik und zur Weihnachtsmusik und die Vorstellung eines mittelalterlichen Graduale durch Andreas Mertin. Und last but not least Notizen von Hans-Jürgen Benedict zum konkret erfahrenen Schönheitsglück in Venedig.

Unter RE-VIEW finden Sie einen Kommentar und Buchhinweise von Andreas Mertin und zwei Rezensionen von Hans-Jürgen Benedict.

Unter POST finden Sie wie gewohnt die Notizen von Andreas Mertin zu Themen der letzten zwei Monate und Vorstellungen von Kurzfilmen, Beobachtungen zur aktuellen Ikonographie des Religiösen und zum fortdauernden Antijudaismus.

Wir wünschen eine angenehme und erkenntnisreiche Lektüre!

Andreas Mertin, Jörg Herrmann, Horst Schwebel und Wolfgang Vögele

 

Für die nächste Zeit sind folgende Themenausgaben geplant:

Heft 104 heißt Mit Kunst …?

Heft 105 trägt den Titel Das Bild in den Religionen

Heft 106 setzt sich mit Outsiderkunst auseinander

Heft 107 feiert 100 Jahre Ready-Mades

Heft 108 hat Die documenta in Kassel im Blick

Heft 109 widmet sich dem Phänomen der Idolatrie

Heft 110 wirft einen Blick auf das dann zurückliegende Reformationsjubiläum

Leserinnen und Leser, die Beiträge zu einzelnen Heften einreichen wollen, werden gebeten, sich mit der Redaktion in Verbindung zu setzen.

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

Kommentar verfassen