Hinweis: Martin Luthers Hexenpredigten aufgelegt, Hartmut Hegeler, Unna 2016

Erstmalig hat Hartmut Hegeler zum Reformationsjubiläum ein Lesebuch zu Predigten, Vorlesungen, Tischreden von Martin Luther zum Thema Hexen aufgelegt.

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Von Luther sind mehr als 30 Hexenpredigten überliefert. Martin Luther glaubte an die Existenz von Hexen und forderte entschieden deren Verfolgung und Hinrichtung, wenn auch mit Einschränkungen. Z.B. hatte Luther Zweifel an einer Unzucht mit dem Teufel oder eines Fluges zum Hexensabbat. Die Sünde der Zauberei, d.h. sich auf Hexerei einzulassen, hielt er hauptsächlich als Verstoß gegen das 1. Gebot. Die Aussage des Alten Testament ́Die Zauberinnen sollst du nicht am Leben lassen` (2. Mose 22, 17) hatte für ihn Gültigkeit. 1526 hielt Luther eine eindeutige Hexenpredigt über diesen Bibeltext. 
Aussagen von Luther und Calvin über Hexerei bzw. Zauberei finden sich bis heute im Kleinen Katechismus von Luther (Erklärung zu den Zehn Geboten, Das zweite Gebot) und im reformierten Heidelberger Katechismus. Die weltliche Obrigkeit wurde von Luther ausdrücklich dazu aufgefordert, die angeblichen Hexen schärfer zu bestrafen. Regierende in lutherischen Fürstentümern und Städten, Juristen und Theologen sind ihm darin gefolgt. In der Folge führten viele Fürsten, Territorien und Städte umfangreiche Hexenverfolgungen durch (auch in Reichsabteien wie dem Kloster Loccum). Vielerorts brachten Theologen durch ihre Argumentation Hexenverfolgungen in Gang. In Hexenpredigten schürten sie die Hexenangst und riefen zur Verfolgung von Hexen auf. Von einer alleinigen Verantwortung der Kirchen für Entstehung und Durchführung der Hexenprozesse kann nicht gesprochen werden, doch durch ihre Verkündigung trugen die Kirchen Mitverantwortung für die Entstehung und Beförderung der Hexenverfolgung. Viele Menschen heutzutage sind schockiert, wenn sie von Luthers Predigten zur Hexenverfolgung lesen, und können nicht mehr nachvollziehen, dass im Namen des Evangeliums unendliches Leid über viele Unschuldige und ihre Familien gebracht worden ist. Luthers Haltung zu Hexenverbrennungen wird heute zu Recht als Belege einer todbringenden Intoleranz und als dunkle Schatten der Reformation erkannt (so Dr. h.c. Nikolaus Schneider, Vorsitzender des Rates der EKD, in: „Reformation und Toleranz“)
Luther forderte nicht nur die Tötung der Hexen, sondern auch mehrfach deren Folter und Feuertod, und das nicht nur für Schadenszauber, sondern auch, weil sie Umgang mit dem Teufel haben, ohne jeglichen Schaden anzurichten. Haustein erwähnt „die enorme Vergrößerung des Kreises der potentiellen Angeklagten durch die Kriminalisierung des Aberglaubens“, was „ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu den epidemischen Hexenverfolgungen der kommenden Jahrzehnte“ gewesen sei. (Jörg Haustein: Martin Luthers Stellung zum Zauber- und Hexenwesen, Dissertation, 1990, S. 12)
http://www.heftrich-evangelisch.de/geschichte-geschichten/hexenverfolgung/

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Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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