Kunstraub in Düsseldorf, Notiz und Rezension, Christoph Fleischer, Welver 2017

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SPOT ON: 1937. Die Aktion „Entartete Kunst“ in Düsseldorf, 14.07.2017 bis Sommer 2018.

Ausstellung im Museum Kunstpalast Düsseldorf, mit gleichnamiger Broschüre, 60 Seiten mit farbigen Abbildungen, Herausgeber und Verlag: Stiftung Kunstpalast Düsseldort, 2017, Preis: 9,80 Euro www.smkp.de.

Die in dieser Notiz verwendeten Abbildungen sind für Pressearbeit freigegeben worden.

Foto: Wanderausstellung „Entartete Kunst“ in Düsseldorf 1937

„In den Kunstsammlungen der Stadt Düsseldorf wurden 1937 über 1000 Kunstwerke beschlagnahmt. Wenige Werke sind heute wieder im Bestand des Museums Kunstplast, der weitaus größere Teil ist verschollen oder zerstört, einige Werke befinden sich in anderen Sammlungen.“ (Programm Kunstpalast, Juli – September 2017, S. 13)

Die Ausstellungsreihe Spot ON hat sich zum Ziel gesetzt ausgewählte Werke des Kunstpalasts in ihrer Werkgeschichte zu präsentieren. Die hier vorgestellte Ausstellung erinnert an die Aktion „Entartete Kunst“, die als Wanderausstellung der Nazi-Propaganda gegen moderne Kunst richtete. Hierbei sind in Düsseldorf über 1000 Gemälde oder Zeichnungen geraubt worden. Auch wenn nur wenige von ihnen nach Düsseldorf zurückgekommen sind, so kann man exemplarisch an diesen beispielhaft die Geschichte des Expressionismus als Opfer der Nazi-Diktatur in Deutschland verfolgen.

In dieser hierzu vorgelegten Broschüre wird die Aktion „Entartete Kunst“ in Düsseldorf vorgestellt, die auf mehrere Ausstellungsstätten verteilt war. Die Ausstellungsorte waren in Düsseldorf in eine Kooperation zusammengeführt worden, den „Kunstsammlungen der Stadt Düsseldorf“. Der Leiter Walter Cohen wurde 1933 als Jude diffamiert, fiel unter die Rassegesetze, kam später in ein Konzentrationslager, in dem er 1942 starb, Sein Nachfolger Hupp war Nationalsozialist, wollte aber zunächst die Werke des Expressionismus retten, die er in der neugegründeten „Galerie der Neuzeit“ in der „Kunsthalle Düsseldorf“ unterbracht hat.

Die Ausstellung war Mitte 1938 in Düsseldorf zu Gast. Der Ausstellungskatalog schildert die Beschlagnahme der Bilder im Lauf der Aktion „Entartete Kunst“. In der Broschüre werden a Ende auf 10 Seiten sämtliche aus Düsseldorf entwendeten Kunstwerke aufgeführt alphabetisch nach Künstlernamen geordnet. Die Bilder, die wieder auf Umwege in den Bestand des Kunstpalasts zurückgekommen sind, werden in der SPOT ON Ausstellung gezeigt und ausführlich deren Geschichte dokumentiert. Eine Ausnahme bildet das Bild „Drei Badende“ von Ernst Ludwig Kirchner, das auch zu den beschlagnahmten Werken zählt, aber hier nur als Leihgabe bis zum 15.10.2017 zur Verfügung steht. Es gehört heute der „Art Gallery New South Wales in Sydney“, Australien.

Beispielhaft sind hier folgende Bilder dokumentiert:

Bildnis des Malers Franz Radziwill. 1928
Otto Dix, Bildnis des Malers Franz Radziwill, 1928, Öl/Pappe auf Sperrholz, 80 x 60 cm, Museum Kunstpalast, Düsseldorf (nach der Beschlagnahme in der Ausstellung „Entartete Kunst“ präsentiert, 1958 vom Museum zurückerworben) © VG Bild-Kunst, Bonn 2017 / Foto: Museum Kunstpalast – ARTOTHEK

Otto Dix, Bildnis Frau Johanna Ey, 1921, Bleistift, 62,5 x 45,3 cm, Museum Kunstpalast, Düsseldorf © VG Bild-Kunst, Bonn 2017 / Museum Kunstpalast – Horst Kolberg – ARTOTHEK

Hinweis:  1937 in Düsseldorf beschlagnahmt, 1955 vom Museum zurückerworben

Anmerkung: die Beschäftigung mit dieser diffamierenden Aktion gegen Künstler und Sammler ist insofern nicht nur historisch wichtig, weil es auch heute  Beispiele dazu gibt. So wurde kürzlich eine Stele in Kassel, die an die Flucht auf der Erde erinnert, als „entstellte Kunst“ bezeichnet.

Link zu einer Pressenotiz: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/documenta-afd-nennt-kunstwerk-von-olu-oguibe-entstellte-kunst-a-1163271.html

 

 

 

 

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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