Lektüre des Korans lernen, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2017

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Nicolai Sinai: Der Koran, Eine Einführung, Reclam Taschenbuch Nr. 20481, Reclam-Verlag, Stuttgart 2017, ISBN: 978-3-15-020481-8, Preis: 8,95 Euro

Der Koran ist in der Tat schwer zu lesen, da er weder eine Erzählung enthüllt noch inhaltlich einer systematischen Linie folgt. Trotzdem zeigt der Islam-Experte und Professor in Oxford Nicolai Sinai Möglichkeiten auf, nach welchen formalen und inhaltlichen Kriterien eine Lektüre des Korans möglich ist. Er folgt dabei der Koranexegese von Angelika Neuwirth (Berlin), mit der er bereits in Berlin zusammengearbeitet hat.

Diese Koranexegese ist allerdings mit der üblichen islamischen nicht zu vergleichen. Man könnte sie als historisch-kritische Exegese bezeichnen, die ja auch in der Bibelwissenschaft im Gegensatz zu fundamentalistischen Leseansätzen steht.

Konkret: Der Koran ist erwiesenermaßen im 7. Jahrhundert entstanden, aber die Geschichte Mohammeds kommt in ihm nicht vor. Der Koran enthält keine ausdrücklichen Informationen zu Mohammed. Interessant ist auch die sprachliche Gestalt, in der Arabisch und Aramäisch ineinander übergehen.

Nicolai Sinai findet christliche Bilder in Mekka. Auch die Einteilung der Suren der Länge nach soll christlich-syrischen Parallelen entsprechen. Zusammengefasst geht es dem Koran in erster Linie um Gottes Souveränität.

Der Koran ist trotz des Fehlens biografischer Bezüge als Mitteilung Mohammeds überliefert und unzweifelhaft Mohammeds Botschaft. Er enthält die Worte Mohammeds in Form und Inhalt. Es kann kurz gesagt insgesamt geschlossen werden, dass der Koran dem Christentum näher steht, als das die islamische Mohammed-Überlieferungen mitteilen, mit denen dieser Text üblicherweise interpretiert wird.

Dieses Buch ist in Kürze eine wertvolle Hilfe zu Lektüre und Auslegung des Korans.

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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