Cannabis light? Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2018

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Franjo Grotenhermen: CBD, Ein Cannabidiol mit Potential, Nachtschatten Verlag, CH-Solothurn 2017,

Taschenbuch, 90 Seiten, ISBN: 978-3-03788-537-6, Preis: 9,90 Euro, Info unter: www.nachtschatten.ch

Es ist schon bezeichnend für die momentane Lage, dass der Facharzt für medizinische Cannabis-Therapie Dr. Franjo Grotenhermen (www.dr-grotenhermen.de) sein Buch über das vergleichsweise harmlose CBD in der Schweiz herausbringen muss. Sicher auch, weil der Nachtschatten Verlag auf Literatur rund um Cannabis spezialisiert ist.

Das Buch ist ausführlich recherchiert und begründet, worauf auch das sehr umfangreiche Literaturverzeichnis hindeutet (18 Seiten).

Im ersten Kapitel werden diverse Darreichungsformen von CBD (Cannabidiol) erklärt. Schwache, freiverkäufliche CBD-Formen wie Öl oder Tee. Als Medikament wird CBD nicht von den Krankenkassen anerkannt, und ist seit 2016 verschreibungspflichtig. Allerdings machen im Gegensatz zu medizinischem Cannabis (mit THC), CBD-Produkte nicht süchtig, ja sie können sogar die Nebenwirkungen des THC abschwächen.

(In einem Vortrag am Klinikum Soest, der vom leitenden Arzt der hiesigen psychiatrischen Klinik gehalten wurde, wurde CBD als unwirksam bezeichnet, wogegen einigen Besucherinnen protestierten. D. Rez.)

Im 2. Kapitel werden die Inhaltsstoffe von medizinischem Cannabis und CBD miteinander verglichen.

Im 3. Kapitel, dem Hauptteil, werden unterschiedliche Diagnosen aufgeführt und es wird gezeigt, wofür CBD dabei geeignet ist.

Da CBD-Öl und ähnliche Präparate können aus Hanfblüten gewonnen werden, sind faktisch ohne Nebenwirkungen und können die Nebenwirkungen von (medizinischem) Cannabis und anderen Suchtmitteln wie Alkohol abschwächen. Im Gegensatz zu medizinischem Cannabis wird durch CBD keine Sucht ausgelöst.

Die Argumentation von Franjo Grotenhermen ist fachwissenschaftlich fundiert, da er Studien anerkannter medizinischer Institute präsentiert. Dabei ist mir allerdings aufgefallen, dass sehr oft über Tierversuche berichtet wird. Die Argumentation soll an einem konkreten Beispiel dargestellt werden, der Multiplen Sklerose. Der Abschnitt ist überschrieben mit: „Nervenschutz und Multiple Sklerose“ (S. 35 – 37).

Versuche mit Ratten beweisen die Stärkung der Nervensubstanz durch CBD. In Brasilien wurde CBD erfolgreich gegen Morbus Parkinson angewandt. In Kentucky (USA) wurde gezeigt, dass CBD über die Haut aufgenommen wird. Dabei wurden durch Alkoholmissbrauch entstandene Nervenschäden reduziert. In Messina (Italien) hat ein Ärzteteam an MS geforscht. Die Mäuse wurden erst mit CBD-Salbe behandelt, wodurch die Nervenleistung verbessert wurde.

In Folge der fachwissenschaftlichen Orientierung klingt die Argumentation teilweise zu sehr durch Wissenschaftssprache geprägt, so dass die Laien kaum nachvollziehen können. An einer Stelle wird z. B. von einem „PI3K/AKT/m-TOR-Signalweg“ gesprochen, was allerdings kurz erläutert wird. Was allerdings auch für medizinische Laien einleuchtend ist, ist die Aussage, dass CBD „eine deutliche Abnahme der Entzündungswerte im Blut“ bewirkt (S. 37).

Im 4. Kapitel werden Wechselwirkungen mit THC (im Haschisch), mit anderen Medikamenten und mögliche Nebenwirkungen erläutert. Es gibt normalerweise keine Nebenwirkungen, allerdings kann es Probleme in der Schwangerschaft geben und es gibt keine sicheren Aussagen gegenüber den Folgen von CBD für die genetische Substanz und das Immunsystem.

In einem Tierversuch mit Fischen ist eine Schwächung des Gedächtnisses festgestellt worden, die aber durch die Gabe von Koffein abgemildert wurde. Im Fall der Konsequenzen dieses Tierversuchs meint der Autor, darauf hinweisen zu sollen, dass die Auswirkungen von Tierversuchen auf den Menschen nicht erforscht sind.

Leider ist CBD noch weitgehend im Versuchsstadium. So bleibt die Frage nach den Auswirkungen auf den Menschen dem Selbstversuch vorbehalten. Mich fasziniert die suchtfreie Wirkung des Cannabidiol, wobei ich davon selbstverständlich kein Wunder erwarte. Immerhin ist es eine sinnvolle Begleitmedizin zum medizinischen Cannabis, da es dessen Nebenwirkungen abschwächen kann.

 

 

 

 

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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