Eine persönliche Klinik-Katastrophe, Notiz von Christoph Fleischer, Welver 2018

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Journalismus lebt ja bekanntlich davon, dass Stimmungen und Ereignisse an aktuellen Fragen erörtert werden. Der Text ist dann aktuell wie interessant, sachkundig wie berührend. Ich gebe zu, dass ich sonst solche Texte kaum schreibe, sondern mich eher auf Büchervorstellungen beschränke, von wenigen Dingen abgesehen. Doch diese Schilderung ist es vielleicht wert, persönlich-ethisch, wie auch politisch bedacht zu werden. Dabei warne ich nach wie vor davor, immer gleich zu sagen, was richtig oder falsch ist.

Eine Information vorweg: Meine Frau ist Kassenpatientin, bei der Knappschaft versichert, nimmt aber im Krankenhaus gern ein Zweibettzimmer. Wir finanzieren den Aufenthalt dann privat, bekommen einen Teil von der Beihilfe zurück, meist so um 50 %.

Wegen starker Rückenschmerzen hat sich meine Frau eine Überweisung zur Radiologie vom Hausarzt bestellt, bei dem sie die Woche vorher eine ambulante Kortison-Therapie erhalten hat. Wir packen die Hunde ins Auto, Chihuahuas, die dann in ihrem Körbchen bleiben, den elektrischen Rollstuhl in den Kofferraum und fahren los. Schon während der Fahrt dachte ich so bei mir, ob es nicht etwas zu wagemutig ist, für den gleichen Tag ein MRT bekommen zu wollen. Aber egal, es musste sein.

Ich entschied mich dafür, das Klinikum Stadt Soest anzufahren und die Einfahrt für Liegendkranke zu benutzen. Ein Parkplatz für die Notaufnahme war noch frei. Wir fahren mit dem Rollstuhl zunächst zu Radiologie-Nuklearmedizin, um festzustellen, dass diese Abteilung nicht für uns zuständig war. Wir mussten die radiologische Praxis besuchen. Der dortige Arzt, der zufällig gerade bei der Sprechstundenhilfe stand, erklärte uns, dass der nächste Termin in sechs Wochen frei sei. Ich kam meiner Frau zuvor, indem ich fragte: „Und stationär?“ „Dann kommen sie vielleicht schon am selben Tag dran.“

Vor der Notaufnahme des Klinikums erläuterten wir nun zum dritten Mal unser Anliegen und fragten zugleich nach der Neurologie. Nachdem die Mitarbeiterin die Karte von der Knappschaft eingelesen hatte, sagte sie: „Ich würde sie ja gern aufnehmen, aber es geht nicht. Wir haben keine Betten frei.“ Meine Frau: „Ich möchte ein Zweibettzimmer.“ „Das ist etwas anderes.“ Nach einer kurzen Wartezeit: „Bitte melden sie sich bei der Neurologie und kommen danach hierher zur Aufnahme.“

Die Neurologie ist im Erdgeschoss nur über den Flur der Gefäßchirurgie und Kardiologie zu erreichen. An der Tür ein Schild: „Die Station darf nur nach vorheriger Anmeldung betreten werden.“ In dem Moment kam schon eine Schwester heraus und sagte: „Sie dürfen hier nicht rein. Hier sind Norovieren. Die Station ist gesperrt.“ Ich sagte: „Wir wollen zur Neurologie. Wir werden dort erwartet.“ So haben wir Hygienekittel angezogen und sind dadurch. Der Neurologe hat die Überweisung zum MRT in Empfang genommen und uns nach einem kurzen Gespräch zurück zur Aufnahme geschickt.

Die Aufnahmeprozedur ging nun recht zügig vonstatten. Wir sind noch eben mit einem Gutschein in die Cafeteria gegangen. Dann bin ich nach Hause gefahren, um die Krankenhaustasche zu packen. Ich bin zurück gefahren und hatte danach einen dienstlichen Termin, ebenso am nächsten Morgen. Als ich am Freitag Mittag in Krankenhaus kam, war das Bett leer. Dann bin ich nach Hause gefahren. Meine Frau berichtete mir schon telefonisch und später auch mündlich, dass sie um 12 Uhr zum MRT gekommen ist und dass das etwas bis 14 Uhr gedauert hat.

Als ich am späten Nachmittag nach Hause fuhr, wusste ich nicht, dass ich meine Frau am nächsten Tag schon aus dem Krankenhaus abholen würde. Der Radiologe hatte zwar noch kurz nach der Untersuchung mit dem MRT mit ihr darüber gesprochen, was meine Frau aber noch im Halbschlaf mitbekommen hat, da sie beim MRT immer eine leichte Betäubung wünscht. Ein weiteres Arztgespräch, etwas mit den Stationsärzten der Neurologie hat nicht stattgefunden. Der Chefarzt der Neurologie ist nicht zu ihr hereingekommen, da sie, wie die Stationsleitung sagte, ja keine Privatpatientin sein. Nachdem auch am nächsten Morgen kein Arztkontakt geschehen war, habe ich eigenmächtig aber in ihren Sinn entschieden, sie auf eigenen Wunsch aus der Klinik zu holen, nach dem mir meine Frau sagte, von der Station hieß es, dass die Neurologen am Wochenende nicht zur Visite auf die Station kämen.

Ich bin am Samstag direkt in das Aufnahmebüro: „Ich möchte meine Frau nach Hause holen und abmelden.“ Die Büroangestellte sagte: „Das ist dann aber gegen ärztlichen Rat.“ Damit war ich einverstanden. Danach bin ich kurz in die Radiologie, um mir eine MRT-DVD brennen zu lassen. Die Mitarbeiterin war verständnisvoll, riet mir aber noch mit der Station darüber zu sprechen.

Ich ging zur Station und sagte meiner Frau: „Ich habe dich abgemeldet.“ Die Stationsleitung, der ich davon berichtet hatte, sagte noch: „Warten Sie einen Moment, der Arzt kommt in fünf Minuten.“ Ich dachte: Erstaunlich. Wenn ein Patient wartet, kommt kein Arzt, und wenn er sich abmeldete in fünf Minuten.

Wir entschieden uns jedenfalls für dieses Mal die Klinik etwas frustriert zu verlassen, weil kein Ergebnis feststand. Aber da kein Arzt auftauchte hätte man ins Ungewisse hinein einfach noch ein paar Tage stationär liegen müssen, ohne zu wissen, warum. Das wäre uns als reine Kassenpatienten alles nicht passiert, aber dann hätten wir auch kein MRT bekommen.

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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