Neuer Blick auf die Pilze, Rezension, Angelika Fleischer, Spenge 2018

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Robert Hofrichter: Das geheimnisvolle Leben der Pilze, Die faszinierenden Wunder einer verborgenen Welt, Gütersloher Verlagshaus, 2. Auflage 2017, ISBN 978-579-08676-7, Preis: 19,99 Euro

Das geheimnisvolle Leben der Pilze von Robert Hofrichter

Der Autor Robert Hofrichter (geb. 1957) ist ein österreichischer Zoologe, Biologe, Naturschützer, Journalist und Naturfotograph, der sich für die faszinierende Welt der Pilze im Untergrund seit seiner Kindheit interessiert und den das Thema in all den Jahren nicht losgelassen hat, so ließt man es auf dem Buchdeckel.

Dieses Pilzbuch ist anders, als die vielen Bestimmungsbücher, die man in den Buchläden findet. Es beschäftigt sich sehr ausführlich mit dem Leben der Pilze, der dritten großen Ausprägung höheren Lebens, neben Pflanzen und Tieren.

Man durchstreift mit dem Autor die Wälder auf der Suche nach den Formen, dem Vorkommen, der Historie, dem Zusammenspiel mit Pflanzen und Tieren und deren gegenseitiger Abhängigkeit.

Pilze sind nicht nur die Fruchtkörper, wie wir sie im Wald finden und sammeln, um diese zu leckeren Speisen zu verarbeiten, sondern das unterirdisch wachsende Myzel, welches riesige Ausmaße einnehmen kann, z.B. ein Dunkler Hallimasch im Schweizer Nationalpark mit einer Fläche von 500 x 800 Metern. Die dritte Lebensstufe sind die Sporen, die sich auf dem Weg durch die Luft, das Wasser oder durch Lebewesen verbreiten kann. Wie bei Pflanzen und Tieren gibt es eingewanderte Pilzarten aus Regionen weltweit, auf die man sich einstellen muss.

Sehr aktuell wird auf das Wachstum von Pilzen in radioaktiv verseuchten Böden hingewiesen und ihnen beider Umwandlung dieser Stoffe in Energie eine Bedeutung zugewiesen.

Pilze leben auch in der Wüste, also an Extremstandorten.

Diese Aspekte sind nur in einem kurzen Absatz beschrieben, aber dem sollte man sich noch genauer widmen.

Wir erfahren vom Aufbau des Myzels (Endo-, Ektomykorrhiza) und der Bedeutung für bestimmte Baumarten und den dazugehörigen Pilzarten. Baumwurzeln werden durch die Mykorrhiza im Erdreich verlängert und bekommen Wasser und Nährstoffe geliefert.

Es wird von möglichen Ursachen für neue Lebensräume und Verbreitungen von Pilzarten geschrieben und dass längst noch nicht alles darüber erforscht ist. Der Pilzsammler muss sich auf neue Arten einstellen, die den gewohnten täuschend ähnlich sehen, aber eventuell Vergiftungen verursachen können.

Wir lernen etwas über die Giftigkeit und das Gift in Pilzen und dass man unbedingt mit alten Mythen aufräumen muss, da die Wissenschaft in den letzten 20 Jahren sehr viel weiter gekommen ist und neue Erkenntnisse erlangt hat. Dieser Bereich wird sehr ausführlich beschrieben und am Ende traut man sich fast nicht mehr, im Wald Pilze zu suchen.

Vom Ötzi und dem Inhalt seiner Taschen liest lesen wir. Den Zunderschwamm hatte er bei sich um Feuer zu machen und den Birkenporling, dem Heilkräfte bei Magenbeschwerden zugeschrieben werden.

Dieses Buch ist keine wissenschaftliche Abhandlung, aber so interessant geschrieben, dass man danach die Welt mit anderen Augen, aus der Sicht der Pilze sieht und man wird angeregt, noch mehr darüber zu erfahren.

Fotos vom Birkenporling:

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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