Sei gesegnet! Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2018

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Giannina Wedde: In deiner Weite lass mich Atem holen, Segensworte für die Lebensreise, Vier-Türme-Verlag, Münsterschwarzach 2018, gebunden, 203 Seiten, ISBN: 978-3-7365-0136-2, Preis: 19,00 Euro

Nach ihrem Gedichtband „Dorn der Liebe“ (Echter Verlag, 2015) erscheint nun das zweite Buch der Berliner Autorin in religiöser Orientierung. Früher war sie mal als Kabarettistin unterwegs.

Auf meine Frage, ob die Texte einer eignen rituellen Begleitung entspringen, antwortete mir die Autorin per Email:

„Also ich spende keine Segen wie bei Kasualien, oder wie das freie Zeremonienbegleiter machen. Was ich sehr wohl mache, ist auf Anfrage persönliche Segenstexte zu schreiben, für besondere Anlässe wie Taufe, Beerdigung, Eheschliessung oder auch andere Anlässe.

Und da ein Teil meiner Arbeit ja musikalischer Natur ist – ich komponiere Klanggebete – komponiere ich auf Wunsch eben auch Segenslieder für den eigenen Gebrauch oder zum Verschenken an Kinder, Familien, Lebensgefährten etc., spiele und singe diese ein und gebe sie auf einer persönlichen CD an den Empfänger. Ansonsten finde ich eine persönliche Segenspraxis einfach gut und fruchttragend, als Gebetspraxis und als weg der Ausrichtung.“ (Email vom 24.01.2018, siehe auch klanggebet.de).

Meine Anfrage nach dem Kontext ritueller oder seelsorgerlicher Begleitung, die ich in diesen Texten erkannte, zeigt schon, was ich in diesem Buch zu allererst gesehen habe, eine Sammlung erbaulicher und tröstender Texte für diverse Lebenslagen. In der Begleitung wären Ermutigungen im Lebenslauf, Anlässe von Paaren, Geburten, Übergänge im Leben, Dank für die Eltern beispielsweise an runden Geburtstagen, Stationen beruflicher Entwicklung, Krankheit und Genesung, Naturverbundenheit, Tod, Sterben und Trauer, sowie Segnung des Hauses oder der Wohnung allesamt Stationen, an denen etwas bedeutendes im menschlichen Leben geschieht.

Die Texte sind angenehm realistisch formuliert, sind lebensnah und spenden Trost aus menschlicher Nähe und Erfahrung heraus. Der Hinweis auf Segen etwa in religiöser Gewissheit ist nicht einer Neben- oder Hinterwelt geschuldet, sondern eher den Fragen nach Begegnung und Begleitung auch über Grenzen hinweg.

Ein Prosatext am Ende des Buches erörtert die Frage nach Segen vor biblischem Hintergrund. Mit Fulbert Steffensky nennt Giannina Wedde Segen die „Grundgeste des Christentums“ (S. 198).

Die Autorin ermuntert Leserinnen und Leser nicht nur, nach Segen zu fragen oder um Segen zu bitten, sondern ihn auch selbst zu spenden. Die Segenshandlung ist somit kein priesterliches oder pastorales Privileg. Der Schlusssatz mag dies verdeutlichen: „Segen erweist sich in dieser unmittelbaren körperlichen Form als universale Geste der Heilung für eine krankende Welt, eine Welt, die der Verwandlung jedes Einzelnen du der zuversichtlichen, liebevollen Zuwendung in Wort und Tat bedarf.“ (S. 202).

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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