Der Kapitalismus reformiert sich selbst, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2018

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Zu: Uwe Jean Heuser: Kapitalismus inklusive, So können wir den Kampf gegen die Populisten gewinnen, Edition Körber, Hamburg 2017, gebunden, 270 Seiten ISBN 978-3-89684-259-6, Preis: 18.00 Euro

Es geht dem „ZEIT“-Journalisten und Leiter des Fachressourts Wirtschaft Uwe Jean Heuser (Geb. 1963) in diesem Buch darum, das soziale Potential des Kapitalismus aufzuzeigen, wenn es denn genutzt würde/wird. Dem wachsenden Populismus ist dadurch zu begegnen, dass die Abschottungsparolen von ihrer ökonomischen Fehlhaltung kritisiert werden.

Doch bei dem bevorstehenden Vorgang muss selbst das Wirtschaftssystem mit reformiert werden. So schreibt Uwe Jean Heuser: „Wir müssen verstehen, wo der Zorn seine Berechtigung hat und wo er nur das Resultat von Missverständnis und Manipulation ist. Und wie er wieder weicht zugunsten von Vertrauen und Kooperationsbereitschaft.“ (S. 33) Und so komme es darauf an, „den Kapitalismus auseinanderzunehmen, […], um ihn dann neu zusammenzusetzen.“ (S. 35)

Benötigt wird ein neues Modell Ludwig Erhard, von Heuser genannt: „Soziale Marktwirtschaft II.“ (S. 35) Uwe Jean heuser referiert im Lauf der Argumentation jeweils ökonomischen Sachverstand, dem es darauf ankommt, Globalisierung als Chance zu begreifen. Dazu gehört ein Konzept der Komplementarität, das reines Konkurrenzdenken überwindet und übertrifft.

Auf Länderebene heißt das: Statt auf den Wettlauf um das Geld zu setzen sollen die einzelnen Länder lernen, sich mit ihren jeweiligen Stärken zu unterstützen, so wie es der Weltmarkt schon in Ansätzen macht. Hierzu müssen Zölle und Handelsschranken abgebaut werden. „Globalisierung heißt Komplementarität, auch wenn dieses Sich-Ergänzen schwierig zu vermitteln ist.“ (S. 45)

An der Auswirkung der (zum Teil illegalen) Migration in die USA macht der Autor deutlich, dass sich die mexikanische Einwanderung positiv auf die Wirtschaft der USA ausgewirkt hat. Einwanderung ist, so Heuser, kein Weg in die „soziale Hängematte“, sondern im Sinn einer wirtschaftlichen Logik ein Anreiz für Wohlstand und Wachstum.

Klar gesagt: Populisten können sich nicht auf die Ökonomie berufen. Immer wieder zitiert Uwe Jean Heuser aktuell tätige Ökonomen, wobei allerdings auch ökonomische Hindernisse zur Sprache kommen. Die Ökonomie bremst sich selbst aus durch die ungerechte Einkommensverteilung, massive Steuerflucht und eine dem Mittelstand schadende Steuerpolitik.

Vorläufiges Fazit des lesenswerten Buches: Der Kapitalismus ließe sich reformieren und im Sinne aller verbessern, wenn man der aktuellen ökonomischen Wissenschaft Gehör schenkt(e). Liberale Politik und eine klare ökologisch-soziale Ausrichtung müssen sich nicht ausschließen.

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

2 Gedanken zu „Der Kapitalismus reformiert sich selbst, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2018“

  1. Klingt interessant. Wirklich neu ist das meiste davon wohl nicht. Das Konzept der sozialen Marktwirtschaft ist immer das Paradigma der bundesdeutschen Wirtschaftspolitik gewesen und die Komplementarität als Chance der Globalisierung ist in Gestalt der Theorie der komparativen Kostenvorteile von David Ricardo seit Anfang des 19. Jh bekannt und Grundstudiumsstoff bei Wirtschaftswissenschaftlern. Dass die Einwanderung in die USA kein Weg in die soziale Hängematte ist, stimmt sicher, aber es könnte auch schlicht daran liegen, dass es diese „soziale Hängematte“ in den USA nicht gibt.

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