Das Schwere leicht nehmen, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2017

Zu: Joachim Wehrenbrecht: Die Schwere, Mein langer Weg mit Depressionen zu leben, Buchwerkstatt bei Frieling und Huffmann, Berlin 2017, Taschenbuch, 98 Seiten, ISBN: 9783946467342, Preis: 8,90 Euro

Der Titel „Die Schwere“ wird am Ende des Buches im Nachwort aufgegriffen: „Wenn ich nicht länger auf meine Schwere fixiert bin, sondern danach frage, womit ich in der Schwere verbunden bin, und was das die Schwere mir schenkt und was ich trotz der Schwere noch alles kann, dann nehme ich mich anders wahr.“ (S. 95) Die Stärke des Buches besteht in seiner reflektierend erzählenden Qualität, die in der ersten Person, aber nicht ohne die nötige Distanz zum Geschehen geschrieben ist. Kurze, tröstliche Texte sind als kleine Gedichte eingeschoben. Während die Lyrik die Trostseite vertritt, ist die biografische Erzählung Darstellung des Problems und in der Leiderfahrung wie in divergierenden Therapieversuchen und -ergebnissen. „Das Schwere leicht nehmen, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2017“ weiterlesen

Aufleuchten statt Ausbrennen, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2017

Zu: Monika Kiel-Hinrichsen (Hrsg.): Burnlong statt Burnout, Stress überwinden, gesund bleiben, aethera im Verlag Urachhaus, Stuttgart 2016, Softcover, illustriert, 160 Seiten, ISBN 978-3-8251-8010-2, Preis: 17,90 Euro

Obwohl der Begriff „Burnout“ schon sei 1974 bekannt ist und relativ klar definiert wurde, wird es die definitive Diagnose dieser Krankheit erst später geben. Bis jetzt wird Burnout als „Syndrom“ bezeichnet, ein Krankheitsbild, in dem Symptome unterschiedlicher Diagnosen zusammenwirken.

Monika Kiel-Hinrichsen schreibt im Eingangsartikel dieses Buches, das eine im Jahr 2015 durchgeführte Tagung zum Burnout nachzeichnet: „Das Burnout-Syndrom hat sich zunehmend zu einer Herausforderung auf medizinischem Gebiet entwickelt, da immer mehr Menschen in so tiefe Erschöpfungszustände geraten, dass diese schnell mit dem Begriff ‚Burnout‘ erfasst werden.“ (S. 12) „Aufleuchten statt Ausbrennen, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2017“ weiterlesen

Konfirmationspredigt in Bad Sassendorf, Christoph Fleischer, Welver 2017

Die Konfirmationspredigt wurde am 07.05.2017 in Lohne und in etwas geänderter Form am 14.05.2017 in Bad Sassendorf gehalten. Der „Wunderapfel“ ist auf dem Kirchhof von Lohne. Der zweite Baum ist ein roter Boskop und steht bei einer Familie in Bad Sassendorf.

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Gemeinde, liebe Angehörigen und Gäste,

Einstieg: Wir halten in diesem Gottesdienst inne und denken daran, dass die Eltern und Paten zur Eurer Taufe versprochen haben, euch im christlichen Glauben zu erziehen. Heute mit der Konfirmation versprecht ihr, selbst die Verantwortung für diesen Weg im Glauben zu übernehmen. Ein dazu recht passender Text ist der Psalm 1, den wir zu Beginn gemeinsam gesprochen haben.

Ich möchte daher auf den Psalm zurückkommen und lese ihn in einer freien Form als Gedicht:

Den Weg wählen. Nach Psalm 1.

Du, Gott, willst allen Menschen Freude machen,
Die immer gut sind und gerecht.
Denn so gelingen ihre Sachen.
Auf deinem Weg lebt man nicht schlecht.

Du, Gott, ich möchte wie die Bäume leben,
Auf Wurzeln fest an Wassern steh´n,
Will Jahr um Jahr auch Früchte geben,
Elastisch auch im Windhauch geh´n.

Du, Gott, ganz anders wird es denen gehen,
Die ständig egoistisch sind.
Wie Spreu wird sie der Wind verwehen.
Für gute Wege sind sie blind.

(Quelle: Psalmengedichte. Christoph Fleischer, Neubearbeitung, Werl 2011)

Es geht in der Tat in diesem Psalm um einen Weg, den Weg des Lebens. Es ist der erste von 150 Psalmen der Bibel und er gibt so ein wichtiges Thema vor, eine Frage, nach der jeder und jede fragen sollte. Klar ist, dass dabei zuerst von Gott die Rede ist. Wir wollen also unsere Lebenswege mit Gott gehen. Die wichtige Frage ist also die Frage nach dem Sinn des Lebens von Gott her gesehen.

Der Psalmbeter, den ich nach dem traditionellen Vorbild David nenne. Ist sich da sich sicher, unser Lebensweg ist von Gott her zu sehen. Wir sollen und können uns daran erinnern, dass jeder Tag ein immer neues Geschenk Gottes ist. Jeder neue Tag ist der Rest deines Lebens.

Das Geschenk der Gnade und Güte Gottes ist der Sinn unseres Lebens. So ähnlich hat es ja auch schon Martin Luther in einer seiner 95 Thesen gesagt: „Der wahre Schatz der Kirche ist das Evangelium von der Gnade und Güte Gottes.“ (95, Thesen, These 62). „Konfirmationspredigt in Bad Sassendorf, Christoph Fleischer, Welver 2017“ weiterlesen

Islam? Scharia? Islamismus? Christoph Fleischer, Welver 2017

Notien für ein Referat.

Vorbemerkung: Das vorgegebene Thema „Islam? Scharia?“ habe ich um das dritte Stichwort „Islamismus?“ ergänzt. Weiterhin ist der Text zum Text noch sehr skizzenhaft, da er als Materialsammlung für einen Vortrag entstanden ist.

Impuls: Parallelgesellschaften.

Hinter der Frage Islam und Scharia steckt die Frage nach Parallelgesellschaften, die eventuell einer anderen Rechtsordnung unterliegen könnten, als der gewöhnlich in einer Gesellschaft gültigen. Daher möchte ich eingangs auf diese Frage in Gestalt einer historischen Reminiszenz eingehen.

Gebetsraum in der Werler Moschee, um 2012
In dem weiter unten erwähnten Buch von Navid Kermani, „Wer ist wir? Deutschland und seine Muslime“, las ich eine Bemerkung über die Selbstverständlichkeit von Parallelgesellschaften in verschiedenen Ländern oder Städten der Erde, auch in Europa. Wobei er erwähnte, dass in Czernowitz seit 1945 keine Deutschen mehr leben. Um die Situationen genauer zu eruieren, schlug ich eine Seite dazu im Internet auf. Czernowitz war bis 1918 die Hauptstadt der Bukowina, einer Provinz von Österreich-Ungarn. Danach gehörte es zur UdSSR, heute zur Ukraine. „Islam? Scharia? Islamismus? Christoph Fleischer, Welver 2017“ weiterlesen

Die Liebe aber ist die größte, Rezension von Joachim Wehrenbrecht

Zu: Richard Rohr: Paulus. Der unbekannte Mystiker, Aus dem Amerikanischen von Bruno Kern, Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2017, gebunden, 106 Seiten, ISBN: 978-3-460-50019-8, Preis: 12€

Das katholische Bibelwerk legt mit einem modern aufgemachten festen Bucheinband mit Lesebändchen und acht farbigen Paulusbildern aus der Kunstgeschichte ein attraktives und preisgünstiges Paulusbüchlein auf. Die aus dem Amerikanischen übersetzten Vorträge von Bruno Kern behalten ihren Redecharakter bei. Den 14.Kapiteln  auf 103 Seiten ist jeweils in kursiver Schrift eine Übertragung/Übersetzung paulinischer Grundtexte vorangestellt.

Ein schönes Büchlein, das einem breiteren Publikum eine kleine Einführung in paulinische Theologie gewährt und zum eigenen Nachdenken anregt. Richard Rohr liest Paulus von der Tradition der Mystik her und zeigt auf, dass die paulinische Dialektik von seiner Christusmystik verstanden werden will. Dieser Gedanke ist nicht neu, wird aber von Rohr zugespitzt. Schon länger versteht und vermittelt Rohr die biblischen Schriften spirituell. Dieser Zugang ist fruchtbar und zeigt auch hier wie lebensnah und radikal der paulinische Weg bis heute ist.

Mit seinem Ansatz leistet Rohr einen Beitrag zur Erneuerung der Theologie und der christlichen Praxis. Er ist im guten Sinn ein praktischer Theologe für den der Glaube in der Liebe seine tiefste Bestimmung erfährt. Rohrs Leidenschaft für den Glauben wird in jedem Kapitel deutlich. Das gefällt mir. An manchen Stellen hätte ich mir ein stärkeres Lektorat gewünscht, etwa wenn Rohr pathetisch sagt: „Paulus ich vergebe dir, dass du das Wort Fleisch benutzt hast, doch die Vergebung fällt mir nicht leicht.“ (S.52)

Die Stärke Rohrs, seine Zuspitzung, Leichtigkeit und die Fähigkeit gegen den Strich zu denken, enthält auch die Schwäche der Verkürzung, Vereinfachung und eine gewisse Laxheit. Alles in allem aber ein gutes Büchlein, das Lust auf den Begründer der christlichen Theologie macht.