Freiligrath, Stimme Westfalens im Widerstand, Rezension mit Auszügen, Christoph Fleischer, Welver 2018

Ferdinand Freiligrath Lesebuch, Zusammengestellt und mit einem Nachwort von Frank Stückemann, Nylands Kleine Westfälische Bibliothek 80, Nyland-Stiftung im Aisthesis Verlag, Köln 2018, Paperback, 155 Seiten, ISBN: 978-3-8498-1320-8, Preis: , www.aisthesis.de

Im Nachwort gibt der Herausgeber Frank Stückemann einen kurzen biografischen Abriss mit einer Werkgeschichte Ferdinand Freiligraths (1810-1876, Wikipedia vom 10.12.2018).

In einem Parforceritt werden die Namen und Lebensdaten von Verwandten, Nachbarn, Zeitgenossen, Mitstreitern und Begleitern Ferdinand Freiligraths aufgeführt, wobei der Name Karl Marx (1818 – 1883) nicht fehlen darf. Marx war eher ein Freund als ein Genosse, hatte Freiligrath doch an der Neuen Rheinischen Zeitung mitgearbeitet, dessen Herausgeber Marx war (Köln, um 1848).

Eine kurze Skizze im Zitat mag für die Rezension genügen: „Freiligraths Lyrik besticht von Anfang an durch radikale Modernität, Abkehr vom Epigonalen, Hinwendung zum starkfarbigen Exotismus mit klangvollen Reimen in der Nachfolge Hugos, aber auch durch Integration der Technik, ‚das Wesen der Räder an den Dampfschiffen‘ (Bettina von Arnim). Manches erinnert inhaltlich an den späteren Karl May (1842 – 1912). Mit Levin Schücking (1814 – 1883), Freund und Lebensgefährte Annette von Droste Hülshoffs gab er den Band „Das malerische und romantische Westfalen“ heraus (1840), so dass er auch als westfälischer Heimatdichter gilt.

Frank Stückemann gibt eine schmale Auswahl der wichtigsten Werke Freiligraths heraus, um gleichzeitig den jeweiligen Kontext im Nachwort zu skizzieren. Ergänzend dazu gibt der Anhang einige ausgewählte Begriffserläuterungen zu den Gedichten.

Freiligrath war zeitweise hochgeehrt und verboten. Engels galt er als „Trompeter der Revolution“. Ein Zitat des ihm politisch nicht wohlgesonnenen Theodor Fontane gibt einen kleinen Einblick in Freiligraths Popularität, auch aus dem englischen Exil heraus: „Wir sind Freiligrath in einer Weise verpflichtet wie vielleicht seit dem Tode Schillers keinem zweiten und erweisen ihm kaum Ehre genug, wenn wir ihn den ‚Bürger‘ unserer Epoche nennen.“ 

Am Ende des Nachworts hebt Frank Stückemann noch die Rolle Freiligraths als Übersetzer „französischer und englischer Lyrik“ hervor.

Ich will im Folgenden einige Auszüge aus Gedichten Freiligraths dokumentieren und diese mit den jeweiligen Stichworten aus den Erläuterungen des Anhangs kommentieren.

Audubon (S. 20 – 22). 

Das Gedicht ist erschienen im Band „Gedichte“ 1838. Der Titel des Gedichts zitiert den Namen von John James Audubon (1780 – 1831) aus New Orleans, eines bekannten amerikanischen Ornithologen. Mit „er“ in „nieder brennt er“ ist der weiße Mann gemeint. Der Name Manitto bezieht sich auf die indianische Gottheit. Ich zitiere die ersten fünf und die letzten sieben Verse.

Mann der Wälder, der Savannen!

Neben roter Indier Speer,

An des Missisippi Tannen

Lehntest du dein Jagdgewehr;

Reichtest Indianergreisen

Deine Pfeife, deinen Krug;

Sahst der Wandertaube Reisen

Und des Adlers stillen Flug;

Lähmtest ihren schnellen Flügel

Mit der Kugel, mit dem Schrot;

Auf der großen Flüsse Spiegel

Durch die Wildnis schwamm dein Boot;

Kühn durchflogst du der Savanna

Gräser, im gestreckten Trab;

Beer′ und Wildpret war das Manna,

So dir Gott zur Speise gab;

In den Wäldern, in der Öde,

Die der Toren Ruhm: Kultur,

Noch nicht überzog mit Fehde,

Freu′test du dich der Natur.

Nieder brennt er eure wilden

Wälder, nimmt von euch Tribut,

Spült von euren Lederschilden

Der erschlagnen Feinde Blut;

Saus′t einher auf Eisenbahnen,

Wo getobt der Roten Kampf;

Bunt von Wimpeln und von Fahnen,

Teilt sein Schiff den Strom durch Dampf.

Kahl und nüchtern jede Stätte!

Wo Manittos hehrer Hauch

Durch des Urwalds Dickicht wehte,

Zieht der Hammerwerke Rauch.

Euer Wild wird ausgerottet,

Siech gemacht wird euer Leib,

Euer großer Geist verspottet,

Und geschändet euer Weib.

Bietet Trotz, ihr Tätowierten,

Eurer Feindin, der Kultur!

Knüpft die Stirnhaut von skalpierten

Weißen an des Gürtels Schnur!

Zürnend ihren Missionären

Aus den Händen schlagt das Buch;

Denn sie wollen euch bekehren,

Zahm, gesittet machen, klug!

Weh′, zu spät! was hilft euch Säbel,

Tomahawk und Lanzenschaft? –

Alles glatt und fashionable!

Doch wo – Tiefe, Frische, Kraft?

O lieb´, solang´ du lieben kannst! (S. 36 und 37) 

Das Gedicht erschien in: Zwischen den Garben: Eine Nachlese, 1849. Anlass war der Tod des Vaters 1829. Ich zitiere die ersten fünf Verse. Die letzten Verse gehen noch näher auf die Erlebnisse der Beerdigung ein und greifen insofern den Grundgedanken redundant auf.

O lieb´, solang´ du lieben kannst! 

O lieb´, solang´ du lieben magst! 

Die Stunde kommt, die Stunde kommt, 

Wo du an Gräbern stehst und klagst!

Und sorge, dass dein Herze glüht 

Und Liebe hegt und Liebe trägt, 

Solang´ ihm noch ein ander Herz 

In Liebe warm entgegenschlägt!

Und wer dir seine Brust erschließt, 

O tu ihm, was du kannst, zulieb´! 

Und mach´ ihm jede Stunde froh, 

Und mach ihm keine Stunde trüb!

Und hüte deine Zunge wohl, 

Bald ist ein böses Wort gesagt! 

O Gott, es war nicht bös gemeint – 

Der andre aber geht und klagt.

O lieb´, solang´ du lieben kannst! 

O lieb´, solang´ du lieben magst! 

Die Stunde kommt, die Stunde kommt, 

Wo du an Gräbern stehst und klagst!

Die Freiheit! Das Recht! (S. 57 – 58)

Erschienen in: Ein Glaubensbekenntnis, Zeitgedichte, 1844. Von der preußischen Zensur verboten, was wohl gleichzeitig als Werbung funktionierte, da die erste Auflage in Monaten ausverkauft war.

In diesem Band erschien auch die erste Fassung von „Trotz alledem“. Ich dokumentiere die ersten drei Strophen.

O, glaubt nicht, sie ruhe fortan bei den Toten,

O, glaubt nicht, sie meide fortan dies Geschlecht,

Weil mutigen Sprechern das Wort man verboten

Und Nichtdelatoren verweigert das Recht!

Nein, ob ins Exil auch die Eidfesten schritten;

Ob, müde der Willkür, die endlos sie litten,

Sich andre im Kerker die Adern zerschnitten –

Doch lebt noch die Freiheit, und mit ihr das Recht!

– Die Freiheit! das Recht!

Nicht mach‘ uns die einzelne Schlappe verlegen!

Die fördert die Siege des Ganzen erst recht;

Die wirkt, daß wir doppelt uns rühren und regen,

Noch lauter es rufen: Die Freiheit! das Recht!

Denn ewig sind eins diese heiligen Zweie!

Sie halten zusammen in Trutz und in Treue;

Wo das Recht ist, da wohnen von selber schon Freie,

Und immer, wo Freie sind, waltet das Recht!

– Die Freiheit! das Recht!

Und auch das sei ein Trost uns: nie flogen, wie heuer,

Die freudigen Zwei von Gefecht zu Gefecht!

Nie flutete voller ihr Odem und freier,

Durch die Seele selbst brausend dem niedrigsten Knecht!

Sie machen die Runde der Welt und der Lande,

Sie wecken und werben von Strande zu Strande,

Schon sprengten sie kühn des Leibeigenen Bande,

Und sagten zu denen des Negers: Zerbrecht!

– Die Freiheit! das Recht!

Trotz alledem! (variiert) (S. 84 – 85) 

Erschienen in: Neuere politische und soziale Gedichte, 1859. Der Gedicht erinnert an die Teilerfolge der insgesamt gescheiterten Revolution 1848. I Wien wurde der verhasste Minister von Metternich gestürzt. Mit Reichstag ist die Frankfurter Nationalversammlung gemeint. Ich dokumentiere hier die ersten fünf Strophen.

Das war ’ne heiße Märzenzeit,

Trotz Regen, Schnee und alledem!

Nun aber, da es Blüten schneit,

Nun ist es kalt, trotz alledem!

Trotz alledem und alledem –

Trotz Wien, Berlin und alledem –

Ein schnöder scharfer Winterwind

Durchfröstelt uns trotz alledem! 

Das ist der Wind der Reaktion

Mit Meltau, Reif und alledem!

Das ist die Bourgeoisie am Thron –

Der annoch steht, trotz alledem!

Trotz alledem und alledem,

Trotz Blutschuld, Trug und alledem –

Er steht noch und er hudelt uns

Wie früher fast, trotz alledem!

Die Waffen, die der Sieg uns gab,

Der Sieg des Rechts trotz alledem,

Die nimmt man sacht uns wieder ab,

Samt Kraut und Lot und alledem!

Trotz alledem und alledem,

Trotz Parlament und alledem –

Wir werden unsre Büchsen los,

Soldatenwild trotz alledem!

Doch sind wir frisch und wohlgemut,

Und zagen nicht trotz alledem!

In tiefer Brust des Zornes Glut,

Die hält uns warm trotz alledem!

Trotz alledem und alledem,

Es gilt uns gleich trotz alledem!

Wir schütteln uns: Ein garst’ger Wind,

Doch weiter nichts trotz alledem!

Denn ob der Reichstag sich blamiert

Professorhaft, trotz alledem!

Und ob der Teufel reagiert

Mit Huf und Horn und alledem –

Trotz alledem und alledem,

Trotz Dummheit, List und alledem,

Wir wissen doch: die Menschlichkeit

Behält den Sieg trotz alledem!

Leonard Cohen – „YOU WANT IT DARKER“. Zwischen Zweifel und Zuflucht, von Imke Schwarz

Mit diesem Beitrag möchte ich auf die Broschüre hinweisen: 


NOT DARK YET, Alter und Tod, Endlichkeit und Einsamkeit in Pop- und Rocksongs, 


Haus kirchlicher Dienste der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, Verantwortlich: Arbeitsfeld Kunst und Kultur, Dr. Matthias Surall, Evangelisch-Lutherische Landeskirche Hannover, 2018



Chorgesang aus Männerstimmen, fernes, langgezogenes Uuuh-uh, wie Rufe aus dem Jenseits. Der Gesang verebbt, ein beschwörender Elektrobeat, Herztönen gleich, rollt langsam heran. Dann ein Stopp, als würde der Atem angehalten. Der Chorgesang schwillt wieder an. Eine brüchige, tiefe Stimme, wie aus einem Grab dringt sie herauf:  


If you are the dealer, I’m out of the game
If you are the healer, it means I’m broken and lame
If thine is the glory then mine must be the shame
You want it darker / We kill the flame


Als Leonard Cohen den Song „You want it darker[1]aufnimmt, ist er bereits von Krankheit gezeichnet. Nur mit Hilfe seines Sohnes Adam gelingt in den Privaträumen des kanadischen Musikers in Los Angeles die Aufnahme des letzten, gleichnamigen Albums. Es erscheint 19 Tage vor dem Tod Leonard Cohens am 7. November 2016. Die Songs zeugen von seiner Auseinandersetzung mit dem baldigen Ende seines Lebens und dem Ringen mit dem, was bleibt und letzte Gültigkeit hat. „You want it darker“ ist Eröffnung und Epizentrum des Albums, Präludium und Deutungsschlüssel zugleich für die weiteren Songs. Es ist das Gebet eines Zweiflers, ein atheistischer Psalm. Das lyrische Ich setzt sich dem göttlichen Du direkt aus und lehnt sich dagegen auf: „Wenn du die Karten gibst, bin ich aus dem Spiel“. Die göttliche Ordnung wird von diesem Menschen hinterfragt. Er entzieht sich ihrer und geht damit –  stellvertretend für viele Menschen – einen noch dunkleren Weg, als Gott ihn schon durch die Setzung von Alter und Tod bestimmt hat: „Du willst es dunkler – wir töten die Flamme.“ In der Gegenwart Gottes, vor dessen Herrlichkeit und dessen heilender Kraft wird der Betende seiner Freiheit gewahr, sich von seinem Schöpfer ab- oder ihm zuzuwenden. Er (oder sie?) benennt die Gefahren dieser Freiheit und der Abkehr von Gott. Der Begegnung mit Gott verleiht Cohen in seinem Song christologische Züge: Die Menschen ehren Gottes Namen und kreuzigen ihn zugleich. In jedem Menschen, der keine Hilfe erfahren hat, leuchtet Christus auf, wird Gott gegenwärtig. Klagt an. Auf der anderen Seite klingt die Theodizee-Frage an: Warum hat Gott nicht eingegriffen? Wo blieb seine Hilfe? Die Gottesbilder wechseln vom allmächtigen Schöpfergott zum ohnmächtigen Gott in Christus am Kreuz. Ganz so, wie das Individuum die eigene Macht und Ohnmacht erfährt. Leonard Cohen spielt in dem Song nach eigener Aussage auch auf das Schicksal von Millionen ermordeter Jüdinnen und Juden an:  


Magnified, sanctified, be thy holy name
Vilified, crucified, in the human frame
A million candles burning for the help that never came
You want it darker


Die Suche nach Gott bzw. nach einer höheren Macht in der Dunkelheit und an den Bruchstellen des Lebens: Leonard Cohen hat sie ein Leben lang praktiziert. Geboren als Sohn einer jüdischen Textilhändler-Familie, ist er zeit seines Lebens auf einer spirituellen Reise, lebt sogar einige Jahre in einem Zen-Kloster. Er kämpft mit Depressionen, schreibt bereits in jungen Jahren Songs, die sich mit dem Ende des Lebens auseinandersetzen. In seinem wohl berühmtesten Song “Halleluja”[2]besingt er die Zerrissenheit, mit der ein Mensch vor Gott tritt, der Ruf des Halleluja erschallt als großes Dennoch: „It´s not a cry that you hear at night, it´s not somebody who´s seen the light, it´s a cold and it´s a broken Halleluja.“Schon hier zeigt sich die Haltung des Musikers, der sich und die Welt als fragil und gottverlassen erlebt hat. Dennoch bleibt er verbunden, hält fest an dem, der ihn geschaffen hat, klammert sich an den Ursprung des Lebens. Hier singt einer, der die Macht von Dämonen kennt. In „You want it darker“ erzählt er mit feinem Humor von seinem Ringen mit ihnen und wiederum von der (zwiespältigen) Freiheit, die ihm geschenkt ist:


I struggled with some demons
They were middle class and tame
I didn’t know I had permission to murder and to maim
You want it darker


Im Zentrum des Songs steht ein wiederkehrender hebräischer Ruf, der die Hingabe und Bereitschaft ausdrückt, sich dem Willen Gottes zu unterwerfen. Er taucht im Alten Testament unter anderem auf, als Abraham seinen Sohn Isaak auf Gottes Geheiß opfern will. Dreimal bietet sich der Betende hier mit den Worten dar: Hineni – Hier bin ich. Er bringt Gott seinen Willen dar, beugt sich dessen mächtiger Präsenz: Einem Gott, der in biblischer Tradition hilflos ist und groß zugleich. Gekreuzigt, gemartert, wie vielleicht der Betende selbst: 


Hineni, hineni
I’m ready, my lord


You want it darker“ ist zum Vermächtnis von Leonard Cohen geworden. Für den Song ist er in mehrfacher Hinsicht zu seinen jüdischen Wurzeln zurückgekehrt: In der Zitation und Reflexion der Tora. In der Auswahl des Synagogenchores aus seiner Heimat Montreal, der den Gesang begleitet. Die jüdischen Einflüsse verschmelzen mit christlichem Gedankengut und weiteren Elementen aus einem breiten Strom philosophischer und religiöser Tradition zu einem musikalischen Testament: Letzte Worte eines Poeten, für den Melancholie niemals nur eine vorübergehende, selbstbezogene Stimmung war, sondern auch eine Haltung, mit der er als vergänglicher Mensch sich dem Unvergänglichen stellte. Ihm Zuwendung abtrotzte und Zuflucht suchte.


Im Dialog mit verschiedenen Zielgruppen lassen sich die Traditionen aufspüren, die in den Song eingeflossen sind. Die Transformation der Zitate und der Umgang Cohens mit seinem „Material“ bietet Anknüpfungspunkte für Gespräche im kirchlichen Kontext. Ebenso lässt sich der Song im Rahmen einer Passionsandacht verwenden – etwa in Kombination mit Jesu letzten Worten am Kreuz, die in ähnlicher Weise Zweifel und Gottverlassenheit vor den Schöpfer bringen. Collagiert mit weiteren biblischen Texten, z.B. aus dem Buch Hiob oder der Genesis (vgl. den „Hineni“-Ruf des Mose vor dem brennenden Dornbusch), wirkt der Songtext als ein Element im Gottesdienst. Leonard Cohens „dunkler Dialog mit dem Schöpfer“[3]ist ein Beitrag zu einer ars moriendi, wie sie in Zeiten der Verdrängung von Alter und Tod mehr denn je nötig erscheint: Die Kunst, sich den letzten Dingen zu stellen, mit ihnen in Zwiesprache zu treten und schließlich glauben und sagen zu können: „I’m ready, my lord.“ 




[1]Erschienen auf dem gleichnamigen Album 2016. Vollständiger Text unter https://www.songtexte.com/songtext/leonard-cohen/you-want-it-darker-1330b521.html. Abgerufen am 26. September 2018. 


[2]Erschienen 1984 auf dem Album „Various Positions“, vollständiger Text unter https://www.songtexte.com/songtext/leonard-cohen/hallelujah-7bdb72c0.html, abgerufen am 26. September 2018


[3]Titel des Beitrags von Gesa Ufer zu „You want it darker“ auf Deutschlandfunk Kultur, unter https://www.deutschlandfunkkultur.de/leonard-cohen-you-want-it-darker-dunkler-dialog-mit-dem.1270.de.html?dram:article_id=370329

Die Weisheit des Königs Salomo, Teil 1, Christoph Fleischer, Welver 2015

Version 2

Das Buch „Weisheit“ ist Teil der Septuaginta, der griechischen Bibelübersetzung aus Alexandria, entstanden zur Zeit des Lebens Jesu, ohne dass es eine hebräische Fassung gäbe. Es ist wohl keine Übersetzung, sondern eher eine Nachahmung des Hebräischen, auch um der fiktiven Autorenschaft Salomos zu entsprechen, die man als Pseudepigrafie bezeichnet. Das Buch „Weisheit Salomos“ fehlt daher in vielen Bibeln z. B. der Lutherbibel, da es nicht zur hebräischen Bibel des Alten Testaments gehört. Die Einheitsübersetzung und die Apokryphen der Lutherbibel führen das in griechischer Sprache verfasste Buch auf (Anm. 1).

Möglicherweise hat es sogar einen größeren Einfluss auf die ebenfalls in griechischer Sprache verfassten Bücher des Neuen Testaments als unser Altes Testament, da es ein Teil der griechischen Bibelübersetzung, der Septuaginta war.  Viele Bibelzitate auch aus anderen „hebräischen“ Büchern sind der Septuaginta entnommen. Das griechische Neue Testament vermerkt allein 97 Zitate oder Anspielungen aus dem Buch sapientia salomis (Anm. 2).
Der erste Teil des Buches Weisheit ist in Gedichtform gehalten (Kapitel 1-9). Ich fasse die biblische Lyrik so auf, dass sie gesungen worden ist. Daher bringe ich meine biblischen Gedichte in eine gereimte Form, die sich ggf. auch vertonen ließe. Wie schon bei meinen Psalmengedichten, mache ich mir die Tatsache zu eigen, dass der hebräische Lyrikstil anstelle des Endreims den Parallelismus kennt. Diese Wiederholung in anderen Worten bringt keine neue Aussage, sondern wirkt in unseren Augen eher redundant (z. B. „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln“ Psalm 23). Die Gedichte reduzieren die Redundanz des Parallelismus auf eine Auswahl, die versucht, die Hauptaussage zu erfassen und zu aktualisieren. Diese wird sprachlich modern ausgedrückt, aber ohne den Dualismus aufzulösen. Den Gegensatz zwischen den Frevlern und den Gerechten, fasse ich nicht als Abgrenzung oder Sammlung von Vorurteilen auf, sondern das eigene Bemühen, sich nach der Maßgabe der Gerechtigkeit zu verhalten. Ich sehe darin eher die Ablehnung von Verhaltensweisen als von Menschen, denn jeder wird ja immer das auch in sich haben, was er oder sie ablehnt. „Die Weisheit des Königs Salomo, Teil 1, Christoph Fleischer, Welver 2015“ weiterlesen

Trauer, illustrierte Gedichtauswahl für Bestattungsfeiern, herausgegeben von Christoph Fleischer, Welver 2016

 

Angeregt durch einige Erfahrungen und Möglichkeiten der alternativen Bestattungsformen im Friedwald, die einfach z. T. durch die örtlichen Gegebenheiten angeregt sind, möchte ich eine Textsammlung für Trauer und Bestattung vorliegen. Die Texte verstehe ich als Meditationen, die vorranging im Eingangsteil der Trauerfeier Verwendung finden, um die Befindlichkeiten der Trauernden aufzunehmen. In dieser Situation ist m. E. in der heutigen Form von Bestattungen eine größere Differenzierung notwendig, als ich es bislang gesehen und praktiziert habe. Diese Texte sind urheberrechtlich gesichert. Zur publizistischen Weiterverwendung bitte die Rechteinhaberinnen kontaktieren. Die einmalige Verwendung in einer Trauerfeier ist gewünscht und möglich, wenn die jeweilige Autorin bzw. der Autor mitgenannt werden. Wenn einige Texte keine Überschrift haben, dann ist das auch im Original so. Die Texte von Rainer Maria Rilke und Dietrich Bonhoeffer sind gemeinfrei.

Bild: Marlies Blauth
„Trauer, illustrierte Gedichtauswahl für Bestattungsfeiern, herausgegeben von Christoph Fleischer, Welver 2016“ weiterlesen

Die Quellen der Kraft, Andacht zehn, Psalm 145, Erinnerung, Christoph Fleischer, Welver 2015

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Foto einer Krippe in Soest

Psalm 145 (Einheitsübersetzung)

1 Ein Loblied Davids.

Ich will dich rühmen, mein Gott und König, /

und deinen Namen preisen immer und ewig;

2ich will dich preisen Tag für Tag /

und deinen Namen loben immer und ewig.

3Groß ist der Herr und hoch zu loben, /

seine Größe ist unerforschlich.

4Ein Geschlecht verkünde dem andern den Ruhm deiner Werke /

und erzähle von deinen gewaltigen Taten.

5Sie sollen vom herrlichen Glanz deiner Hoheit reden; /

ich will deine Wunder besingen.

6Sie sollen sprechen von der Gewalt deiner erschreckenden Taten; /

ich will von deinen großen Taten berichten.

7Sie sollen die Erinnerung an deine große Güte wecken /

und über deine Gerechtigkeit jubeln.

8Der Herr ist gnädig und barmherzig, /

langmütig und reich an Gnade.

9Der Herr ist gütig zu allen, /

sein Erbarmen waltet über all seinen Werken.

10Danken sollen dir, Herr, all deine Werke /

und deine Frommen dich preisen.

11Sie sollen von der Herrlichkeit deines Königtums reden, /

sollen sprechen von deiner Macht,

12den Menschen deine machtvollen Taten verkünden /

und den herrlichen Glanz deines Königtums.

13Dein Königtum ist ein Königtum für ewige Zeiten, /

deine Herrschaft währt von Geschlecht zu Geschlecht.

[Der Herr ist treu in all seinen Worten, / voll Huld in all seinen Taten] (Nur LXX)

14Der Herr stützt alle, die fallen, /

und richtet alle Gebeugten auf.

15Aller Augen warten auf dich /

und du gibst ihnen Speise zur rechten Zeit.

16Du öffnest deine Hand /

und sättigst alles, was lebt, nach deinem Gefallen.

17Gerecht ist der Herr in allem, was er tut, /

voll Huld in all seinen Werken.

18Der Herr ist allen, die ihn anrufen, nahe, /

allen, die zu ihm aufrichtig rufen.

19Die Wünsche derer, die ihn fürchten, erfüllt er, /

er hört ihr Schreien und rettet sie.

20Alle, die ihn lieben, behütet der Herr, /

doch alle Frevler vernichtet er.

21Mein Mund verkünde das Lob des Herrn. /

Alles, was lebt, preise seinen heiligen Namen immer und ewig!

 

Dieser Psalm hat eine besondere Form, er ist ein Akrostichon. Ein Akrostichon ist ein Gedicht, dessen Verse jeweils mit einem solchen Buchstaben anfangen, so dass die Abfolge dieser Buchstabe oder Worte in der Reihenfolge der Verse einen Sinn ergeben.

„Die Quellen der Kraft, Andacht zehn, Psalm 145, Erinnerung, Christoph Fleischer, Welver 2015“ weiterlesen