Ameisen sind aktuell! Rezension von Angelika Fleischer, Spenge 2019

Zu: Christina Grätz / Manuela Kupfer: Die fabelhafte Welt der Ameise, Eine Ameisenumsiedlerin erzählt, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2019, 1. Auflage, Hardcover, ISBN 978-3-579-08728-3

Christina Grätzist Diplombiologin und selbständige Ameisennestumsiedlerin. Eigentlich waren die Pflanzen im Studium ihr Schwerpunkt, doch über Umwegen ist sie mit dem Ameisenhaufenumsiedeln konfrontiert worden.

Manuela Kupferist ebenfalls Diplombiologin und arbeitet als Lektorin und Fachredakteurin im Bereich Naturwissenschaften und Gesundheit.

Ich hätte nie gedacht, dass man Ameisennester versetzen kann, um sie vor Baumaßnahmen, z.B. im Straßenbau, oder bei anderen Eingriffen in die Natur, z.B. den Flächen verbrauchenden Braunkohle-Tagebau, zu retten, meine Motivation, dieses Buch zu lesen.

Das Buch „Die fabelhafte Welt der Ameise – Eine Ameisenumsiedlerin erzählt“ ist vermutlich für Laien geschrieben, da es in Romanform verfasst wurde. Es verfügt aber auch über einen hohen Anteil an wissenschaftlichen Hintergründen. Schon die Inhaltsangabe verspricht, die Vielfältigkeit im Leben der Ameisen und das Verhältnis der Menschen zu ihnen, kennenzulernen.

Beim Lesen wird man von der Ameisennestumsiedlerin Christina Grätz zu ihren Umsetzungsaktionen mitgenommen, egal, wie das Wetter ist oder wie groß sich das Ameisennest beim Ausgraben herausstellt. So erfahren wir beim Studium des Buches, dass man nicht immer von der Größe oder der Höhe des Ameisenhaufens auf das Leben und die Ausmaße des Ameisenstaates unter der Erde schließen kann.

In den gut markierten Abschnitten, die den wissenschaftlichen Anteil des Buches ausmachen, werden einige Ameisenarten vorgestellt, je nach Art, die sich in der Körpergröße, in der Lebensweise, in der Ernährung und weiteren Merkmalen unterscheiden. Manche leben unter der Erdoberfläche, andere hängend in Bäumen oder an deren Ästen. Die einen bilden mit Pilzen oder anderen Tieren eine Symbiose und sind in ihrem Leben voneinander abhängig. Die einen leben zusammen mit einer Königin, andere haben davon gleich mehrere. Gleich ist allen, dass mehrere tausend Tiere in einem organisierten Gefüge mit unterschiedlichen Aufgaben und Hierarchien zusammen leben. Gleich ist ebenfalls, dass die Ameisenmännchen nur kurze Zeit leben, um die Königin zu begatten und dass es sich in den Ameisenhaufen um eine reine Frauenangelegenheit handelt.

Auf jede dieser Punkte wird in einem eigenen Kapitel eingegangen und überaus packend beschrieben.

Hat man das Buch durchgelesen, geht man mit anderen Augen durch die Natur und überlegt sich, ob man aus Versehen auf eine Ameisenstraße tritt oder den Schritt besser so groß wählt, dass man die Ameisen in Ruhe ihre Arbeit verrichten lässt. So ist es zumindest mir gegangen.

Ein Satz am Ende des Buches fasst das zusammen, was man über Ameisen wissen sollte: „Ameisen sind fleißig, loyal, stark, sehr ordentlich und unheimlich gut organisiert.“ – natürlich geschrieben aus der Sicht des Menschen.

Gott in der Menschheit, Rezension, Christoph Fleischer, Welver 2019

Zu: Reza Azlan: Gott, eine Geschichte der Menschen, Aus dem Englischen über setzt von Thomas Görden, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2018, gebunden, 317 Seiten, ISBN: 978-3-579-08716-0, Preis: 22,00 Euro, erscheint demnächst als Taschenbuch im Verlag Pantheon: https://www.randomhouse.de/Paperback/Gott/Reza-Aslan/Pantheon/e561343.rhd

Reza Aslan (zuletzt: Jesus von Nazareth und seine Zeit) ist als Kind iranischer Einwanderer in den USA aufgewachsen und daher in den Religionswelten des Christentums und des Islams zu Hause. In diesem Buch widmet er sich der Entstehung der Gottesgestalt in der Menschheitsgeschichte. Dabei lässt er sich von der Grundidee Ludwig Feuerbachs  (1804 – 1872) leiten, der Gottesgedanke sei als menschliche Projektion eng mit dem Menschheitsgedanken verknüpft.

Die Menschheitsgeschichte wird im Buch Azlans zwar mit der Erzählung von Adam und Eva in Verbindung gebracht, geht aber immer wieder weg von der biblischen Erzählung hin zur menschlichen Frühgeschichte, wie sie inzwischen aus der Bodenarchäologie erhoben worden ist.

Schon aus der Zeit der Menschen als Jäger und Sammler gibt es in Höhlenmalereien Ansätze von religiös künstlerischer Symbolik.

Für Reza Aslan symbolisiert das Ende der biblischen Paradiesgeschichte den Übergang zur Sesshaftigkeit mit Ackerbau und Viehzucht.

Doch gab es eine Anbetung Gottes schon zuvor in der Steinzeit?

Eine einschneidende Entdeckung dafür ist die „Tempelanlage“ von Göbekli Tepe in der Osttürkei nahe der antiken Stadt Urfa. Lange vor der Entstehung der altorientalischen Gottheiten muss es schon in der späten Steinzeit um 10.000 v. Ch. eine Gottesvorstellung gegeben haben. Da die T-fömigen Pfeiler in Göbekli Tepe die menschliche Figur symbolisieren, geht man dabei von einer Gottesfigur in Menschengestalt aus.

Indem archäologische Funde die Erforschung der Religionsgeschichte ergänzen, geht man inzwischen davon aus, dass die Religion bereits tradiert wurde, als die Schriftoffenbarungen noch gar nicht existierten.

Das Buch von Reza Aslan ist eine interessante und packend erzählte Einführung in die Frühgeschichte der menschlichen Religion mit passenden Querverbindungen zur biblischen Tradition.

Ein Leben voller Glück und Wunder, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2019

Zu:

Jando: Im Himmel gibt es einen Bahnhof, Illustrationen von Antje Arning (Antjeca), Verlag KoRos Nord GmbH, Bad Zwischenahn 2019, gebunden, 79 Seiten (ohne Werbung), ISBN: 978-3945908150, Preis: 11,98 Euro, Link: https://jandoautor.com

Geschichten in Küstennähe mit leichter Meeresbrise schreibt Jando aus Bad Zwischenahn mit Wunder andeutenden Titeln wie „Sternenreiter“ und „Traumflieger“. Die Bücher zeigen Jando als brillanten Erzähler, der es versteht, einen roten Faden einer auch für Kinder einleuchtenden Geschichte mit Tiefgang und Lebensweisheit zu verknüpfen. „Ein Leben voller Glück und Wunder, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2019“ weiterlesen

Sakralisierte Politik, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2019

Zu:

Sarah Thieme: Nationalsozialistischer Märtyrerkult, Sakralisierte Politik und Christentum im westfälischen Ruhrgebiet (1929 – 1939), Campus Verlag Frankfurt/ New York 2017, broschiert, 546 Seiten, ISBN: 978-3-593-50808-5, Preis: 39,95 Euro

Link: https://www.campus.de/buecher-campus-verlag/wissenschaft/geschichte/nationalsozialistischer_maertyrerkult-14290.html

Das Buch von Sarah Thieme wird sicherlich zuerst den Heimatforschern begegnen, wenn sie im Internet nach Spuren des Nationalsozialismus suchen. So interessierte mich selbst die Verflechtung der evangelischen Kirchengemeinde Iserlohn mit der Bewegung der Deutschen Christen. Über die Internetsuche bei Google-Books wird das Buch über Ereignisse im westfälischen Ruhrgebiet und angrenzender Kommunen angezeigt. „Sakralisierte Politik, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2019“ weiterlesen

Franz Kafkas Beziehung zu Israel, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2019

Zu:

Benjamin Balint: Kafkas letzter Prozess, aus dem Englischen von Anne Emmert, Berenberg Verlag, Berlin 2019, gebunden, 336 Seiten, ISBN: 978-3-946334-48-4, Preis: 25,00 Euro

Der im Titel angesprochener Prozess ist keine Neuauflage eines der Bücher Kafkas, sondern ein Prozess um sein Erbe im Land Israel. Das Buch von Benjamin Balint über Franz Kafka ist kunstvoll komponiert, indem es zwischen der Darstellung des Prozesses vor dem Obersten Gerichtshof Israels im Jahr 2016 und seiner Vorgeschichte mit den biografischen Skizzen zu Franz Kafka und seinem Freund Max Brod wechselt.

Max Brod lebte, genau wie Kafka, ebenfalls in Prag und war Schriftsteller und späterer Herausgeber der Werke Kafkas. Da er auch die unveröffentlichten Skizzen Kafkas z. B. des Romans „Der Prozess“ für Weltliteratur hielt, nahm er sie an sich und veröffentlichte sie auch gegen den ausdrücklichen Willen von Franz Kafka posthum, der 1924 in Prag im Alter von nur 41 Jahren an Tuberkulose verstarb.

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