Heilung durch Liebe und Religion. Rezension von Christoph Fleischer, Werl 2009

Zu: Jürg Willi. Wendepunkte im Lebenslauf. Klett-Cotta, Stuttgart 2007, 381 Seiten, 22,50 Euro.

Der Name Jürg Willi ist aus der Literatur der Paartherapie nicht wegzudenken, gilt er doch als Vater der „Kollusion“. Im ausführlichen Literaturverzeichnis dieses Buches finden sich so auch Nennungen seiner wichtigsten Arbeiten. Seinen Therapieansatz, den Willi aus der Paartherapie entwickelt hat, nennt er seit 1995 „ökologische“ Therapie, was aber wenig mit „Bio“ zu tun hat, sondern im strengen Sinn des Wortes die Beziehungsumwelt des Menschen meint. „Heilung durch Liebe und Religion. Rezension von Christoph Fleischer, Werl 2009“ weiterlesen

Interviews, Rezension von Christoph Fleischer, Werl 2009, zu Uwe Britten: Interviews planen, durchführen, verschriftlichen. Ein Arbeitsbuch, Bamberg 2002

Schon der Titel des Arbeitsbuches von Uwe Britten zeigt die Gliederung dieser Arbeitsbroschüre an: Planung, Durchführung und Verschriftlichung. Dieser Aufbau wird durch eine eigenständige Einleitung ergänzt, die auch auf die Fragen des journalistischen Dialogs eingeht, die der Kommunikation und verschiedener Interviewarten eingeht. „Interviews, Rezension von Christoph Fleischer, Werl 2009, zu Uwe Britten: Interviews planen, durchführen, verschriftlichen. Ein Arbeitsbuch, Bamberg 2002“ weiterlesen

Systemisch oder systematisch? Christoph Fleischer, Werl 2009

Rezension zu: Lehrbuch Praktische Theologie Band 3: Seelsorge von Christoph Morgenthaler, Gütersloher Verlagshaus 2009, ISBN 978-3-579-05404-9, 22,95 Euro

Wie der Titel meiner Rezension andeutet, ist es diese Frage zur „Seelsorge“-Theorie, die Christoph Morgenthaler mit dem 3. Band des „Lehrbuchs Praktische Theologie“ im Gütersloher Verlagshaus vorlegt(systemisch oder systematisch?), die sich sachgerecht durch alle Themengebiete der Seelsorge Lehre zieht, und demnach auch zu einer Gesamtdarstellung, einem Lehrbuch passt. Hier wird nicht darüber der Stab gebrochen, doch ist es gerade im Sinne Morgenthalers, dass Seelsorge immer so konkret und situativ geschieht, dass ein systematischer Zugang immer auf Offenheit und den Prozess des Agierens zielte und daher nicht im strengen Sinn systematisch genannt werden könnte. Sind systemisch und systematisch also ein Gegensatz?
Was heißt es denn anders, wenn die Frage „Was ist eigentlich Seelsorge?“ einerseits gestellt und andererseits offen gehalten werden soll? Was heißt es denn anders, wenn die Seelsorge vom Anderen her zu verstehen ist und auf den Anderen hin konzipiert werden soll, der doch immer zumindest in der Erstbegegnung der Unbekannte und so auch Rätselhafte ist?
Der Schlüssel des durchaus systematischen Aufbaus des Buches (1-5 Annäherungen und Grundlagen, 6-10 Themen und Zugänge, 11-15 Kompetenzen und Methoden, 16-20 Orte und Spezialisierungen) liegt im 4. Kapitel und damit in der „Konzeptbildung“. Hier wird der systemische Ansatz modellhaft so vollzogen, dass jede seelsorgerliche Handlung eine eigene Theoriebildung voraussetzt, was dann auch entsprechend auf die Theoriebildung der Seelsorgelehre anzuwenden wäre. Die Seelsorgelehre unterstützt also die Theoriebildung der Seelsorgenden darin, im konkreten seelsorgerlichen Vollzug handlungsfähig zu sein, wobei mit dem Begriff Konzeptionslosigkeit wohl der Gegenbegriff zur gelungenen Seelsorge gefunden wäre. Die Konzeptionsbildung wird ermöglicht durch:

–          Metaphern, die Zugänge zum eigenen Seelsorgeverständnis erleichtern

–          Entscheidung für ein bestimmtes Gesprächskonzept (z. B. gesprächstherapeutisch, psychoanalytisch oder systemisch)

–          Das Ziel, in die Frage nach dem Sinn hineinzuführen (z. B. dem Sinn einer Krankheit)

–          Ermöglichung der Kommunikationsschritte des Gegenübers wie Aussprechen, Erinnern, Wiederholen und durcharbeiten

–          Auslegung einer Seelsorgesituation mit dem Ziel Ansatzpunkte zur Erweiterung eigener Perspektiven zu finden

–          Unterschiedliche Konzepte, die es zuzulassen und ins Gespräch zu bringen gilt.

Diese Stichworte zeigen exemplarisch, dass die Frage nach einer bestimmten Seelsorgekonzeption nach Christoph Morgenthaler nicht die nach einem in jeder Situation zu funktionierenden Modell sein kann (wie kerygmatisch oder therapeutisch), sondern die Frage nach einer Konzeption in einer konkreten Situation unter der Voraussetzung des eigenen persönlichen Seelsorge (- und Kirchen)  Verständnisses sein muss.
Die einzelnen Kapitel des Seelsorge Lehrbuchs sind gründlich ausgearbeitet und dennoch nicht einheitlich konzipiert. Es scheint so, als ob jedes einzelne Kapitel, sei es bezogen auf konkrete Subjekte, Methoden oder Situationen jeweils auch ein eigenes oder anderes Konzept erfordert.
Natürlich werden regelmäßig die Grundlagen systemischer Orientierung genannt, die in der Seelsorgeausbildung zurzeit auch zum Grundbestand des Wissens gehören. Sie werden aber nicht systematisch theoretisch verortet, sondern auf di Praxisinhalte bezogen. Seelsorge fragt z. B. nach Ressourcen.  Das heißt hier, dass sie an das Credo des Einzelnen genauso denkt wie an die immanenten und transzendenten Beziehungsebenen. Sie ist lebensgeschichtlich orientiert, lässt erzählen, denkt an Stationen im Lebenszyklus und fragt nach der Relevanz der Religion für den Lebenslauf (Biografie). Eigene Entwicklungsphasen fragen nach eigenen Antworten auch in familienorientierter und intergenerationeller Perspektive. Sie kennt den Umgang mit Geschichten als eigenen Erkundungsprozessen und fragt danach, worin gerade die eigenen Erfahrungen, auch die zur Klage Anlass geben, zu Ressourcen werden können. So gesehen wird die Seelsorge selbst nicht nur als Aktion, sondern auch selbst als Ressource verstanden: Seelsorge bietet soziale Unterstützung; Seelsorgende können die bejahende Kraft der Gnade verkörpern; Seelsorge richtet den Blick auf die persönlichen Ressourcen; Seelsorge denkt daran, die eigene Selbstachtung zu stärken; Seelsorge fördert die Kommunikation.
Christoph Morgenthaler regt dazu an, Seelsorge mit der Selbstkonzeption zu vollziehen, also indirekt immer die systemischen Grundfragen durchzuarbeiten. Die Grundfrage, ob die Konzeption von ihrer Systematik her immer eindeutig und gleich funktioniert, wäre von diesem Ansatz her nicht nur nicht zu stellen, sondern auch abzulehnen. Seelsorge ist weder nur systemisch, nur Gender-orientiert, nur (inter-)religiös oder nur rituell. Seelsorge ist Gespräch und Stille, ist persönliches Handeln wir Einladung zur Passivität, Ergreifen einer Initi9ative wie das Suchen einer Ressource. Seelsorge ist Leben.
Christoph Morgenthaler lädt dazu ein, sich der eignen Konzeption im seelsorgerlichen Handeln bewusst zu sein und zu werden und diese auch immer wieder hinterfragen zu lassen. Das Material aus verschiedenen Handlungsperspektiven wird dazu reichlich geboten und es eignet sich dazu, in der Praxis erprobt zu werden. Hierin ist dieses Lehrbuch sicher auch eine Fundgrube. Ein Handbuch steht zwischen Theorie und Praxis. Das ist Christoph Morgenthaler im Konzept gelungen.

Mut zur Taufe, Christoph Fleischer Werl 2009

Rezension zu: Werkbuch Taufe, hrsg. Von Peter Barz, Bernd Schlüter Gütersloher Verlagshaus 2009, ISBN: 978-3-579-05915-0 Preis: 19,95 Euro
Zunächst beeindruckt an diesem Buch das multimediale Modell. Da dieses Praxisbuch aus einem Projekt entstand, war das Problem zu lösen, dass viel mehr Material unterzubringen war, als in ein Print-Medium gepasst hätte. Nun hat das Buch sowohl einen gedruckten Materialteil, als auch ein Inhaltsverzeichnis der beigefügten DVD, die selbstredend das gesamte Buch als PDF-Datei, sowie zusätzliche Texte, Präsentationen, Bilder, Praxisergebnisse, Druckvorlagen und ein Video enthält. Das Buch ergänzt die Handreichung der Evangelischen Kirche in Deutschland und lädt zur liturgischen Praxis ein. Da fehlen grundsätzliche Texte zur Tauftheologie ebenso wenig wie methodische Anregungen und Vorbereitungsmodelle für Taufliturgien zu diversen Altersphasen. Eine Vielzahl liturgischer und didaktischer Bausteine sowie ein erweiterter Blick auf das Thema Taufe in unterschiedlichen kirchlichen Handlungsfeldern schließen die Palette ab. So steht der Vorbereitung eines Konfirmandentages zur Taufe genauso wenig im Weg wie einer Unterrichtsreihe in der Schule. Keine Angst vor Neuerungen: Warum kann nicht für jedes Neugeborene Kind in der Gemeinde geläutet werden? Soll die Kindersegnung als Alternative zur Taufe wieder stärker beworben werden? Sollen junge Eltern angeschrieben und eingeladen werden? Können Taufkleider ausgeliehen werden? Wie gestaltet man Elternabende zur religiösen Erziehung? Findet eine Kinderbibelwoche zur Taufe in der Gemeinde statt oder ein Familientag im Kindergarten? Gibt es eine Taufecke in einer Kindertagesstätte? Das Grundschulalter und der Kindergottesdienst sind ebenso berücksichtigt wie die Pfadfinder und, selbstverständlich, die Konfirmandenarbeit. Ob auch ein Konfirmandentag im Schwimmbad dazu beitragen kann, mag vielleicht nicht jedem einleuchten, muss es aber auch nicht. Das ist ja auch der Sinn eines solchen Praxishandbuches, dass es einfach zu unterschiedlichen Formen gemeindlicher oder pädagogischer Praxis einlädt. Immer wieder zeigt sich, auch im Praxisteil für die Erwachsenenarbeit, dass das Tauferleben und die Tauferinnerung zusammen gehören. Je mehr Menschen auch, so oft es geht, im Gemeindegottesdienst eine Taufe erleben, umso stärker kann dieses Sakrament zur Verkündigung werden und übermittelt die Botschaft: Ich bin getauft, das heißt von Gott geliebt und von Christus erlöst. Die Gaben, die ich habe, können im Alltag und in der Gemeinde allen Menschen zugutekommen. Die Taufe darf kein Anhängsel zur Predigt sein, denn sie verkündigt selbst. Danke für dieses Taufbuch.

Mit Gott in der Moderne? Rezension von Christoph Fleischer, Werl 2010

Zu: Leszek Kolakowski, Falls es keinen Gott gibt, Die Gottesfrage zwischen Skepsis und Glaube. Gütersloher Verlagshaus 2008 (Neuauflage der deutschen Übersetzung von Friedrich Griese von 1982) ISBN 978-3-579-06471-0, 19,95 Euro

Wenn Leszek Kolakowski, der am 17. Juli 2009 im Alter von 81 Jahren gestorben ist, in seinem letzen Interview sagte, er rechne nicht mit dem Tode Gottes (www.welt.de, vom 04.09.2009), hat er sicherlich keine besondere Aufregung hervorgerufen. Das war in den siebziger und achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts etwas anders, zumal in seiner polnischen Heimat, die er verlassen musste. In seinem Buch „Falls es keinen Gott gibt“ rechnete er 1982 mit dem blutleeren Atheismus seiner marxistischen Berufskollegen ab und öffnete, wie mit ihm in Frankreich Emanuel Levinas, die Tür zur Wiederentdeckung des Religiösen. „Mit Gott in der Moderne? Rezension von Christoph Fleischer, Werl 2010“ weiterlesen