Annette von Droste-Hülshoff: Am sechsundzwanzigsten Sonntage nach Pfingsten, Kommentar: Christoph Fleischer
Evang.: Vom Greuel der Verwüstung
|
Steht nicht der Greuel der Verwüstung da Gibt's eine Stätte denn, die heiliger Doch wer sein Kleinod als ein Spielgerät Kannst du ertragen, daß die Augen schaun, O hätt' ich nimmer meinen Fuß gewandt Ich bin enttäuscht, und manche Narbe trug Ward ich nicht ganz der öden Stätte gleich, So will ich harren denn, und tiefbedrängt Bis heute, wo aus dieser kranken Brust |
Kommentar (Christoph Fleischer): Die Verödung und Verwüstung der heiligen Stätte ist ein Bild der Zerstörung menschlicher Herzen, z. B. durch "matte Scherze". Sogar ein schwacher Glaube, der einen Grabstein hinter sich her zieht, ist besser als gar keiner. Wessen Liebe dagegen zerstört wird, dem ist das Feuer am Altar erloschen (der Glaube erkaltet). Das Land wird nur durch Gottes Huld zum Segen, zur Flur des Lebens. Die Erde, die Natur, die Heimat und ein Bild unverfälschten Lebens. Dennoch: Die Trümmer der eigenen Seele sind verwachsene Narben. Gottes Gnade ist größer als "meine SChuld". Der Glaube, der in früher Kindheit in meine Seele gelegt wurde, wird die Zertrümmerung sogar in Krisen überstehen. Der "morsche Bau", der eigene Körper, ist noch nciht gestorben. Gottes Gnade ist größer als die Zertrümmerung der Seele.
^ nach oben // //
Einen Kommentar schreiben