Wozu waren die Juden da? Rezension, Christoph Fleischer, Welver 2018

Zu:

Annette von Droste-Hülshoff: Die Judenbuche, Hörbuch, gelesen von Hans Sigl, Reclam, Stuttgart 2017, SONY Music, Gütersloh 2017, ungekürzte Fassung der Ausgabe Reclam Universal Bibliothek Nr. 1858, 2 CD, Gesamtdauer 2:07:14, Preis: 7,73 Euro (Amazon)

© Sony Music

Die Judenbuche: Warum ist das sechste oder siebte Hörbuch dieser bekannten Novelle der westfälischen Dichterin Annette von Droste-Hülshoff (1797 – 1848) herausgekommen? Die Antwort ergibt sich erst, wenn wir diese Hörbuchausgabe des Reclam-Verlages anhören.

Subjektiv gesagt muss ich mich schämen, den Text bis zur Erfahrung dieses Hörbuchs nie richtig verstanden zu haben, obwohl ich das Buch schon als Schulkind gelesen habe (oder habe ich die Lektüre nicht ganz gelesen?). Vor einiger Zeit habe ich mir schon einmal eine Hörbuchausgabe der „Judenbuche“ angehört. Doch sind wieder Zweifel geblieben. „Wozu waren die Juden da? Rezension, Christoph Fleischer, Welver 2018“ weiterlesen

Der Untergang des Judentums in Osteuropa, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2017

Zu:

Zvi Harry Likwornik: Als Siebenjähriger im Holocaust, Nach den Ghettos von Czernowitz und Bérschad in Transnistrien ein neues Leben in Israel 1934-1948-2012, Hrsg. Von Erhard Roy Wiehn, Hartung-Gorre Verlag Konstanz, 2. Auflage 2013, 218 Seiten, ISBN 978-3-86628-426-5, Preis: 18,00 Euro

Der Kindheitsbericht des Holocaust-Überlebenden Zvi Harry Likwornik schildert die Ereignisse und Gewalt-Exzesse der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik aus Sicht eines Kindes, so wie sie dem 1934 Geborenen im Gedächtnis geblieben ist. Eine Information, ob er heute noch lebt, habe ich im Internet leider nicht gefunden. Das Buch ist im Jahr 2011 in hebräischer Sprache erschienen. Es ist wirklich großartig und erschreckend zugleich, durch den Bericht eines Augenzeugen in die Welt der Hauptstadt der Landschaft Bukowina geführt zu werden, die heute zur Westukraine gehört. Die Muttersprache des Autors ist Deutsch, weil es die Sprache seiner Mutter war. „Der Untergang des Judentums in Osteuropa, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2017“ weiterlesen

Kunst endet nicht in Auschwitz, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2016

Zu: Mark Schaevers: Orgelmann, Felix Nussbaum – Ein Malerleben, Aus dem Niederländischen von Marlene Müller-Haas, Verlag Galiani, Berlin 2016, illustriert mit Bildern von und über Felix Nussbaum, gebunden, 469 Seiten, ISBN 978-3-86971-135-5, Preis: 38,00 Euro; Die Veröffentlichung der in der Rezension enthaltenen Bilder wurde mir am 29.8.2016 von der Stadt Osnabrück, Felix-Nussbaum-Museum genehmigt.

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Der zweite Teil des Buches über Felix Nussbaum ab S. 393 erzählt die Geschichte der Auferstehung dieses Malers, der in Auschwitz ermordet wurde. Da er zu Lebzeiten noch nicht so bekannt war, ist die Wiederentdeckung seiner Bilder und deren Sammlung in Osnabrück zugleich der posthume Auftritt dieses Malers. Der Paukenschlag ist die Erstellung des Felix-Nussbaum-Museums durch den amerikanisch-jüdischen Architekten Daniel Libeskind, eröffnet im Jahr 1998. Die Bilder Felix Nussbaums werden hier gesammelt und gezeigt und für Ausstellungen weitergegeben. Träger des Museums ist die Stadt Osnabrück. Das Buch schildert den Werdegang des Museums, dessen Errichtung durch vorangegangene Ausstellungen erst möglich gemacht wurde. Typisch für den Kunstmarkt ist auch, dass es beim Ankauf eines Bildes zu einer Panne kam. Die Stadt zahlte 200.000 Euro für die Fälschung „Puppe und Pampelmuse“. Der Fälscher selbst erhielt davon 5000 Euro, und danach eine Gefängnisstrafe von einem Jahr und neuen Monaten auf Bewährung. „Kunst endet nicht in Auschwitz, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2016“ weiterlesen

Predigt über Offenbarung 21, 1-7, Christoph Fleischer, Welver 2016

 

Die Predigt wird am Ewigkeitsonntag in der reformierten Kirche in Soest (Schiefer Turm) gehalten.

Offenbarung 21, 1-7 (Zürcher Bibel)

1 Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde.

Denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. 2 Und die heilige Stadt, ein neues Jerusalem, sah ich vom Himmel herabkommen von Gott her, bereit wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat.

3 Und ich hörte eine laute Stimme vom Thron her rufen:

Siehe, die Wohnung Gottes bei den Menschen! Er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und Gott selbst wird mit ihnen sein, ihr Gott.

4 Und abwischen wird er jede Träne von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, und kein Leid, kein Geschrei und keine Mühsal wird mehr sein; denn was zuerst war, ist vergangen.

5 Und der auf dem Thron sass, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er sagt: Schreib, denn diese Worte sind zuverlässig und wahr. 6 Und er sagte zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich werde dem Dürstenden von der Quelle des Lebenswassers zu trinken geben, umsonst.

7 Wer den Sieg erringt, wird dies alles erben, und ich werde ihm Gott sein, und er wird mir Sohn sein.

 

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Foto: Niklas Fleischer (c)

Liebe Gemeinde,

Diesen Text aus der Offenbarung kenne ich seit meiner Kindheit und ich muss sagen, dass ich von dieser Radikalität immer sehr fasziniert war. Allerdings hätte mir damals eine neue Erde voll und ganz gereicht. Warum Johannes sich und uns auch einen neuen Himmel wünscht, dass ist mir damals nicht klar gewesen. Bis ich auf einmal gerade zu dieser Aussage einen neuen Zugang bekommen habe. Das war im Jahr 1987 und ich saß mit zigtausend anderen Menschen auf dem Fußballplatz der Frankfurter Eintracht, im Waldstadion. Nur dass es kein Fußballspiel war, was ich damals erlebte, sondern den Schlussgottesdienst eines Kirchentages. Der Kirchentag war noch sehr geprägt vom Widerstand gegen die Apartheid in Südafrika – muss ich erklären, dass man damals schwarze und hellhäutige Menschen brutal voneinander getrennt hat und die Schwarzen gezwungen hat, in sogenannten Homeland oder Townships wie Soweto zu leben. Entweder lebten sie als Wanderarbeiter weit von ihrer Familie oder von den Townships aus fuhren die meisten mit den Zügen nach Großstädten wie Johannesburg oder Kapstadt zur Arbeit, sei es als Haussklavin oder als billige Arbeitskraft? „Predigt über Offenbarung 21, 1-7, Christoph Fleischer, Welver 2016“ weiterlesen

Philosophie im Kontext – Heidegger im Licht des Antisemitismus, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2016

Zu: Donatella Di Cesare: Heidegger, die Juden, die Shoah, Vittorio Klostermann, Frankfurt/Main 2016, 406 Seiten, ISBN 978-3-465-04253-2, Preis: 29,95 Euro.

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Die Erstausgabe dieses Buches ist 2014 in italienischer Sprache erschienen. Die Autorin Donatella Di Cesare, Professorin für Sprachphilosophie und jüdische Philosophie in Rom, die auch in Deutschland studiert und gelehrt hat, hat die deutsche Übersetzung selbst erstellt. Dabei wurde der Text der ersten Auflage um einige Abschnitte erweitert, da inzwischen noch weitere Ausgaben der „Schwarzen Hefte“ Heideggers der Öffentlichkeit vorlagen. Donatella Di Cesare hat sich bereits in der Diskussion um Martin Heideggers Antisemitismus geäußert, wie z. B. bei  der Tagung des Martin-Heidegger-Instituts an der Bergischen Universität Wuppertal 2014 (Peter Trawny, Andrew J. Mitchell, Heidegger, die Juden, noch einmal, Frankfurt/Main 2015) oder im Philosophiemagazin Hohe Luft (siehe hier:  http://www.hoheluft-magazin.de/heidegger/). „Philosophie im Kontext – Heidegger im Licht des Antisemitismus, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2016“ weiterlesen