Predigt Erntedankfest 2016, Christoph Fleischer,Welver 2016

Die Predigt wird gehalten in der reformierten Kirche Soest am 02.10.2016

  1. Korinther 9, 6 – 15 (Bibel in gerechter Sprache):

Dies aber lasst euch sagen:
Die spärlich säen, werden auch spärlich ernten.
Und die auf Segen hin säen, werden auch Segen ernten.
Jede und jeder gebe, wie sie es im Herzen vorher bedacht und entschieden haben, nicht bedrückt oder aus Zwang.
Denn Gott liebt die, die unbeschwert geben.
Gott hat die Macht, all die freundliche Zuwendung bei euch überfließen zu lassen, so dass ihr in allem, allezeit, alles zur Genüge habt und dazu noch Überfluss zu jeder guten Tat.
So steht es in der Schrift: Gott hat ausgestreut und den Armen gegeben, Gottes Gerechtigkeit bleibt in Ewigkeit.
Gott gewährt den Säenden Saatgut und Brot zur Speise und wird so auch euch Saat geben und vermehren und die Früchte eurer Gerechtigkeit wachsen lassen.
Ihr werdet reich sein an lauter Güte, die durch unser Mitwirken Danksagung für Gott hervorbringt.
Denn eure Unterstützung mit Hilfe dieser Opfergabe begegnet nicht allein der Not der heiligen Geschwister in Jerusalem, sondern strömt in vielfältigem Dank an Gott.
Denn angesichts dieser erfahrenen Hilfe lässt ihr Lobpreis Gott aufstrahlen, weil ihr euch so folgsam zur Freudenbotschaft des Messias und zur gütigen Gemeinschaft mit ihnen und allen bekennt.
Und während sie für euch beten, haben sie Sehnsucht nach euch wegen der überwältigenden Zuwendung Gottes zu euch.
Dank sei Gott für sein unsagbar großes Geschenk.

Niklas Fleischer (c)
Niklas Fleischer (c)

 

Liebe Gemeinde,

Zunächst möchte ich noch kurz an das Evangelium erinnern, das Gleichnis vom reichen Kornbauern. Dieser reiche Kornbauer sind wir selbst. Das heißt nicht, dass jeder von uns einen eigenen Kornspeicher hat. Das übernimmt das Wirtschaftssystem für uns. Wir haben unsere Kornspeicher, unsere nationale Energiereserve. „Predigt Erntedankfest 2016, Christoph Fleischer,Welver 2016“ weiterlesen

Kirchenrecht – notwendige Unterstützung kirchlichen Lebens, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2016

Zu: Annette Kurschus (Hrsg.): Mit Talent und Freude, „Bewahre, was dir anvertraut ist.“ 1. Timotheus 6,20, Vizepräsident Klaus Winterhoff zum Abschied, Luther-Verlag, Bielefeld 2016, gebunden, 460 Seiten, ISBN 978-3-7858-0689-0, Preis: 19,95 Euro

Inhaltsverzeichnis und Leseprobe http://www.lutherverlag.de/Winterhoff_Inhalt.pdf

9783785806890

Die Festschrift zur Verabschiedung des juristischen Vizepräsidenten Klaus Winterhoff ist von der evangelischen Kirche von Westfalen herausgegeben worden, um „Dankbarkeit“ auszudrücken, aber auch, um seine persönliche Stellung als Jurist in der Leitung der Evangelischen Kirche von Westfalen zu würdigen. Seine Leistung geht bis hin zur Gestaltung des Gebäudes des Landeskirchenamtes, was zwei Archivfotos auf dem Umschlag dokumentieren.

Die umfangreiche Zahl der Beiträge und deren Vielfalt dokumentierten das Wirken von Klaus Winterhoff, dessen Haupteigenschaften Glaube, Bodenständigkeit und Humor sind, wie Präses Annette Kurschus im Geleitwort des Buches herausstellt. „Kirchenrecht – notwendige Unterstützung kirchlichen Lebens, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2016“ weiterlesen

Die Quellen der Kraft, Andacht neun, Psalm 105, Dankbarkeit, Christoph Fleischer, Welver 2015

Psalm 105 (Gute Nachricht Bibel)

1Dankt dem HERRN!
Macht seinen Namen überall bekannt;
verkündet allen Völkern, was er getan hat!
2Singt und spielt zu seiner Ehre,
ruft euch seine Wunder ins Gedächtnis!
3Seid stolz auf ihn, den heiligen Gott!
Seid voller Freude über ihn, ihr, die ihr nach ihm fragt!
4Geht zum HERRN, denn er ist mächtig;
sucht seine Nähe zu aller Zeit!
5Erinnert euch an seine machtvollen Taten,
an seine Wunder und Gerichtsurteile,
6ihr Nachfahren seines Dieners Abraham,
ihr Nachkommen Jakobs, ihr seine Erwählten!
7Er ist unser Gott, er, der HERR,
seine Herrschaft umschließt die ganze Welt.
8Niemals vergisst er seinen Bund mit uns,
sein Versprechen gilt tausend Generationen.
9So hat er es Abraham zugesagt
und es Isaak mit einem Schwur bestätigt.
10So hat er es Jakob fest versprochen,
als ewigen Bund mit Israel.
11Er hat gesagt: »Ich gebe euch ganz Kanaan,
ich teile es euch zu als Erbbesitz.«
12Sie waren damals leicht zu zählen,
nur eine Hand voll Leute waren sie,
eingewanderte Fremde im Land.
13Sie zogen von einem Volk zum andern,
auf Wanderschaft in vieler Herren Länder.

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Hochzeitskapelle

Der Psalm geht noch weiter und wendet sich den Grundaussagen der Bücher Mose zu, untermauert dies mit den Schilderungen der Wüstenwanderung und der Landnahme. Doch das sind historische Ereignisse. Ich frage mich, wie man den Anfang dieses Psalms auf unser eigenes Leben übertragen kann.

Ich sehe hier vier Aspekte:

Aufforderung zur Dankbarkeit und zur Freude über Gott, Verse 1 – 3.

Zuerst geht es um das Gotteslob allgemein. Danken und Loben gehen zusammen. Wer dankt, bezieht sein Leben auf Gott. Dazu gehört die Aufforderung, Gottes Taten bekannt zu machen. Ich schlage vor, dass wir den geschichtlichen Bereich einmal ausblenden, und die Erinnerung ganz persönlich verstehen. Was sind die Spuren Gottes in meinem Leben?  „Die Quellen der Kraft, Andacht neun, Psalm 105, Dankbarkeit, Christoph Fleischer, Welver 2015“ weiterlesen

Das spirituelle Potential ist in der Kirche vorhanden. Anmerkungen zu einer Pressemeldung von Gerd Kracht, Recklinghausen 2014

Die Geschwindigkeit auf dem Weltanschauungsmarkt verändert sich durch das Internet rasant.  Wie ändert sich der Weltanschauungsmarkt? Das erklärt Professor Peter Kruse der Enquete -Kommission des Deutschen Bundestages in 3 Minuten und 33 Sekunden. https://www.youtube.com/watch?v=e_94-CH6h-o
Die Machtverschiebung geht vom Anbieter über zum Nachfrager. Das ist in der Geschichte einmalig.
Die Evangelische Kirche von Westfalen fragt sich: „Wie also können wir als Evangelische Kirche von Westfalen auf dem sich wandelnden Weltanschauungs- Markt noch mithalten? Werden auch für lange dienende Kolleginnen und Kollegen noch Ruhestandsgehälter bezahlt werden können? Und was soll aus den Pfarrerinnen und Pfarrern werden, wenn Volkskirche vom Volk weniger angenommen wird?“ Oder für die Zukunft: „Lassen sich in dieser allgemein schwierigen kirchlichen Lage noch leidenschaftliche Theologiestudentinnen und Studenten für den Dienst in der Kirche begeistern?“ (siehe http://www.evangelisch-in-westfalen.de/presse/ansicht/artikel/kurschus-an-der-volkskirche-festhalten.html

Diese Beschreibung dient mir als gutes Beispiel für Dankbarkeit: Kann ich für alles dankbar sein? Kann ich als Pfarrer/Pfarrerin dankbar sein, dass in der Volkskirche, immer weniger Volk vorkommt? Nein, natürlich nicht. Aber ich kann die geschenkte Situation jetzt als Möglichkeit ansehen: Was kann ich jetzt tun?
a) in der Vergangenheit wurde kirchlicherseits gefragt: „Wen müssen wir – und warum – ausgrenzen, ablehnen, worin uns abgrenzend verhalten?“
b) heute wird mehr und mehr effektiv gefragt: „Welche spirituellen Entwicklungs- Möglichkeiten bringen Menschen immer schon mit? An welche Potentiale kann erinnert werden? Oder: „Wie kann sich Kirche dieses Bewusstsein zunutze machen?“

Die Begegnung mit David Steindl-Rast, O.S.B.1 und eigene Praxis- Erfahrungen führen mich immer mehr zur Dankbarkeit als Haltung dem Leben gegenüber.
Diese Haltung entspringt der Einsicht, dass alles Leben ein Geschenk ist. Dankbarkeit ist demnach kein Gefühl, sondern eine Lebenshaltung, die zur Vervielfältigung der Lebensfreude führt. Alles, was es gibt, ist eine Gegebenheit, ein Geschenk. Wir selbst sind in diesem Sinne eine ‚Gegebenheit’: Wir haben uns nicht gemacht oder gekauft oder verdient, wir sind uns ‚gegeben’.
Ergänzend zur alten, in kirchlichen Kreisen bekannt als paulinischen Praxis, „Dankbarkeit in Beziehung zur Lebensfreude,“ verfügen wir heute über wissenschaftliche Studien, die unsere bisherigen theologischen Studien ergänzen. http://www.profilmetall.de/fileadmin/user_upload/news_presse/Dankbarkeit.pdf, http://www.gratefulness.org/readings/uebung_dsr.htm

Ich denke, der Idealismus und die Leidenschaft, mit der die meisten von uns Theologen unser Studium begonnen haben, kann sich in Dankbarkeit neu entfalten. Besonders dann wenn man wie ich, viele Arbeitsbereiche in der Kirche kennenlernen durfte.

Eben 1977 horte ich von Karl Rahner in der Katholischen Hochschulgemeinde in Münster die visionäre Bemerkung, „dass die Kirche der Zukunft mystisch sei oder nicht mehr sei.“ „Und Mystik,“ so Rahner weiter, „meint eine letzte Glaubensüberzeugung und Glaubensentscheidung, die nicht das Resultat einer von außen kommenden lehrhaften Indoktrination ist, sondern aus dem Innersten der menschlichen Existenz selbst aufbricht.“
Der mystische Weg im Aufbruch zum Innersten der Existenz ist für mich unbedingt mit Dankbarkeit verbunden weil,
– Dankbarkeit jedem sofort verständlich ist,
– Dankbarkeit der Schlüssel zur eigenen Gegenwart ist. Man kann für die Zukunft oder
Vergangenheit dankbar sein. Aber das kann man nur in der Gegenwart.
– Dankbarkeit von innen her lebendig und glücklich macht.
– nicht Glücklichsein dankbar macht, sondern Dankbarkeit glücklich.

Anmerkungen: 1 David Steindl-Rast im Austausch mit Erwachsenen und Kindern in musikalischemRahmen.
Dankbar leben im MuTh Wien 2014 : https://www.youtube.com/watch?v=y9bQ-vXUcMk
und Grow, Gratefulness, Grow: https://www.youtube.com/watch?v=JkKKzQkkhyg

Predigt über 1. Thessalonicher 5, 14-24, Christoph Fleischer, Welver 2014

Erster Thessalonicherbrief 5,14 – 24

14Wir bitten euch weiter, liebe Brüder und Schwestern:
Weist die zurecht, die ein ungeregeltes Leben führen.
Ermutigt die Ängstlichen.
Helft den Schwachen und habt Geduld mit allen.
15Achtet darauf, dass niemand von euch Böses mit Bösem heimzahlt.
Bemüht euch vielmehr stets, das Gute zu tun, im Umgang miteinander und mit allen Menschen.
16Freut euch immerzu!
17Betet unablässig!
18Dankt Gott in jeder Lebenslage! Das will Gott von euch als Menschen, die mit Jesus Christus verbunden sind.
19Unterdrückt nicht das Wirken des Heiligen Geistes.
20Verachtet nicht die Weisungen, die er euch gibt.
21Prüft aber alles, und nehmt nur an, was gut ist.
22Von jeder Art des Bösen haltet euch fern!
23Gott aber, der uns seinen Frieden schenkt, vollende euch als sein heiliges Volk und bewahre euch völlig unversehrt, fehlerlos an Geist, Seele und Leib, für den Tag, an dem Jesus Christus, unser Herr, kommt. 24Gott ist treu, der euch berufen hat; er wird euch auch vollenden.

Liebe Gemeinde,

die Drüggelter Kapelle am Möhnesee kann es wahrlich mit den großen Kirchen der Soester Innenstadt aufnehmen, denn sie ist ein Unikat. Das kleine Kirchenschiff ist rund und wird von 12 Säulen umrahmt. Die Säulenkapitelle, also die Träger des Gewölbes haben grafische Zeichnungen, die man kaum deuten kann. Eines aber ist klar, sie sind alle unterschiedlich. Keine Säule ist wie die andere. Sicherlich muss man bei diesen zwölf Säulen zuerst an das Volk Israel denken oder an die Apostel Jesu. Doch auch hier in diesem Text befindet sich die Zahl zwölf. Der Text enthält zwölf Aufforderungen oder Ratschläge.

„Predigt über 1. Thessalonicher 5, 14-24, Christoph Fleischer, Welver 2014“ weiterlesen