Zarathustra neu lesen, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2018

Zu: Heinrich Meier: Was ist Nietzsches Zarathustra? Eine philosophische Auseinandersetzung, Verlag C.H.Beck, München 2017, gebunden, 240 Seiten, ISBN: 978 3 406 707940, Preis: 26,95 Euro

Heinrich Meier lehrt als Philosophie-Professor an der Ludwig-Maximilian-Universität in München und zugleich in Chicago. Außerdem leitet er die Carl Friedrich von Siemens Stiftung in München. Die Notizen zum Hauptwerk von Friedrich Nietzsche „Also sprach Zarathustra“ sind in diversen Lehrveranstaltungen entstanden. „Zarathustra neu lesen, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2018“ weiterlesen

Heidelberger Katechismus zwischen Mittelalter und Neuzeit, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2018

Zu: Profil und Wirkung des Heildelberger Katechismus, Neue Forschungsbeiträge anlässlich des 450jährigen Jubiläums/ The Heidelberger Catechism: Origins, Characteristics, and Influences: Essays in Reappraisal in the Occasion of ist 450th Anniversary, Herausgegeben von/ edited by  Christoph Strohm, Jan Stievermann, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2015, Softcover, 415 Seiten, ISBN: 978-3-579-05996-9, Preis: 44,00 Euro

Profil und Wirkung des Heidelberger Katechismus The Heidelberg Catechism Origins Characteristics and Influences von

Zum 450jährigen Jubiläum des Heidelberger Katechismus (im weiteren: HK) fand das hier dokumentierte Wissenschaftsforum vom 9. bis 11. Mai 2013 in Heidelberg statt. Aus heutiger Sicht ist diese Dokumentation auch ein Beitrag zum Reformationsjubiläum im Jahr 2017.

Wie schon die Überschrift signalisiert, geht es um das theologische Profil dieser reformierten Bekenntnisschrift, seine Auswirkungen auf die reformierten Kirchen und Gemeinden und ihre kirchlichen Verbindungen sowie der Wirkungsgeschichte im 17. und 18. Jahrhundert.

Die ökumenische und internationale Weite des HK zeigt sich auch darin, dass sieben der 20 Artikel in englischer Sprache verfasst sind. Besser wäre es allerdings gewesen, die Dokumentation jedes Beitrags mit einer englischen und deutschen Zusammenfassung einzuleiten, wie es in mehrsprachigen Aufsatzsammlungen allgemein üblich ist. „Heidelberger Katechismus zwischen Mittelalter und Neuzeit, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2018“ weiterlesen

Predigt 1. Korinther 14 (Auswahl)

Die Predigt 1. Korinther 14 (Auswahl) zum 2. Sonntag nach Trinitatis wird gehalten in Günne und in Neuengeseke am 9./10.6.2018.

1 Strebt nach der Liebe!  Bemüht euch um die Gaben des Geistes, am meisten aber darum, dass ihr prophetisch redet!

2 Denn wer in Zungen redet, der redet nicht zu Menschen, sondern zu Gott; denn niemand versteht ihn: im Geist redet er Geheimnisse.

3 Wer aber prophetisch redet, der redet zu Menschen zur Erbauung und zur Ermahnung und zur Tröstung.

4 Wer in Zungen redet, der erbaut sich selbst; wer aber prophetisch redet, der erbaut die Gemeinde. …

10 Es gibt vielerlei Sprachen in der Welt, und nichts ist ohne Sprache. 11 Wenn ich nun die Bedeutung der Sprache nicht kenne, werde ich ein Fremder sein für den, der redet, und der redet, wird für mich ein Fremder sein.

12 So auch ihr: Da ihr euch bemüht um die Gaben des Geistes, so trachtet danach, dass ihr sie im Überfluss habt und so die Gemeinde erbaut. …

20 Liebe Brüder und Schwestern, seid nicht Kinder, wenn es ums Verstehen geht; sondern seid Kinder, wenn es um Bosheit geht; im Verstehen aber seid erwachsen. 21 Im Gesetz steht geschrieben: »Ich will in andern Zungen und mit andern Lippen reden zu diesem Volk, aber auch so werden sie nicht auf mich hören, spricht der Herr.« 22 Darum ist die Zungenrede ein Zeichen nicht für die Gläubigen, sondern für die Ungläubigen; die prophetische Rede aber ein Zeichen nicht für die Ungläubigen, sondern für die Gläubigen.

23 Wenn nun die ganze Gemeinde an einem Ort zusammenkäme und alle redeten in Zungen, es kämen aber Unkundige oder Ungläubige hinein, würden sie nicht sagen, ihr seid von Sinnen? 24 Wenn aber alle prophetisch redeten und es käme ein Ungläubiger oder Unkundiger hinein, der würde von allen überführt und von allen gerichtet; 25 was in seinem Herzen verborgen ist, würde offenbar, und so würde er niederfallen auf sein Angesicht, Gott anbeten und bekennen, dass Gott wahrhaftig unter euch ist.

Foto: Niklas Fleischer (c)

Liebe Gemeinde,

 

dieser Text, den wir in Auszügen gehört haben, lehnt sich sehr eng an das bekannte Hohelied der Liebe. Um das kurz ins Gedächtnis zu rufen, lese ich die ersten drei Verse und den letzten:

„Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, sodass ich Berge versetzen könnte, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und meinen Leib dahingäbe, mich zu rühmen, und hätte der Liebe nicht, so wäre mir’s nichts nütze.

Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ (1.Korinther 13, 1-3.13)

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Predigt zu Jeremia 23 mit Zitaten von Dietrich Bonhoeffer aus dem Buch „Nachfolge“ (1937), Christoph Fleischer, Welver 2018

Die Predigt über Jeremia 23, 16 – 29 wird am 1. Sonntag nach Trinitatis in Neuengeseke gehalten.

 

16 So spricht der HERR Zebaoth:

Hört nicht auf die Worte der Propheten, die euch weissagen!

Sie betrügen euch, sie verkünden euch Gesichte aus ihrem Herzen und nicht aus dem Mund des HERRN.

17 Sie sagen denen, die des HERRN Wort verachten: Es wird euch wohl gehen – und allen, die im Starrsinn ihres Herzens wandeln, sagen sie: Es wird kein Unheil über euch kommen.

18 Aber wer hat im Rat des HERRN gestanden, dass er sein Wort gesehen und gehört hätte? Wer hat sein Wort vernommen und gehört?

19 Siehe, es wird ein Wetter des HERRN kommen voll Grimm und ein schreckliches Ungewitter auf den Kopf der Gottlosen niedergehen.

20 Und des HERRN Zorn wird nicht ablassen, bis er tue und ausrichte, was er im Sinn hat; zur letzten Zeit werdet ihr es klar erkennen.

21 Ich sandte die Propheten nicht, und doch laufen sie; ich redete nicht zu ihnen, und doch weissagen sie.

22 Denn wenn sie in meinem Rat gestanden hätten, so hätten sie meine Worte meinem Volk gepredigt, um es von seinem bösen Wandel und von seinem bösen Tun zu bekehren.

23 Bin ich nur ein Gott, der nahe ist, spricht der HERR, und nicht auch ein Gott, der ferne ist?

24 Meinst du, dass sich jemand so heimlich verbergen könne, dass ich ihn nicht sehe? spricht der HERR. Bin ich es nicht, der Himmel und Erde erfüllt? spricht der HERR.

25 Ich höre es wohl, was die Propheten reden, die Lüge weissagen in meinem Namen und sprechen: Mir hat geträumt, mir hat geträumt.

26 Wann wollen doch die Propheten aufhören, die Lüge weissagen und ihres Herzens Trug weissagen

27 und wollen, dass mein Volk meinen Namen vergesse über ihren Träumen, die einer dem andern erzählt, so wie ihre Väter meinen Namen vergaßen über dem Baal?

28 Ein Prophet, der Träume hat, der erzähle Träume; wer aber mein Wort hat, der predige mein Wort recht.

Wie reimen sich Stroh und Weizen zusammen? spricht der HERR.

29 Ist mein Wort nicht wie ein Feuer, spricht der HERR, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt?

Foto: Niklas Fleischer (c)

Liebe Gemeinde,

diese Worte aus dem Buch des Propheten Jeremia kommen zu uns aus einer alten, längst vergangenen Zeit. Das einzige, was man sich vielleicht ins Gedächtnis rufen sollte: Die Propheten sind die Verkünder des Wortes Gottes. Sie halten den Glauben an den lebendigen Gott wach, der Himmel und Erde geschaffen hat, der das Volk Israel in seinen Bund berufen hat und der es aus der Knechtschaft herausgerufen hat in die Freiheit und in das Land, das ihnen versprochen worden ist. „Predigt zu Jeremia 23 mit Zitaten von Dietrich Bonhoeffer aus dem Buch „Nachfolge“ (1937), Christoph Fleischer, Welver 2018“ weiterlesen

Predigt über Jeremia 31,31-34, Christoph Fleischer, Welver 2018

Die Predigt wird gehalten in Neuengeseke und Möhnesee-Völlinghausen am Sonntag Exaudi 2018 über: Jeremia 31, 31-34 (Lutherbibel 2017). Weiterhin werde ich die Predigt in erweiterter Form am Pfingstsonntag in der reformierten Kirche in Soest halten.

Als freien Einstieg habe ich einige aktuellen Beobachtungen zu Thema Antisemitismus zusammengetragen:

Es handelt sich um einen sogenannten Kippa-Test. Ein 21-Jahre alter israelischer Student, wollte einem Bekannten, der auch Israeli ist, beweisen, dass es völlig sicher ist, sich in Deutschland als Israeli bzw. als Jude zu erkennen zu geben. Er ist mit seiner Kippa, einer jüdisch-religiösen Kopfbedeckung auf die Straße gegangen. Im Stadtbezirk Prenzlauer Berg wurde er von einem palästinensischen Flüchtling mit einem Gürtel geschlagen. Der daraufhin wegen Körperverletzung angeklagt und festgenommen wurde. Wie ich lese, war der Begleiter des israelischen Studenten ein Redakteur vom Deutschlandfunk. Daher wurde der ganze Vorfall auch aufgenommen und ins Internet gestellt.

Ein anderer Test, zweifelsohne eigentlich politischen Inhalts, wurde von der Bild-Zeitung veranstaltet. Sie haben in der Nähe einer U-Bahnstation in Berlin-Neukölln eine israelische Flagge an einem Zaun aufgehängt. Diese Fahne wurde von zwei jungen Männern heruntergerissen. Diese versuchten dann auch die Fahne anzuzünden und sich dabei zu filmen.

Der Zeitungsbericht über den Kippa-Test notiert, dass es im Jahr2017 1453 neue Straftaten in Deutschland gegeben hat, wovon allerdings 90 Prozent von der rechtsradikalen Szene verübt wurden.

(Quelle u.a.: https://www.swp.de/politik/inland/angriff_-kippa-tragen-war-ein-test-25358318.html)

Ergänzend möchte ich noch darauf hinweisen, dass mich die Vorfälle am Grenzzaun des Gazastreifens mit großer Betroffenheit erfasst haben. Man mag den Vorgang bewerten wie man will, aber der Schusswaffeneinsatz gegen die Zivilbevölkerung ist gegen alle völkerrechtlichen Regeln. Ich denke, dass man einen Ausdruck der Sorge angesichts dieser Vorgänge nicht als Antisemitismus bezeichnen kann, auch wenn er sich zum Teil ähnlich äußert.

Ich möchte in dieser Predigt insofern auf die Frage des Antisemitismus eingehen, indem das Thema des religiösen Antijudaismus, der im Christentum überliefert worden ist, näher betrachtet wird. Der Predigttext aus dem Buch Jeremia gibt dazu eine gute Vorlage:

Jeremia 31, 31-34:

31 Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR,

da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda

einen neuen Bund schließen,

32 nicht wie der Bund gewesen ist,

den ich mit ihren Vätern schloss,

als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen,

mein Bund, den sie gebrochen haben,

ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR;

33 sondern das soll der Bund sein,

den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit,

spricht der HERR:

Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben,

und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein.

34 Und es wird keiner den andern noch ein Bruder

den andern lehren und sagen:

»Erkenne den HERRN«,

denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß,

spricht der HERR;

denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben

und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

Foto: Niklas Fleischer (c)

Liebe Gemeinde,

diese Vision des Jeremia taucht im weiteren Alten Testament immer mal wieder auf. Man kann sie vielleicht auf den einfachen Nenner bringen: Es wird keinen Umweg mehr zu Gott geben.

Es gibt keinen Weg mehr über das Opfer, keinen Weg mehr über das Studium der einzelnen Gesetze, keinen Weg mehr über die vollkommene Ethik, keinen Weg mehr über die Institution, sondern nur noch den direkten Weg von Gott zu uns Menschen.

Kein Wunder, dass Jesus sich auf diese Traditionen berufen hat, sei es auf Jeremias Rede vom neuen Bund oder später auf die Verheißung des Joel, die in der Pfingstgeschichte eine Rolle spielt: „Und nach diesem will ich meinen Geist ausgießen über alles Fleisch, und eure Söhne und Töchter sollen weissagen, eure Alten sollen Träume haben, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen.“ (Joel 3,1) „Predigt über Jeremia 31,31-34, Christoph Fleischer, Welver 2018“ weiterlesen