Predigt mit Zitaten von Jörg Zink, Gotteswahrnehmung, Christoph Fleischer 2009

Jörg Zink ist ein populärer evangelischer Theologe und Pfarrer, auch bekannt als Rundfunk- und Fernsehpfarrer in den siebziger Jahren. Er ist 88 Jahre alt. Während er zwischendurch einmal sehr krank war, hat er nun anscheinend wieder Kraft zu schriftstellerischer Arbeit. In den Mittelpunkt der Predigt möchte ich ein Buch stellen, das im April diesen Jahres erschienen ist. Es heißt: Gotteswahrnehmung. Und bald, im September erscheint schon das nächste über den Glauben. „Predigt mit Zitaten von Jörg Zink, Gotteswahrnehmung, Christoph Fleischer 2009“ weiterlesen

Der entmachtete Gott. Rezension von Christoph Fleischer, Werl 2010

Zu:

– Bibel in gerechter Sprache. Hrsg. von Ulrike Bail u. a., Schmuckausgabe, 1. Auflage 2008, Gütersloher Verlagshaus Gütersloh, ISBN 978-3-579-05463-6, Preis (Sonderpreis) 19,95 Euro (daneben: Text- und CD-ROM-Ausgabe der 3. Auflage 2007, je 29,95 Euro).

– Die Bibel – übersetzt in gerechte Sprache? Grundlagen einer neuen Übersetzung. Hrsg. von Helga Kuhlmann. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh, 4. Auflage 2007, ISBN 978-3-579-05499-5, Preis (Sonderpreis) 9,95 Euro.

– Neu: Marlene Crüsemann und Carsten Jochum-Bortfeld (Hg.): Christus und seine Geschwister. Christologie im Umfeld der Bibel in gerechter Sprache. Gütersloher Verlagshaus Gütersloh 2009, ISBN 978-3-579-05442-1, Preis: 29,95 Euro.

Die Schmuckausgabe der „Bibel in gerechter Sprache“ ist auch vom äußeren Erscheinungsbild her eine richtige Heilige Schrift, solide verarbeitet, schwer und mit Lesebändchen ausgestattet. Sie lädt jetzt wieder ein zu einer kontinuierlichen und fortlaufenden Bibellektüre mit der immer spannenden Frage, wie der Übersetzer oder die Übersetzerin jeweils so manche bekannte Geschichte denn übersetzt haben wird. Anlass zu stolpern gibt es allemal, zumal die Verwendung des Gottes-Namens und der Gottesbezeichnung mit der Eröffnung von Alternativen am Kopf der linken Seite immer ein wenig gewöhnungsbedürftig bleiben wird. In Psalm 21 ist Gott der Lebendige, in Psalm 22 die Lebendige, in Psalm 23 Adonaj, in Psalm 27 die Ewige und in Psalm 28 der Ewige usw. Doch schaut man sich die Übersetzung genauer an und lässt sich durch die verwirrende Verwendung der Gottesnamen nicht abschrecken, so erscheint bei manchem dunklen Wort endlich so etwas wie Verständnis auf. Angenehm etwa klingt das Wort „Mensch“ im Kapitel Jesaja 52/53: „der Mensch in meinem Dienst“ oder gar „Mensch“ anstelle des bekannten aber unübersetzten „Menschensohns“ im Neuen Testament. Was hier gerechter Sprache geschuldet ist, trägt inhaltlich zur Klärung und zum besseren Verständnis der Bibel bei. So hat Christus die „Gestalt eines versklavten Menschen“ angenommen (Philipper 2,7) und nicht etwa „Knechtsgestalt“. Der Lobgesang der Engel auf dem Feld bei Bethlehem klingt nun klipp und klar: „Glanz in den Höhen bei Gott! Und Friede auf der Erde bei den Menschen, die Gott wohlgefallen.“ (Lukas 2,14). Auch das dogmatisch und sprachlich auf eine Metaphysik festgelegte Wort „Glauben“ klingt anders, wenn man stattdessen das Wort „Vertrauen“ liest: „Jetzt aber leben wir mit Vertrauen, Hoffnung und Liebe, diesen drei Geschenken. Und die größte Kraft von diesen dreien ist die Liebe.“ (1. Korinther 13,13). Solche Formulierungen machen neugierig und so liest man gerne weiter, wenn auch der Gottesname immer ein wenig nebulös klingt. Vielleicht ist es richtig, was der Rat der EKD schreibt, dass sich eine Vorstellung vom persönlichen Gott hier wenig fassen lässt (Rat der EKD vom 31.03.2007: http://www.ekd.de/presse/pm67_2007_bibel_in_gerechter_sprache.html). Dennoch klingen die Sätze oft auf neue Art religiös und regen zum Nachdenken an. Die „Bibel in gerechter Sprache“ ist der Anfang eines neuen Weges. Die vierte Auflage wird 2011 erscheinen und wird hoffentlich nicht beim Bisherigen stehen bleiben. Das auf der Homepage der EKD zugängliche theologische Gutachten von Ulrich Wilckens zeigt zu recht, gerade dann, wenn man den Aufsatz gegen seine eigene Intention liest, da Wilckens darin gegen diese Bibelausgabe Stellung bezieht, dass die Bibel in gerechter Sprache eine theologische Weichenstellung vornimmt, die von Klischeebegriffen der Bibelinterpretation Abschied nimmt (http://www.bischof-wilckens.de/bigs-theol-gutachten.pdf). Dabei kann im Sinn der altkirchlichen Christologie von Gott in Jesus nur der reden, der von Jesus als wahrem Menschen reden kann. Wie dies in heutiger Sprache möglich ist und welche Folgen der Lebendigkeit und Enthierarchisierung das für das christlich-theologische Denken hat, zeigt die Bibel in gerechter Sprache. Sicherlich ist es der „Bibel in gerechter Sprache“ gelungen aufzuzeigen, dass hinter den altbekannten Lutherworten und den etwas blutleer klingenden modernen Bibelübersetzungen ein gewichtiger hebräischer oder griechischer Text steht, der heute gewiss nicht über die hölzerne Leiter religiöser Metaphysik getragen werden muss, sondern einfach und schlicht in die Sprache unserer Zeit übersetzt werden sollte.

Das Buch „Die Bibel – übersetzt in gerechte Sprache“, das die Impulse der gerechten Bibelübersetzung im Jahr 2006 sammelte, ist nun erneut zu lesen, durchaus vor dem Hintergrund der Frage, ob es denn in allem geglückt ist, sowohl dem jüdischen Kontext, als auch der geschlechter-gerechte Sprache -Vereinnahmung überwindend-, sowie der sozialgeschichtlichen Exegese gerecht zu werden. Helga Kuhlmann formuliert in ihrem Aufsatz folgende Frage, die sie gleichwohl nur durch die Darstellung der positiv gesetzten Ziele der Bibelübersetzung beantwortet und letztlich im Raum stehen lässt: „Wieso sieht sie sich nicht in gleichem Maß der symbolischen Gleichstellung Behinderter oder der islamischen Religion verpflichtet? Konnten sich in der Wissenschafts-, Verlags-, Theologie- und Kirchenpolitik die Gruppen am besten durchsetzen, die feministischen Interessen und die Interessen des jüdisch-christlichen Dialogs vertreten? In welchem Verhältnis stehen die Ziele der Bibelübersetzung zu einer Vorstellung allgemeiner Gerechtigkeit?“ (Die Bibel…, Gütersloh 2006, S. 86). Vielleicht war es schon schwer genug, den Vorgenannten gerecht zu werden, aber soll die Bibelübersetzung denn die Frage nach Behinderung und den interreligiösen Dialog mit Muslimen ausgrenzen? Helga Kuhlmann geht auf ihre Frage gar nicht ernsthaft ein, sondern versucht lediglich durch die Evidenz der Darlegungen zur Bibel in gerechter Sprache zu überzeugen und lässt somit die Frage als rhetorisch erscheinen. Dabei wäre das Thema des christlich-islamischen Dialogs in der Bibelausgabe eine Erwähnung wert gewesen, um z. B. zu fragen: Warum werden nicht wenigstens die koranischen Parallelstellen zur Bibel am Rand notiert? Es sieht in der Tat schon so aus, als sei der Herausgeberkreis der „Bibel in gerechter Sprache“ eine Gruppe von Menschen, die zunächst ein Zweckbündnis verband. So hatte Jürgen Ebach eine sehr genaue Vorstellung davon, dass die Nennung unterschiedlicher Namen und Bezeichnungen Gottes im Text der hebräischen Bibel in der Übersetzung deutlich und transparent zu Tage treten sollte (Die Bibel… S. 154). Die Gottheit, die von Abraham das Opfer seines Sohnes verlangt, ist eben nicht dieselbe wie die, die ihm auf dem Berg das Messer aus der Hand schlug. Jürgen Ebach stellt kurz fest: „Gott ist stets derselbe, aber eben nicht immer der gleiche.“ (Die Bibel… S. 155). Doch die Klarheit der Unterscheidung geht in der Vielheit der Gottesnamen faktisch wieder verloren. Allein die vielfältige Gottesrede zeigt wenigstens den Lesern, wenn sie den angemessenen Umgang mit den Gottesnamen in der Bibel darstellt, dass ein einheitlicher Gottesbegriff, der immer bei einer Abstraktion, beim Absoluten, beim „Herrn“ oder dem höchsten Wesen landet, nun dekonstruiert wird und durch die sprachliche Vielfalt den Subjektivismus der Religion repräsentiert, der dem Christentum im interkulturellen Kontext immer schon immanent war. Schon vormals zu Babel verhinderte Gott „Adonaj“ die Vereinheitlichung aller Sprache, um die Weltherrschaft vom „Turm“ aus zu beenden (Genesis 11,1-9). Und endlich wird in der Übersetzung deutlich gesagt, wann der Mensch den Menschen zum Sklaven macht und welcher Weg aus dieser Unfreiheit führt. Gewiss drängt sich von der Überschrift her die Frage auf, ob man wirklich allen Richtungen und Fragestellungen „gerecht“ werden kann. Doch nach der Dekonstruktion deutet sich eine neue Perspektive in die Blickrichtung an, die sich in der Gestalt der herrschaftsfeien Christologie zeigt.

Diese Weichenstellung wird nun mit dem Buch „Christus und seine Geschwister“ vorgenommen. Die Lektüre dieses interessanten Bandes sollte mit dem christologischen Artikel von Dorothee Sölle und dessen Auswertung im Dialog von Luise Schottroff und Renate Wind (vorgetragen auf dem Kirchentag in Bremen 2009) beginnen. Sölles Prioritäten sollen daher kurz skizziert werden:

– Abkehr von einem andere ausschließenden Symbol einer historischen Gestalt;

– Hinweis: Jesus erlöst nicht als Mann, nicht durch „physische Ähnlichkeit“;

– Die Deutung des Kreuzes als Opfer ist hinfällig. Es heißt Jesus starb „für uns“ nicht statt uns. Die politische Deutung des Kreuzes des Imperium Romanums soll Schmerz zulassen.

– Nicht Jesus als einzelne Person hat uns gerettet, sondern seine Wiederkehr in anderen Menschen

– Wir sollen Erlösung nicht totalitär verstehen, sondern die Macht in Beziehung zueinander kennen lernen.

– Keinen Antijudaismus im Kreuz dulden. Der Jude Jesus zeigt die Möglichkeit des messianischen Reiches auf.

– Der feministische Entwurf dekonstruiert und rekonstruiert damit einen autoritätsfreien Gottesbegriff.

Die Frage ist im Anschluss daran also: Wird die Weichenstellung Dorothee Sölles in der „Bibel in gerechter Sprache“ fortgesetzt, untermauert und gut reformatorisch aus dem Bibeltext verifiziert? Die Artikel des Buchs zeigen in je unterschiedlicher Weise, wie im Sinn der Kritikpunkte Sölles an der traditionellen Theologie die Bibelübersetzung neue Wege geht und neues Denken ermöglicht. Dem Kenner der biblischen Sprache wird manches ungewohnt erscheinen. Aber wiegen die neuen Zugänge den Verfremdungseffekt gegenüber der alten Luthersprache nicht auf? Die Artikel thematisieren einzelne Beispiele neuer und ungewohnter Christologie durch die „Bibel in gerechter Sprache“:

– Geschwisterlichkeit ersetzt die Hoheitstitel (Luise Schottroff, Carsten Jochum-Bortfeld, Claudia Janssen).

– Die Christologie des Paulus stellt subtile Bezüge zur sozialen Wirklichkeit der Sklaverei her (Luise Schottroff und Anna-Maria Busch).

– Die Bibel zeigt, wie sich das christologische Gegenmodell zur Herrschaft nun in der Nähe zu den „Schwachen“ vollzieht (Marlene Crüsemann).

– Die Begriffe „eved“ (luth.: Knecht, Jesaja 53, s.o.) und „Mensch“ untermauern diese Einstellung eschatologisch: Der kommende Gott ist der Gott der Menschen und des Lebens.

Die letzten vier Artikel gehen aus dem Zusammenhang mit der Bibel in gerechter Sprache heraus und artikulieren Beispiele in ökumenischen Kontexten, Parallelen oder weitere Neuansätze zu den o.g. Weichenstellungen der Christologie. Im Vergleich zur traditionellen metaphysischen, durch Machtbegriffe dargestellten Christologie erscheint dieser Neuansatz „schwach“. Jesus wird nicht zum Führer, sondern zum Bruder unter vielen neuen Geschwistern. Erst jetzt wird mit der Bibel konsequent eine neue theologische und christlich-religiöse Sprache entwickelt, die manches umsetzt, was schon durch die Texte der bekennenden Kirche und später die kirchlichen Bewegungen angestoßen wurde. Man wird der feministischen Theologie nicht absprechen können, dass erst sie zu einem konsequent anderen Sprachgebrauch beigetragen hat, da machtbetonte Begriffe zumeist männlich konnotiert waren. Der Weg eines sprachlichen Neuanfangs hat begonnen und wird nicht wieder zurückzuholen sein. Wir müssen abwarten, wie die Menschen in den Gemeinden auf die Formeln des „mit“ statt „für“ reagieren, oder ob sie weiter nach traditionellen kirchlichen Sprachformeln fragen werden. Mit der neuen Sprache ist jedoch ebenso mehr Selbständigkeit im Denken und Fühlen gegeben, die auch gegenüber den Autorinnen und Autoren der gerechten Sprache gelten wird. Die Menschen werden sehr sensibel darauf reagieren, wenn alte Formeln nur durch neue ersetzt würden. Insgesamt ist das Denken von Gott in der „Bibel in gerechter Sprache“ nicht als Oben-Unten zu vermitteln, sondern es ist zuerst schlicht erfahrungsorientiert. Die Bibel lädt damit zum Dialog ein.

Dorothee Sölle, Die Wahrheit ist konkret, Rezension von Christoph Fleischer

Zu : Dorothee Sölle. Die Wahrheit ist konkret. Walter Verlag Olten und Freiburg 1967, 3. Auflage 1967.

In der Abfolge der Schriften Dorothee Sölles, angegeben im Literaturverzeichnis der Arbeit von Sigrid Loersch [1], erscheint die Schrift „Die Wahrheit ist konkret“ als sechste, abgesehen von der Promotion über die Nachtwachen Bonaventuras (Germanistik, Dr. phil.) das zweite Buch, das Buch nach der „Stellvertretung“. Nachdem dieses Werk Aufmerksamkeit erzeugte, können wir hier etwas mehr über die Autorin Dorothee Sölle erfahren. „Dorothee Sölle, Die Wahrheit ist konkret, Rezension von Christoph Fleischer“ weiterlesen

„Der lebendige Gott. Auf den Spuren neuren trinitarischen Denkens und Redens in unserer Zeit.“ Notizen von der Gesellschaft für evangelische Theologie, Erfurt 2005, Christoph Fleischer, Meschede 2005

„Der lebendige Gott. Auf den Spuren neuren trinitarischen Denkens und Redens in unserer Zeit.“

Die Tagung der Gesellschaft für evangelischen Theologie, die nun zum vierten Mal im Augustiner Kloster vom 21. – 23. Februar 2005 in Erfurt stattfand, war mit 140 Teilnehmerinnen und Teilnehmern absolut ausgebucht. Auch wenn das Programm krankheitsbedingt umgestellt werden musste ergab sich doch eine interessante Zusammenstellung von theologisch hochaktuellen Referaten. Nicht nur die neuere Theologie hat dieses Thema so aktuell gemacht, sondern auch die Frage: „Wo war Gott?“ als am 26. Dezember 2004 in Asien die Todeswelle an den Stränden Asien so viel Leid verursacht hat. Doch nicht eigentlich diese Warum Frage sollte nun im Vordergrund der Tagung stehen, sondern nun schlicht und ergreifend die Antwort auf die Frage nach Gott. Die Antwort erscheint von den altkirchlichen Bekenntnissen her als vom Vater, Sohn und Heiligem Geist als dem christlich trinitarischen Gott. Der Einführungsvortrag von Professorin Dr. Ulrike Link – Wieczorek zeigte, dass die dreifache Rede von Gott im Christentum die Gegenwart Jesu Christi verschränkt in Form eines Rückbezugs und eines Vorwärtsbezugs. Die Manifestation Jesu Christi verbindet die Rede und die Gegenwart des Gottes Israels mit der Gegenwart des Geistes in jeder Zeit. Damit ist die sogenannte ökonomische, heilgeschichtliche Trinitätslehre auf der Tagesordnung. „Wie Gott sich in Jesus Christus zeigt, so ist er auch.“ Diese Aussage beschreibt die immanente Trinitätslehre im Zeitbezug. Gott ist allerdings auch immer der ganz andere und bleibt zugleich unerkannt und geheimnisvoll. Die Rede von der immanenten Trinität bleibt immer ein wenig schwierig und ist gegenüber der ökonomischen Trinitätslehre nachrangig. Die Beobachtung zeigt, dass das altchristliche Bekenntnis von Konstantinopel 381 (Nicänum) formelhaft ist, auf alle inhaltliche Füllung verzichtet und so jeder christlichen Generation die Möglichkeit gibt, die trinitatrische Formel eigenständig zu füllen. Gott ist so, und zwar ausschließlich, wie er sich in Jesus Christus offenbart. Gott begegnet uns so in der Spannung aus Einheit und Verschiedenheit. Diese Rede von erscheint uns zu recht als Komplexität, die auch so akzeptiert und nicht vereinfacht oder reduziert werden kann. Denn sie ermöglicht die Erfahrung von Gott-Vertrauen, von Wahrnehmung des lebendigen Gottes in Anbetung und Kontemplation.

Im 20. Jahrhundert wurde die Trinitätslehre in der Theologie erstaunlich aktuell. In den Konzepten Karl Barths und Karl Rahners wurde sie vor allem in der dreifachen Gestalt der Gottesoffenbarung gesehen, die uns in der Bibel überliefert ist. Auch wenn die Einschränkung auf das Offenbarungsgeschehen sogar eine Rückfrage nach dem Wesen Gottes selbst ausschließt, der als der unerkennbare gilt, zeigt es doch das die Wirklichkeit des Schöpfergottes immer weiter geht, dass der alte Bund mit Israel nicht aufhört und dass die Ewigkeit Gottes immer zugleich Gegenwart ist. Die gegenwärtige Neubesinnung geht darüber hinaus. Im Rückgriff auf die Trinitätslehre ist zum Beispiel nach Jürgen Moltmann Gott als Pluralität zu sehen, so wie schon Karl Barth vor allem auf das Beziehungsgeschehen hingewiesen hat. Gott als Einer zeigt sich zugleich verschieden, so wie in den biblischen Quellen beschrieben. Die immanente Trinität, als die Frage nach dem Wesen Gottes, kann nur als Beziehungsgeschichte, als Erfahrung des Bundes mit Gott, als Bewegung und als Relation gesehen werden.

Die Rede von der Trinität öffnet das theologische Denken immer in Richtung auf die Zukunft. Gott ist unterwegs, aus der Zeit in die Zeit. Die Ontologie dieses Nachdenkens über Gott ist die Ontologie der Relation, nicht Substanz, sondern die Identität der Verschiedenheit, ein Ereignis in drei Identitäten: Gott ist ein dynamisches Beziehungswesen, das Urbild menschlicher Gemeinschaft. Im ökumenischen Bereich muss die Trinitätslehre in der orthodoxen Kirche einbezogen werden. Im Gegensatz zur westlichen Tradition, hat sie immer schon die Dreiheit stärker gesehen als die Einheit. Gott ist danach unveränderlich Vater, Sohn und Geist. Die Figuren der Dreiheit erschienen als dynamische Kategorien. Das Nachdenken Gottes ist so verstanden nicht die Vorstellung einer individuellen Bettkantenfrömmigkeit, da Gott immer als Gemeinschaftswesen gesehen wird. Doch auch Frau Professorin Link – Wieczorek stellte bei allem Nachdenken über die Aktualität der Trinitätslehre fest, dass die Theologen der siebziger und achtziger Jahre doch wahrscheinlich zu schnell über die Köpfe der Gemeindechristen hinweggesegelt sein könnten. Interessant auch, dass sie nun auf die Tradition der Antitrinitarier hinwies, die sich mit dem Namen Servet verbindet. Servet wurde unter Calvin in Genf am 6. 10. 1553 hingerichtet, und zwar mit der Zustimmung Melanchthons. In der Ablehnung der Unitarier ist die lutherische Kirche also mit der reformierten einig. Für Servet galt die Trinitätslehre als unbiblisch. Er meint, dass in der Theologie von Jesus auch als normalem Menschen geredet werden kann und nicht nur als von einem „Logos“. Es wird zu wenig beachtet, dass sich Servets Kritik nicht gegen die heilsgeschichtliche Rede von Gott richtete. Sein Einwand weist auch heute mit einer gewissen Berechtigung daraufhin, dass nicht alle biblischen Aussagen trinitarisch harmonisiert werden können. Der Hinweis auf Servet erinnert daran, dass die trinitarische, ja damit jede Rede von Gott immer metaphorisch ist. Daher ist die sogenannte immanente Trinitätslehre zunächst auszuklammern. Im Rückgriff auf Karl Barth ist ebenso zu betonen, dass der Personbegriff der altkirchlichen Lehre nicht mit dem modernen Personbegriff verwechselt werden darf. Vielleicht ist es doch besser, zunächst wie Barth und Rahner von Subsistenz – oder Seinsweisen Gottes zu reden, denn es handelt sich nicht um drei Götter. Kontemplativ können wir am Leben Gottes teilhaben. Die Trinitätslehre ermöglicht offensichtlich auch immer wieder eine neue Sprache über Gottes Wesen, die ebenfalls die Anregungen der feministischen Theologie einbezieht. Auffällig ist, dass die trinitarische Begriffe ihren Ort vor allem im Gottesdienst haben, was nicht ausschließt, dass auch eben im Religions- oder Konfirmandenunterricht von Gott im trinitarisch geredet werden muss.

Nach dieser allgemeinen Einführung in die forschungs- und theologiegeschichtliche Situation ergriff Prof. Michael Welker die Gelegenheit eine eigene kurzgefasste Trinitätslehre vorzutragen. Bereits mit der Einladung wurde auf der Rückseite einer Spendenbitte für die Kindernothilfe für die Opfer des Tsunami in Sri Lanka eine Erklärung von Michael Welker verbreitet, in der er die Frage der Fragen nach Gott in der Katastrophe aufgreift. Mit diesem Thema begann er nun also den Vortrag: Klage, Zweifel, Empörung. Da ist es nicht angebracht, zu singen: „Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret.“ Es wurde in dieser Katastrophe weit über 300000 Menschen getötet. Warum? Wie konnte Gott das zulassen? Solche Fragen wurden weltweit gestellt. Wenn Gott allmächtig ist, dann ist er nicht barmherzig. Das ist die Alternative der Theodizeefrage nach Leibniz. Aber wie sieht es in der Natur aus: Leben lebt unabdingbar auf Kosten anderer. Die Realität der Gewalt und des Bösen in der Welt ist zugleich die Triebkraft der Religion, die sich damit auseinandersetzt. Menschen züchten Tiere und schlachten sie, missbrauchen die Erde, nutzen Rohstoffe und Ölfelder aus. Wer von der Schöpfung nur im Sinn von Güte redet zeugt noch von unrealistischer Romantik.. Das Leben hat immer zwei Seiten. Wir leben nicht im Paradies. Leben geschieht in tiefer Ambivalenz und von einer letzten Trostlosigkeit gezeichnet.

Die Ausführung der Trinitätslehre erfolgt nun natürlich in drei Schritten. Zunächst: Wahrnehmung des lebendigen Gottes. Die Ambivalenz und die letzte Trostlosigkeit, die eine solche Katastrophe wie der Tsunami zeigt, ist das Manko jeder natürlichen Schöpfungstheologie. In der Schöpfungsgeschichte der Bibel (Genesis) wird auch dem Geschöpf eine beträchtliche Macht zugestanden. Der Mensch ist „imago dei“. Gott ist keine alles bestimmende Wirklichkeit und lässt das geschöpfliche Eigenwirken zu. Trotzdem ist die Schöpfung immer auf das rettende und erhaltende Wirken Gottes angewiesen. Die Erfahrung des Menschen zeigt, dass das nicht spezifische Wissen um die Gottheit unausweichlich da ist. (Ps 139, Hiob 19). Sie äußert sich beim Menschen als Gewissensangst. Wir sind als Menschen in eine Wirklichkeit verstrickt ist, mit der wir ringen. Gott ist auch kein großes „Du“. Die Beziehung zu Gott selbst ist also auch immer ambivalent. Begriffe wie Welt, Natur, Körper, Wissen verweisen auf Gottes Macht. Schon von Calvin her, dessen Gedanken Welker hier folgt, zeigt sich die Religion auch als fromme Illusion, die Gottes Weltregierung ohne diese Ambivalenz versteht.

In Jesus Christus geschieht nun die Selbstoffenbarung des rettenden Gottes, in Kreuz und Auferstehung. Gott ist in Christus. In der Notsituation wird jeder Theismus korrumpiert. Die Theologie flieht in Notzeiten zu Christus. Luther sagte in der Heidelberger Disputation: „Gott kann nur am Kreuz und im Leiden gefunden werden“, in seiner ganzen Fülle, so ergänzt Michael Welker. Die Menschheit Christi ist die richtige Weise, Gott zu erkennen. So gilt das Wort des Johannesevangelium, das ausdrückt, dass Christus der Weg, die Wahrheit und das Leben ist und nur durch diese Tür der Weg zum Vater führt. Alle Spekulationen über Gott sind überflüssig, da Jesus Christus die Tür ist. Der Gekreuzigte ist der Gott, der im ersten Gebot spricht. In Jesus Christus ist Gott der Gekreuzigte selbst. Das zeigt die Geschichte Jesu vor allem in ihren Konfliktebenen: Jesus und das Gesetz, Jesus und die Gewalt, Jesus und Gott. Das Kreuz Jesu trennt Gott von Gott. Die Trinitätslehre ist ohne Kreuzestheologie nicht zu machen. Das Kreuz offenbart die Mächte und Gewalten dieser Welt in ihrem höchsten Triumph und zugleich in ihrer tiefsten Trennung von Gott. Gott erniedrigt sich so und wird zum menschenfreundlichen Gott. Jesus wurde im Namen der Politik und im Namen der Religion verurteilt. Auch die öffentliche Meinung stellt sich gegen ihn. Jesus vermittelt die Zuwendung zu den Schwachen. Das Kreuz offenbart die Welt unter der Macht der Sünde. Die Auferstehung ist Gottes Werk allein. Gott allein handelt. Gott rettet aus der totalen Verlorenheit. Die Macht der Auferstehung ist gegenüber den Mächten die zum Kreuz führen völlig unscheinbar. Sie ist keine Wiederbelebung des vorösterlichen Jesus. Sie erscheint als Evidenzerfahrung. Christus ist, bleibt und wird gegenwärtig und lebendig. Die ganze Fülle seiner Person wird im Geist und im Glauben erfahren. Die Kräfte der Liebe, der Vergebung und der Heilung werden nach Jesu Tod in seiner Gegenwart wieder neu erfahren. Die Herrschaft Christi greift um sich und gewinnt Raum. Jesus weist auf das Kommen des Reiches Gottes, weist aus Visionen vom Endgericht und vom Kommen des Menschensohns. Christus kommt in alle Zeiten und Welten. Doch wie werden die Kräfte des Auferstandenen der Schöpfung zuteil?

Die Erhaltung, Rettung und Erhebung der Schöpfung in der Kraft des Heiligen Geistes. Der heilige Geist ist die belebende und lebendig machende Macht Gottes. Dies darf nicht im Sinne eines abstrakten Individualismus oder Universalismus verstanden werden. Ja, im Gegenteil: der heilige Geist lässt sich sogar vertreiben. Der heilige Geist, im Sinne des Judentums verstanden, bestätigt die Sünde der Tora. Der heilige Geist ist keine Persönlichkeit im Sinne eines Selbstbezugs. Die Bibel redet anders vom Geist als das christliche Abendland, womit Michael Welker die Unterscheidung zwischen griechischem und hebräischem Denken aufgreift. Nach Johannes 16 redet der Geist nicht aus sich selbst, sondern er wird Jesus Christus verherrlichen, und zwar aus der Gegenwart des Vaters. Der heilige Geist ist Teilhaber an der Macht des Schöpfers und wird ausgegossen wie Regen. In den betreffenden Texten wird ausdrücklich auf die Gleichstellung von Frauen und Männern, von Alten und Jungen, Freien und Knechten hingewiesen (Joel 3, Apostelgeschichte 2). Der heilige Geist bringt die Menschen in ein neues Gemeinschaftsverhältnis vor Gott. Der Geist zeugt nicht nur von sich selbst, ist kontext- und begegnungssensibel. Mit der Erfahrung des heiligen Geistes wird aus der Einheit auch immer die Verschiedenheit erfahrbar, sowie die Unterschiedlichkeit der Gaben durch den Geist. Er setzt Kräfte frei. Durch den Geist des Herrn werden wir in sein eigenes Bild verwandelt. Der Geist bleibt sensibel für die Geschöpfe und stärkt ihre Freiheit. Menschen werden zu Gliedern der neuen Schöpfung.

Nach diesem grundlegenden Durchgang durch die Argumentation der Trinitätslehre, die sich an biblischen Vorgaben orientiert, wuchs die Neugier auf den Vortrag von Prof. Dr. Hans – Joachim Eckstein aus Tübingen: „Das biblische Bekenntnis zur Einzigkeit und Einheit Gottes und die Anfänge trinitarischer Rede von Gott im Neuen Testament.“ Die Selbstkritik der neutestamentlichen Forschung zu Beginn des Vortrags erläuterte das Scheitern der religionsgeschichtlichen Hypothesen zu Beginn des 20. Jahrhundert. Dazu hat sich die ständige Trennung zwischen Judentum und Hellenismus als kontraproduktiv erwiesen. In der Urgemeinde sei immer beides gewesen: die Septuaginta als die griechische Gestalt der jüdischen Bibel und eben der jüdische Standort sämtlicher neutestamtlicher Autoren bis auf Lukas. Israel entwickelte seinen Glauben in der hellenistischen Umwelt weiter. Dazu sind die Qumranquellen ebenfalls heranzuziehen. Das neue Testament ist keine heidenchristliche Schöpfung. Auch die Methoden in der Forschung ändern sich: Die Begriffsgeschichte wird von einer neuen Form der Traditionsgeschichte verdrängt und die Komplexität verschiedener Motive wahrgenommen. Die Prägung der Ostererfahrung stellte das Zeugnis vor die Aufgabe, die Unvergleichlichkeit dessen, was Gott getan hat, auszusagen. Doch diese Christen waren zugleich Juden. Damit standen sie zugleich vor dem Anspruch, das Bekenntnis zur Einzigkeit und Einheit Gottes festzuhalten und sich gleichzeitig zu Christus als dem Herrn zu bekennen. Sie bekennten: der Vater Jesu Christi ist der Gott Israels. Damit liegt der Ursprung der Trinitätslehre schon im Anfang der Entwicklung urchristlicher Theologie. Es wird aus dem Zitat 1. Kor 8, 6 deutlich: „So haben wir doch nur einen Gott, den Vater, von dem alle Dinge sind und wir zu ihm; und einen Herrn, Jesus Christus, durch den alle Dinge sind und wir durch ihn.“ Die Entstehung der Dogmatik in der urchristlichen Kirche hat sich nicht in einer allmählichen Entwicklung vollzogen, da sie christliche Grundentscheidungen betrifft. Dies wird auch durch den Christushymnus im Philipperbrief deutlich, der auch Paulus schon zitierfähig vorliegt. Jesus wird dort als der Kyrios zugleich als Schöpfungsmittler gesehen. Dass Hans – Joachim Eckstein doch in der Spur der traditionellen Neutestamentler ist, macht er dadurch deutlich, dass er an der entscheidenden Bedeutung des Auferstehungsereignisses für die urchristliche Theologie festhält und daher zu der Feststellung kommt, dass im Sinne einer neuverstandenen Kerygmatheologie daran festzuhalten ist, dass vor Kreuz und Auferstehung keiner die Sendung Jesu verstanden hat. Eine Rückfrage zum historischen Jesus enthielt sein Vortrag im Gegensatz zu dem nachfolgenden von Bertold Klappert nicht. Erst die Selbsterschließung des Auferstandenen hat ein dogmatisches Verständnis Jesu ermöglicht. Prof. Eckstein wies folgerichtig nach, dass sich diese Christologie zunächst in den Paulusbriefen auf die Auferstehung bezog, dann im Markusevangelium in der Taufe Jesu, von Matthäus und Lukas in die Geburtsgeschichte hinein verlängert. Die Lehre von der Präexistenz Christi dagegen wird im Johannesevangelium entfaltet. Die Auferstehung war die Einsetzung Christi in die eschatologische Herrschaft. Bei der Erhöhung am Kreuz wurde Jesus der Kyrios – Name verliehen. Er ist der präexistente, der Sohn Gottes. Mit dem Bekenntnis Jesu in seiner Taufe wird gezeigt, dass die Gottesherrschaft schon da ist. Im Markusevangelium wird die urchristliche Christologie bereits vorausgesetzt. Das Zitat aus Psalm 2 zeigt: Jesus ist der Sohn Gottes aber zugleich der Herr Davids. Im Lukas- und Matthäusevangelium wird dieser Anspruch auf die Geburtsgeschichte Jesu bezogen, besonders in den sog. Stammbäumen, die zu Josef führen. Jesus ist demnach von Geburt an der Sohn Gottes, wogegen er Sohn Davids erst durch die Adoption Josefs wird. Nur das Johannesevangelium geht zur Präexistenz, wobei es durchweg als Kommentar zum Markusevangelium gelesen werden soll. Jesus ist als menschgewordener Logos nicht nur göttlich, sondern auch Mensch. Aber der Logos ist der einzigartige Gott. So heißt es in der Thomasgeschichte zu Jesus: „Mein Herr, und mein Gott.“. Dass die Christen so von der Präexistenz denken konnten hat mit dem Messiasbegriff zu tun. Die neue Vorstellung von Jesus Christus greift heterogene Traditionen des Alten Testaments auf und bringt sie so zusammen, dass sie jüdisch nicht mehr nachvollziehbar sind. Messiaserwartung, Weisheit und Logosideen wachsen im christlichen Glauben zusammen. Die Christen lesen das alte Reden über Gott neu. So kommt es dann auch schon zur Entwicklung der ersten trinitarischen Formeln wie „Vater, Sohn und Heiliger Geist“ im Taufbefehl. Offensichtlich hat die Trinitätslehre zunächst ihren Ort in der Taufe. Dabei ist die Christologie als Ausgangspunkt der Trinitätslehre zu sehen.

Der Vortrag von Prof. Bertold Klappert, Wuppertal hatte den Titel: Die Trinitätslehre als Auslegung des Namens Gottes und Auslegung des ersten Gebots.

Im ersten Gebot das theologische Axiom zu sehen, wurde schon von Karl Barth und Dietrich Bonhoeffer in der Zeit der bekennenden Kirche betont. Nur wenn man die Unaussprechlichkeit des Namens Gottes kennt, kann man den Namen Jesus Christus aussprechen. Die Bitte: „Dein Name werde geheiligt“ befindet sich nicht umsonst im Vater Unser. Der neutestamentlichen Exegese z. B. von Joachim Jeremias wurde deutlich dass Jesus bei der Verwendung des Namens Gottes auf das Passivum divinum zurückgreift, um nicht direkt Gott benennen zu müssen. Das gleiche gilt für die Verwendung von „Kyrios“ ohne Artikel. Viele Worte Jesu lassen sich als Auslegung des ersten Gebots verstehen.

Die Heiligung des Namens Gottes ist Jesu Anliegen als Jude. Israel bekennt: „Höre Israel, Gott ist einer.“ Für Juden ist die dreifache Rede von Gott ein Sakrileg, eine Minderung des Monotheismus. Daher hat es in der rheinischen Landeskirche aufgrund reformierten Einflusses und in Folge des Beschlusses zum Judentum einen Streit um die Verwendung des Gloria patria nach der Verlesung des Psalmen aus der hebräischen Bibel gegeben. Es darf nicht der Eindruck entstehen, als müsse der Text aus der jüdischen Bibel zuerst christlich getauft werden. Wenn allerdings das trinitarische Bekenntnis im Sinn der Einheit Gottes verstanden wird und auf die Heiligung des Namens Gottes hinweist, ist die Verwendung des Gloria Patri durchaus im christlichen Gottesdienst angebracht. In der vertiefenden Diskussion scheint der Konsens darin zu bestehen, dass hierbei von Fall zu Fall entschieden werden soll, bzw. durch bewusstes Abwechseln der Formen auch ein Problembewusstsein wachsen könne. Wenn Jesus betet: „Geheiligt werde dein Name“, wird deutlich, dass mit ihm alle Völker am Gebet Israels teilnehmen. Die Trinitätslehre ist also vor allem eine Sache des Gebets. Wir beten „zum Vater durch den Sohn im Heiligen Geist“ (Martin Luther). Die Trinitätslehre ist eine Form der Auslegung des ersten Gebots und der Heiligung des Namens Gottes in Israel. Gott greift in seinem Handeln über sein eigenes, erwähltes Volk hinaus. Damit steht die Trinitätslehre nicht umsonst im Kontext der Missionstheologie. Im Grunde ist sie eine Form von Erzählung und sollte narrativ erklärt werden, denn sie beantwortet die Frage: Warum kommt das Evangelium auch zu den Völkern? Darum, dass, nach einem Lutherlied, Gott sich aus Heiden ein Volk für seinen Namens sammelt.

Das Gottesverständnis Israels ist kein metaphysisches. Der Gott Israels ist nicht der metaphysische Grund des Universums. Die Einheit Gottes ist dann Realität, wenn die Völker der Welt den Namen Gottes mit Israel loben. Im Neuen Testament wird die Einheit als Ziel verstanden. Doch schon im Alten Bund inkarniert sich Gott leiblich. Israel, das Volk, ist der Leib des Gottes Israels. Aus jüdischer Sicht ist klar: Gott tritt ein in die Welt und ist in seinem Volk. Dies muss auch bei der Trinitätslehre mitbedacht werden, denn Jesus gehört zum Volk Israel dazu. Das Verständnis des Namens Gottes zeigt: Die Geschichte legt den Namen Gottes aus. Der Name bleibt Subjekt, auch im Erkenntnisvorgang. Gott wird nicht als „Es“, auch nicht als „Du“, sondern als Name verstanden. Das Ereignis Christi darf nicht als Überblendung des Gottesbezugs Israels angesehen werden, wie dies noch von manchen Theologen des 20. Jahrhunderts ausgesagt wurde. Jesus kommt im Namen Adonais, aber nicht als Adonia. Das Halleluja bleibt in Kraft und wird von Israel übernommen.

Diese Form der Trinitätslehre hat Karl Barth in seiner kirchlichen Dogmatik erst im Rahmen der Bundes- und Versöhnungslehre entfaltet, indem er die Ethik nach dem Vater Unser entwickelte. Gott wohnt in seinem Namen. In Thesenform führte Bertold Klappert nun aus: Das Verhältnis der Verheißungsgeschichte zur immanenten Trinitätslehre darf nicht umgekehrt werden. Der Name des Gottes Israels umgreift die Personen der Trinität und wohnt in ihr ein. Die Trinitätslehre der Kirche will gesamtbiblisch erzählt werden. Gott und Christus sind und bleiben die Kommenden. Aus der Erfahrung von Kreuz und Auferstehung wird eine trinitarische Kreuzestheologie zu entfalten sein: Das Urteil des Vaters über das Leiden seines Sohnes in der Macht seines Geistes ist die Auferstehung Jesu Christi. Der Name Gottes darf auch nicht in Begriffe übersetzt werden. Zum Schluss ging Bertold Klappert auf die Stelle 1. Korinther 15, 28 ein, in der das Ende der Herrschaft Christi zeigen wird, dass Gott alles in Allem sein wird und ist. So ähnlich muss es auch Rosenzweig gedacht haben, als er sagte: Wo Christus aufhört der Herr zu sein, hört Israel auf, erwählt zu sein. Der Gott Israels wird dann alles in Allem sein, wenn er vollendet nicht nur in Israel Wohnung hat, sondern auch in den Völkern zum Ziel gekommen ist, wenn es also sogar zur Einigung der Völker mit Israel gekommen ist. So gesehen führt die Trinitätslehre auch zu einer theologischen und zugleich politischen Vision.

Meine Notizen können die drei wichtigen Vorträge von Dr. Susanne Plietsch, Prof. Dr. Thomas Sternberg und Prof. Dr. Michael Meyer – Blanck sowie die Arbeitsgruppenergebnisse nicht aufgreifen. Ich selbst werde sie erst in der gedruckten Dokumentation lesen können, die zu jeder Tagung der Gesellschaft für Evangelische Theologie erscheint. Trotzdem möchte ich abschließend eine persönliche Einschätzung versuchen:

Die Aktualität der Tagung über die Trinitätslehre konkretisiert als Frage nach dem lebendigen Gott ergab sich durch die Unheilserfahrung der Flutwelle von Asien. Wer theistisch sagt, dass Gott in dieser Naturgewalt seine Hand im Spiel hat, muss gleichzeitig plausibel machen, wie man an diesen allmächtigen Gott noch glauben kann. Die Trinitätslehre entwickelt das Gottesverständnis aus der Erfahrung der Auferweckung des Gekreuzigten. Gott bleibt sich selbst treu, obwohl er in der Gegenwart Jesu selbst der Gottesferne im Leiden unter der Gewalt des Bösen unterworfen wird. Die Erfahrung Gottes ist zuerst und vor allem die Erfahrung des heiligen Geistes. Gott ist Geist und wird als Geist erfahren, als Kraft, als Hoffnung, als Mut, als Glauben. Das trinitarische Bekenntnis zu Gott, Vater, Sohn und Heiligem Geist ist zugleich formal, eröffnet allerdings ein pluriformes Verstehen der Gegenwart Gottes und ermöglicht verschiedene Bilder und Konkretionen, die nicht an der eigenen Phantasie, sondern an der Gegenwart des auferstandenen Jesus Christus orientiert sind. Mit der Erfahrung der Katastrophe konfrontiert muss die christliche Kirche zugeben, dass sie tatsächlich nicht auf alle Fragen eine Antwort hat, dass Gott aber in der Lage ist den leidenden in ihrer Not beizustehen und in der Gegenwart des Auferstandenen die Hoffnungs- und Zukunftsaspekte zu entdecken. Das Reich Gottes ist immer auch schon Gegenwart.