Rezension zu Robert Eisenman (1997), Christoph Fleischer, Welver 2017

Titel: Jakobus der Bruder von Jesus, C. Bertelsmann, München 1998.

Robert Eisenman hat 1989 ein Buch mit Übersetzungen der für ihn historisch wichtigsten Qumramtexte herausgegeben und nannte diese Zusammenstellung provokativ „Jesus und die Urchristen – die Qumranrollen entschlüsselt“. Dieses Buch habe ich jetzt zufällig im Bücherkasten der Gemeinde Welver wiedergefunden. Die Texte aus Qumran sind messianisch und passen insofern zur Botschaft des Neuen Testaments. Doch anstelle den Zusammenhang zu beweisen, blieb nur die Verschwörungstheorie der Autoren des Bandes „Verschlusssache Jesus“. Ein paar Jahre später nahm er einen neuen Anlauf und erklärte die von ihm ermittelten Zusammenhänge zwischen Messianismus, den Zeloten, Jesus und den Quellen des Neuen Testaments. Ich persönlich bin durch die Lektüre von Daniel Boyarin dazu gekommen, mir einen Text von Eisenman neu anzuschauen und bin richtig froh. Die Hauptsache ist nicht, ob das alles richtig ist, was nach 2000 Jahren ohnehin niemand sicher sagen kann, sondern wie die historischen Verhältnisse sich aus der Sicht der Quellen darstellen. Die einzige Kritik, die ich habe ist, dass er manche Texte des Neuen Testaments antisemitisch nennt, obwohl eigentlich deutlich sein müsste, dass die junge Christenheit sich immer noch als Teil des Judentums sieht und dies wohl auch noch unangefochten war. Toll ist auch auf Bibelstellen gestoßen zu werden, die man sonst überlesen hat. Sei es der Besuch der herodianischen Prinzessin Berenike bei Paulus (Apostelgeschichte 24,23 – 25,32), Sei es dass Galiläa im Matthäusevangelium als Symbol des Heidentums gesehen wird (Matthäus 4,15) und dass die Zerstörung Jerusalems in den Evangelien sicher bezeugt ist (Markus 13). Das Buch ist gründlich begründet und gewissenhaft belegt, trotzdem jedoch allgemeinverständlich geschrieben.

Der Untergang des Judentums in Osteuropa, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2017

Zu:

Zvi Harry Likwornik: Als Siebenjähriger im Holocaust, Nach den Ghettos von Czernowitz und Bérschad in Transnistrien ein neues Leben in Israel 1934-1948-2012, Hrsg. Von Erhard Roy Wiehn, Hartung-Gorre Verlag Konstanz, 2. Auflage 2013, 218 Seiten, ISBN 978-3-86628-426-5, Preis: 18,00 Euro

Der Kindheitsbericht des Holocaust-Überlebenden Zvi Harry Likwornik schildert die Ereignisse und Gewalt-Exzesse der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik aus Sicht eines Kindes, so wie sie dem 1934 Geborenen im Gedächtnis geblieben ist. Eine Information, ob er heute noch lebt, habe ich im Internet leider nicht gefunden. Das Buch ist im Jahr 2011 in hebräischer Sprache erschienen. Es ist wirklich großartig und erschreckend zugleich, durch den Bericht eines Augenzeugen in die Welt der Hauptstadt der Landschaft Bukowina geführt zu werden, die heute zur Westukraine gehört. Die Muttersprache des Autors ist Deutsch, weil es die Sprache seiner Mutter war. „Der Untergang des Judentums in Osteuropa, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2017“ weiterlesen

Religionen im Dialog, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2017

Zu: Katajun Amirpur, Thorsten Knauth, Carola Roloff, Wolfram Weiße (Hrsg.): Perspektiven dialogischer Theologie, Offenheit in den Religionen und eine Hermeneutik des interreligiösen Dialogs, Waxmann Verlag, Münster 2016, in: Religionen im Dialog, Band 10, Eine Schriftenreihe der Akademie der Weltreligionen der Universität Hamburg, ISBN 978-3-8309-3494-3 (print), Seiten 363, Paperback, Preis: 37,90 Euro

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Akademie der Weltreligionen an der Universität Hamburg hat ein Projekt ins Leben gerufen, das der Entwicklung und Bearbeitung einer dialogischen Theologie gewidmet ist. Mitarbeit und Begleitung liegt in den Händen der Professorinnen und Professoren der Universität Hamburg, weiteren Mitarbeitern sowie solchen, die im Rahmen einer Gastprofessur am Projekt beteiligt sind. Diese Lehr- und Forschungstätigkeit wird durch Stiftungen mitfinanziert, der „Udo-Keller-Stiftung, Forum Humanum“ aber auch die „Veronika-und-Volker-Putz-Stiftung“. Kennzeichen und Merkmale einer „Dialogischen Theologie“ werden in der Form einer Thesenreihe dargestellt, womit zugleich die inhaltlichen Kriterien für die Autorinnen und Autoren vorgegeben sind.

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Neue Sicht auf das Alte Testament, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2017

Zu:

Peter Schäfer: Zwei Götter im Himmel, Gottesvorstellungen in der jüdischen Antike, C.H.Beck, München 2017, gebunden, 200 Seiten, ISBN 978-3-406-70412-3, Preis: 24,95 Euro

Die Problematisierung des biblischen Monotheismus durch Jan Assmann um seine die Konkurrenz ausschließende Gottesvorstellung liegt noch gar nicht so lange zurück, da antwortet der langjährige Professor für Judaistik in Berlin, Peter Schäfer auf Daniel Boyarins Arbeiten zu den zwei Göttern im Himmel. Dabei spielt die auffällige Doppelung der Gottesnamen Elohim und JAHWE im Alten Testament eine gewisse Rolle. Anstelle sie redaktionsgeschichtlich zu deuten, könnten sie auch als Anspielungen auf zwei unterschiedliche Gottesvorstellungen gelesen werden.

Die Lektüre des Buches von Peter Schäfer, das die Quellen nacheinander behandelt und analysiert, anstelle wie Boyarin die Grundgedanken der doppelten Göttlichkeit konsequent zu entfalten, ist ein wenig trocken.

Immerhin zeigt auch Schäfer, dass der monotheistische Anspruch des ersten Gebots, der in einer Redaktionsschicht die Bibel durchzieht, die man die deuteronomistische nennt, auf der Ebene der Lektüre einfach nicht von pragmatischen Gedanken einer Götterhimmelvorstellung zu trennen ist. Ob Nebengötter später Engel oder Mächte heißen, ist dagegen nur eine Frage der Bezeichnung. „Neue Sicht auf das Alte Testament, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2017“ weiterlesen

Predigt über Johannes 7, Christoph Fleischer, Welver 2017

Johannes 7, 37 – 39 (Predigt am Sonntag Exaudi in Neuengeseke und Möhnesee-Völlinghausen)

37 Aber am letzten, dem höchsten Tag des Festes trat Jesus auf und rief: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! 38 Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden, wie die Schrift sagt, Ströme lebendigen Wassers fließen. 39 Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der Geist war noch nicht da; denn Jesus war noch nicht verherrlicht.

Foto: Niklas Fleischer (c)
Liebe Gemeinde,

dieser kurze Abschnitt ist doch wohl ganz schön aus dem Zusammenhang herausgetrennt. Ich habe mir für heute vorgenommen, diesen Vorgang rückgängig zu machen. Das siebente Kapitel des Johannesevangeliums ist dem Laubhüttenfest gewidmet, genannt Sukkot. Das passt zwar vom Kalender her nicht zwischen Ostern und Pfingsten, ist aber insofern auch eine sinnvolle Vorbereitung auf Pfingsten, da es sich dabei auch um ein großes jüdisches Fest handelte, das Wochenfest, das eben genau 49 Tage nach dem Passah gefeiert wurde. „Predigt über Johannes 7, Christoph Fleischer, Welver 2017“ weiterlesen