Das Schwere leicht nehmen, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2017

Zu: Joachim Wehrenbrecht: Die Schwere, Mein langer Weg mit Depressionen zu leben, Buchwerkstatt bei Frieling und Huffmann, Berlin 2017, Taschenbuch, 98 Seiten, ISBN: 9783946467342, Preis: 8,90 Euro

Der Titel „Die Schwere“ wird am Ende des Buches im Nachwort aufgegriffen: „Wenn ich nicht länger auf meine Schwere fixiert bin, sondern danach frage, womit ich in der Schwere verbunden bin, und was die Schwere mir schenkt und was ich trotz der Schwere noch alles kann, dann nehme ich mich anders wahr.“ (S. 95) Die Stärke des Buches besteht in seiner reflektierend erzählenden Qualität, die in der ersten Person, aber nicht ohne die nötige Distanz zum Geschehen geschrieben ist. Kurze, tröstliche Texte sind als kleine Gedichte eingeschoben. Während die Lyrik die Trostseite vertritt, ist die biografische Erzählung Darstellung des Problems und in der Leiderfahrung wie in divergierenden Therapieversuchen und -ergebnissen. „Das Schwere leicht nehmen, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2017“ weiterlesen

Die Weisheit des Königs Salomo, Teil 1, Christoph Fleischer, Welver 2015

Version 2

Das Buch „Weisheit“ ist Teil der Septuaginta, der griechischen Bibelübersetzung aus Alexandria, entstanden zur Zeit des Lebens Jesu, ohne dass es eine hebräische Fassung gäbe. Es ist wohl keine Übersetzung, sondern eher eine Nachahmung des Hebräischen, auch um der fiktiven Autorenschaft Salomos zu entsprechen, die man als Pseudepigrafie bezeichnet. Das Buch „Weisheit Salomos“ fehlt daher in vielen Bibeln z. B. der Lutherbibel, da es nicht zur hebräischen Bibel des Alten Testaments gehört. Die Einheitsübersetzung und die Apokryphen der Lutherbibel führen das in griechischer Sprache verfasste Buch auf (Anm. 1).

Möglicherweise hat es sogar einen größeren Einfluss auf die ebenfalls in griechischer Sprache verfassten Bücher des Neuen Testaments als unser Altes Testament, da es ein Teil der griechischen Bibelübersetzung, der Septuaginta war.  Viele Bibelzitate auch aus anderen „hebräischen“ Büchern sind der Septuaginta entnommen. Das griechische Neue Testament vermerkt allein 97 Zitate oder Anspielungen aus dem Buch sapientia salomis (Anm. 2).
Der erste Teil des Buches Weisheit ist in Gedichtform gehalten (Kapitel 1-9). Ich fasse die biblische Lyrik so auf, dass sie gesungen worden ist. Daher bringe ich meine biblischen Gedichte in eine gereimte Form, die sich ggf. auch vertonen ließe. Wie schon bei meinen Psalmengedichten, mache ich mir die Tatsache zu eigen, dass der hebräische Lyrikstil anstelle des Endreims den Parallelismus kennt. Diese Wiederholung in anderen Worten bringt keine neue Aussage, sondern wirkt in unseren Augen eher redundant (z. B. „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln“ Psalm 23). Die Gedichte reduzieren die Redundanz des Parallelismus auf eine Auswahl, die versucht, die Hauptaussage zu erfassen und zu aktualisieren. Diese wird sprachlich modern ausgedrückt, aber ohne den Dualismus aufzulösen. Den Gegensatz zwischen den Frevlern und den Gerechten, fasse ich nicht als Abgrenzung oder Sammlung von Vorurteilen auf, sondern das eigene Bemühen, sich nach der Maßgabe der Gerechtigkeit zu verhalten. Ich sehe darin eher die Ablehnung von Verhaltensweisen als von Menschen, denn jeder wird ja immer das auch in sich haben, was er oder sie ablehnt. „Die Weisheit des Königs Salomo, Teil 1, Christoph Fleischer, Welver 2015“ weiterlesen

Was sind Wendepunkte des Lebens und wonach fragen Menschen wirklich? Rezension von Emanuel Behnert, Lippetal 2015

Rezension zu: Matthias Beck: Leben ~ Wie geht das – Die Bedeutung der spirituellen Dimension an den Wendepunkten des Lebens, Styria Verlagsgruppe Wien, Graz, Klagenfurt, ISBN: 978-3-222-13351-0, Preis:    19,99€

Leben, wie geht das_Cover_300dpiWer auf der Suche nach spirituellen Erfahrungen, die sein Leben bereichern, ihm vielleicht gar einen tragfähigen Grund verleihen können, die weiterführende Antworten geben können bei den intensiven Fragen, die das Leben immer wieder an uns richtet, mag vielleicht zunächst froh sein, in diesem Buch, das von seiner Umschlaggestaltung her sehr ansprechend, weil zurückhaltend und damit durchaus äußerst seriös wirkend erscheinend, einen richtungweisenden Ratgeber gefunden zu haben. Doch bereits beim ersten Blick in das Inhaltsverzeichnis fällt auf, dass zunächst gar nicht deutlich wird, ob und wenn ja welche Wendepunkte des Lebens denn über die unterschiedlichen Lebensalter hinaus berücksichtigt werden. Auffallend, dass ein großer Teil des Buches sich der Kindheit und Pubertät des Menschen widmet (laut Inhaltsangabe S. 26 – 50 und S. 106 – 144). Lediglich die Seiten 145 – 154 sind explizit der zweiten Lebenshälfte des Menschen zugewendet, zählt man das 25. Kapitel „Krankheit und Leid“ wohlwollend noch einmal zu diesem Lebensabschnitt hinzu, kann man diesen Buchteil wohlwollend (?) um 13 Seiten erweitern. Jedoch bleibt zu überlegen, dass gerade Krankheit und Leid, auch wenn sie vermehrt in zunehmendem Lebensalter auftreten mögen, keine Exklusivitätsbeschreibung des fortgeschrittenen Lebensalters des Menschen sind. Menschen machen in allen Zeiten ihres Lebens die, mitunter sehr prägenden Erfahrungen von Krankheit und Leid.  „Was sind Wendepunkte des Lebens und wonach fragen Menschen wirklich? Rezension von Emanuel Behnert, Lippetal 2015“ weiterlesen

Der verwundete Gott, Rezension von Emanuel Behnert, Lippetal 2015

Rezension zu: Tomás Halík „Berühre die Wunden – Über Leid, Vertrauen und die Kunst der Verwandlung“ Verlag Herder, Freiburg im Breisgau; 2. Auflage 2014 ISBN 978-3-451-30739-3   19,99€

Tomas Halik_BerŸhre die Wunden.inddZwei Gründe waren für mich ausschlaggebend, dieses Buch zu kaufen, zu lesen, mich auf die Gedanken des Autors einzulassen. Der eine war, dass ich dem Autor bereits in einem anderen, auch sehr tiefsinnigen und weitblickenden Buch begegnet bin, und fasziniert bin von seinen intensiven, vielschichtigen Gedanken, mit denen er sich sehr gefühlvoll eines gewählten Themas annimmt. Dabei gelingt es ihm auf eine sehr angenehme Weise, den Leser einzubinden in die von ihm dargestellten Argumentationen und Gedanken, allerdings auch in der Offenheit, dass jeder Leser sich selbst wiederfinden kann, zustimmen, aber auch ablehnen kann. Niemand wird die Meinung des Autors einfach ex cathedra übergestülpt. Bei der Art, wie Tomás Halík schreibt, hat jeder die Freiheit, sich seiner eigenen Position (neu) bewusst zu werden, sie anzunehmen, sie gegebenenfalls aber auch zu verändern. Diese Einladung zur Offenheit, mit der Aufforderung zu dem Mut, sie sich selbst zu stellen, hat der Autor in dem vorliegenden Buch zunächst im Hinblick auf sein religiöses Verständnis so ausgedrückt: „Seit Jahren bemühe ich mich darum, die unterschiedlichsten religiösen Wege mit Wertschätzung und mit Offenheit zu studieren. Ich durchschritt ein Stück der Welt und das, was ich sehen und kennenlernen konnte, erlaubt mir nicht in der einfachen Logik des „Entweder – Oder“ zu verharren…. Mir ist bewusst, dass wenn jemand etwas anderes als ich sagt und denkt, dies schlicht daran liegen kann, dass er von einem anderen Standpunkt, einer anderen Perspektive, einer anderen Tradition, oder einer anderen Erfahrung her schaut.“ (S.13)  „Der verwundete Gott, Rezension von Emanuel Behnert, Lippetal 2015“ weiterlesen

Glaubensaussagen kritisch bedenken, Rezension von Markus Chmielorz und Christoph Fleischer, Dortmund und Werl 2013,

Zu: Ansgar Beckermann: Glaube, in: Grundthemen Philosophie hrsg. von Dieter Birnbacher, Pirmin Stekeler-Weithofer, Holm Tetens, Walter de Gruyter Berlin/Boston 2013, ISBN 978-3-11-027985-6, Preis: 19,95 Euro

Ansgar Beckermann, emeritierter Philosophieprofessor aus Bielefeld, plädiert am Ende seiner Religionsphilosophie für den Atheismus mit dem pragmatischen Argument, dass für die Existenz Gottes und übernatürlicher Kräfte nichts spricht. Er meint mit seinem Buch insgesamt gezeigt zu haben, dass der Atheismus gegenüber der Annahme der Existenz Gottes den Vorteil hätte, dass er die Menschen quasi zur Übernahme eigener Verantwortung anstiften würde. Diese Argumentation jedoch ist zwar möglich, aber nicht zwingend. Eine geisteswissenschaftliche Auseinandersetzung ohne Rhetorik ist anscheinend kaum möglich und führt so letztlich immer zur Evidenz oder zur Glaubwürdigkeit der Aussagen.

„Glaubensaussagen kritisch bedenken, Rezension von Markus Chmielorz und Christoph Fleischer, Dortmund und Werl 2013,“ weiterlesen