Predigt vom Verlorenen, Christoph Fleischer, Welver 2017

Predigt über Lukas 15, 1-10, die Predigt wird gehalten in Lohne und Bad Sassendorf am dritten Sonntag nach Trinitatis.

1 Es nahten sich ihm aber alle Zöllner und Sünder, um ihn zu hören. 2 Und die Pharisäer und die Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen.

Vom verlorenen Schaf

3 Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach: 4 Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, wenn er eines von ihnen verliert, nicht die neunundneunzig in der Wüste lässt und geht dem verlorenen nach, bis er’s findet? 5 Und wenn er’s gefunden hat, so legt er sich’s auf die Schultern voller Freude. 6 Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. 7 Ich sage euch: So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.

Vom verlorenen Groschen

8 Oder welche Frau, die zehn Silbergroschen hat und einen davon verliert, zündet nicht ein Licht an und kehrt das Haus und sucht mit Fleiß, bis sie ihn findet? 9 Und wenn sie ihn gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen und spricht: Freut euch mit mir; denn ich habe meinen Silbergroschen gefunden, den ich verloren hatte. 10 So, sage ich euch, ist Freude vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.

Niklas Fleischer (c)

Liebe Gemeinde,

 

Zunächst sollten wir die beiden Gleichnisse aufgreifen. Jesus sagt ja, dass das zentrale Motiv bei beiden Vorfällen zu vergleichen ist, der Suche nach dem verlorenen Schaf und der Suche nach dem verlorenen Silbergroschen.

Ich versuche mir die Situation, die das verlorene Schaf betrifft, einmal genauer und bildlich vorzustellen.

Zwei Hirten am Ende eines langen Arbeitstages, nennen wir sie Joseph und Jakob:

Joseph: „Wir haben noch zwei Tage vor uns, dann sind wir wieder an unserem Hof angekommen. Ich hoffe, dass wir den Weg ohne Schwierigkeiten zurücklegen, denn der Viehhändler will kommen, um uns einen Teil der Herde abzukaufen.“

Jakob: „Ich will schnell noch einmal gehen, um die Herde durchzuzählen. Hoffentlich sind alle Tiere mitgekommen.“

Kommt nach einer Viertelstunde zurück: „Du, Joseph, ich glaube, dass das schwarze Lamm zurückgeblieben ist. Ich glaube, dass ich den Weg zurückgehen muss, um nach dem verlorenen Tier zu suchen.“

Joseph: „Das ist zwar schade, aber wenn wir das machen, verlieren wir wertvolle Zeit. Wir müssen morgen weitergehen. Auf das eine Schaf müssen wir verzichten. Bestimmt ist es ja von einem Wilderer oder einem wilden Tier gefangen worden.“

Jakob ärgerlich: „Nein, das sehe ich nicht ein. Wir wollen kein Tier zurücklassen und kein Tier aufgeben. Ich möchte doch zurückgehen und das verlorene Schaf suchen. Jedes Tier gehört zur Herde. Wir dürfen auch das eine Schaf nicht so schnell verloren geben. Wenn ich es heute Nacht nicht finde, dann müssen wir es verloren geben, aber vorher nicht.“

Jakob geht den Weg im Mondlicht zurück. Nach vier Stunden findet er das Schaf allein an einer einsamen Stelle in der Wüste, nimmt es auf die Schultern und kehrt zurück.

Jakob: „Hallo Freunde, schaut her, ich habe es wiedergefunden, das schwarze Lamm. Es stand an einer einsamen Stelle und hat wohl den Anschluss verpasst.“

Joseph: „Danke, dass du dich doch auf den Weg gemacht hast. Wir freuen uns doch alle, dass die Herde wieder vollständig ist.“ Und lasst uns dann weiterziehen.


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Predigt über Johannes 7, Christoph Fleischer, Welver 2017

Johannes 7, 37 – 39 (Predigt am Sonntag Exaudi in Neuengeseke und Möhnesee-Völlinghausen)

37 Aber am letzten, dem höchsten Tag des Festes trat Jesus auf und rief: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! 38 Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden, wie die Schrift sagt, Ströme lebendigen Wassers fließen. 39 Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der Geist war noch nicht da; denn Jesus war noch nicht verherrlicht.

Foto: Niklas Fleischer (c)
Liebe Gemeinde,

dieser kurze Abschnitt ist doch wohl ganz schön aus dem Zusammenhang herausgetrennt. Ich habe mir für heute vorgenommen, diesen Vorgang rückgängig zu machen. Das siebente Kapitel des Johannesevangeliums ist dem Laubhüttenfest gewidmet, genannt Sukkot. Das passt zwar vom Kalender her nicht zwischen Ostern und Pfingsten, ist aber insofern auch eine sinnvolle Vorbereitung auf Pfingsten, da es sich dabei auch um ein großes jüdisches Fest handelte, das Wochenfest, das eben genau 49 Tage nach dem Passah gefeiert wurde. „Predigt über Johannes 7, Christoph Fleischer, Welver 2017“ weiterlesen

Jesus von Nazareth als Mensch der Antike, Rezension, Christoph Fleischer, Welver 2017

Zu: Cay Rademacher: Jesus und seine Welt, Eine historische Spurensuche, Ellert & Richter Verlag, Hamburg 2013, Paperback, 159 Seiten, zwei Karten, Orts- und Personenregister, ISBN: 978-3-8319-0513-3, Preis: 9,95 Euro

Ein kurzer Artikel im Heft G-Geschichte 1/2017 – laut Titelbild der Geschichte des frühen Christentums gewidmet – ist überschrieben: „Freitag in Jerusalem, Tod eines Unruhestifters“. Das Magazin weist am Schluss im Literaturtipp auf das Buch von Cay Rademacher hin. Dem Urteil, dass die dort zusammengetragenen Fakten nach wie vor aktuell sind, schließe ich mich an.

Das hier besprochene Buch ist eigentlich im Jahr 2005 als GEO-Buch unter dem Titel „Wer war Jesus? Der Mensch und der Mythos“ erschienen. „Jesus von Nazareth als Mensch der Antike, Rezension, Christoph Fleischer, Welver 2017“ weiterlesen

Predigt über Jeremia 23, Christoph Fleischer, Welver 2016

Predigt zum 1. Advent 2016, gehalten in der reformierten Gemeinde Soest (Schiefer Turm)

Jeremia 23, 5-8 (Zürcher Bibel)

5 Sieh, es kommen Tage, Spruch des HERRN,

da lasse ich für David einen gerechten Spross auftreten,

und dieser wird als König herrschen

und einsichtig handeln

und Recht und Gerechtigkeit üben im Land.

6 In seinen Tagen wird Juda gerettet werden,

und Israel wird sicher wohnen.

Und dies ist sein Name, den man ihm geben wird:

Der HERR ist unsere Gerechtigkeit!

7 Darum, sieh, es kommen Tage, Spruch des HERRN,

da wird man nicht mehr sagen:

So wahr der HERR lebt, der die Israeliten heraufgeführt hat aus dem Land Ägypten!, 8 sondern: So wahr der HERR lebt,

der die Nachkommen des Hauses Israel heraufgeführt

und hergebracht hat aus dem Land des Nordens

und aus allen Ländern, wohin er sie versprengt hat!

Dann werden sie auf ihrem eigenen Boden wohnen.

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Liebe Gemeinde,

Dieser Predigttext macht es uns nicht leicht, in der Adventszeit die Weihnachtsvorbereitung zu erkennen. Trotzdem ist die Verbindung vorhanden. Sie wird aber nicht erkennt, wenn man das Weihnachtsfest von der Menschwerdung Gottes her betrachtet. Man muss es vielmehr als das sehen, was es ja auch in den Evangelien ist: Ein herausragendes Ereignis in der Geschichte Israels. Unser Glaube muss sich zwangsläufig immer wieder auf Israel beziehen, denn der verheißene Retter ist zunächst in diesem Volk und in dieser Religion erwartet worden. Mir passiert es auch, dass mir immer wieder neue und andere Details bewusst werden. So ist mir im letzten Jahr bewusst geworden, dass man den Namen Jesus nicht nur von seiner Wortbedeutung her sehen soll, sondern auch ins einer ursprünglichen hebräischen Form kennen sollte. „Predigt über Jeremia 23, Christoph Fleischer, Welver 2016“ weiterlesen

Osterpredigt über 1. Korinther 15, 1-11, Christoph Fleischer, Welver

  1. Korinther 15, 1-11 (http://www.bibel-in-gerechter-sprache.de)

 

(Die Predigt wird am Ostersonntag in Günne und Meiningsen gehalten.)

Ich erinnere euch, Geschwister, an die frohe Botschaft, die ich euch brachte, die ihr auch angenommen habt und mit der ihr auch auf festem Boden steht.

Durch sie seid ihr auch befreit worden, wenn ihr sie festhaltet in dem Geist, in dem ich sie euch verkündete; ohne diese Botschaft höhlt ihr euer Vertrauen aus. Denn als Erstes habe ich euch weitergegeben, was auch ich empfangen habe:

Der Messias ist für unsere Sünden gestorben, wie es die Schrift schon sagt. Er wurde begraben und am dritten Tag aufgeweckt nach der Schrift. Von Kephas und dann den Zwölf wurde er als Lebendiger gesehen. Danach erschien er mehr als 500 Geschwistern auf einmal, von denen die meisten heute noch leben, nur einige sind schon tot. Und er erschien danach noch Jakobus und allen Apostelinnen und Aposteln. Als Letztem erschien er auch mir als einer Nachgeburt.

Denn ich bin der Geringste in der apostolischen Gemeinschaft und nicht wert, Apostel zu heißen, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe. Durch Gottes Freundlichkeit bin ich geworden, was ich jetzt bin, und Gottes Freundlichkeit zu mir ist nicht enttäuscht worden. Ich habe nämlich mehr als alle anderen geschuftet – nicht aus angeborener Kraft, sondern weil Gottes Freundlichkeit mich begleitet hat. Doch gleich, ob die anderen oder ich: So haben wir verkündigt, und so habt ihr geglaubt.

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Liebe Gemeinde,

das Osterfest hat es mit einem Begräbnis zu tun. Jesus ist am Kreuz gestorben und im Grab des Ratsherrn Josef von Arimathäa beigesetzt worden. Das Grab wurde bewacht. Doch die Wachen waren in die Flucht geschlagen worden. Am frühen Morgen des 3. Tages, also nach weniger als 36 Stunden, war das Grab leer, als drei Frauen den Leichnam einmal einbalsamieren wollten. Jesus hat sich dem Begräbniskult verweigert. Der Leichnam schlicht verschwunden. Es hieß, dass Jesus auferstanden sei. Was mit dem Leichnam passiert ist, interessiert von da an niemanden mehr, denn Jesus begegnet den Jüngerinnen und Jüngern persönlich. Dass es sich dabei um Erscheinungen also um Visionen handelt, daraus macht die Bibel kein Hehl. Aber es sind sehr realistisch wirkende Erscheinungen, da Jesus zum Teil mehreren Aposteln gleichzeitig begegnet. Die Zeit der Erscheinungen Jesu ist 40 Tage nach Ostern allerdings auch wieder vorbei. Jesus wird, wie es heißt, in den Himmel aufgenommen. Die Gegenwart des Auferstandenen ist von nun an das Bekenntnis zu ihm. „Osterpredigt über 1. Korinther 15, 1-11, Christoph Fleischer, Welver“ weiterlesen