Garten-Mystik, Rezension, Christoph Fleischer, Welver 2017

Zu:

Marion Küstenmacher: Der Seele einen Garten schenken, Vom Zauber der Blumen und einfachen Dinge, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2017, gebunden, 221 Seiten, ISBN 978-3-579-08658-3, Preis: 17,99 Euro (print)

Die kurzen Artikel zu den Themen des Gartens sind alphabetisch geordnet. Der Bezugsort ist für die Autorin Marion Küstenmacher zunächst der eigene Garten und nicht ein fiktiver. Marion Küstenmacher stellt immer wieder Bezüge zur eigenen Gartenarbeit her. Dazu einige Beispiele:

„Aber ich liebe es auch, einfach auf der Bank zu sitzen und eine schöpferische Pause einzulegen.“ (S. 25)

„Fünf große Birken im Garten zu haben, noch dazu so nahe am Haus wie bei uns, das ist nicht einfach.“ (S. 31)

„Die Nordseite unseres Hauses wird von einer vielstämmigen Esche beschirmt.“ (S. 46)

Das Ziel des Buches besteht darin, diese einfachen Beobachtungen zu Blumen und Pflanzen, zu Gartenarbeit und Muße in einen Lebensbezug zu bringen wie in den folgenden Sätzen:

„Die Scherben der Vergangenheit braucht man weder zu verachten noch zu verleugnen.“ (S. 35)

„Vielleicht lieben wir die hässliche Brennnessel so wenig, weil sie uns an unsere eigenen hässlichen und feindseligen Anteile erinnert.“ (S. 38)

Von solchen lebensbezogenen Gedanken gehen die Beobachtungen und Gefühle weiter über zu Gedanken der Lyrik, der Mystik, der Weisheit und der Theologie. Es heißt etwa:

„Was eben noch so schmerzlich brannte, schützt jetzt und lässt die guten Seelenkräfte der Liebe und Verbundenheit wachsen.“ (S.39/40)

Ich musste bei der Lektüre an das Wort des Angelus Silesius denken: „Die Ros’ ist ohn’ Warum. Sie blühet, weil sie blühet.“ Nein, Marion Küstenmacher zitiert diesen Satz nicht. Bei ihr geht es bei der Rose um eine Tradition des Schweigens. „Mystiker nennen diese von der Rose geübte Kunst das Zwiegespräch des Schweigens.“ (S. 154)

Das Buch ist ein kundiger Weg durch den Garten und zugleich eine Einführung in den Denkweg der Mystik.

Advent – zwei alternative Zugänge, Rezensionen von Christoph Fleischer, Welver 2016

Zu: Martina Kaiser: Den Advent neu erleben, Ankommen in meiner Freiheit, AURUM in J. Kamphausen Mediengruppe, Bielefeld 2016, gedruckt auf 100% alterungsbeständigem Altpapier, 110 Seiten, ISBN 978-3-95883-089-9, Preis: 14,95 Euro

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Und: Hans Scheibner: Wer nimmt Oma? Weihnachtssatiren, Ellert & Richter Verlag, Hamburg 14. Auflage 2011, gebunden, 192 Seiten, ISBN: 978-3-8319-0133-3, Preis: 14,95 Euro

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Neulich las ich auf einer Facebook-Seite für Pfarrerinnen und Pfarrer einen Kommentar für jemanden, der nach einer Geschichte für eine Adventsfeier gefragt hat: „Hans Scheibner geht immer.“ Meine persönlichen Favoriten in seinem Buch sind die Gedichte. Wie immer ist die Satire der Wirklichkeit am Nächsten. Ich finde es auch darum gut, weil es in der emotional überladenen Adventszeit gut ist, über etwas lachen zu können, am Besten über sich selbst. Manche Geschichten erscheinen mir zum Vorlesen ein wenig lang, obwohl sie durch ihre Komik auch bestechen. Ich meine sogar, ich hätte einmal einen Sketsch gesehen, der auf einer Seniorenweihnachtsfeier aufgeführt wurde und sich am Text von „Wer nimmt Oma diesmal?“ orientiert hat. Auch dazu lassen sich also die Geschichte verwenden, um gesellige Anlässe in der Adventszeit zu gestalten. „Advent – zwei alternative Zugänge, Rezensionen von Christoph Fleischer, Welver 2016“ weiterlesen

Reformation als Bewegung, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2016

Zu: Volker Leppin: Die fremde Reformation, Luthers mystische Wurzeln, Verlag C.H.Beck, München 2016, 247 Seiten, ISBN: 978-3-406-69081-5, Preis: 21,95 Euro

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Der Autor Volker Leppin (geb. 1966) ist Evangelischer Theologe und Professor für Kirchengeschichte an der Universität Tübingen. Es gibt sicherlich auf dem Buchmarkt im Moment einige Neuerscheinungen zum Thema Reformation, so dass man Probleme hat zu wählen, und doch ist dieses Buch eines, das man aus theologischer Sicht auf jeden Fall zur Kenntnis nehmen sollte. Indem Volker Leppin die Reformation als geistige Bewegung schildert, immunisiert er ein wenig vor dem allseits vorhandenen Lutherkult. „Reformation als Bewegung, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2016“ weiterlesen

Gott existiert nicht als übernatürliches Wesen*. Notiz von Christoph Fleischer, Welver 2016

In der Einleitung seines Buches „The Folly of God, A Theology of the Unconditional“ (Polebridge Press, Salem, Oregon, USA, 2016, S. 1-6) gibt der Autor Prof. (Em.) John D. Caputo einen Einblick in den Inhalt und seine Intention. Der Begriff „Folly of God“ ist ein Zitat von Paulus aus dem 1. Korintherbrief (1. Korinther 1, 22-25), das auf Deutsch lautet: „Die Narrheit Gottes ist weiser als die Menschen sind und die Schwäche Gottes ist stärker als die Menschen sind.“ John D. Caputo (auch genannt Jack Caputo) richtet sich gegen eine starke Theologie, die auf die Allmacht und Überlegenheit Gottes baut und tritt stattdessen für einen schwachen Glauben ein. Er orientiert sich an der Theologie Paul Tillichs insofern, als dass er mit ihm meint, dass der Atheismus ein berechtigter Einwand gegen das Allmachtsdenken des christlichen Glaubens ist, und in der Nachfolge Tillichs verwendet er den Begriff des „Unbedingten“. Er betont aber, dass der Schwache Glaube keinesfalls der Vorstellung vom Reich Gottes widerspreche, da dieses von Liebe und Beziehung bestimmt wird. Das Reich Gottes, so wie es Jesus und ihm entsprechend Paulus verkündigt, hat mit Allmacht, Herrschaft und Gewalt nichts zu tun, da es vom Kreuz Jesu herzuleiten ist. Die Vorstellung einer Schwachen Theologie hat nichts zu tun mit dem Glauben an Gott als einem höheren Wesen. Das Unbedingte hat nichts zu tun mit einer Theologie des Siegens und Besiegtwerdens. Paulus vertritt nach John D. Caputo keine Theologie des Siegens.

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Edith Stein als Studentin

Auf die Bezeichnung Gottes als ein übernatürliches Wesen geht Caputo hier direkt nicht ein, wobei ich in der Bezeichnung Gottes als ein „höheres Wesen“ in der traditionellen Gotteslehre einen Begriff sehe, der die Frage des Übernatürlichen einschließt. Ich möchte daher an dieser Stelle ein paar eigene Schritte versuchen – mit einem Gedankengang, der sich aus der Lektüre des Buches „Wege der Gotteserkenntnis“ von Edith Stein herleitet. Bevor Edith Stein aus ihrem Kloster in Holland geholt und nach Auschwitz deportiert und ermordet wurde, hat sie dies als ihr letztes Buch fertiggestellt. Es wurde aber erst nach ihrem Tod gedruckt. Das Buch enthält eine vollständige Übersetzung der Schriften von Pseudo-Dionysus Areopagita. (Ich zitiere das Buch aus der Fassung, die im Internet als PDF-Datei liegt, dort aber ohne Anmerkungen und Seitenzahlen: http://www.edith-stein-archiv.de/wp-content/uploads/2014/10/17_EdithSteinGesamtausgabe_WegeDerGotteserkenntnis.pdf).

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Gegenwartsbezug und religiöser Ernst: Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2016

Zu: Martin Buber: Die Erzählungen der Chassidim, Neuausgabe mit Register und Glossar, Nachword von Michael Brocke, Manesse Verlag, Zürich 2014, 780 Seiten, gebunden, ISBN 9783717523680, Preis: 29,95 Euro

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Die erste Buchausgabe dieses Bandes erschien 1949 und war damit in zweifacher Hinsicht historisch. Es war Martin Bubers Antwort auf die Shoah: Die Erzählungen des Judentums aus Osteuropa leben und in ihnen lebt das Judentum weiter. Das Buch ist sicherlich ein Lebenswerk Bubers, in dieser neuen Ausgabe auf dem Einband durch eine Grafik von Marc Chagall aufgewertet. Diese Neuausgabe enthält drei wertvolle Zugaben: Ein Stichwortverzeichnis wichtiger Namen und Begriffe, mit der sich gezielt exemplarische Kurztexte heraussuchen lassen, dazu ein Verzeichnis biblischer Bezugnahmen und das Nachwort des Judaisten Michael Brocke.

Nach der Lektüre des Nachworts wird die biographische Bedeutung und Einordnung der Erzählungen der Chassidim in das Werk von Martin Buber deutlich. Die Erzählungen, die Buber zum Teil schon gedruckt vorlagen und im Judentum Osteuropas verbreitet waren, wollte Martin Buber als lebendiges Zeugnis verstehen. Er hat die ihm vorliegenden Texte bearbeitet und eine Auswahl getroffen. Nicht die esoterische Botschaft der jeweiligen Rabbiner interessierte ihn, sondern die Betonung der Bedeutung der jeweiligen Zaddikim (Lehrer) selbst. In den Erzählungen reduziert Buber die Aussagen auf das Wesentliche. Michael Brocke schreibt: „Schaut man etwas genauer hin, sieht man die Stücke jeweils in ihrer Umgebung, so wollen sie oftmals zu zweit oder zu dritt gelesen werden. Sie sind einander unauffällig thematisch verwandt;“ (S. 756). „Gegenwartsbezug und religiöser Ernst: Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2016“ weiterlesen