Edvard Munchs Nietzsche, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2019

Zu: Detlef Brennecke: Die Nietzsche-Bildnisse Edvard Munchs, Wahlverwandtschaft – Der Norden und Deutschland, Essays zu einer europäischen Begegnungsgeschichte, Herausgegeben von Bernd Henningsen, Band 5, Berlin-Verlag Arno Spitz GmbH, broschiert, 106 Seiten, ISBN: 3-8305-0073-4, Preis:

Detlef Brennecke (geb. 1944) ist emeritierter Professor in Frankfurt/Main. Seine Bücher und Übersetzungen handeln von den Skandinaviern Sven Hedin, Tanja Blixen, Roald Ammundsen und Fritjof Nansen und allgemein von Skandinavien und der Polarregion. So wird man sagen können, dass er zu Recht in dieser Reihe publiziert hat, die der Verbindung Skandinaviens zu Deutschland gewidmet ist.

Das hier zu besprechende Buch ist bereits im Jahr 2000 erschienen. Ich habe es auf der Suche nach Arbeiten zum Nietzsche-Bild Munchs im Internet gefunden und gesehen, dass eine Besprechung fehlt. Ich denke, dass die Rezension sowohl ein nachträglicher Beitrag zum Gastland der diesjährigen Buchmesse Norwegen sowie ein Beitrag zur Munch-Ausstellung in Düsseldorf sein kann.

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Philosophen auf der Spur, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2019

Zu:

Hartmut Sommer: Der philosophische Reiseführer, Auf den Spuren grosser Denker, Orte, Bilder, Gedanken, Marix Verlag, Wiesbaden 2018, Softcover, 372 Seiten, ISBN: 978-3-7374-1103-5, Preis: 24,90 Euro

Link

Die vielen hundert Kilometer, die Hartmut Sommer auf der Recherche dieses Buches zurückgelegt hat, bleiben ungezählt.

Sicherlich wird dieses Buch ein guter Reiseführer sein, denn die Orte, an denen sich beispielsweise Thomas von Aquin, Meister Eckhart, Comenius und Spinoza, Immanuel Kant und Gottfried Herder, Schopenhauer, Nietzsche, Heidegger, Edith Stein, Martin Buber und Hans Jonas aufhielten und lebten, wird man nicht alle aufzählen können.

Ich empfinde das Buch trotz seiner praktischen Reiseempfehlungen und seinem Haupttitel „Der philosophischer Reiseführer“ eher als eine Einführung in die Erinnerung an Philosophen aus der Perspektive ihrer Wirkungsstätten. Und allein diese Perspektive, die Bodenhaftung und der Ortsbezug machen den ungeheuren Reiz der Einführung in das philosophische Denken aus. Das zeigt nicht nur, dass die Denkerinnen und Denker lebendige Menschen waren, sondern auch, dass ihre zeitweise auch wechselnden Lebensumstände keinesfalls nur nebensächliche Begleiterscheinungen waren. „Philosophen auf der Spur, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2019“ weiterlesen

Notwendigkeit einer neuen Religion, Hinweis auf Christoph Quarch

Der Philosoph Christoph Quarch, von dem ich erst kürzlich ein Buch über Platon angezeigt habe, weist in seinem Silvestergruß auf die Notwendigkeit eines neuen Verständnisses von Religion hin und bezieht sich dabei auch auf Martin Heideggers Rede vom „letzten“ Gott.

Religion wird hier wörtlich verstanden als Rückbindung an das Sein, das nun mit Platon als Lebendigkeit gedeutet wird. Diesen Text antichristlich zu verstehen, greift zu kurz, denn zu den Referenzen gehört auch der Theologe Paul Tillich, dessen Theologie ohnehin noch nicht gänzlich zur Kenntnis genommen worden ist. Neben der integralen Theologie sollte die religionsphilosophisch geprägte als zukunftsweisend angesehen werden.

Ich teile hier gern den Link zum Aufsatz mit der Erlaubnis des Autors:

Christoph Quarch: Wurzeln im heiligen Sein dieser Welt

Zarathustra neu lesen, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2018

Zu: Heinrich Meier: Was ist Nietzsches Zarathustra? Eine philosophische Auseinandersetzung, Verlag C.H.Beck, München 2017, gebunden, 240 Seiten, ISBN: 978 3 406 707940, Preis: 26,95 Euro

Heinrich Meier lehrt als Philosophie-Professor an der Ludwig-Maximilian-Universität in München und zugleich in Chicago. Außerdem leitet er die Carl Friedrich von Siemens Stiftung in München. Die Notizen zum Hauptwerk von Friedrich Nietzsche „Also sprach Zarathustra“ sind in diversen Lehrveranstaltungen entstanden. „Zarathustra neu lesen, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2018“ weiterlesen

Aufstand der Unwichtigen? Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2018

Zu:

Die Epilog, Zeitschrift zur Gegenwartskultur, Ausgabe Nr. 7 (2018), Quite important, Thema: Irrelevant, Herausgeber: Mads Pankow, Chefredakteur: Fabian Ebeling, Verlag: Große Fahrt Weimar KG, 2018,

Die Zeitschrift „Die Epilog“ erscheint jährlich. Wer die Homepage die-epilog.de besucht, wird erfahren, dass die nächste Ausgabe am 19.3.2018 erscheint und damit am Tag nach der Leipziger Buchmesse, auf der sie vorgestellt wird.

Aus meinem Presseexemplar entnehme ich, dass die Ausgabe 22 Artikel enthält, die jeweils kaum länger als eine Schreibmaschinenseite sind. Hinzu kommen zwei Gedichte und zwei Fotodokumentationen. Dank der vielen Farbillustrationen riecht das Heft ein wenig nach Druckerfarbe. Exemplarisch gehe ich kurz auf vier Artikel ein:

Alle Artikel handeln irgendwie vom Begriff der Irrelevanz. Birthe Mühlhoff schreibt davon, warum es wichtig sein kann, von Schöpfung zu sprechen und von Gott als dem Schöpfer: Insekten sind nicht irrelevant. Für die Zukunft der Schöpfung mag diese Erkenntnis zu spät sein. (S. 33 – 35)

Mads Pankows erster Artikel fragt danach, was die Alternative zum Nihilismus ist und aktualisiert Nietzsche. Es geht nicht darum, zum Übermenschen zu werden, sondern auf die Fragen einzugehen, die das Leben im Alltag stellt. Es geht um das Verhältnis zum Leben und um Verhältnismäßigkeit im Alltag. (S. 37 – 39)

In seinem zweiten Artikel stellt er Georg Franck vor, der 1998 den radikalen Markt der Anerkennung entdeckt hat. Mit dieser Entdeckung fand er das neue Prekariat, die Menschen ohne Aufmerksamkeit. Die aktuelle politische Entwicklung sei daher als Aufstand der Unwichtigen oder Unbedeutenden zu deuten: „Wenn wir Menschen ignorieren, müssen sie sich ihre Aufmerksamkeit mit Gewalt nehmen.“ (S. 68f.).

Maybrit Hillnhagen erklärt das Gesetz der Irrelevanz, das auf George Spencer-Brown zurückgehen soll (lebte Brown wirklich in einer Garage, was an Diogenes erinnert?). Spencer-Brown hat eine alternative Logik entwickelt: „Nur durch persönliche Erfahrung, durch praktisches Handeln könne sich das Bewusstsein einer unzugänglichen Welt nähern.“ (S. 139) Die Logik der Erfahrung nach Spencer-Brown basiert auf der Unterscheidung, die jeweils eine Bewertung voraussetzt, die damit zwischen Relevanz und Irrelevanz unterscheidet. Das Zeichen der Unterscheidung ist in der Schreibweise dieser Logik ein leerer Raum, wie es heißt: „Der blank space gibt dem Irrelevanten Raum in unseren Unterscheidungen.“ S. 139). Zum Schluss warnt Maybrit Illnhagen allerdings davor, in die Position des Beobachters zu verfallen, so dass die Realität letztlich egal würde. (S. 138/139)

Fazit: In der Kürze liegt die Würze.