Vom Durst – Jahreslosung 2018, Rezension, Christoph Fleischer, Welver 2017

Zu: Martina Walter (Hg.) / Martin Werth (Hg.): Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst (Offenbarung 21,6), Die Jahreslosung 2018 – Ein Arbeitsbuch mit Auslegungen und Impulsen für die Praxis, Neukirchener Verlag 2017, Softcover, ISBN: 9783761564615, Preis: 9,90 Euro

(C) Inge Heinicke-Baldauf

Vermutlich hat sich das Erscheinen des Standardbuches im Neukirchener Verlag verspätet. Das wäre auch verständlich, weil der bisherige Autor und Herausgeber Burkhard Weber vor einem Jahr gestorben ist.

Das Konzept des Buches trägt noch deutlich seine Handschrift, der Aufbau und die Praxisorientierung. Das Buch ist keinesfalls allein ein Predigtband über die Jahreslosung, sondern hat durchaus diverse Anwendungen in volkskirchlichen und freieren Formen der Verkündigung im Blick. „Vom Durst – Jahreslosung 2018, Rezension, Christoph Fleischer, Welver 2017“ weiterlesen

Jesus, jüdisch und christlich zugleich, Rezension, Christoph Fleischer, Welver 2017

Zu:

Geza Vermes: Vom Jesus der Geschichte zum Christus des Dogmas, Aus dem Englischen von Claus-Jürgen Thornton, Verlag der Weltreligionen im Insel Verlag, Berlin 2016, gebunden, 383 Seiten, ISBN: 978-3-458-71040-0, Preis: 34,00 Euro (print)

„Geza Vermes (1924 – 2013) war Religionshistoriker und Judaist. Schwerpunkte des renommierten Oxforder Professors waren das antike Judentum (besonders Qumran) und die Jesusforschung.“ (Einband hinten).

Von 1973 an („Jesus The Jew“) widmete sich Geza Vermes dem Anteil des Judentums an der Überlieferung über Jesus und den frühchristlichen Schriften. Hierbei spielen weniger historische Anlässe eine Rolle als bestimmte Eigenschaften. „Jesus, jüdisch und christlich zugleich, Rezension, Christoph Fleischer, Welver 2017“ weiterlesen

Emmanuel Carrère und das Reich Gottes, Notiz von Christoph Fleischer, Welver 2017

Bericht über ein Interview im Philosophie Magazin, August/September, Nr. 05/2017

Carrère schreibt im Kommentar über sein neues Buch: „Ein russischer Roman“: „Mir kommt es so vor, als würde ich, sosehr ich kann, zum ‚Guten‘ streben, wenn man darunter Empathie für den anderen versteht. Allerdings wird dieses Verlangen ständig von meiner Schwäche, meinem Egoismus, meiner Engstirnigkeit durchkreuzt.“ (Philomag, S. 69) Mit kommt bei dieser Formulierung Paulus in den Sinn, der eine ähnliche Erfahrung im Römerbrief benennt.

Einige Zeilen weiter erfahre ich, dass sich Emmanuel Carrère tatsächlich mit Paulus beschäftigt hat. Er sagt dazu im Interview: „Das ist exakt das, was Paulus erzählt: die Geschichte einer Besitzergreifung, einer Besessenheit. Wer da lebt, bin nicht mehr ich, es ist Christus, der in mir lebt.“ (S. 70) Worin liegt darin die besondere Botschaft das Paulus, so frage ich mich.

Paulus hat ein sehr besonderes Verhältnis zur Auferstehung Jesu, das ihn von den Evangelien unterscheidet. Er sieht die Auferstehung als „ein unglaubliches, nicht zu begreifendes Ereignis, […]das aber gleichwohl stattgefunden hat.“ (S. 71) Carrère verbindet diese Erzählung über Paulus mit dem eigenen Erleben. Er möchte nicht wieder gläubig werden, hat eher ein wenig Angst davor. Aber warum sagt er das? Ist es nicht inkonsequent, wenn man sich den Anfang des Interviews ins Gedächtnis ruft (s.o.)?

Deutlich wird das eher bei einem Ausflug in die Philosophie. Carrère findet an/mit Paulus gut, dass für ihn das gute nicht wie ein Rezept funktioniert, das man nur anzuwenden hat (vgl. Stoa). Vielmehr bekennt er sich zur Inkonsequenz nicht das zu tun, was ich will, sondern das, was ich nicht will, das böse.

Doch dazu gehört auch ein Wirklichkeitsverständnis, das die Gegenwart betont. So kommt er auf Nietzsche zu sprechen: Wenn dieser darin recht hat, „dass die Wirklichkeit das ist, was vor Augen steht und dass es dahinter nichts gibt“ (S. 72) Doch er gibt das Christentum nicht auf, auch wenn er keine Hinterwelt offenbart.

Das Interview scheint nun etwas auf der Stelle zu stehen und Themen nur anzureißen. Er kommt aber dann doch erneut auf Paulus zurück. Mit Paulus zu denken bedeutet, visionär zu leben.

Dazu gehört nun aber ganz offensichtlich auch die immanente politische Vision vom bevorstehenden Ende der Welt. Emmanuel Carrère sagt: „Ich neige zu der Ansicht, dass wir uns in einer vorher nie da gewesenen Situation befinden, die relativ kurzfristig zu einer weltweiten Katastrophe führen wird.“ (S. 73) Doch ist diese Situation zumindest gedanklich nicht auch die des Paulus gewesen? Hat er nicht auch in einem apokalyptischen Zeitalter gelebt, das mit dem Ende der Welt gerechnet hat?

Ich frage mich, was Emmanuel Carrère will, wenn er vom Reich Gottes schreibt. Da ich das Buch nicht gelesen habe, kann ich nur konstatieren, dass er zumindest im Interview nicht auf das Messianische oder das Judentum zu sprechen kommt. Müsste man nicht diese Erwartungen zwischen Reich Gottes und Weltuntergang berücksichtigen, wenn man einen Roman über die Bibel schreibt? Vielleicht habe ich ja doch noch einmal Zeit diesen Roman von Emmanuel Carrère zu lesen.

Nr. 5 / 2017

Predigt über die Jahreslosung 2017, Christoph Fleischer, Welver 2016

Die Predigt wird am Sonntag, den 08.01.2017 in Bad Sassendorf und Lohne gehalten. Es ist eigentlich der erst Sonntag nach Epiphanias, aber zugleich der erste Gottesdienst im neuen Jahr. Ich nehme als Lesung einen Text zum Sonntag, da das Thema des Sonntags und der Jahresspruch zusammen passen. Der Wochenspruch zum Sonntag lautet: „Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.“ (Römer 8,14)

Heimathaus Welver, Foto: Niklas Fleischer (C)
Jahreslosung 2017: Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Aus dem Buchnde Prohpeten Hesekiel (Ezechiel) Kapitel 36, Vers 26

 

Liebe Gemeinde,

Am Beginn des neuen Jahres zumal des Reformationsjubiläums 2017 möchte uns mal mit Worten des Philosophen Friedrich Nietzsche ein wenig aufwecken. Vielleicht sind ja Philosophen auch so etwas wie Propheten. Nietzsche hat ein Buch geschrieben, das mit „Der Antichrist“ überschrieben ist. Eine zentrale Rolle in diesem Buch spielt Jesus. Jesus ist quasi selbst der Antichrist, weil er die Botschaft der Kirche, die dann entstanden ist, so nicht gewollt hätte. Jesus hätte nach Nietzsche auch keinen Glauben gewollt, keine Religion, sondern er wollte das Leben der Menschen verändern. Im Abschnitt 34 geht er auf die Verkündigung Jesu ein, die besagt, das „Reich Gottes“ sei kein Gegenstand der Zukunft oder der Hoffnung, sondern es ist „mitten unter euch“. Friedrich Nietzsche folgert: „Das ‚Himmelreich’ ist ein Zustand des Herzens – nicht etwas, das ‚über der Erde’ oder ‚nach dem Tode’ kommt. …. Das ‚Reich Gottes’ ist nichts, das man erwartet; es hat kein Gestern und kein Übermorgen, es kommt nicht in ‚tausend Jahren’ – es ist eine Erfahrung an einem Herzen; es ist überall da, es ist nirgends da…“ (Friedrich Nietzsche: Der Antichrist, in: Kritische Studienausgabe, Band 6, dtv München, 11. Auflage 2014, S. 207). „Predigt über die Jahreslosung 2017, Christoph Fleischer, Welver 2016“ weiterlesen