Warum schämen, frei von Schuld? Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2016

 

Zu: Ulrike Link-Wieczorek (Hg.): Verstrickt in Schuld, gefangen von Scham? Neue Perspektiven auf Sünde, Erlösung und Versöhnung, Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn 2015, Softcover, 210 Seiten, ISBN: 978-3-7887-2942-4 (Print), Preis: 39,00 Euro

Link-Wieczorek - Verstrickt in Schuld

Die Jahrestagung 2015 der „Gesellschaft für Evangelische Theologie“ wird hier in Gänze dokumentiert, Haupt- und Einleitungsvorträge, Diskussionsbeiträge zur Gruppenarbeit, ein Grußwort und eine Predigt. Ein vorläufiger Eindruck: Das Thema „Scham“ ergänzt die Bearbeitung des Wortpaares „Schuld – Sünde“, verschiebt die anthropologische Perspektive der Theologie, ohne sie davon zu lösen. „Warum schämen, frei von Schuld? Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2016“ weiterlesen

Scham, Gefühle auszudrücken, auch im Alltag, schriftlich, nonverbal oder mündlich, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2016

Zu: Monique Honegger (Hg.): Schreiben und Scham, Wenn ein Affekt zur Sprache kommt, Psychosozial-Verlag, Gießen 2015, ISBN: 9783837924701, 215 Seiten, Preis: 29,90 Euro, Link: http://www.psychosozial-verlag.de/2470

Reihen-Umschlaggestaltung für den Psychosozial-Verlag, Gießen Info zu Hintergrund Raster-Bild: Raster für Fond: Covermotiv in Fläche von ca 25 x 25 cm einbauen und in Bitmap wandeln. Einstellung Bitmap: Halbtonraster 10 p per inch Winkel 45°

„Ich merkte, dass ich mich für den Wunsch schämte, mich mit intimen und persönlichen Gedanken dem Leser auszuliefern und um seine Anerkennung zu werben.“ (S. 47). Markus Fäh schildert das Phänomen der Scham beim Schreibprozess anhand seiner eigenen Erfahrung beim Abfassen des Artikels „Hölle und Glückseligkeit, psychoanalytische Überlegungen zur Scham beim Schreiben“ (S. 47 – 66). Die Schreibhemmung ist ein weiter verbreitetes Phänomen, als man wohl annimmt. Es ist ein Arbeitsschwerpunkt der Pädagogischen Hochschule Zürich, sich damit zu befassen. Das Autorenteam setzt sich zusammen aus Monique Honegger, Stefan D. Keller, Daniel Perrin, Geri Thomann, Professoren an der PH Zürich und tätig als Schreibexperten oder Schreibberater, Matthias Jäger, Dr. und Psychiater, Elena Ibello, Andrea Keller, MA Education und Journalistinnen und Michael Saschi, lic. Phil. Lehrer und Autor.      „Scham, Gefühle auszudrücken, auch im Alltag, schriftlich, nonverbal oder mündlich, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2016“ weiterlesen

Diskretion im Umgang mit Gott, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2015

Zu: Kristian Fechtner: Diskretes Christentum, Religion und Scham, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2015, ISBN 978-3-579-08146-5, Preis: 17,99 Euro

Diskretes Christentum von Kristian Fechtner
Diskretes Christentum von Kristian Fechtner
Laut Vorwort hat der Mainzer Theologieprofessor im Fach Praktische Theologie sein Projekt, ein Buch über „Religion und Scham“ zu schreiben, zunächst nicht vollendet und aufgeschoben. Doch das Buch ist nun erschienen, und die Frage ist, welches Thema es eigentlich behandelt. Ist das hier als Untertitel angegebene Thema „Religion und Scham“ mit dem Haupttitel „Diskretes Christentum“ eigentlich identisch, und inwiefern unterscheiden sich diese beiden Fragerichtungen auch?

Es könnte um die Seelsorge gehen, denn „Seelsorge hat mir Scham zu tun“ (S. 147). Doch das Buch konzentriert sich nicht auf die Seelsorge, sondern spürt dem Thema auch in den Bereichen Gottesdienst, Kasualpraxis und Religionspädagogik nach. Die Frage ist also berechtigt, ob diese Grundfrage nach „Religion und Scham“ zur Wahrnehmung eines gewiss relevanten Querschnittsthemas führt, oder ob, wie das Buch denn nun benannt wird, diese Fragerichtung zur Wahrnehmung eines Phänomens führt, das mit einem recht kurzen Schlusskapitel (S. 173 – 179) zum Thema Diskretion in der Religionsausübung führt. Wo das Buch zum eigentlichen Thema kommt, scheint es abzubrechen. Wohin wird der Leser, die Leserin gelenkt, dazu, Diskretion kompetent aufzudecken und zu kritisieren oder als eine berechtigte Gestalt gelebten Glaubens zu akzeptieren? „Diskretion im Umgang mit Gott, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2015“ weiterlesen

Predigt über Lukas 18, 9-14 mit Zitaten aus dem Buch: Diskretes Christentum von Kristian Fechtner, Christoph Fleischer, Welver 2015

Verlesung des Textes Lukas 18, 9-14 (Gute Nachricht Bibel):

9Dann wandte sich Jesus einigen Leuten zu, die voller Selbstvertrauen meinten, in Gottes Augen untadelig dazustehen, und deshalb für alle anderen nur Verachtung übrig hatten. Er erzählte ihnen folgende Geschichte:

10»Zwei Männer gingen hinauf in den Tempel*, um zu beten, ein Pharisäer* und ein Zolleinnehmer*.

11Der Pharisäer stellte sich vorne hin und betete leise bei sich: ‚Gott, ich danke dir, dass ich nicht so bin wie die anderen Menschen, alle diese Räuber, Betrüger und Ehebrecher, oder auch wie dieser Zolleinnehmer hier! 12Ich faste* zwei Tage in der Woche und gebe dir den vorgeschriebenen Zehnten* sogar noch von dem, was ich bei anderen einkaufe!‘ 13Der Zolleinnehmer aber stand ganz hinten und getraute sich nicht einmal, zum Himmel aufzublicken. Er schlug sich zerknirscht an die Brust und sagte: ‚Gott, hab Erbarmen mit mir, ich bin ein sündiger Mensch!’«

14Jesus schloss: »Ich sage euch, der Zolleinnehmer ging aus dem Tempel in sein Haus hinunter als einer, den Gott für gerecht* erklärt hatte – ganz im Unterschied zu dem Pharisäer. Denn alle, die sich selbst groß machen, werden von Gott gedemütigt, und alle, die sich selbst gering achten, werden von ihm zu Ehren gebracht.«

Liebe Gemeinde,

Dieses Gleichnis klingt plausibel, ist aber bei näherem Hinsehen nicht einfach. Vom „Pharisäer“ und vom „Zöllner“. Wir wissen, dass die Pharisäer als Gegner Jesu bezeichnet werden und dass er auch sonst mit Zöllner zu tun hatte. Einige der Jünger waren Zöllner. Von daher verwundert es nicht, dass sich Jesus hier für den Zöllner ausspricht.

Ohne dieses Vorwissen, kommt das aber auch ein wenig schräg rüber. Ich las, dass bei Konfirmandinnen und Konfirmanden beide als unsympathisch gelten. Einer wegen seiner angeberischen Art und der andere wegen seiner unterwürfigen Art. Dann müsste man schon Jesu Absicht theologisch deuten, denn es geht ja indirekt auch um das Gebet. Das stille Gebet in der letzten Reihe ist Jesus wohl lieber als das laute Gebet, das jeder hören kann. Doch nun kommt für mich ein neuer Aspekt dazu, der dieses Gleichnis noch einmal aus einer anderen Perspektive betrachtet. Bei dieser Betrachtung geht es gar nicht so sehr darum, wer von beiden besser oder sympathischer ist, sondern was Jesus damit eigentlich verdeutlichen möchte.

Hierbei hilft mir ein Buch, dass ich gerade lese: „Diskretes Christentum, Religion und Scham. Von Kristian Fechtner“ (Gütersloher Verlagshaus Gütersloh 2015). „Predigt über Lukas 18, 9-14 mit Zitaten aus dem Buch: Diskretes Christentum von Kristian Fechtner, Christoph Fleischer, Welver 2015“ weiterlesen