Trauer als Sinnsuche, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2019

Zu: Giannina Wedde: Es wächst ein Licht in deinem Fehlen, Ein Trost- und Trauerbuch, Vier-Türme-Verlag, Münsterschwarzach 2019, gebunden, 143 Seiten, ISBN: 978-3-7365-0228-4, Preis:

Ob Giannina Wedde als freie Rednerin arbeitet, weiß ich nicht. Was ich weiß, ist, dass sie eine Homepage als Blog pflegt: www.klanggebet.de. Ich sehe dort heute (17.06.2019), dass dieses Buch kürzlich von einer Trauerbegleiterin in einem Interview mit der Autorin aufgegriffen wurde.

Giannina Wedde fokussiert das Thema Trauer in unterschiedlichen Varianten. Während sie sich sonst durchaus der Sprache christlicher Religion bedient, zum Teil auch verknüpft mit anderen Formen wie Mantren, ist das in diesem Buch kaum zu spüren.

Wie schon im Vorwort angedeutet, geht sie mit Meditationstexten und Gedichten den Weg der Trauerbewältigung entlang. Die Lehre der Trauerstufen sieht sie als Phasen, in der Trauernde zwar nach Sinn fragen, aber weniger mit religiöser Bewältigung anfangen können. Ja, sie konstatiert hier die Erfahrung der Trostlosigkeit, „weil viele der bewährten Trostworte heute leer und fremd klingen und weil religiöse Antworten das Brennen der Trauer nicht lindern.“ (4)

Das Inhaltsverzeichnis deutet verschiedene Ebenen der Trauererfahrung an, die sicher auch wie Schichten ineinander gehen. Trauer durch den Tod eines Angehörigen ist eine Schmerzerfahrung, die aber auch die Beziehungsfragen und die Sinnfragen berührt.

Die Texte bemühen sich um Klarheit und Verständlichkeit, verzichten auf Floskeln und Allgemeinplätze. Man hat immer den Eindruck, dass eine konkrete Trauererfahrung gemeint sein könnte.

Was also ersetzt Religion? In diesem Fall ist es das Bemühen um Verstehen der Erfahrungen, die Akzeptanz von Verletzung und Traurigkeit und die Überwindung der Trauer durch das Neufinden des Lebens.

Die Trauer bildet das Beziehungsgeschehen im Zustand der Abwesenheit ab: Wer bin ich ohne den Anderen? Die Krise der Trauer ist auch die Krise meiner Selbstbilder durch die abgebrochene Beziehung. Die Schmerzerfahrung zeigt, dass wir im Gegenüber geborgen sind. Trauernde spüren die Präsenz der Menschen. „Alles in diesem Haus bezeugt das Leben, das in dir umherging.“ (32)

Dabei geht es immer auch darum, sich selbst in den Blick zu nehmen: „Ich lerne, mit mir geduldig zu sein.“ (35)

Und, was für sprachliche Bilder glücken der Autorin: „Man darf nicht toter als die Toten sein.“ (39) Gefühlslandschaften zeigen die Individualität der Trauer, wie die des Lebens selbst.

Unter dem Stichwort „Geteilte Ohnmacht“ geht Giannina Wedde den Floskeln nach, um dann zu schließen, man soll sich dann gerade im Gespräch der eigenen Sprachlosigkeit und Ohnmacht stellen. Genau darin liegt der Trost. Mir kommen die Freunde Hiobs in den Sinn, die sieben Tage und sieben Nächte mit dem trauernden Freund schweigen.

Ich verkürze bewusst nun den Weg durch die Texte, die die Trauererfahrung ehrlich verbalisieren und gerade darin, die Trosterfahrung sehen, die die religiösen Antworten ersetzt.

Und so ist er klar, dass die Texte zum Ende hin auch den Weg ins Leben verbalisieren. Der Lebensweg führt einfach weiter. Die verstorbene Person ist schon auch immer noch dabei, aber sie begleitet ohne zu binden.

Ich muss die Texte einfach noch einmal selbst sprechen lassen: „Ich kann mich selbst nicht trösten, doch ich kann aufatmen/ im Wissen, dass ich es nicht muss.“ (129) Ja, jeder hat Recht auf ein zweites, ein weiteres Leben, „wie eine Antwort auf mein Beten“ (135).

Jeder Morgen bringt immer wieder einen neuen Tag und die Vergangenheit lassen wir hinter uns. Doch die Trauererfahrung streifen wir nicht ab, sondern lassen sie wie eine unserer Lebenserfahrungen einfach mit uns gehen.

Was ersetzt die Religion? Diese Frage sollten wir ändern und uns fragen: Wie zeigt die Erfahrung der Trauer Antworten auf die Sinnfragen, die im Leben selbst liegen?

Nicht der Himmel über uns, sondern die Liebe in uns ist die Antwort auf die Sinnfrage. Und war diese Wahrheit nicht gerade das, was Jesus verkündigt hat und wofür er bis zur letzten Konsequenz einstand?

Das Buch von Giannina Wedde verbindet kurze Texte der Reflexion und der Meditation des Trauerweges mit Gedichten, die dazu anregen die Perspektiven der eigenen Situation wahrzunehmen.

Es ist genauso für professionelle Trauerbegleiter wie für Trauernde geeignet, besonders dann, wenn die ersten Schockreaktionen vorübergegangen sind. Ob Texte auch zur Gestaltung einer Trauerfeier geeignet sind, sollte man von der Situation abhängig machen.

 

Eine Bestatterin und Trauerbegleiterin berichtet, Emanuel Behnert, Lippetal 2018

Rezension zu: Nicole Rinder: Der Tod bringt mich nicht um – Warum ich Bestatterin geworden bin, Patmos Verlag 2017, ISBN 978-3-8436-0944-9, Preis: 18,00 Euro

„Für mich gibt es ein Leben vor und ein Leben nach dem 7. November 1999. In den frühen Morgenstunden dieses Herbsttages starb mein Sohn Leon – Paul. Er wurde nur vier Tage alt.“ (S.9)

Mit diesen Worten beginnt – nach einer kurzen Vorstellung ihrer selbst – das sehr lesenswerte Buch von Nicole Rinder, in dem sie ihren Weg von der (Zahn)Arzthelferin hin zur Bestatterin und Trauerbegleiterin beschreibt. Am Anfang dieses, das ganze Leben verändernden Weges, steht die sehr persönliche Betroffenheit der Autorin, die vier Wochen vor dem eigentlichen Geburtstermin erfährt, dass ihr Kind schwer krank – und sicher nicht lange lebensfähig sein wird. (S.15) „Eine Bestatterin und Trauerbegleiterin berichtet, Emanuel Behnert, Lippetal 2018“ weiterlesen

Sei gesegnet! Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2018

Zu:

Giannina Wedde: In deiner Weite lass mich Atem holen, Segensworte für die Lebensreise, Vier-Türme-Verlag, Münsterschwarzach 2018, gebunden, 203 Seiten, ISBN: 978-3-7365-0136-2, Preis: 19,00 Euro

Nach ihrem Gedichtband „Dorn der Liebe“ (Echter Verlag, 2015) erscheint nun das zweite Buch der Berliner Autorin in religiöser Orientierung. Früher war sie mal als Kabarettistin unterwegs.

Auf meine Frage, ob die Texte einer eignen rituellen Begleitung entspringen, antwortete mir die Autorin per Email:

„Also ich spende keine Segen wie bei Kasualien, oder wie das freie Zeremonienbegleiter machen. Was ich sehr wohl mache, ist auf Anfrage persönliche Segenstexte zu schreiben, für besondere Anlässe wie Taufe, Beerdigung, Eheschliessung oder auch andere Anlässe.

Und da ein Teil meiner Arbeit ja musikalischer Natur ist – ich komponiere Klanggebete – komponiere ich auf Wunsch eben auch Segenslieder für den eigenen Gebrauch oder zum Verschenken an Kinder, Familien, Lebensgefährten etc., spiele und singe diese ein und gebe sie auf einer persönlichen CD an den Empfänger. Ansonsten finde ich eine persönliche Segenspraxis einfach gut und fruchttragend, als Gebetspraxis und als weg der Ausrichtung.“ (Email vom 24.01.2018, siehe auch klanggebet.de). „Sei gesegnet! Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2018“ weiterlesen

Aufleuchten statt Ausbrennen, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2017

Zu: Monika Kiel-Hinrichsen (Hrsg.): Burnlong statt Burnout, Stress überwinden, gesund bleiben, aethera im Verlag Urachhaus, Stuttgart 2016, Softcover, illustriert, 160 Seiten, ISBN 978-3-8251-8010-2, Preis: 17,90 Euro

Obwohl der Begriff „Burnout“ schon sei 1974 bekannt ist und relativ klar definiert wurde, wird es die definitive Diagnose dieser Krankheit erst später geben. Bis jetzt wird Burnout als „Syndrom“ bezeichnet, ein Krankheitsbild, in dem Symptome unterschiedlicher Diagnosen zusammenwirken.

Monika Kiel-Hinrichsen schreibt im Eingangsartikel dieses Buches, das eine im Jahr 2015 durchgeführte Tagung zum Burnout nachzeichnet: „Das Burnout-Syndrom hat sich zunehmend zu einer Herausforderung auf medizinischem Gebiet entwickelt, da immer mehr Menschen in so tiefe Erschöpfungszustände geraten, dass diese schnell mit dem Begriff ‚Burnout‘ erfasst werden.“ (S. 12) „Aufleuchten statt Ausbrennen, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2017“ weiterlesen

Predigt über Johannes 21, Christoph Fleischer, Welver 2017

Johannes 21, 1-19 (Lutherbibel 2017)

 

Die Predigt halte ich in der Gemeinde Bad Sassendorf und in Meiningsen (Günne) am Sonntag Quasimodogeniti und in der reformierten Gemeinde Soest am Sonntag Miserikordias Domini.

 

Verlesung des Textes:

1 Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See von Tiberias. Er offenbarte sich aber so:

2 Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger. 3 Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sprechen zu ihm: Wir kommen mit dir. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts.

4 Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. 5 Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. 6 Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten’s nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische.

7 Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte: »Es ist der Herr«, da gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich in den See. 8 Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen.

9 Als sie nun an Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer am Boden und Fisch darauf und Brot. 10 Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt! 11 Simon Petrus stieg herauf und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht.

12 Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten: Es ist der Herr. 13 Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt’s ihnen, desgleichen auch den Fisch.

14 Das ist nun das dritte Mal, dass sich Jesus den Jüngern offenbarte, nachdem er von den Toten auferstanden war.

(c) Sabine Maiwald-Humbert, See Genezareth

Liebe Gemeinde,

Die Feiertage sind vorbei. Kein Urlaub, keine Ferien mehr. Jetzt geht es wieder an die Arbeit.

Vielleicht war es bei den Jüngerinnen und Jüngern Jesu ganz ähnlich. Und dann kommt hinzu, dass sie sich die Feiertage in Jerusalem ganz anders vorgestellt haben. Sie wollten das Passahfest fröhlich mit Jesus feiern und sich dort im Tempel unter das Volk mischen. Doch nach einer provokativen Aktion im Tempel wurde Jesus verhaftet, verhört und von Pontius Pilatus zum Tode verurteilt. Dann der Tod am Kreuz und drei Tage später die Botschaft: Jesus ist auferstanden. Er geht vor Euch her nach Galiläa. „Predigt über Johannes 21, Christoph Fleischer, Welver 2017“ weiterlesen