Diskussionen um und mit Heidegger, Rezension, Christoph Fleischer, Welver 2017

Zu:

Harald Seubert, Klaus Neugebauer (Hg.): Auslegungen, von Parmenides bis zu den Schwarzen Heften, Martin-Heidegger-Gesellschaft, Schriftenreihe, hg. von Harald Seubert und Klaus Neugebauer, Band 11, Verlag Karl Alber in der Herder Verlag GmbH, Freiburg/München 2017, ISBN: 978-3-495-48940-6, Preis: 39,00 Euro (print)

Die 16 Beiträge dieses Bandes dokumentieren die Tagung der Martin-Heidegger-Gesellschaft in Wien im Jahr 2016. Der Vorsitz dieser Gesellschaft hat inzwischen gewechselt und ist von Helmuth Vetter auf Harald Seubert übergegangen. Der alte Vorsitzende hatte die Tagung noch vorbereitet, war aber inzwischen erkrankt und ist von seinem Amt zurückgetreten.

Das Inhaltsverzeichnis ordnet die Aufsätze alphabetisch und nicht nach dem Tagungsablauf oder der Programmstruktur (Link: https://www.heidegger-gesellschaft.de/wordpress/wp-content/uploads/tagungsprogramm_2016_hermeneia_perspektiven_der_heidegger-interpretation.pdf ). „Diskussionen um und mit Heidegger, Rezension, Christoph Fleischer, Welver 2017“ weiterlesen

Aufleuchten statt Ausbrennen, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2017

Zu: Monika Kiel-Hinrichsen (Hrsg.): Burnlong statt Burnout, Stress überwinden, gesund bleiben, aethera im Verlag Urachhaus, Stuttgart 2016, Softcover, illustriert, 160 Seiten, ISBN 978-3-8251-8010-2, Preis: 17,90 Euro

Obwohl der Begriff „Burnout“ schon sei 1974 bekannt ist und relativ klar definiert wurde, wird es die definitive Diagnose dieser Krankheit erst später geben. Bis jetzt wird Burnout als „Syndrom“ bezeichnet, ein Krankheitsbild, in dem Symptome unterschiedlicher Diagnosen zusammenwirken.

Monika Kiel-Hinrichsen schreibt im Eingangsartikel dieses Buches, das eine im Jahr 2015 durchgeführte Tagung zum Burnout nachzeichnet: „Das Burnout-Syndrom hat sich zunehmend zu einer Herausforderung auf medizinischem Gebiet entwickelt, da immer mehr Menschen in so tiefe Erschöpfungszustände geraten, dass diese schnell mit dem Begriff ‚Burnout‘ erfasst werden.“ (S. 12) „Aufleuchten statt Ausbrennen, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2017“ weiterlesen

Arbeit als Teil des Lebens sehen, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2017

Zu: Frank Behrendt: Liebe dein Leben und nicht deinen Job, 10 Ratschläge für eine entspannte Haltung, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2016, gebunden, 222 Seiten, ISBN: 978-3-579-08646-0, Preis: 17,99 Euro

Diese Rezension gehört zu meiner Nachlese des Besuchs der Frankfurter Buchmesse im Herbst 2016. Dort begegnete ich am gemeinsamen Stand der Bertelsmann-Verlage dem Autor des Buches an einem Sonntagvormittag. Er war gekommen, um seine Bücher zu signieren, die dort am Stand verkauft wurden. Es war ja ein Publikumstag. Er genoss offensichtlich die kurzen Gespräche mit seinen Leserinnen und Lesern. Wir haben auch einige Worte gewechselt. Herr Behrendt ist Selbständiger und Unternehmer und macht täglich pünktlich um 18 Uhr Feierabend und reserviert sich genügend Zeit für Familie und Freizeitaktivitäten. Der Job, der Beruf ist nicht die Hauptsache, der Mittelpunkt des Lebens, sondern eher eine spannende Nebensache, die dazu da ist, um Geld zu verdienen. Das oftmals verurteilte „Jobdenken“ wird neu betrachtet und als Lösung aller Burnout-Probleme gesehen. Im breiten Strom der Work-Life-Balance-Literatur wird dieses Buch sich behaupten müssen. Trotzdem ist dieser konkrete Blick notwendig, da sich die Umstände der Berufsarbeit unter den Bedingungen des Digitalen noch einmal anders darstellen als früher. „Arbeit als Teil des Lebens sehen, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2017“ weiterlesen

Bücherschau zur Frankfurter Buchmesse, Herbst 2016, Christoph Fleischer, Welver 2016

Nach unserem Besuch auf der Frankfurter Buchmesse möchte ich einfach folgende Bücherschau zur Kenntnis geben. Diese Bücher sind mir beim Rundgang oder bei der Durchsicht der Prospekte aufgefallen. Ich habe diesmal nur ein paar von Ihnen zur Rezension angefordert. Wer also eines dieser Bücher zur Rezension auf unserem Blog www.der-schwache-glaube.de anfordern möchte, sollte sich mit mir in Verbindung setzen.

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Foto: Christoph Fleischer (c)

Ellert und Richter Verlag Hamburg:

Matthias Gretzschel: Auf den Spuren von Martin Luther. 14,95 Euro

Dieser Band wird gleichzeitig in englischer Sprache erscheinen. Der in Hamburg ansässige Verlag ist auf Reiseliteratur spezialisiert und legt einen kurzen Lutherband mit vielen Illustrationen vor, der hauptsächlich zugleich die Luthergedenkstätten in den Blick nimmt.

Hier eine Ankündigung des Verlages: „Die Wirkungen des Wittenberger Reformators Martin Luther waren universal. Die meiste Zeit verbrachte er in Kursachsen, das durch ihn zum „Mutterland der Reformation“ wurde. Der Theologe und Journalist Matthias Gretzschel nähert sich dem Phänomen Luther, indem er dessen Schicksal anhand der einzelnen Lebensstationen nachzeichnet: vom Geburtsort Eisleben im Mansfelder Land über die Schulzeit in Eisenach bis zum Eintritt ins Erfurter Augustinerkloster, vom Wittenberger Thesenanschlag zu den Disputationen in Leipzig, von den Auftritten vor dem Reichstag in Worms bis zur „Schutzhaft“ auf der Wartburg, wo er die Bibel übersetzte. Dokumentiert werden auch die späteren Reisen, die Luther von Wittenberg aus unternahm, um sein reformatorisches Werk zu fördern.“ „Bücherschau zur Frankfurter Buchmesse, Herbst 2016, Christoph Fleischer, Welver 2016“ weiterlesen

Die Kraft der Hoffnung, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2016

 

Zu: Kathrin Klette: Hoffen, Eine Anleitung zur Zuversicht, Christoph Links Verlag, Berlin 2016, ISBN: 978-3-86153-878-3, gebunden 213 Seiten, Preis: 16,00 Euro

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Vielleicht sollte man ein Buch dort lesen, wo es hingehört. Ein Buch zum Thema Hoffen oder Hoffnung gehört auf eine Krankenstation oder in eine Arztpraxis. Das Buch ist im Kleinformat herausgegeben, etwa so groß wie ein Taschenbuch, aber in Hardcover gebunden und daher strapazierfähig. Man kann es auch im Zahnarztstuhl oder auf dem Operationstisch lesen oder wie ich im Wartezimmer. Ich musste dort zwei Stunden zwischen zwei Blutabnahmen warten, da der Zuckerwert abgenommen wurde und ich die Arztpraxis nicht verlassen durfte.

Um von Hoffnung zu sprechen, muss es erst einmal Probleme, eine Krankheit oder Krise geben. In diesem Zusammenhang ist der Satz richtig: „Hoffnung ist ein Element der Resilienz.“ (S. 23).

Wenn Resilienz die Fähigkeit eines Menschen (oder eines Werkstoffs) ist, nach einer Belastung wieder in die Ausgangslage zurückkehren zu können, dann muss man die Hoffnung als Antrieb dazu bezeichnen. Hoffnung ist das Gegenteil von Sicherheit. Man redet eigentlich nur dann von Hoffnung, wenn der Ausgang des Geschehens eigentlich offen ist. Hoffnung wäre dann der Antrieb des Lebens. Der auch eigenes Wollen und Bemühen einschließt.

Daher sollte man Kinder auch dazu motivieren, auf Veränderungen in ihrem Leben zu hoffen, aber die Autorin Kathrin Klette stellt fest: „Man kann einem Kind nicht explizit Hoffnung beibringen.“ (S. 31). Mit den Erfahrungen, die man bei der Befreiung von Kindern aus rumänischen Kinderheimen machte, musste man feststellen: „Wo keine Hoffnung ist, fehlt alles Leben.“ (S. 34). Ohne Beziehung, kein Glücksgefühl und ohne Glücksgefühl keine Selbstsicherheit, kein Antrieb. Der Kinder- und Jugendpsychiater Michael Schulte-Markwort wird mit folgenden Sätzen zitiert, die er in einem Interview sagte:  „… der Glaube, dass man ausreichend wertvoll ist … vermittelt sich primär durch Beziehung.“ (S. 38).

Soweit so gut. Ohne Probleme keine Hoffnung, aber trotzdem stellt sich die Hoffnung nicht automatisch ein. Spätestens beim nächsten Artikel frage ich mich dann aber, warum die Hoffnung in diesem Buch zu kurz kommt und stattdessen immer mehr von den Voraussetzungen und den Problemen mit der Hoffnung die Rede ist. Ich sitze immer noch in der Arztpraxis und hoffe, dass ich einen erfreulichen Befund erfahren werde.

So wie Beziehungsfähigkeit zur Hoffnung gehört, so gehört Hoffnung zu einem Leben in Beziehungen. Die Autorin Kathrin Klette, im Hauptberuf Journalistin bei der neuen Zürcher Zeitung, stellt fest: „Hoffnungsvolle Menschen sind beliebt, während hoffnungslose eher gemieden werden.“ (S. 45).

Der dann folgenden Artikel aus der Wochenzeitschrift Die ZEIT ist wie ein Bericht aus einer Psycho-Zeitung: „Porträt einer jungen Geliebten, die jahrelang gehofft hat, dass sich ihr Geliebter von seiner Frau trennt.“ (Inhaltsverzeichnis). Ich denke auf meinem Stuhl in der Arztpraxis, dass dieser Artikel mehr mit Enttäuschung als mit Hoffnung zu tun hat. Ist wirklich schon Hoffnung, wenn die Wortfolge des Titels „Hoffen, warten, runterschlucken“ zeigt, dass aus der Hoffnung eben nichts wird. Hoffnung muss sich nicht in die Wirklichkeit übertragen lassen, sie kann in der Erwartung stehen bleiben. Hoffnung ist eben keine Sicherheit, eher ein Glaube. Doch für die Lektüre des Buches ist das nicht wirklich ermutigend. Mir wäre da als Beispiel schon fast ein Lottospieler lieber, der endlich irgendwann einmal seine Hoffnung in die Tat umgesetzt hat, völlig zufällig und unverfügbar.

Der Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer zeigt, dass immerhin doch die Beziehungsebene ein gutes Feld für die Erprobung der Wahrheit von Hoffnung ist. Sie leitet dazu an, etwas in die Tat umzusetzen: „Das ist ja eine wichtige Qualität der Hoffnung: eine Zukunftsvision zu entwerfen und die dann auszuprobieren.“ (S. 71). Das Buch lebt von diesen Interviews, die eigens dafür durchgeführt wurden, und von Beispielen aus diversen Publikationen. Dazwischen finden sich kleine Denkanstöße: Eines der zwischendrin hingeworfenen Zitate und Sprichwörter zur Hoffnung lautet: „Hoffen und Harren hält manchen zum Narren. Sprichwort“ (S. 78).

Als ich den Artikel über „social freezing“ zu lesen beginne (vgl. S. 79), öffnet sich die Tür und ich werde zur Untersuchung gebeten. Immerhin heißt es hier: „Falsche Hoffnungen müssen nicht grundsätzlich unrealistisch sein.“ (S. 80).

Im folgenden Inhalt des Buches, den zu lesen ich an diesem Tag keine Gelegenheit mehr finde, ist immer wieder von Krisen die Rede, wie auch von Menschen, die durch den Antrieb der Hoffnung auf die Flucht gegangen sind.

Dann ist von Hoffnung im Glauben die Rede, wozu sich der Kirchensoziologe Detlef Pollack zu Wort meldet. Das sich das Buch zum Schluss noch Krebskranken zuwendet, macht nun schon fast klar. Hoffen und Heilen gehören zusammen.

Aber musste deshalb so viel von Beziehungsproblemen, Krisen, Krankheiten und Enttäuschungen die Rede sein? Die Stärke des Buches besteht darin, keine unrealistische Hoffnung zu verkündigen. Hoffnung wird zum „Hoffen“, das ist eine Fähigkeit, die man sich ggf. hart erarbeiten muss und die dazu einlädt, Krisen nicht auszuweichen, sondern durchzustehen. So wie man von Trauerarbeit spricht, sollte auch von Hoffnungsarbeit die Rede sein. Demjenigen, der Hoffnung auf einem silbernen Tablett serviert, sollte man misstrauisch begegnen. Danke, Kathrin Klette, für diese Spur Religion im Alltag. —

Ein paar Tage später erfahre ich den Befund meiner Untersuchung. Erfreulich, die Verdachtsdiagnose hat sich nicht bestätigt. Es geht weiter, auf ein Neues!