Bericht: Besuch der Frankfurter Buchmesse am 10.10.2026 Niklas Fleischer, Dortmund 2026

Nach mehrjähriger Pause hatte ich in diesem Jahr wieder Gelegenheit, an der Frankfurter Buchmesse teilzunehmen. Da mein letzter Besuch im Jahr 2022 lag – in der Zwischenzeit hatte die gesperrte Rahmedetalbrücke meinen Enthusiasmus etwas gebremst – war ich kurz vor der Anreise tatsächlich etwas aufgeregt. Was würde sich in der Zwischenzeit verändert haben?

Bereits im Vorfeld hatte ich erfahren, dass ein Fokuswechsel auf der Buchmesse erfolgt war: Der Buchverkauf ist seit einigen Jahren an allen Messetagen erlaubt. Für mich kamen in diesem Jahr auch größere Warteschlangen im Innenhof hinzu, aber vielleicht hatte ich 2022 auch nicht so genau drauf geachtet.

Im Rückblick war die Anreise an einem Samstag – einem der Hauptbesuchertage – damit vielleicht ein Fehler.

Die Frankfurter Buchmesse verteilt sich auf mehrere Hallen und belegt dort jeweils mehrere Stockwerke (im Schnitt immer 3-4 Gebäude mit jeweils 1-3 Stockwerken). Die großen Verlage für Belletristik befanden sich meistens in den Erdgeschossen, die in Folge überfüllt wirkten. Dass die primär für Fachbesucher interessanten Bereiche am Samstag schon nicht mehr gut besucht waren, war auch schon in der Vergangenheit so. Neu war aber, dass diese Bereiche am Samstag teilweise schon völlig entvölkert wirkten. Eigentlich schade, da eine bessere Besucherverteilung der Messe insgesamt gutgetan hätte.

Vom Messepartner Tschechien habe ich in diesem Jahr leider nicht viel mitbekommen, dabei fallen eigentlich sinnvolle Themen wie Franz Kafka ein. Möglicherweise gab es hier aber auch noch mehr Angebote in Forum oder Festhalle.

Die Gründe für den Fokuswechsel sind mehr oder weniger offensichtlich:

Messen haben ihre Rolle als Ort von Produktankündigungen weitestgehend an Social Media verloren. Weitere Messefunktionen wie Geschäftsanbahnungen, Socializing oder bei Verbrauchermessen schlichtweg auch Konsum, müssen damit zwangsläufig in den Fokus rücken, um die teuren Messeauftritte der Verlage zu rechtfertigen.

 

Mein Fazit zur diesjährigen FBM ist somit leider etwas durchmischt. Den Besucherfokus kann ich zwar rein sachlich nachvollziehen, ich bin mir jedoch nicht sicher, ob die FBM schon am Ziel ihrer Transformation angekommen ist. Die Fachbesucherbereiche haben mich am Samstag jedenfalls eher etwas nachdenklich gemacht (vgl. Liminal Spaces). Religion befand sich mit Halle 3.0 in einem der eher etwas überfüllten Bereiche, sodass ich zu diesem Thema auf der diesjährigen FBM leider kaum eine Aussage treffen kann.

Dennoch war die Frankfurter Buchmesse unterm Strich auch in diesem Jahr ein positives Erlebnis. Lässt man sich auf die bunten Konsumangebote ein, kann die FBM auch auf andere Art und Weise unterhalten. Ein klassischer Messebesuch wird durch das extrem langsame Bewegungstempo und Menschentrauben-Slalom aber etwas gebremst. Gerne wieder?

Literaturnotizen vor und nach der Buchmesse Frankfurt/Main, Christoph Fleischer, Fröndenberg 2026

Die Fotos sind von mir, soweit ich sie nicht von Verllagsprospekten oder Büchern eingescannt habe.

Am Stand des Passagen-Verlags sprach ich mit einem Mitarbeiter über Jacques Derrida, von dem ich kürzlich das Buch Préjugés, „Vor dem Gesetz“ gelesen habe. Wien 2017, 5. Durchgesehene Auflage. Die Dekonstruktion des Kafkatextes „Vor dem Gesetz“ ist ein Paradebespiel für diese von Derrida eingeführte Methode. Sie klingt wie eine Verallgemeinerung, stellt aber auch den Situationsbezug eines literarischen Textes heraus. Die Übersetzungsarbeit des Verlages ist eine herausragende Leistung für den innereuropäischen Dialog. Hierzu lohnt sich sicher mal: Peter Engelmann, Das Passagen Projekt, Mit Büchern philosophieren. 2022.

 

Am Verlag von Matthes und Seitz, Berlin bin ich nicht besonders fündig geworden. Im Moment scheint Magie, Schamanismus und Naturliebe im Vordergrund zu stehen.

Es bleibt bunt. Vor einem Stand beginne ich ein Gespräch über den „Begriff des Denkens“. Stefan Engel erklärte mir den Begriff der „Denkweise“. Da er jedoch immer das Wort „Sozialismus“ für die Zeit der DDR verwendete, konnte ich mit ihm nicht übereinstimmen. Die hier vorgestellte Art des Kommunismus kommt mir etwas verstaubt vor. Scheint der MLPD nahe zu stehen.

Am Stand von UTB sehe ich Das Neue Nietzsche Handbuch von Christian NIemeyer, das ich demnächst rezensieren werde. Im Verlagsprospekt UTB sind Theologie und Philosophie nebeneinander. Dazu auch das Querschnittsthema Kommunikation und Rhetorik.

Bei Duncker+Humblot, Berlin fällt mir ein Buch auf über 1933: Lothar Machtan: Die Januarverbrecher, Wie Hitler 1933 an die Macht kam, erschienen 2026. Aus der Ankündigung: „Ein Lehrstück, das zeigt, was passieren kann, wenn einer demokratisch verfassten Herrschaftsform die Kontrolle der Macht entgleitet.“

Der Verlag von Katapult war recht groß geworden. Die Bücher und Zeitschriften werden gut angenommen.

Am Stand von J. B. Metzler finde ich das Buch „Nietzsches Zarathustra“. Ich fotografiere es und nehme mir vor, es nach der Buchmesse sofort zu bestellen. Und es ist inzwischen auch schon hier, nicht als Rezensionsexemplar, dann kann ich mir damit etwas Zeit lassen.

 

Drei Zufallsfunde am Schluss.

Auf der Agora, dem zentralen Marktplatz befinden sich bei der Buchmesse Verpflegungsstände. Dort hatte jemand Kataloge des Jugendbuchverlages Moonwalker Verlag verteilt, Kinderbücher mit pädagogischem Anspruch. Ich bestelle mir „Lennis Leuchten, Thema Mobbing, Selbstwert.

Im Bereich der Englischsprachigen Verlage finde ich an einem Stand, der sonst mehr über PC und Internet arbeitet, ein Buch mit Lego Modellen: Building Lego Worlds, 130+ Models, Jeff Friesen.

Passend dazu begegnet mir ganz gegen Ende unseres Rundgangs der „Held der Steine“ aus Frankfurt, dessen Videos auf Youtube ich eine Zeit sehr gern angeschaut habe. Der Stand war gut bevölkert, so dass wir schnell weitergingen.

Noch eine Ergänzung: Von einem englischsprachigen Jugendverlag habe ich interessehalber ein Buch über Kylian Mbappe bestellt aus der Reihe Football Rising Stars von Harry Meredith. Das Buch wird mit einem Hörbuch versehen, das über einen QRCode aufgerufen wird. Zum Text gehört ein Abschnitt mit Glossary (Meaning of the Words).

Zum Schluss. Mit Massen kann ich umgehen, suche dann aber möglichst den ruhigen Weg. Die Ordnung der Verlage hat mich hingegen irritiert. Politik und Literatur habe ich gefunden, Religion und gesellschaftliche Institutionen eher nicht. Die Information zum Friedenspreis des Deutschen Buchhandels kam ich eher über die Medien mit. Trotzdem, die Buchmesse lohnt sich. Vielleicht sollte man aber mal nach Leipzig fahren. Das ist bestimmt weniger überlaufen.