Predigt 2. Sonntag nach Epiphanias 2022, Joachim Leberecht, Herzogenrath 2022,  (freigegeben ab dem 16.01.2022)

Text der Predigt: 1. Korinther 2,1-5 (Luther 2017)

1 Auch ich, meine Brüder und Schwestern, als ich zu euch kam, kam ich nicht mit hohen Worten oder Weisheit, euch das Geheimnis Gottes zu predigen.

2 Denn ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, ihn, den Gekreuzigten.

3 Und ich war bei euch in Schwachheit und in Furcht und mit großem Zittern;

4 und mein Wort und meine Predigt geschahen nicht mit überredenden Worten der Weisheit, sondern in Erweis des Geistes und der Kraft,

5 auf dass euer Glaube nicht stehe auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft.

                                             

 

Epiphanie – ein Widerfahrnis

                                                                                                                       

Liebe Gemeinde,

Epiphanie: der Himmel stürzt gen Erde, zerschellt und erscheint für einen Augenblick als Feuerflamme. Epiphanie: Erscheinung Gottes, erlebbar, doch nicht greifbar; sie entzieht sich jeglicher Vorstellung, leuchtet auf und verdunkelt sich zugleich. Epiphanie: nicht wiederholbar, ein Widerfahrnis, nur stammelnd lässt sich davon reden.

 

Christus-Epiphanie

Von einer Christus-Epiphanie, die Paulus´ Leben umkrempelte, durcheinanderbrachte und in eine völlig neue Richtung lenkte, erzählt die Apostelgeschichte (Apg. 9,1-18). Paulus wurde durch das Christuslicht geblendet, erblindete und wurde nach drei Tagen durch Handauflegung des Hananias wieder sehend. Es fiel ihm wie Schuppen von den Augen: Christus ist der HERR. Von seiner Christus-Epiphanie berichtet Paulus nicht direkt, jedoch von einem Wechsel, der in ihm stattgefunden hat: „Jetzt lebe nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir.“ (Gal 2,20)

 

Von der Epiphanie Gottes im Gekreuzigten

Der Auferstandene ist ihm erschienen. Paulus aber hört nicht auf, von dem Gekreuzigten zu reden. So schreibt er der Gemeinde in Korinth: „Denn ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, ihn, den Gekreuzigten.“ (1. Kor 2,2)

Paulus will die Gemeinde auf die Erde holen. Er selbst war im „dritten Himmel“ (2. Kor 12,2), aber auch darüber schweigt er, weil es ihm nicht um seine persönlichen Erlebnisse und Erscheinungen geht. Es geht ihm um die Epiphanie Gottes in seinem Sohn Jesus Christus. Am verfluchten Holz – im Gekreuzigten – leuchtet das Geheimnis des Glaubens auf und ist dennoch nicht zu fassen. Für die Juden (bei Paulus!) ist das Sterben des Messias reine Blasphemie (Ärgernis). Ein Messias, der würdelos am Kreuz stirbt, kann nicht der endzeitlich erwartete Messias sein. Für die Griechen (Heiden) ist der Tod Gottes am Kreuz eine philosophische Unmöglichkeit (Torheit), denn das weiß doch jedes Kind, dass der Logos (das Göttliche) ewig ist und nichts mit der vergänglichen Materie zu tun hat (1. Kor 1,23).

Epiphanie findet verborgen im Sterben Jesu statt. Immer und immer wieder kreisen Paulus´ Gedanken um das Kreuz Christi: in unzähligen neuen Anläufen versucht er das, was den Verstand übersteigt, in seinen schwachen Worten zu verkünden. Pauls weiß selbst, dass er daran nur scheitern kann, aber er kann nicht anders als von Jesus als dem Gekreuzigten reden.

Was für eine Predigtlehre! Sie geht davon aus, dass die Sprache versagt angesichts des Geheimnisses Gottes. Paulus weiß, dass seine Predigt vergeblich ist, wenn Gott nicht seine schwachen Worte in sein Wort verwandelt. Epiphanie allein durch die Dynamis Gottes. Gott hat die Macht und die Kraft, menschliche Worte in das Wort Gottes, das dich und mich anspricht, zu transformieren.

 

Von der Gottesgewissheit

Der religiös empfängliche Mensch der Gegenwart sehnt sich nach sinnlicher Erfahrung Gottes, er möchte von Gottes Kraft erfasst und berührt werden. Er sucht die Stille, das Licht, die Gemeinschaft. Er versenkt sich in Anbetung, richtet sich auf Gott aus, singt ihm leidenschaftlich im Lobpreis. Bei aller richtigen Erkenntnis, dass die Stille ein Ort sein kann zur Gottesbegegnung, bei aller Erfahrung der Geborgenheit und des Aufgehoben-Seins in einer betenden Gemeinschaft, kann der tiefreligiöse Mensch die empfundene Gottesnähe schon im nächsten Augenblick oder noch während der Anbetung in Zweifel ziehen, alles sei nur subjektive Einbildung, ein schönes Gefühl, ja, aber erfahre ich wirklich Gott oder nur die Resonanz meiner Projektion? Dieser Modernitätsfalle entkommt niemand.

Wenn ich den Korintherbrief aus dieser Perspektive noch einmal genauer lese, stelle ich fest, dass das Problem der Gottesgewissheit so modern gar nicht ist: Schon Paulus kämpft damit, dass er das Geheimnis Gottes zwar predigen, aber letztlich nicht erklären kann. Paulus ist auch skeptisch gegenüber außergewöhnlichen Erscheinungen, die manche als Beweis ihrer Gotteserfahrung ins Feld führen und sich damit über andere erheben, ja sogar absondern und eigene Grüppchen bilden. Gewissheit im Glauben ist nach Paulus eine Gabe Gottes. Diese Gabe Gottes ist nicht an äußere Erscheinungen gebunden. Gerade das Geheimnis des Kreuzes, dass der HERR stirbt, zeigt, dass die Dynamis Gottes in den Schwachen mächtig ist. Martin Luther folgt hier Paulus. Der Mensch kann sich seines Glaubens nicht aus sich selbst heraus gewiss sein. Die Gewissheit kommt allein von Gott. Mit der Gewissheit verhält es sich wie mit der Rechtfertigung. Beide kommen von Gott. Kämen sie nicht von Gott, so bliebe der Mensch verloren, da er sich nur um sich selbst drehen würde. Auch Luther bindet sein ganzes Reden und seine gesamte Theologie an das „Wort vom Kreuz“, an den Gekreuzigten selbst. (Siehe Predella des Cranach-Altars in der Wittenberger Predigtkirche.)

Der Blick auf den Gekreuzigten zeigt, wie Jesus stirbt. In seinem Tod den Tod des Todes zu sehen und zu glauben ist ein ungeheurer Vorgang. Für den Gläubigen ist Christi Sterben ein Trost angesichts des eigenen Sterbens: „Wenn mir am allerbängsten wird um das Herze sein, so reiß mich aus den Ängsten kraft deiner Angst und Pein“, dichtet Paul Gerhardt (EG 85,9). Jesus, der Sohn Gottes, kennt die Angst und die Gottverlassenheit, daher können wir uns ihm mit allen unseren Schwächen und Ängsten anvertrauen, auch mit unseren Zweifeln oder wenn wir von Gottes Kraft gar nichts mehr spüren. „Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht, du führst mich doch zum Ziele auch durch die Nacht“ (Julie Hausmann 1862; EG 376,3).

Annähern können wir uns der Gottesgewissheit durch das Gebet, wie es auch Jesus selbst am Kreuz getan hat. Das Beten fängt beim Kreuz an, es fängt dort immer wieder an. Durch das Beten, durch das Stammeln und auch Seufzen kommt, wenn wir nur dabei ausharren, die Anbetung und der Lobpreis wie von selbst: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bis dass du kommst in Herrlichkeit.“

In Zeiten des eigenen Gottesverlustes und der eigenen Scham, nicht mehr glauben zu können, keine eigenen Worte mehr im Gebet zu finden, können wir uns bergen in gemeinsam gesprochenen Gebeten und Bekenntnissen, können wir uns an Sätzen geronnenen Glaubens nähren. Es ist schon ein Wunder, wie ein gemeinsam gesprochenesVater unser uns unseres Glaubens – zumindest für diesen Moment – gewiss machen kann.

 

 

Schon-Jetzt und Noch-Nicht

Der Wechsel von Gewissheit und Ungewissheit wird enden. Ein klares Bild wird hervortreten: „Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin.“ (1. Kor 13,12)

Gewissheit stellt sich immer ein, wenn Gott sich uns selbst gewiss macht und endgültig am Ende der Tage. Paulus schreibt dieses der Gemeinde in Korinth – und uns – in das Stammbuch. Wir leben noch nicht in der Herrlichkeit, wir leben noch in der vergänglichen Welt. Wir sind allein durch Gnade gerettet, schon jetzt und dann in der Herrlichkeit. Das Schon-Jetzt und Noch-Nicht ist die Grundform der christlichen Existenz. Sie verweist uns zuerst auf den Gekreuzigten und dann auf den Auferstandenen. So ist das christliche Leben ein Sterben und Auferstehen, immer und immer wieder bis die Kraft Gottes, die Kraft der Auferstehung alles in ein neues, ewiges Leben verwandelt. Die Epiphanie der Auferstehung geschieht tausendfach unter uns, aber wir können sie nicht festhalten, wir dürfen sie nur immer wieder erwarten auch für die, die entschlafen sind.

Epiphanie: der Himmel stürzt gen Erde, zerschellt und erscheint für einen Augenblick als Feuerflamme. Epiphanie: Erscheinung Gottes, erlebbar, doch nicht greifbar; sie entzieht sich jeglicher Vorstellung, leuchtet auf und verdunkelt sich zugleich. Epiphanie: nicht wiederholbar, ein Widerfahrnis, nur stammelnd lässt sich davon reden.

Amen

 

 

Museum Haus Opherdicke, Pressemeldung Kreis Unna, 14.01.2022

Mit Kultur ins neue Jahr (unter 2G oder 2G+, Zusatz des Bloggers)

Kreis Unna. Langsam schleicht er sich ein: Der Alltag im neuen Jahr. Wer jetzt schon eine kleine Auszeit braucht, für den lohnt sich vielleicht der Besuch im schönen Museum Haus Opherdicke: In aller Ruhe in die Bilder der aktuellen Ausstellung „Hermann Stenner und seine Lehrer“ eintauchen – das geht noch bis zum 27. Februar immer mittwochs bis sonntags.

BZ: Museum Haus Opherdicke. Foto: Oliver Nauditt

Auch das Bistro hat geöffnet – selbstverständlich ist der Besuch nur unter Einhaltung der aktuellen Regeln möglich. Das heißt 2G (geimpft oder genesen) fürs Museum und für das Bistro 2G+ (geimpft oder genesen plus Booster oder negativer Test). Also Nachweise und Ausweis beim Besuch nicht vergessen. Zu den neuen Regeln zählt auch, dass eine OP-Maske für einen Besuch nicht mehr ausreicht – die FFP2-Maske ist Pflicht.

 

Einführungsvideo und Skulpturenpark

Wer die Ausstellung im kreiseigenen Wasserschloss in Holzwickede besucht, sollte zunächst in den Medienraum des Museums gehen. Dort gibt ein Einführungsvideo, in dem viel Wissenswertes zur Ausstellung von einer Expertin erklärt wird. Und wenn das Wetter passt, lohnt sich im Anschluss nach dem Bummel durchs Museum auch ein Spaziergang durch den Skulpturenpark für eine kleine Auszeit zu Jahresbeginn. PK | PKU

Zusatz vom Blogger: Ich habe einige Bilder auf Google hochgeladen, die man auf Google Maps findet (Opherdicke, Bilder auf google maps)

 

Predigt Christvesper 2021, Joachim Leberecht, Herzogenrath 2021

             Thema der Predigt: „Und er wird der Friede sein.“ Micha 5,4

Foto: Christoph Fleischer

Liebe Gemeinde am Heiligen Abend,

an Weihnachten kommen wir mit unseren Sehnsüchten in Berührung. In diesem Fest liegt immer wieder etwas Verheißungsvolles, was die Gegenwart übersteigt, wir ahnen, wir müssten noch einmal neu anfangen dürfen, wir sehnen uns danach, dazu zu gehören, geborgen zu sein und in Frieden miteinander zu leben.

Wir spüren, Weihnachten übersteigt uns, ist mehr als wir mit unserem guten Willen leisten können, mehr als die Geschenke unterm Weihnachtsbaum, mehr als gutes Essen und Trinken, mehr als das schöne Glück als Familie zusammen zu kommen und zu feiern.

Wir spüren, Weihnachten stärkt uns, endlich ein paar Tage Ruhe, ausspannen, das Jahr mit all seinen Anforderungen hinter sich lassen, durchatmen, nicht mehr hetzen, sich zurückziehen in geschmückte und gut duftende Räume, einmal die Welt aussperren und nicht alles an sich heranlassen, Vertrautes machen, Rituale begehen, diese kleinen immergleichen Dinge an diesem besonderen Tag zelebrieren, die nicht aufhören dürfen, da sie sonst von den Kindern eingefordert werden, die Halt geben und ein Fest festlich machen.

Wir spüren, Weihnachten ist noch mehr als das freudige Miteinander in einer ganz speziellen Weihnachtsatmosphäre, Weihnachten lebt von der Differenz, dass die Welt nicht so ist wie sie sein sollte, aber sein könnte.

Die Liebe Gottes kommt als Kind in die Welt und will in uns neu geboren werden, dass sie weiterwächst und sich verbreitet; diese Welt, unser Leben hell macht und erlöst. Dabei spüren wir schmerzhaft, dass Vieles einfach nicht erlöst oder gelöst ist.

Es tut gut den weiten Raum abzuschreiten, wo dieses Fest mit seinen vielen Sehnsüchten seinen Ursprung hat. Es ist viel älter als wir denken und immer wieder können wir eintauchen in den Klangraum der alten Verheißungen, die heute neu gehört und geglaubt werden wollen. Ich lese den Predigttext aus dem Propheten Micha. Er hat im 8. Jahrhundert vor Christus gelebt und folgende Botschaft für sein Volk von Gott erhalten. Heute ist es Gottes Wort für uns. Es spricht in unsere Zeit, in unseren Heiligen Abend, in unser Weihnachtsfest hinein: Micha 5,1-4

Predigttext der Basisbibel

[1] Du aber, Betlehem Efrata, bist zu klein,

um zu den Landstädten Judas zu zählen.

Doch aus deiner Mitte soll einer kommen,

der Herrscher sein wird in Israel.

Seine Wurzeln reichen zurück bis in die Urzeit,

seine Herkunft steht von Anfang an fest.

[2] – Darum wird die Not nur so lange anhalten,

bis eine Frau das Kind zur Welt gebracht hat.

Dann wird der Rest seiner Brüder heimkehren

zu den Menschen in Israel. –

[3] Er wird auftreten und sein Volk weiden.

Dazu gibt ihm der Herr die Kraft und die Macht.

Sie liegt in dem Namen des Herrn, seines Gottes.

Dann wird man wieder sicher im Land wohnen können.

Denn seine Macht reicht bis zum Rand der Welt.

[4] Er wird sich für den Frieden stark machen.

Das Zerrissene heilen

Wie sehr brauchten die Israeliten zur Zeit des Propheten eine solche Kraft, die es schafft, das, was auseinanderklaffte wieder zusammen zu führen? Die Herrschenden jedenfalls haben den Keil immer tiefer ins Volk getrieben. Die Reichen kamen – wie so oft –  gut weg, die Armen gingen vor die Hunde. Die Spaltung in der Gesellschaft war unübersehbar, aber die Herrschenden schlossen die Augen und sagten: Es gibt keine Spaltung.

Der Prophet verheißt, dass Gott eine Gestalt sendet, die das Zerrissene heilt, die Getrenntes wieder zusammenführt, die die Spaltung überwindet, dass alle Zugang zur Heimat ihrer Väter und Mütter haben und dass sie geschützt sind.

Gott wird den Messias senden und wir Christinnen und Christen glauben, dass das Kind, das heute Nacht geboren wird, der Messias ist.

Es ist geradezu traurig, dass wir unsere Erfahrungen, Ängste und Sehnsüchte in dem alten Prophetenwort wiederfinden und gespiegelt bekommen. Als hätten wir als Menschheit nichts gelernt.

Der Spaltpilz geht um. Er zerreißt unsere Familien, unsere Freundschaften, untergräbt unser Vertrauen in gesellschaftliche Institutionen, in politisch Handelnde. Ich schüttele mich und mir graut davor, dass die Spaltung und die Radikalität zunehmen könnten.

Ich sehe mich auch selbst, meine Ohnmacht, mein Erschrecken und gleichzeitig meine Vehemenz mit der ich meine Sicht vertrete, behaupte, verteidige und wie ich zur Zerrissenheit beitrage. Ich bin mir nicht bewusst, jemals mit meiner Person so stark in die Frage nachdem, was richtig oder falsch ist, involviert gewesen zu sein wie in der jetzigen Pandemie; gleichzeitig bin ich verwirrt, irritiert und überfordert, alles, was sich aufdrängt an Nachrichten einzuordnen. Ich bin selbst zerrissen. Glücklich diejenigen, denke ich, die eine feste Haltung haben, oder verstecken sie sich nur dahinter, weil sie gar nicht erst eine andere Sichtweise an sich heranlassen, weil die Einteilung der Meinungen in schwarz und weiß halt doch hilfreich ist, zumindest bequem?

Christus heilt das Zerrissene. Was können wir von ihm lernen oder geht es vielleicht gar nicht ums Lernen oder Nachahmen, sondern darum, dass verletzliche Kind in der Krippe aufzusuchen und in seiner Gegenwart und im Anblick des menschenfreundlichen Sohnes Gottes sich selbst heilen zu lassen?

Das Zerrissene, die eigene Bedürftigkeit wahrnehmen, könnte ein erster Schritt sein, dass ich hinter und unter meinen Ängsten meine resistente Haltung wahrnehme und selbst in der entgegengesetzten Haltung – die ich unvernünftig nenne – zuerst den Menschen dahinter sehe.

Christus heilt das Zerrissene, weil er in jedem Menschen das Ebenbild Gottes sieht. Christus heilt das Zerrissene, weil er sich unserer erbarmt, jede und jeden annimmt, keinen ausschließt, der seine Nähe sucht. „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen,“ sagt Christus. Christus ist das Heil.

Dieser spirituelle Zugang zum Leben und zum Andersdenken – und Handelnden – auch und gerade in der Krise – wirkt sich im Miteinander aus, vielleicht weniger als wir hoffen, aber oft mehr als wir augenscheinlich wahrnehmen.

Heute Nacht scheint die Liebe auf, nicht die Rechthaberei, heute Nacht werde ich geliebt und das macht mich fähig andere Menschen –  meinen Nächsten – mit Liebe anzuschauen. Gottes Liebe erscheint in einem verletzlichen Kind und will zur Selbsterkenntnis führen: Es würde uns allen guttun, wenn wir uns auf Christus hin ausrichten und sein Licht durch uns scheinen ließen. Mag es auch immer wieder nur flackern dieses Licht in uns, mag es drohen zu verlöschen und nur noch glimmen, es würde dennoch einen Unterschied machen. Der Christusglaube trägt die Liebe in sich, eine Liebe, die das Zerrissene heilt.

 

Ein Zuhause finden

Zu Zeiten des Propheten Micha lebte ein großer Teil des Volkes Israel im Exil. Dorthin waren die Menschen deportiert worden. Ihre Arbeitskraft wurde ausgenutzt, sie wurden überwacht, ihre Identität und die Bindung ihrer Religion an Heilige Orte sollte in der Fremde geschwächt werden. Der Prophet verheißt den Exilierten ihre Rückkehr, wenn die Gebärende den Messias zur Welt bringt.

Eine Geburt als Wendepunkt in Zeit und Geschichte. Das ist Weihnachten. Alles, was die vergehende Zeit strukturiert gibt uns Halt in der Zeit. Wir Menschen brauchen Halt in der Zeit. Wer die Zeit nicht mehr strukturiert erlebt, verliert sich selbst schnell in der Zeit. Arbeitslose wissen davon ein Lied zu singen. Aber auch wir alle verlieren uns schnell in der Zeit, wenn wir nur noch Informationen und Bildern auf unseren Smartphones nachjagen, die nichts mit unserem wirklichen Leben zu tun haben. Informationen und Scheinkommunikation addieren die Zeit, sie füllen sie nicht.

Eine Geburt ist da schon etwas anderes. Eine Geburt ist eine Zäsur! Wie gern fragen Kinder ihre Eltern, wie es denn war als sie auf die Welt kamen. Sie wollen hören wie schön es war, wie es die Welt verzaubert hat, wie wichtig diese Zeit für die Eltern war, was Neues damit begann. So verortet sich ein Kind in die Zeit.

„Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn“ heißt es treffend im Evangelium. Mit der Geburt Christi beginnt eine neue Zeitrechnung. Es ist eine heilvolle Zeit für alle angebrochen.

Nach Hause kommen ist gerade an Weihnachten wichtig. Viele machen sich auf und besuchen ihre Eltern und Großeltern, oft kommen sie in ihr altes Zuhause – oft rutschen sie auch wider Willen in eine vermeintlich schon längst abgelegte Rolle als würde das Leben an vertrauten Orten wieder in eine alte Spur springen, wie die Nadel auf einer Schallplatte.

Das mit dem Nachhausekommen ist schön und gleichzeitig nicht einfach und oft gibt es kein festes Zuhause mehr, wenn die Eltern sich getrennt haben, wenn das Leben alles durch einander gewirbelt und neu geordnet hat. Ein neues Zuhause finden, geht das? Oder besser noch bei sich zu Hause sein, wie geht das? Ich glaube das geht, aber es gibt viele verschiedene Wege dahin.

Und es sind oft viele Schritte, zwei vor, einer zurück, die es dafür braucht. Sicher ist, dass die Dinge in unserem Leben uns Halt geben. Das vertraute Bett. Der vertraute Stuhl. Die alte Vase im Regal. Die Stimme meiner Partnerin, meines Partners. Selbst die Geräusche des defekten Kühlschranks.

In Michas Verheißung werden die Menschen in Sicherheit wohnen. Der Gesandte Gottes wird unter ihnen und mit ihnen wohnen. Wir wissen, dass die Welt noch nie so viele Flüchtlinge gezählt hat wie heute. Menschen wie du und ich, die einfach nur in Sicherheit leben wollen und es in ihrer Heimat nicht können.

Auch Jesus war ein Flüchtlingskind. Seine Familie musste vor den Schergen Herodes nach Ägypten fliehen. Jesus war Zeit seines öffentlichen Wirkens ohne festen Wohnsitz. Wohnung hat er bei denen gefunden, die ihn aufnahmen. Seine Heimat war eine geistige, seine Verbindung mit seinem himmlischen Vater.

„Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir“ heißt es im Neuen Testament. Weihnachten heißt auch, wir sind nur Gast auf Erden, unsere Heimat ist im Himmel.

Wenn die Dimension der Ewigkeit verloren geht, werden wir Gottes Heil zu Weihnachten nicht mehr erkennen oder gar schmecken. Aber selbst, wenn wir uns schwer tun das Heil in Christus heute zu erkennen oder zu glauben, lasst uns darauf achten und darin üben, einander zu beherbergen, denn der Mensch kann ohne einen Zipfel Heimat nicht sein. Und wenn wir einander beherbergen, uns füreinander öffnen und uns in unserer Bedürftigkeit annehmen, wird Gott uns nahe sein und wir werden seine Gegenwart spüren als würden wir den Saum seines Gewandes berühren.

 

Frieden

„Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden“ verkünden die Engel. Weihnachten und Frieden sind auf ewig miteinander verbunden. Mit der Geburt Gottes als Mensch, verbürgt sich Gott für Frieden.

Der Prophet Micha verheißt den Messias. Und das Zeichen des Messias wird sein, dass mit ihm der Friede kommt. Der Friede Gottes ist in die Welt gekommen und wir haben immer noch nicht verlernt Kriege zu führen.

Wir verdunkeln den Glanz, der in die Welt gekommen ist. Aber überall da, wo wir unsere Menschwerdung leben und immer wieder neu damit anfangen, wo wir Frieden machen, Versöhnung leben, nicht allgemein, sondern ganz konkret: in der Bitte um Verzeihung, in der Art und Weise wie wir über andere sprechen, wenn wir von Herzen vergeben, in der aufrichtigen Suche nach Lösungen in einem Konflikt, in der Annahme des Anderen, wenn wir gerecht sind und für das Gute streiten, da kommt Christus wieder zur Welt, da wird Weihnachten.

Amen

 

 

 

 

 

 

Die konzentrative Bewegungstherapie betrachten, Rezension von Christoph Fleischer, Fröndenberg und Markus Chmielorz, Dortmund 2021

 

Zu:

Ute Backmann: Sexualität in der konzentrativen Bewegungstherapie, Ernst Reinhardt Verlag, München 2021, broschiert, 172 Seiten mit Sachregister und Literaturverzeichnis, ISBN: 978-3-497-03059-0 (print), Preis: 26,90 Euro

 

Link: https://www.reinhardt-verlag.de/55054_backmann_sexualitaet_in_der_konzentrativen_bewegungstherapie/

 

Im Grunde ist der Titel geschickt gewählt, da er eine Therapieform unter einen bestimmten Aspekt stellt. Dieser Aspekt soll die Sexualität sein.

 

Die Einführung geht zunächst ausführlich und ausdrücklich auf diesen Aspekt des Themas ein. Diese ersten 10 Seiten bilden ein Referat über die Bedeutung der Sexualität für die Psychologie, die Psychoanalyse und Psychotherapie. Praktische Anwendungsbeispiele fehlen hier noch.

 

Hierbei wird auch der Wandel des Verständnisses der Sexualität deutlich, dass diese weniger als unterschwelliges Grundthema angesehen wird, sondern sich hauptsächlich in der Frage der sexuellen Orientierung äußert. Da damit eine Selbstdefinition einhergeht, wird deutlich, dass die „konzentrative Bewegungstherapie“ auf Sexualität ebenfalls nicht direkt eingeht, sondern in ihrer Körperorientierung mitschwingt.

 

Diese Therapieform geht über die rein verbale oder meditative Form der Psychotherapie heraus und ist vermutlich vor allem in der klinischen Therapie möglich, da sie als eine begleitende Gruppentherapie funktioniert.

 

Im dritten Kapitel wird das Thema „Sexualität“ ausgeführt und hier beginnt die Stärke des Buches. Der inhaltliche Aspekt wird durch die Darstellung praktischer Beispiele verdeutlicht. Es geht dabei sowohl um die Übungen selbst, als auch die konkrete Praxiserfahrung.

 

Die Übungen sind ausschließlich körperorientiert von der Erfahrung des eigenen Mundraums bis hin zur Einhüllung in Decken. Man könnte auch sagen, dass es eine reflektierte Körperarbeit ist, die in der anschließenden Gruppensitzung ausgewertet wird.

 

Sexualität ist als Grundphänomen des Lebens dabei präsent, wird aber selten ausdrücklich thematisiert. Hierbei sind Entwicklungsstörungen genauso im Blick wie traumatisierende Erfahrungen wie sexueller Missbrauch oder Vergewaltigungen.

 

Wichtig wird am Ende des dritten Kapitels die Umdeutung des Ödipuskonfliktes durch Ilka Quindeau. Ute Backmann fasst dies so zusammen: „sexuelle Orientierung wird im Rahmen des Ödipuskonfliktes nicht endgültig festgelegt. Sexuelle Orientierung und Begehrensstruktur stellen das Ergebnis fortwährender Umschriften dar und können in verschiedenen Lebensphasen eine Wiederaufnahme mit jeweils unterschwelligen Lösungen finden. (Quindeau 2019). (Zitat S. 66).

 

Der Autorin gelingt es in hohem Maße, den Ansatz der KBT im gesellschaftlichen und medizinischen Kontext zu verorten und dabei einen normativen Blick zu öffnen für diejenigen, die als Lesben, Schwule und Bisexuelle lange als sexuelle Minderheiten und als trans* unter inter* Personen immer noch als geschlechtliche Minderheiten im Bereich von Medizin und Psychiatrie Diskriminierungs- und Gewalterfahrungen und schwere Menschenrechtsverletzungen erlebt haben. Dass hier Geschlechtsidentitäten als ein Unterkapitel von sexuellen Identitäten erscheinen und nicht getrennt behandelt werden, überrascht allerdings und würde im sexual- und sozialwissenschaftlichen Diskurs nicht nur geteilt werden.

 

Dennoch: Die Reformulierung und Weiterentwicklung der psychoanalytischen Theorie im Hinblick auf viel zu lange vorherrschende normative Vorstellungen von binärer Geschlechtsidentität und heterosexueller Identität sind überfällig und dringend notwendig. Dass die Autorin hier auch die psychoanalytischen Forschungsergebnisse zu sinnlichen Erfahrungen, körperlichen Erleben und der Bedeutung von Berührungen zusammenträgt, ist als ein großer Gewinn für die psychotherapeutische Praxis anzusehen – insbesondere auch deshalb, weil immer wieder Anleitungen für Übungen in der KBT angeboten werden.

 

Die Übungen ermöglichen den Klient*innen eine Selbstermächtigung in Bezug auf ihre sexuelle und geschlechtliche Identität. Ein weiteres Kapitel mit hohem Praxisbezug und der Darstellung von therapeutischen Methoden widmet sich störungsspezifischen Aspekten wie Trauma (insbesondere durch sexuelle Gewalterfahrungen), Borderline-Störung, sexuelle Funktionsstörungen, Esstörungen und somatoforme Schmerzstörung.

 

Die psychodynamische Grundhaltung der Autorin durchzieht das Buch und wird im letzten, 6. Kapitel des Buches ein weiteres Mal mit Praxiserfahrungen vermittelt. Es geht um die Weiterentwicklung der Selbstkompetenzen von Psychotherapeut*innen im Hinblick auf Selbstreflexion und Selbsterfahrung: Auch Psychotherapeut*innen haben ein „persönliches sexuelles Skript“ (S. 149ff.), das von Bedeutung ist für Phänomene von Übertragung und Gegenübertragung sexueller und erotischer Inhalte in der KBT.

 

Der Blick richtet sich dabei immer auf die Beziehungsgestaltung und dysfunktionale Kommunikations- und Interaktionsmuster. Das Buch verfolgt das Ziel zu sensibilisieren für unterschiedliche sexuelle und geschlechtliche Identitäten und Psychotherapeut*innen zu ermöglichen, reflektiert und professionell sexuelle und geschlechtliche Vielfalt jenseits binärer und heteronormativer Vorstellungen in der KBT anzuerkennen und wertzuschätzen: „Die binäre Geschlechterpolarität (…) sollte nicht weiter zementiert werden.“ Das ist wegweisend. Die selbstreflektierende Haltung der Therapeut*innen beinhaltet auch eine sensible Haltung im Hinblick auf Diskriminierungs- und sexuelle Gewalterfahrungen.

 

Ein weiteres Kapitel widmet sich den Gruppentherapieformen und deren besonderen Wirkfaktoren für Gestaltungs- und Symbolisierungsprozesse, in denen die Betonung der körperlichen Dimension, leiblicher Wahrnehmung und verbaler Reflexion psychisches Wachstum jenseits von Abwehrmechanismen durch rationalen Bewältigungsversuche ermöglichen.

 

Das Buch ermöglicht den Leser*innen, die auch außerhalb der KBT in therapeutischen, sozialpädagogischen oder seelsorgerischen Kontexten arbeiten, eine biographische Selbstreflexion in Bezug auf die eigene Geschichte von Berührungen, Körperempfindungen, Sexualität, Intimität und schließlich sexueller und geschlechtlicher Identität. Es konfrontiert mit den eigenen Brüchen und dem eigenen psychischen Wachstum und setzt damit einen Kontrapunkt zu einem ausschließlich kognitiven Vorgehen. Es ist ein gelungener, theoretisch fundierter Beitrag zu Bindung, Kommunikation und Interaktion aus Anlass von Praxis für Praxis.

Ausstellung „ESEL“ in Unna, ein Hinweis an die Kuratorinnen, Christoph Fleischer, Fröndenberg 2021

Das Stadtmuseum in Unna zeigt zur Zeit die Ausstellung über den Esel. Daher möchte ich zunächst aus einer kurzen Pressenotiz zitieren, die zudem auf eine noch aktuelle Führung hinweist:

„DER ESEL. Viel mehr als Unnas Stadtsymbol“
Kostenlose Führung durch die Ausstellung

Kreisstadt Unna.

Seit dem 21. November ist die Ausstellung „DER ESEL. Viel mehr als Unnas Stadtsymbol“ im Hellweg-Museum Unna für Gäste geöffnet. Die erste Führung findet am Sonntag, 5. Dezember, statt und startet um 15 Uhr. Es gilt die 2G-Regel.

Bei dem einstündigen Rundgang mit Historikerin und Museumspädagogin Birgit Hartings erfahren die Besucher*innen nicht nur, wieso der Esel in Unna eine so wichtige Rolle spielt. Auch die ihm zugeschriebenen Eigenschaften und der Wandel vom Nutztier zum Freizeitpartner in unseren Breitengraden werden thematisiert. Danach begeben sich die Teilnehmenden auf die vielfältigen Spuren, die der Esel in der Kulturgeschichte hinterlassen hat. Diese lassen sich unter anderem in Religion, Kunst, Literatur und Sprache, aber auch im Strafwesen finden. Eine Schandmaske aus der Frühen Neuzeit gehört zu den Höhepunkten der Ausstellung.

Dieses Verlies ist direkt in das Gebäude des Stadtmuseums integriert.

Auf dem folenden Bild ist ebenfalls ein Esel dargestellt. Dieser steht vor der Krippe am Unnaer Weihnachtsmarkt. Er erinnert ein wenig an eine Comikfigur.

Mir selbst kam ein anderer Esel in den Sinn, auf den die Unnaer Ausstellung nicht hinweist, der Esel aus der Drüggelter Kapelle (Möhnesee). Und so schrieb ich die Kuratorinnen der Ausstellung in einer Email an:

Warum steht der Esel im Wasser oder am Wasser? Er ist ohne Gepäck, warum? Hat das etwas mit dem Übergang zwischen Soester Börde und Arnsberger Wald zu tun?

Kathrin Götker:

Ein möglicher Zusammenhang zwischen der Darstellung eines Esels im/am Wasser und dem Übergang zwischen Soester Börder und Arnsberger Wald ist mir nicht bekannt. Falls es eine entsprechende Erzähltradition gibt, wäre das aber sicherlich eine gute Erklärung für diese spezielle Darstellung.

Ansonsten: Da der Esel keine Anzeichen von Domestizierung zeigt, wird es sich sicherlich um die Darstellung eines Wildesels handeln. Sollte er tatsächlich im Wasser stehen (das ist auf dem Foto nicht richtig zu erkennen), wäre das in der Tat sehr ungewöhnlich, da Esel das Betreten von Wasser üblicherweise meiden. Vielleicht steht das Tier doch eher an einer Wasserstelle?

Durch die Position am Kapitell eines Kirchenbaus liegt ein Zusammenhang zur christlich-allegorischen Bildwelt nahe, die sowohl sehr negative (Teufelstier, Tier der Ungläubigen, …) und auch sehr positive (Tier der Genügsamkeit, Duldsamkeit, Einfältigkeit, später auch: Tier der Pilger, …) Deutungen bereithält. Eine konkrete Verbindung zum Wasser findet sich z. B. im Buch der Natur des Konrad von Megenberg und in der Enzyklopädie De proprietatibus rerum des Bartholomäus Anglicus. Dort wird die natürliche Vorliebe des (Wild-)Esels für reines, bewegtes Wasser (und die Ablehnung von trübem Wasser) mit der Tugend der Genügsamkeit und der intuitiven Orientierung an der lebendigen Lehre Gottes (und der Verachtung der weltlichen Lehre) in Verbindung gebracht. Könnte das eine Spur sein? Gibt es vielleicht weitere Bildwerke an anderen Kapitellen, so dass sich ein Programm erschließen ließe?

Die Email, die, so Frau Götker, zunächst nicht für eine Veröffentlichung gedacht war, zeigt doch sehr sachkundig den Umgang mit ikonografischem Material. Selbstverständlich kann man hier aus dem zeitlichen Abstand heraus nur spekulieren. Die sonstige Ausstattung der Kirche ist mager an Bildwerken. Lediglich die Architektur des Zwölf-Säulen-Kreises weist auf die Israelpilgerfahrten wenn nicht gar auf die Kreuzzüge hin.

Der Esel rastet am frischen fließenden Wasser der Möhne, das Bild gefällt mir. Ob er hier auch mit auf die Pilgerfahrt ins Heilige Land geht, muss offen bleiben. Die Verbindung zur Schöpfung sowohl im Tier des Wildesels, der später zum Haus- und Lasttier wurde, als auch im Wasser passt zum Standort der Drüggelter Kapelle sehr wohl.

Zum Schluss ein Hinweis auf Johann Moritz Schwager aus Jöllenbeck. Der umtriebige Pfarrer der Aufklärung, der fleißig literarisch aktiv war, hinterließ einige Reisebeschreibungen aus dem achtzehnten Jahrhundert. Dabei kam er ausgerechnet auch nach Unna und dort fielen auch ihm die vielen Hausesel als Nutztiere auf:

Link: https://museen.de/der-esel-unna.html