Stichworte zu Herbert Grönemeyer, Christoph Fleischer, Fröndenberg 2026

aus: https://www.der-schwache-glaube.de/2012/08/31/gedanken-des-glaubens-weltlich-gepragt-christoph-fleischer-werl-2009-textausgabe/

Die Beobachtungen zur Person Herbert Grönemeyers finden sich exemplarisch in diesen kurzen Sätzen oder Stichworten, die ich mir am Rand des Beschreibungen biografischer Episoden notiert habe. Aus meiner Rolle als Pfarrer heraus deute ich diverse Eigenschaften und Qualitäten als implizite religiöse Botschaft:

–          „Ich bin viel zu träge/ um aufzugeben/ es wär auch zu früh/ weil immer was geht…/ Ich geh nicht weg/ hab meine Frist verlängert/ neue Zeitreise/ unbekannte Welt.“ (Der Weg, Album: Mensch 2001)

–          Stichworte seines Karrierebeginns: Gefühl, Selbstwertgefühl, Identität, Selbstverwirklichung, radikal, authentisch, lebendig…

–          Er will zu sich selbst finden.

–          Singweise: Das ist Identität, da jeder auch seine Macken hat; will unverwechselbar sein.

–          Klarheit und das Bewusstsein der eigenen Grenzen

–          Wille und Handlung entsprechen sich

–          Einer, der nicht immer mit dem Finger auf etwas zeigt (und es manchmal doch tut)

–          Einer, der sich auch streiten kann

–          Einer, der sich nicht verbiegen lässt

–          Einer, der zum eigenen Narzissmus steht, mit sich selbst identisch ist

–          Energie, Faszination

–          Mit Worten die eigenen Freiheiten erkämpfen und erweitern; kreativ sein; kämpft noch, wo er schon gewonnen hat.

–          Gegen Widerstand an sich selbst glauben können

–          Talente haben und schnell lernen können

–          Auch mal unfair sein dürfen, evtl. echthaberisch

–          Entwicklung zulassen

–          Von der Musik über die Emotion zum Text

–          Sich zurückziehen, sich um die Familie kümmern, die kranke Frau, den Bruder, die Kinder (auch wenn genau das nicht öffentlich zur Schau gestellt wird)

–          Nicht jede Emotion hat schon einen Inhalt

–          Von sich selbst als Produzent der Musik überzeugt sein

–          Heimatgefühl zulassen; wissen, woher man kommt

–          Sich in Dingen, von denen man nichts versteht, von anderen etwas sagen lassen

–          Musikalisch, ohne dass man es sofort heraushört

–          Jeder verliert manchmal den Boden unter den Füßen

–          Auch mal „politisch“ sein, ohne „Politiker“ zu werden.

–          Anzüge mit Turnschuhen kombinieren – mit Stilbrüchen leben

–          Alltagsthemen: Worüber er sich ärgert, das schreit er sich von der Seele.

–          Der Text nutzt nur, wenn er dich betrifft, in den Magen geht.

–          Sich und die eigenen Idole in Frage stellen

–          Von sich erzählen, wenn man mit sich zum kämpfen hat

–          Viel Arbeit für wenig Geld: Zeit haben für seine Hörer.

–          Gute Arbeit auch gut finden

–          Vor Religion sollte man mehr Ehrfurcht zeigen.

–          Beziehungserfahrungen anderer zum Thema machen

–          Auch Satire zulassen können

–          Gegen Sexismus und sexuellen Missbrauch öffentlich Stellung beziehen (als das noch ein Tabu war)

–          Position beziehen, politisch klar

–          Kunst stellt menschliche Widersprüchlichkeit dar.

–          Über die Realität nicht schweigend hinweggehen

–          Metaphern und Symbole, die allgemein und persönlich deutbar sind

–          Kitsch zulassen, da er ein Symbol für überschwängliches Gefühl ist

–          Glück und Freude mit Leiden in Verbindung bringen

–          Das Ende aller Feindschaft und aller Feindbilder

–          Kommunikationsprobleme und Abspracheprobleme zulassen

–          Die Gesprächspartner und Hörer in sein eigenes Denken und Hören einbeziehen; Sätze anfangen und andere vollenden lassen

–          Viel Arbeit in Kauf nehmen, um sich in der Musik wohl zu fühlen

–          Seine Liebe zu seiner Frau drückt sich in seinen Texten aus, auch wenn sie es nicht gemerkt hat.

–          Mit Verletzungen leben: Die Musik reißt schon alles auf und legt die Emotionen frei.

–          Die Verstorbenen mit sich weiterleben lassen und neue Schritte in die Zukunft tun.

–          Fragmentierte Denkideen, Wünsche, Phantasien, Hoffnungen

–          Von „Wellen“ zu reden, ohne segeln zu können

–          Künstler zelebrieren sich selbst, zum Guten. Stellen sich immer besser dar, als sie sind. Werden zum Ideal, ohne ein Ideal zu sein.

–          Frage: „Wer ist der Größte?“ offenbart immer ein falsches Denken. Jeder tritt nur gegen sich selbst an.

….

Die expliziten Bezüge zur Religion sind im Übrigen anfangs oft negativ geprägt. Dabei sind die negativen Formulierungen nicht unbedingt die Meinung des Liedermachers, sondern stellen auch Positionen dar, die er musikalisch und dichterisch hinterfragt, so im Satz: „Hör auf, mir zu predigen“ (Luxus). Da geht man schon einmal „zusammen durch des Teufels Küche“ Grönland). Der arbeitslose Jugendliche, den Grönemeyer zu Wort kommen lässt, sieht das Leben „als die reinste Hölle an“ (Einmal). Im Zusammenhang von Liebe und Sex sagt einer: „Jetzt wird´ nicht religiös“ (Viertel Vor). Oder, bevor der Weltuntergang durch die Neutronenbombe eintritt, sagt einer am Tresen: „Mein Gott, nur noch dies eine Bier“ (´n Bombenlied). Religionskritisch sind die Lieder „Mit Gott“ und auch „Stück vom Himmel“. In beiden Liedern wird die Verwendung des Christlichen in der Politik angeprangert: „Hör auf mit Beten…“, „Mit Gott auf unserer Seite“, „Wir geben uns unverbindlich christlich“ (Mit Gott) und „Warum in seinem Namen, wir heißen selber auch“, „Welche Armee ist heilig?“, „Welches Ideal heiligt die Mittel?“, „Kein Gott hat klüger gedacht“ (Stück vom Himmel). So ähnlich argumentiert auch das Lied „Tanzen“: „Wir sind Christen, falten uns´re Hände… preisen Gott und die geistige Wende…“. Der weiße Rassismus in Südafrika wird als „eisenhartes Gottvertrauen“ (Maß aller Dinge) bezeichnet. Der Rechtsradikalismus ist „eng im Weltbild“ (Die Härte), und „Amerika“ kommt als „Retter in jeder Not“ (Amerika).

Viel Tiefsinn steckt auch in den negativen Formulierungen, die den Zeitgeist aufspüren oder die die eigene Ratlosigkeit darstellen. Hier wird die Religion nicht kritisiert, sondern eher ihr Fehlen konstatiert: „Es ist nur der Mythos, der zählt“ (Reines Herz); „Angst vor der Geschichte, Angst vor sich selbst“ (Angst); „Der gute Glaube ist längst aufgebraucht“ (Einmal); „Die Kirche schachmatt“ (Chaos). „Es steckt kein Geist mehr in der Flasche, für´s Paradies fehlt die Phantasie“ (Lache, wenn es nicht zum Weinen reicht). „Das Nichts steckt in jedem Detail“ (Unbewohnt). „Keiner betet für mich“ (Schmetterlinge im Eis). „Die Seele verhöhnt, alles sinnentleert“ (Keine Heimat); gerade die letzten Formulierungen zeugen von einem tiefen Verständnis für Religion und stellen das Fehlen des Glaubens in der Lebenskrise in den Vordergrund.
Ebenso gibt es auch positive Metaphern für das gelingende Leben in religiösen Worten und Bildern: „Ein Stück vom Himmel, ein Platz von Gott“ (Stück vom Himmel). Ebenso lässt sich im Rückblick sagen: „Es war ein Stück vom Himmel, dass es dich gibt“ (Der Weg). Natürlich heißt Liebe nichts anderes als: „Ich mache dir das Leben zum Himmel“ (Komet), oder: „Besiege jeden Fluch, lot´s dich durchs tiefe Tal“ (Ich dreh mich um dich), „Fühl´ mich bei dir geborgen“ (Halt mich), „Ich bin für dich da“ (Für dich da), „Der für dich wacht und dich auf Wolken trägt“ (Dort und hier), „Die Sintflut ist verebbt, die Sünde vergeben“ (Bleibt alles anders). Die Liebe ist „die letzte Version vom Paradies“ und gleich damit, sich „den Heiligenschein“ zu machen (Letzte Version). Das Vertrauen ist grenzenlos: „Übernimm die Wacht, bring dich durch die Nacht“ (Land unter). Die geliebte Person wird auch um ihrer Religion willen geliebt: „Dein Selbstvertraun, dein Sex und ein Gott…, dein Hoffnung, dein Zauber, deine Glut“ (Energie). Umgekehrt gilt das Gleiche: „Ich war so gern dein Zufluchtsort… du bist die, die mich findet“ (Du bist die). Dieses Vertrauen färbt auf das allgemeine Grundvertrauen ab und die Zuversicht gewinnt wieder an macht: „Das Prinzip Hoffnung“ (Demo-letzter Tag). Da heißt es: „Tief in mir drin macht alles irgendwie Sinn“ (Ich versteh). Und so nimmt auch die Religion ein Stück weiter zu: „Das Firmament hat geöffnet.. und weil er schwärmt und glaubt, sich anlehnt und vertraut“ (Mensch). Der Partner ist „Engel der Sünde“ und „Engel der Passion“ (Letzte Version). Natürlich ist auch hier noch die Gefahr der Oberflächlichkeit: Durch „Visionen, Glaube, Sehnsucht“. Zum Schluss wird das Lied „Stück vom Himmel“ bei aller Kritik zur großen Verteidigung der Religion: „Es sind Geschichten, die einen diese Welt… Nöte, Legenden… Es gibt Millionen Farben, und jede ist ihr eignes Rot.. Es gibt keinen Feind… die Erde ist freundlich…“ Konkret heißt es sogar hier: „Die Bibel ist nicht zum Einigeln“ und „Religionen sind zu schonen, sie sind für Moral gemacht“. Und damit ist klar, dass auch hier schon ein wenig Gefühl für Religion mitgedacht war: „Beschütze deine Seele vorm Ausverkauf“ (Kopf hoch, tanzen).
Zum Schluss seien noch zwei Besonderheiten genannt: Das Lied „Land unter“ lässt sich in seinen Vertrauens-Aussagen parallel zum Kirchenlied lesen: „So nimm denn meine Hände“ (Diesen Hinweis verdanke ich Marc Pauly, Jugendkirche Werl), und im Lied „Vollmond“ wird der Wunsch zur Begegnung mit einer verehrten Person in der Form eines Gebets vorgetragen, das zwar witzig, aber nicht religionskritisch gemeint ist: „Steh mir bei… leucht ihr ins Gewissen… mach mir den Heiligenschein“.
Die Lieder Herbert Grönemeyers sind mehr als Beispiele moderner Dichtkunst eines einzelnen Künstlers. Sie sind bis in die Sprache hinein dem „Volk aufs Maul geschaut“ und werden von tausenden Fans auf den Konzerten auswendig mitgesungen. Und nicht nur dort: Jedes Heimspiel des VfL Bochum beginnt mit dem Lied „Bochum“ von Herbert Grönemeyer. Es handelt sich um die dichterische Wiedergabe des Zeitgefühls, das den Glauben und die Religion sehr gut haben kann, wenn diese vom allgemeinen Leben im Alltag nicht abgespalten werden müssen. Ein oberflächlicher Glaube oder gar ein Missbrauch religiöser Sprache z. B. für politische Zwecke wird abgelehnt. Religion und Gefühl gehen zusammen. Sobald Religion einseitig rational wird, wird sie falsch. Religion ist ein Symbol für Liebe und so wird die Liebe auch ein Symbol für die Religion. „Fühl mich bei dir geborgen, setz mein Herz auf dich. Will jeden Moment genießen, dauer ewiglich. Bei dir ist gut anlehnen, Glück im Überfluss. Dir willenlos ergeben, find ich bei dir Trost.“ (Halt mich).

Was hat Weihnachten mit Dantes Göttlicher Komödie zu tun? Predigt von Joachim Leberecht, Herzogenrath 2024

Christvesper Predigt 2024     

eigenes Foto: Lürbker Weihnachtskrippe, Ausschnitt Verkündigung der Engel.

Sünd und Hölle mag sich grämen, Tod und Teufel mag sich schämen; wir, die unser Heil annehmen, werfen allen Kummer hin.  EG 39,2 Paul Gerhardt 1666

Liebe Gemeinde,

in Dantes Göttlicher Komödie gibt es eine Gruppe von Seelen, die weder in den Himmel noch in die Hölle kommen – die sogenannten „laueren“ Seelen. Diese sind diejenigen, die ein Leben der Unentschlossenheit und Gleichgültigkeit geführt haben, die weder im Guten noch im Bösen standhaft waren, sondern in einer Art neutraler Haltung verharrten. Sie sind für den Himmel unbrauchbar, weil sie nie die Entscheidung getroffen haben, sich für das Gute einzusetzen, und für die Hölle ungeeignet, weil sie nie wirklich Böses getan haben. Dante beschreibt sie als „die, die in ihrem Leben weder geliebt noch gehasst haben“, und ihre Strafe ist, dass sie auf ewig in einer Art existentiellen Leere gefangen sind, ohne Hoffnung auf Erlösung oder Befreiung. (Quelle: chat-gpt mit der Frage nach den lauen Seelen in der Göttlichen Komödie)

bloß nicht auffallen und ja nichts riskieren

Diesen Typus Mensch, weder Fisch noch Fleisch, bloß nicht auffallen und ja nichts riskieren gab es schon immer. Mir scheint, dass dieser Typus heute grassiert. Ich könnte ja etwas falsch machen, also mache ich es lieber gar nicht. Ich halte mich zurück in einer Gruppe, sage nicht, was ich denke, hinterher muss ich mich noch rechtfertigen, ich passe mich lieber an. Damit fahre ich gut im Leben. Ich suche nicht den Streit, die Auseinandersetzung. Das ist viel zu anstrengend. Ich bin am liebsten mit denen zusammen, die genauso denken wie ich. Und wer nicht so denkt, verschwindet mit der Zeit ganz von allein.

Beispiel: (Gedanken eines Gottesdienstbesuchers)

Es ist halt der Wunsch meiner Mutter, dass wir als Familie in den Heilig Abend-Gottesdienst gehen. Diese ganze museale Veranstaltung sagt mir zwar nichts, aber um des lieben Friedens willen, geh ich halt mit und besuche diese mittelmäßige Show. Irgendwie haben die Christen noch nicht begriffen, dass sie voll out sind, keiner kümmert sich mehr um sie, sie spielen keine Rolle mehr. Sie sind unglaubwürdig und haben mir nichts mehr zu sagen.

Dante bezeichnet die Lauen als „die, in ihrem Leben weder geliebt noch gehasst haben.“  Das ist doch eine interessante Beschreibung! Wie stehts mit dir? Hast du geliebt? Liebst du? Was fühlst du? Wie zeigt sich deine Liebe? Wird sie sichtbar? Wie wandelt sie sich? Es gibt viele Arten zu lieben.

Das Weihnachtsevangelium ist eine Liebesgeschichte

Eines der schönsten Liebesgeschichten ist für mich das Weihnachtsevangelium. Gott wird Mensch, nimmt unser Wesen an, wird ein hilfsbedürftiges Neugeborenes, um uns von Sünde und Tod zu erlösen.

Jesus ist dem ganzen zufälligen Leben ausgesetzt. Nichts ist planbar. O wie gern planen wir: geben dem Leben, dem Tag und dem Fest eine Struktur – und es hilft und doch ereignet sich das Entscheidende in den Zwischenräumen, geschieht einfach. Das Gespräch an der Weihnachtstafel oder im Restaurant oder während der langen Autofahrt zu den Verwandten am ersten oder zweiten Feiertag, bekommt durch eine Frage oder ein Erzählen eine andere Wendung, geht in die Tiefe, weil eine oder einer sich traut, etwas von sich zu zeigen und es in dem Moment gerade passt, auf Zuhören und Resonanz stößt, nicht in der Hektik des Alltags und der tausend Dinge, die noch zu planen sind, untergeht.

Wir brauchen solche Räume des Miteinanders, wo wir uns der Nähe und der Zuwendung der anderen versichern, wo wir spüren, hier bin ich wie ich bin angenommen, ich darf mich zuwenden und auch abgrenzen, ich darf hier mit meinen Gefühlen, Wünschen und Sehnsüchten sein. Das gelingt, wenn sich Vertrauen gebildet hat, wenn wir nicht auf unsere vermeintlichen Fehler festgelegt werden und wir den anderen Raum geben, ihr Wesen zu entfalten. Das gelingt, wenn wir die Zeit nicht vollstopfen und sich einstellende Leere aushalten, uns selbst spüren.

Jesus ist dem ganz zufälligen Leben ausgesetzt. Das beginnt schon mit seiner Geburt. Die vielen Krippenbilder von der heiligen Familie lügen alle. Wir haben Sehnsucht nach heiler Familie, die Krippenbilder sind Sehnsuchtsbilder. Sie halten ein Ideal fest, romantisieren ein Wunder, das in Bildern nicht festgehalten werden kann. Wenn es damals Selfies gegeben hätte, die Welt wäre voll davon und würde doch auf den tausenden von Selfies nichts erkennen. Das Entscheidende geschieht in der Begegnung. Wie immer im Leben. Auch im Glauben. Auch in der Begegnung mit dem Neugeborenen, der später der Erste sein wird, der den Tod überwunden hat, und der mit seiner Liebe die Sünde zugedeckt hat. Gewalt ist keine Option mehr. Versöhnung ist der Weg zum Frieden.

Weihnachten als unverfügbare Begegnung

Wenn aber Weihnachten vor allem eine Begegnung mit dem unverfügbaren Göttlichen ist und sich in geglückten Begegnungen ereignet, dann ist Weihnachten ein Resonanzgeschehen. „Wir, die unser Heil annehmen, werfen allen Kummer hin“, dichtet Paul Gerhardt im 17. Jahrhundert. Das ist eine doppelte Bewegung: annehmen und wegwerfen.

Ich nehme das Geschenk Gottes an und lasse dafür das Kreisen um mich selbst. (Selbsterlösung, Selbstoptimierung)

Ich spüre Gottes Liebe und übe mich in Liebe.

Ich lasse mich neu Werden und lasse Neues werden.

Ich lasse mich versöhnen und bin bereit zu versöhnen.

Ich bin aufgehoben und frei für andere.

Weihnachten als Resonanzgeschehen zu begreifen heißt, es nicht gleichgültig distanziert anzuschauen, sondern bereit zu sein, Gott und Mensch zu lieben, mehr noch: die ganze Schöpfung.

Gott gegenüber indifferent zu sein oder den Menschen gegenüber soviel Distanziertheit gegenüber zu bringen, dass sie prinzipiell austauschbar sind, dass ich mich ihnen nicht zumute, nichts von ihnen erwarte, oder mitfühle und Verantwortung übernehme, führt in eine existenzielle Leere, in ein Funktionieren um des Funktionierens willen, in ein gefühlsloses, erstarrtes Innen- und Beziehungsleben, letztlich in eine unmenschliche Welt.

Für diese „laueren Seelen“, die weder lieben noch hassen, gibt es kein Weihnachten, kein Licht, keine Hoffnung, keine Zukunft – nur eisige Kälte.

Für sie gibt es noch nicht mal nach Dante einen Zugang zur Hölle, weil selbst der Teufel nichts mit solchen Menschen zu tun haben will, die kein Feuer unterm Hintern haben.

Deshalb: Wenn wir schon die brennenden Kerzen vom Weihnachtsbaum entfernt haben, brennt für Gott und die Liebe!

Sünd und Hölle mag sich grämen, Tod und Teufel mag sich schämen; wir, die unser Heil annehmen, werfen allen Kummer hin.  EG 39,2 Paul Gerhardt 1666

 

„Und der Friede Gottes, welcher höher ist als allem menschliche Vernunft bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem HERRN.“

Amen

Siehe auch:
Hans Conrad Zander: Warum es so schwierig ist in die Hölle zu kommen. Himmlische Komödien aus der Geschichte der Religion, Bonifatius Verlag, Paderborn 2022, 2 Auflage, Seiten 11 – 19

Veröffentlichungen im Deutschen Pfarrerblatt, Christoph Fleischer, Werl 2013

Bei der Übertragung der Artikel auf die Seite des Blog vermeide ich doppelten Content. Die Artikel, die im Deutschen Pfarrerblatt erschienen sind, sind über den jeweiligen Link zu erreichen. Dort steht auch eine Druckfunktion und die Ausgabe der Datei als PDF zur Verfügung.

„Veröffentlichungen im Deutschen Pfarrerblatt, Christoph Fleischer, Werl 2013“ weiterlesen

Toleranz, Notiz und Hinweise von Christoph Fleischer, Werl 2013

Die folgende Notiz verweist auf Gedanken, die aus einer aktuellen Lektüre zu folgern sind. Danach kommen konkrete Hinweise zum Jahr der Toleranz.
Toleranz wird von Slavoj Žižek als Weg der Vermeidung von Auseinandersetzungen empfunden. „Differenzen, die der politischen Ungleichbehandlung entstammen, werden zu kulturellen Differenzen gemacht und neutralisiert.“ (Žižek, S. 127). In aller Kürze bringt es Žižek auf die Formel: „Toleranz ist postpolitischer Ersatz.“ (Žižek, S. 127).

„Toleranz, Notiz und Hinweise von Christoph Fleischer, Werl 2013“ weiterlesen

Kirche im Web 2.0

Die Wuppertaler City Kirche hat entdeckt, dass sie die Menschen nicht nur auf der Straße, in der Fußgängerzone und sogar in Kaffeehäusern findet, sondern sehr viel auch zu Hause vor dem Bildschirm, in Facebook oder Twitter. Daher haben sie unter http://www.kath-2-30.de/ Videoclips erstellt. Der Zeitrahmen 2:30 Minuten ist aber eher symbolisch gemeint. Kurz und prägnant, das ist schon richtig. Kirchliche, auch durchaus eher katholisch geprägte Themen werden professionell entwickelt und verdeutlicht. Dabei hat der Pastoralreferent Dr. Werner Kleine auch von einem Lernprozess berichtet. In diesem Podast wird die Idee Web 2.0 filmisch erläutert, und zwar in einem Videotelefonat: http://itunes.apple.com/de/podcast/episode-14-kirche-im-web-2.0/id320981467?i=88022774.

Viel Spaß beim Ansehen

Christoph Fleischer