Shared History: 1700 Jahre jüdisches Leben im deutschsprachigen Raum, Presseinformation, Margarete Schwind, Berlin 2021

Ein Projekt des Leo Baeck Institute – New York | Berlin — www.sharedhistoryproject.org

Berlin, 15. Januar 2021 – 2021 markiert das 1700-jährige Jubiläum des frühesten Dokuments, das eine jüdische Gemeinschaft in dem Gebiet des deutschsprachigen Raums erwähnt. In einem Edikt aus dem Jahre 321, dessen Abschrift heute in der Vatikanischen Bibliothek verwahrt wird, erlaubte Kaiser Konstantin den Kölner Stadträten, auch Juden zur Ausübung öffentlicher Ämter zu verpflichten.

Um die facettenreichen Narrative jüdischer Geschichte in diesem Zeit- und Sprachraum zu schildern, hat das Leo Baeck Institute – New York | Berlin das Projekt Shared History: 1700 Jahre jüdisches Leben im deutschsprachigen Raum ins Leben gerufen. Es ist eine Shared History, eine gemeinsam geteilte Geschichte, im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die Geschichte von Jüdinnen und Juden war und ist seit Jahrhunderten tief verwoben mit der Geschichte der Mehrheitsbevölkerung in den Regionen und Ländern dieses Raums.

Im Verlaufe des Jahres 2021 werden unter www.sharedhistoryproject.org wöchentlich je ein Objekt und korrespondierende Essays veröffentlicht. Die dabei geschaffene 1700 Jahre umfassende Gesamtschau jüdischer Geschichte im deutschsprachigen Raum wird aktiv zur Vermittlung jüdischen Lebens im deutschsprachigen Raum dienen und mithilfe von Fakten und Aufklärung einen wichtigen Beitrag gegen Unkenntnis, zunehmende Geschichtsverzerrung und wachsenden Antisemitismus leisten.

Das Shared History Projekt beleuchtet schlaglichtartig die individuellen und kollektiven Erfahrungen, die jüdischen Alltag über Jahrhunderte prägten: Diskriminierung, Ausgrenzung und Entrechtung auf der einen Seite, Akzeptanz, Akkulturation und gesellschaftlicher Aufstieg auf der anderen Seite. Dabei zeigen die Objekte, dass es mitunter die kleinsten Dinge sein können, wie ein paar gläserne Ampullen, die ein gemeinsames Miteinander vor Augen führen – oder den gesellschaftlichen Ausschluss bis zur skrupellosen Ermordung unverkennbar machen, wie der aus der Erde geborgene Anhänger eines Mädchens.

Jüdisches Leben ist heute in all seiner Vielfalt wieder ein fester Bestandteil der deutschen Gesellschaft. Doch wie ein Blick auf die Objekte des Shared History Projekts und deren Geschichten zeigt, ist der Weg dorthin alles andere als einfach gewesen. Er war geprägt von Rückschlägen und Brüchen, aber auch von Zeiten des lebendigen Miteinanders und dynamischen Austausches.

Einen Beitrag über das Projekt von David Dambitsch dürfen wir zum Nachhören anbieten:
Deutschlandfunk, Schalom 08.01.2021 / 1700 Jahre Juden in Deutschland

Virtuelle 3D Ausstellung & Website

Gefördert durch: #2021JLID – Jüdisches Leben in Deutschland e.V. aus Mitteln des Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI)

Die verschiedenartigen Exponate – unter anderem Schmuck, Gemälde, Sakralgegenstände, Bücher und Mankuskripte, Synagogen und andere Bauten, und selbst fiktionale Konzepte wie der Golem – werden mittels moderner Techniken wie 3D Fotogrammetrie und 360-Videos abgebildet und in einem fiktionalen Raum zur Schau gestellt.

Realisation der Webpräsenz: Z-Reality GmbH (Kaiserslauten) und Design360 (New York)

Expertenbeiträge

Zur Webpräsenz gehört auch ein Platform, wo die Objekte von erläutenden Expertenbeiträgen begleitet werden. Zu den Autorinnen und Autoren gehören Forschende aus der Geschichtswissenschaft, Archäologie und Kunstwissenschaft, aber auch Mitarbeitende aus Bibliotheken und Archiven sowie Vertreterinnen und Vertreter von Gemeinden und Publizierende.

Vom 27. Januar 2021 – 23. April 2021 wird eine physische Ausstellung im Paul Löbe Haus des Deutschen Bundestages gezeigt. Die Ausstellung auf 27 Glaspanelen präsentiert eine Auswahl der Objekte des Shared History Projekts. 

Die 58 Objekte aus den Sammlungen von über 40 Museen, Bibliotheken, Archiven und anderen Institutionen in 10 Ländern werden in über die folgenden Kanäle präsentiert:

LEO BAECK INSTITUTE – 

Zum Leo Baeck Institut 

Gegründet von deutsch-jüdischen Emigrierten als unabhängige Forschungs- und Dokumentationseinrichtung für die Geschichte und Kultur des deutschsprachigen Judentums mit drei Teilinstituten in Jerusalem, London und New York hat sich das Leo Baeck Institut seit nunmehr über 60 Jahren der Aufgabe verschrieben, das kulturelle Vermächtnis des durch den Holocaust nahezu ausgelöschten deutschsprachigen Judentums zu bewahren. Die Gründungsväter und -mütter zählten zu den führenden Intellektuellen ihrer Zeit und waren selbst oftmals nur mit großen Mühen dem NS-Regime entflohen: unter ihnen befanden sich Martin Buber, Max Grunewald, Hannah Arendt, Selma Stern und Robert Weltsch. Sie benannten das Institut nach dem Rabbiner Leo Baeck, dem letzten führenden Repräsentanten der jüdischen Gemeinden im Nationalsozialismus, der zugleich erster Präsident des Leo Baeck Instituts wurde. 

Die Bestände des LBI New York umfassen über 80.000 gedruckte Bände, zahlreiche Periodika, 10.000 archivalische Nachlässe, 25.000 Fotografien und rund 8.000 Kunstwerke und Objekte. Der Großteil der im Leo Baeck Institut erhaltenen Objekte wurde von jüdischen Flüchtlingen selbst oder ihren Nachkommen in die Obhut des Instituts übergeben. Die bewahrten deutschsprachigen Dokumente, Bücher, Aufzeichnungen und Erinnerungsstücke haben ihre früheren Besitzer mitunter durch mehrfaches Exil begleitet und verdeutlichen, wie stark die emotionale und psychologische Verbundenheit zur verlorenen Heimat im deutschsprachigen Raum war – trotz Brüchen, Entwurzelung und Trauma. Mit seinem Archiv in New York schuf das LBI einen Aufbewahrungsort seiner erstklassigen über fünf Jahrhunderte umspannenden Sammlungen, die heute zu den wichtigsten Primärquellen jüdischer Geschichte und Alltags in Mitteleuropa gehören. 

 

Das hilft in Zweifel und Versuchungen, Dennis Streichert, Hamburg 2021

Foto: Trübes Wetter in Kanada, Foto Dennis Streichert

Wenn das Leben hart ist und Versuchungen uns überfluten, können wir leicht das Gefühl haben, völlig untauglich als Christ zu sein. Die Versuchung schlägt gerade in diesen Momenten zu, in denen wir sie so gar nicht erwarten oder verkraften.

Wenn sich Ihr Glaube klein anfühlt, erinnern Sie sich an diese Tatsachen:

 

Gott hat uns zu seiner Freude geschaffen

Leiden und Herausforderungen in diesem Leben ist unausweichlich für jeden, der in dieser Welt lebt. Schwierigkeiten werden immer kommen. Trotzdem dürfen wir auf Gott vertrauen, weil diese harten Schicksalsschläge nie vergeblich sind.

Gott hat Sie geschaffen, weil er sich an Ihnen erfreut. Er wünscht sich, dass Sie ihn kennen, sich an ihm erfreuen und ihn lieben, selbst inmitten von Leid. Gott bietet Ihnen ein Leben voller Sinn an. Alle guten Dinge kommen aus seiner Hand. Seine Güte ändert sich nie, auch wenn wir es tun.

Egal, was wir erleben, wir erleben es niemals für uns allein. Es ist erstaunlich, dass Gott uns nahe ist und uns hört. Er hat die absolute Kontrolle über jede Situation, jeden Lebensbereich und jede Schwierigkeit.

 

Gott greift uns unter die Arme, wenn wir fallen

Wenn wir schon länger für etwas beten, dies aber nicht erhalten, weil Gott es momentan für nicht angebracht hält, können wir in Versuchungen geraten. Beispielsweise, wenn Sie schon lange Single sind und sich nach einem Partner sehnen.

Wenn wir schwach werden, so ist Gott dennoch da. Er wird seine geliebten Kinder niemals in Stich lassen. Er sandte Jesus, der in allem mit uns fühlt und um unsere Nöte weiß. Gott wusste, dass wir immer wieder fallen würden.

Gott hat sich zu uns in unserer Sünde herabgelassen, weil er sich mit uns verbinden möchte und uns wertschätzt. Christus nahm in Demut Menschengestalt an und war seinem Vater gehorsam bis in den Tod, damit wir mit ihm wieder vereint werden.

 

Gott liebt uns immer noch, auch wenn wir versagen

Selbst wenn wir ständig versagen, liebt Gott uns immer noch. Das gute Werk, das Gott begonnen hat, indem er uns durch den Glauben für gerecht erklärt hat, wird fortgesetzt, bis er diese Wiederherstellung und Vervollkommnung abschließt und uns seinem Sohn gleich macht. Nichts kann oder wird uns von seiner Liebe trennen – nichts!

Als Christus am Kreuz starb, machte sein Opfer es möglich, dass Sie in die Gegenwart Gottes eintreten können. Wenn der Vater uns anschaut, sieht er seinen Sohn.

Wir können uns Gott nun als seine eigenen Kinder nähern. Wir können uns diesem liebenden Vater nähern, der seine Kinder liebt und sich um sie kümmert, auch wenn wir versagen. Wir sind durch den Tod Jesu mit Gott versöhnt worden. Wie viel mehr werden wir dann durch sein Leben gerettet werden?

 

Gott schenkt uns eine neue Freude an ihm

Selbst wenn die Fluten dieser Welt uns zu ertränken scheinen, schenkt Gott sich uns immer wieder. Wir dürfen die Gemeinschaft mit ihm, seine Liebe und Erneuerung genießen.

Kein Abgrund von Sünde oder Zweifel ist zu entsetzlich für Gott, um uns zu erlösen! Wir haben einen Erlöser, der sich an uns erfreut, damit wir uns an ihm erfreuen können. Christus möchte, dass wir das Leben in seiner Gegenwart leben und uns an das Leiden erinnern, das er durchgemacht hat. Das Leiden, das uns die Erlösung ermöglicht und durch das er immer mit uns mitfühlt.

Wenn sich also Ihr Glaube klein und schwach anfühlt, wenn Sie in Versuchung geraten, wenn Sie an Gottes Güte oder Gnade zweifeln, halten Sie sich an Gott fest. Denken Sie daran, dass Gott uns Rettung und Glück, Freude und Wonne schenkt, weil er uns nichts Geringeres als sich selbst gegeben hat

 

Jeder von uns wird mit Situationen konfrontiert, in denen Zweifel, Verwirrung und Angst uns umgeben und das Vertrauen in Gott schwindet. Die Frage ist: Was werden Sie mit Ihrem Zweifel tun? Werden Sie entmutigt und laufen weg von Gott, oder werden Sie im Schmerz des Zweifels zu Gott rufen?

Sie und ich haben unsere Errettung nicht durch eigene Tugendhaftigkeit erkauft. Der Herr weiß, dass wir schwach sind, und deshalb hat er versprochen, unsere Stärke zu sein und seine Autorität in unserem Namen auszuüben.

Derjenige, zu dem Sie beten, ist gütig, langsam zum Zorn und überreich an Liebe. Er hat versprochen, dass er nie ein taubes Ohr für die leisen Gebete seiner Kinder haben wird, egal wie schwach sie sind.

Über den Autor

Dennis Streichert beschäftigt sich viel mit dem Thema Berufung und Lebenssinn. Mit seinem Blog dennis-streichert.de/blog verfolgt er das Ziel, Menschen zu einem sinnerfüllten Leben zu inspirieren. Andere Menschen zu ihrer Berufung zu führen – das ist seine Vision.

 

Neuer Beitrag auf der Seite www.kauf-eine-kirche.de.

hier ist der Link: http://www.kauf-eine-kirche.de/2020/01/23/kirchbau-visionen-de-hinweis-von-christoph-fleischer-welver-2020/

Felix Hemmers studiert Innenarchitektur im schönen Detmold. Bei einem studentischen Projekt vor etwa einem Jahr ist er zum ersten Mal mit der Thematik der Kirchenumnutzung in Kontakt gekommen. Damals wurde die Rheinkirche in Duisburg an einen Architekten verkauft und die Studierenden haben Entwürfe für eine Umnutzung als Kolumbarium entwickelt.

Felix Hemmers schreibt in einer Email:

Mir ist das Problem der vielen leerstehenden Kirchen bewusst geworden. Kirchen sind für mich ganz besondere Orte, die ein einzigartiges Gefühl von Ruhe, Bewusst-Werden und Dankbarkeit vermitteln. Diese Räume müssen erhalten und der Bevölkerung zugänglich gemacht werden, auch wenn das in vielen Fällen in der ursprünglichen Funktion nicht mehr möglich ist.

Draus ist ein Projekt geworden: www.kirchbau-visionen.de.

 

 

Gott im Digitalen dienen – die häufigsten 10 Einwände gegen Digitale Kirche und warum ich trotzdem dafür bin, THEOTABEA 2019, gefunden auf Twitter

Foto: Kölner Dom, Fenster von Gerhard Richter
  1. Dezember 2019

Verfasst von THEOTABEA,

bearbeitet von Christoph Fleischer (gekürzt)

Ich habe euch gefragt, was die häufigsten Einwände gegen #DigitaleKirche sind. Darauf habe ich viele Kommentare und Resonanz erhalten: Ich war geradezu überwältigt und im Positiven total überrascht, welche Einwände ihr alle schon gehört habt.

Nach bestem Wissen und Gewissen habe ich versucht, euren Input zu sammeln und zusammenzufassen. Darunter findet ihr jeweils einen Kommentar von mir dazu. Dieser Kommentar spiegelt meine ganz persönliche Haltung und Erfahrung wider und hat keinen Anspruch auf wissenschaftliche Genauigkeit. Auch versuche ich nicht dem Anspruch der Vollständigkeit gerecht zu werden.

Ein kleiner Hinweis noch: Mir ist aufgefallen, dass meine Kommentare sich meistens auf Social Media beziehen. #DigitaleKirche ist natürlich sehr viel mehr! Diese Fokussierung ergibt sich auch meinem Erfahrungshintergrund und nicht auf eine begriffliche Verengung. Dasselbe gilt dafür, wenn ich zu viele Beispiele aus dem Pfarramt bringe. Meine Perspektive darf gerne von denen ergänzt werden, die eine andere haben. Ich lege das gerne offen, welche Voraussetzungen ich ganz persönlich habe.

1) „Facebook, Instagramm und WhatsApp sind Anwendungen, deren Mechanismen intransparent, unsozial und auf Gewinnmaximierung ausgelegt sind – das sollte Kirche nicht unterstützen.“

Social Media lebt davon, dass wir unsere Daten dort hinterlassen. Dahinter steckt ein knallhartes Geschäft. Je mehr Zeit wir auf den Seiten verbringen, desto mehr Spuren hinterlassen wir. Je mehr wir interagieren, desto mehr geben wir preis (und seien es „nur“ Metadaten). Emotionale und negative Postings können uns dazu bewegen, zu reagieren und selbst emotional zu werden. Das ist gut für Facebook und co: Wenn wir uns aufregen, schalten wir nicht so schnell ab. Und sie kriegen noch mehr Daten…

Tja, was will Kirche da? Ich hätte darauf ein ganz wichtiges Argument: Kirche geht dahin, wo Menschen sind. Jesus ist zu Zachäus gegangen, einem Zöllner. Die Leute werden auch gedacht haben: Heee, der Jesus unterstützt ungerechte Zölle, damit gemeinsame Sache machen, das geht gar nicht. Wenn Jesus unser Vorbild ist, muss auch Kirche dahin gehen, wo nicht alles sauber und aufgeräumt ist. Mit gutem Recht unterstützen die Kirchen eine Militärseelsorge, obwohl Kirche aufgrund von biblischen Texten für den Frieden einsteht.

Es geht doch darum: Bei den Menschen zu sein, wie Paulus so schön formuliert, wenn er schreibt „Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden.“ (Brief an die römische Gemeinde Kapitel 12, Vers 15)

In Social Media wird viel Freude und viele Tränen geteilt – Kirche sollte sich mitfreuen und mitweinen. Neben gesellschaftlich gut integrierten Personen, nutzen auch viele einsame Menschen das Internet. Sie wissen nicht mehr, ob sie einsam sind, weil sie so viel Onlinezeit haben oder ob sie zuerst einsam waren und es nur mit Onlinezeit kompensieren. Das kann ich kritisieren oder auch sagen: Dann erreiche ich dich wenigstens hier, in deinem Medium und stehe dir seelsorgerlich bei.

In Social Media kann viel wertvolle seelsorgerliche Arbeit geleistet werden – wie es Jörg Niesner als @wasistdermensch auf Instagram vormacht.

2) „Social Media und Öffentlichkeitsarbeit – das ist nicht die Kernaufgabe im Pfarramt. Darauf Ressourcen zu verwenden, ist nur eine zusätzliche Belastung.“

Ich denke, diesen Einwand muss ich gar nicht entkräften. Es reicht völlig aus, zu fragen, wer so etwas sagt. Denn: Wer so etwas sagt, der definiert eben Social Media, Öffentlichkeitsarbeit und Digitale Kirche nicht zu seiner oder ihrer Kernaufgabe. Das ist doch total in Ordnung! Ich bin keine Freundin davon zu sagen, dass das jetzt alle machen müssen. Und ganz ehrlich: Pfarrerin Schmidt aus der Großstadtgemeinde, die mit Partnerorganisationen Hinz und Kunz von Projekt x zu Projekt y rauscht, braucht vielleicht selbst nicht das digitale Medium, um Öffentlichkeitsarbeit zu machen – es gibt auch andere Medien und Medienträger. Gemeindepädagoge Meier, der super Jugendarbeit macht, investiert seine Zeit lieber in Arbeit vor Ort. Die Kirchenvorstandvorsitzende Müller weiß nicht, wie Instagram funktioniert und selbst wenn man es ihr erklären würde, hätte sie kein Spaß daran, weil es nicht „ihr“ Medium ist. Viele Kolleg*innen fragen mich, was soll ich denn posten? – Weil ihnen nichts einfällt.

Das ist total okay. Wer wäre ich, Pfarrerin Schmidt oder Gemeindepädagogin Meier oder Kirchenvorstandvorsitzende Müller jetzt überreden zu wollen, dass sie aber unbedingt irgendwas posten sollen. Nein. Wer kompetent und engagiert für kirchliches Social Media ist, soll das machen und dabei unterstützt werden. Wer sich dazu nicht „berufen“ fühlt, sollte es lassen: Ein halbherzig oder sogar widerwillig geführter Account bringt niemandem was, weder dem, der der Account gehört noch irgendeiner Öffentlichkeit.

3) „Social Media bringt nichts, es hat quasi keine Relevanz – damit können höchstens die erreichten werden, die wir sowieso schon erreichen. Im schlimmsten Fall handelt es sich nur um ein Pfarrer*innen-Netzwerk.“

Erstens mal finde ich die Zahlen, die Accounts wie @theresaliebt oder @seligkeitsdinge_ produzieren, beeindruckend. Wenn zu meinen Gottesdiensten über 10.000 Follower*innen kämen, wäre ich glücklich (ganz davon abgesehen, dass ich mir über die Logistik echte Gedanken machen müsste). Selbst durch Besuchsdienst und Seelsorge kann ich unmöglich so viele Menschen erreichen. Dass es eine bestimmte Zielgruppe anspricht, das finde ich okay. Das spricht doch eher dafür, dass es möglichst viele Aktive in der Digitalen Kirche geben sollte, um die Vielfalt im Glauben abzubilden, die wir auch vor Ort leben.

Jetzt die Frage, ob es wirklich Ausstrahlung über das ohnehin hochverbundene Milieu hat. Dazu muss ich sagen, dass ich die Denkweise komisch finde; dass ich nur die erreichen darf, die kirchenfern sind. Klar, will ich die erreichen. Aber wenn ich Kontakt zu hochverbundenen Mitgliedern habe, ist das nicht einfach abzuwerten. Wenn diese Mitglieder Kontakt suchen, egal ob analog oder digital, ist das doch erst einmal schön. Zumal ich die Erfahrung gemacht habe, dass sich im schriftlichen Medium oft andere Sachen erzählen lassen als in einem persönlichen Gespräch. Nicht dass ich das persönliche Gespräch abwerten wollte – aber viele trauen sich eben auch diesen Kontakt nicht, den sie teilweise als „intim“ empfinden. Manchmal ist es leichter, vermeintlich anonym zu bleiben und sich vorher gut zu überlegen, mit welchem Anliegen ich an eine Pfarrperson oder eine*n Churchfluencer*in herantreten möchte.

Online muss ich übrigens auch nicht jede Diskussion zu Ende führen, sondern kann mit Jesu Worten den Staub abschütteln und weitergehen, wenn es die Situation erfordert.

4) „Social Media und Internetnutzung. Internetnutzung führt zu Vereinzelung und macht die Gesprächskultur kaputt. Kirche sollte die Vereinzelung nicht unterstützen, sondern eine Gegenwelt darstellen. Außerdem hängt Kirche so die älteren Menschen ab.“

Ich möchte nicht, dass mein ganzes Leben im Internet stattfindet, das sei mal vorausgeschickt. Aber: Auch Menschen, die ich digital das erste Mal antreffe, sind echte Menschen. Es gibt doch keine „Internetmenschen“, also solche, die nur digital unterwegs sind. Ich glaube auch, dass wir lernen müssen, digital und analog sinnvoll zu verbinden – nicht es gegeneinander auszuspielen. Lutz Neumeier aka @NEUMEdIEr nutzt das Wort „Hybride Kirche“, um auszudrücken, dass Kirche auf beide Dimensionen wirken kann und sollte.

Digitalität kann Kontakteknüpfen erleichtern, ich kann vielleicht leichter etwas an viele multiplizieren oder Bilder versenden. Für anderes ist mir ein Tisch und ein gepflegtes Glas Rotwein dann doch lieber. Und: Digitale Medien führen ja auch zu analogen Treffen und Verknüpfungen. Daraus können echte Freundschaften entstehen. Sie werden doch nicht schlechter dadurch, weil man sich das erste Mal digital gesehen hat.

Zu dem Thema, dass Kirche durch digitale Medien ältere Menschen abhängt: Kirche sollte weiterhin analog und persönlich erreichbar sein. Das ist nicht zu ersetzen. Aber: Will Kirche wirklich junge Leute abhängen, wenn sie nicht in digitalen Medien vertreten ist?

5) „Kirche ist nur Kirche, wenn man sich in echt trifft. Das heißt: Digitale Kirche ist keine Kirche.“

Gibt es das, eine Digitale Kirche?

Im Evangelium nach Matthäus, Kapitel 18, Verse 19-20 lese ich: „Wo zwei unter euch eins werden, warum es ist, daß sie bitten wollen, das soll ihnen widerfahren von meinem Vater im Himmel. Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“

Da steht nichts von einem Medium und schon gar nicht welches. Da steht nicht, dass ich dem anderen in die Augen schauen muss, damit Gott wirklich da ist. Interessanterweise ist die Beurteilung von Fernsehgottesdiensten oft nicht so kritisch wie dies bei Social Media-Aktivitäten der Fall ist. Das liegt doch wohl nicht daran, dass Fernsehen per se gut und Internet per se blöd ist, sondern daran, dass es bei Fernsehgottesdiensten eine längere Gewöhnung an das Format gegeben hat.

Und man macht Kirche und Gott doch auch klein, wenn man das Kirchesein so begrenzt. Ich gebe mal ein Beispiel, das gut zu dem zitierten Vers aus Matthäus („Wo zwei oder drei“…) oben passt: Segen und Gebet können digital funktionieren. Ich kann mich gesegnet fühlen, wenn ich einen schönen Guten-Morgen-Segen von der Nordkirche oder von @pastoraCara lese. Der Segen ist weder analog noch digital – er kommt aus einer ganz anderen Dimension, von Gott und ist dem Transzendenten zuzuordnen. Und ganz ehrlich: Ich habe in letzter Zeit viel Unterstützung durch Gebete erfahren.

„… das soll ihnen widerfahren von meinem Vater im Himmel.“ Stimmt der Bibelvers also nicht? Habe ich mich geirrt, obwohl ich gespürt habe, wie das Gebet von jemandem mir geholfen hat?

Ich will darauf hinaus, dass der Glaube und die Wirkung doch wohl wichtiger sind als das Medium.

6) „Kirche ist in Pfarrbezirke aufgeteilt. Wer evangelisch oder katholisch ist, gehört zu einer Ortsgemeinde und da ist ein bestimmter Pfarrer, eine bestimmte Pfarrerin zuständig. Dieses Prinzip (sog. „Parochie“) lässt sich online nicht aufrechterhalten.“

Das stimmt. Und das ist auch gut so, finde ich erst einmal.

Es birgt Gefahren: Die Person, die online für Gläubige erreichbar ist, könnte überfordert werden und sich zu vielen Anfrage ausgesetzt fühlen. Na gut, aber dann: Hey, wie schön ist es, wenn Kirche angefragt wird. Wenn Kirche gefragt ist. Vielleicht ist es ja auch ein Argument dafür, die Ressourcen online aufzustocken – wenn es dort doch so eine große Nachfrage gibt? Und dann: Neben Gefahren hat es doch auch Chancen. Es gibt genug Bewegungen und Bestrebungen, enge Gemeindegrenzen zu überwinden. Ein Pfarramt der Zukunft kann kaum anders, mal in großen Städten sowieso. Da ist eine Digitale Kirche doch perfekt, um Vernetzung zu fördern.

7) „Bei Digitaler Kirche gibt es keine Autorisierung und keine offizielle Beauftragung – das können ja also alle machen.“

Das ist aus evangelischer Perspektive ja eigentlich nicht so das Problem: Evangelische machen doch sonst immer das Priestertum aller Gläubigen stark. Unschön wäre es allerdings, wenn sich Personen als bspw. Pfarrpersonen ausgeben würden. Das ist Betrug und führt zu Verwirrung. Hier sind aber letztlich die Landeskirchen gefragt: Wie könnt ihr eure Pfarrer*innen autorisieren und/oder unterstützen? Ich denke, wenn es gewollt ist, lässt sich hier eine Lösung finden. Solange bleibt Digitale Kirche eben eine Graswurzel-Bewegung. Ähnlich war es bei anderen kirchlichen Bewegungen. Bestes Beispiel: Notfallseelsorge.

Darüber hinaus ist die Beauftragung christlicher Menschen eine, die sich auf Jesus Christus gründet. Wenn wir zu etwas verpflichtet sind, durch den Glauben, dann dazu das Evangelium zu kommunizieren. Natürlich kann dieser Auftrag sinnvoll in kirchlichen Strukturen gelebt und bearbeitet werden. Daher sind Strukturen eine gute Sache. Diese Strukturen sollten aber nicht der Ermöglichung der Aufgabe, für die sie geschaffen wurden, im Wege stehen. 

8) „Datenschutz. Digitale Kirche kann keinen Datenschutz gewähren.“

Datenschutz ist ein hohes Gut. Ich bin sehr dafür. Allerdings möchte ich auch, dass sinnvolle, kirchliche Arbeit stattfinden kann. Datenschutz kann nicht der Grund sein, warum kirchliche Arbeit eingestellt wird. Unser oberster Auftrag ist es, das Evangelium zu verbreiten… ich fänd’s ganz gut, wenn Datenschutz erst an zweiter Stelle auf unserer Prioritätenliste käme. Damit will ich nicht sagen, dass ich Datenschutz sein lassen möchte!

Allerdings möchte ich die Frage dann anders stellen: Wie können wir Lösungen finden, sodass Datenschutz zusammengeht mit der Erfüllung unseres Auftrags das Evangelium zu verbreiten (und das auch online)? Vielleicht können wir mehr mit der Zustimmung derjenigen arbeiten, die wir kontaktieren (wollen). Auch bei Bildmaterial ist ja ein Einverständnis erforderlich, um es zu nutzen. Das heißt eben nicht, dass es gar nicht genutzt werden darf, sondern schlicht der Zustimmung bedarf.

9) „Digitale Kirche bleibt eh nur unter sich. Mehr als ein Hype von ein paar wenigen ist das nicht.“

Die Jesusbewegung war am Anfang auch erst einmal ein kleiner Kreis, der viel Aufregung verbreitet hat. Jede Bewegung muss klein starten und auf sich aufmerksam machen. Dass die Vernetzung und Außenwirkung noch lange nicht so gut ist, wie sie sein könnte – Geschenkt. Mein Gefühl ist aber, dass daran gearbeitet wird und gerade die Barcamps doch auch Möglichkeiten jedenfalls für eine Vernetzung eröffnen.

Ich vermute eine Unsicherheit, wer oder was diese Bubble eigentlich ist oder sein möchte; da bin ich mir manchmal auch nicht so ganz sicher. Ich lasse mich an der Stelle auch gerne berichtigen; wer Bescheid weiß, möge es mir bitte sagen. Bin sehr daran interessiert, dazu zu lernen.

Aber wenn ich von der vermuteten Selbstunsicherheit ausgehe, würde ich sagen, dass eine gewisse Flexibilität oder auch Fluidität am Anfang sehr hilfreich sein kann – und gar nicht nur negativ zu bewerten ist. Deswegen sehe ich da weniger Probleme als Chancen. Ich würde gerne zu einer Art „Start-Up“-Kultur ermutigen. Also: #DigitaleKirche und die, die sich dazu rechnen, sollen ausprobieren, wohin es gehen soll. Ausprobieren macht Spaß, es passieren auch Fehler, aber dann lernt man eben daraus.

10) „Social Media produziert flachen Content und basiert auf eitler Selbstdarstellung.“

Ich persönlich finde Einblicke in den Beruf sehr spannend. Egal ob es um Ärzt*innen oder Lehrer*innen geht. Es fördert das Verständnis und die Akzeptanz für den Beruf. Ich könnte mir vorstellen, dass es ähnliche positive Effekte für den Pfarrberuf, für die Gemeindepädagogik, für Kirchenmusik oder den Religionsunterricht gibt.

Und: Gesellschaftlich akzeptiert zu werden, erleichtert den Beruf doch sehr. Insofern empfinde ich „Selbstdarstellung“, wenn sie diesem Ziel dient, nicht als eitel.

Ob der Content flach oder „untheologisch“ ist, diese Frage ist etwas schwieriger gelagert. Eine summa theologica kann ich auf Twitter jedenfalls nicht veröffentlichen. Das liegt ja schon im Medium begründet, das von mir fordert, eine gewisse Kürze zu wählen.

Im Prinzip bin ich da wieder bei Vorwurf eins: Im Medium agieren, heißt eben sich gewissen Regeln des Mediums zu unterwerfen. Wenn ich Content nämlich nicht spannend gestalte und nur spröde, aber sachlich richtige Postings produziere, ist er in Social Media auch nicht so erfolgreich.

Auf der anderen Seite: Social Media kann für Leute, die sonst weitschweifige Predigten halten, eine Chance sein, mal etwas auf den Punkt zu formulieren. Viele Bibelworte sind kurz, ich würde sie aber trotzdem nicht als inhaltlich flach brandmarken. Im Gegenteil, mein Konfirmationsspruch aus dem Evangelium nach Markus (Kapitel 9, Vers 23) ist sehr kurz, er heißt: „Alle Dinge sind möglich, dem der da glaubt.“

So kann ich auch Twitterposts lesen: Es steckt mehr dahinter, ich kann mich tiefer damit beschäftigen, und dann ist es gut, dass mich der Post erst einmal zu einer Beschäftigung angeregt hat. Alles in der Theologie kann man eh nicht auf einmal sagen – und daran leiden doch viele Predigten auch, dass sie das trotzdem versuchen.

Ganz ist der Einwand damit für mich selbst nicht entkräftet und wirft mich letztlich auf mich selbst zurück: Wie kann ich Social Media so gestalten, dass es nicht nur „schick“ aussieht, sondern auch ein echter Ausdruck meines Theologietreibens dahintersteht? – Ich vermute, dass da nicht nur ein Problem des Mediums dahintersteht, sondern auch eine Krise von kirchlicher Theologie. Das sage ich nicht als Kritik oder Angriff, denn das ist leicht jemandem eine flache Theologie vorzuwerfen. Schwieriger ist es, eine substantielle Theologie in leichter Sprache zu formulieren, die sich weder zum Vorwurf machen muss, einfach nur einen Zeitgeist zu bestätigen noch der Versuchung erliegt, sich in einen fundamentalistischen Biblizismus zu flüchten. Aber dazu ein anderes Mal.

Mein Fazit:

Für mich überwiegen am Ende die Chancen gegenüber den Gefahren, die Digitale Kirche birgt. Meiner Wahrnehmung nach, ist das seelsorgerliche und homiletische Potenzial im digitalen Medium weder erkannt noch ausgeschöpft! Für mich als gläubige Christin gilt der Auftrag Jesu als das entscheidende Kriterium: Ich folge seinem Auftrag, das Evangelium zu kommunizieren. Davon erwarte ich mir nicht zahlenmäßig durchschlagenden Erfolg. Ich hoffe nur, dass viele die frohe Botschaft hören und dafür stelle ich mich gerne analog, persönlich und digital zur Verfügung. 

Eure Theotabea

 

 

Link und Copyright:

Gott im Digitalen dienen – die häufigsten 10 Einwände gegen Digitale Kirche und warum ich trotzdem dafür bin

Notizen zu Walter Benjamin, Christoph Fleischer, Welver 2019

Zuerst muss ich zugeben, dass mir Walter Benjamin ein unbeschriebenes Blatt war. Mir war der Name bekannt als Vertreter der Frankfurter Schule, hatte aber weder in der Schulzeit noch später im Studium und danach etwas von ihm gelesen. Erst als zu Beginn meiner Rezensionstätigkeit zunächst für das Deutsche Pfarrerblatt und danach für meine Homepage www.der-schwache-glaube.de das Buch „Kapitalismus als Religion“ auftauchte, kam dieser näher in den Blick. (https://www.kulturverlag-kadmos.de/buch/kapitalismus-als-religion.html).

-Walter Benjamin intorno al 1928 –Walter Benjamin Archiv, Akademie der Künste, Berlin; Info: https://www.globalrights.info/2016/09/on-a-day-this-week-walter-benjamin/

Dieses Buch enthält das genannte Fragment von Walter Benjamin und einige Artikel zur Diskussion seiner Thesen. 

Markus Chmielorz, seit dieser Zeit Mitarbeiter an der Homepage (s.o.), mit dem Interesse, Philosophie und Religion miteinander ins Gespräch zu bringen, hat Walter Benjamin immer wieder ins Gespräch gebracht, so durch einen Reiseeindruck des katalanischen Port-Bou, des Todesorts Benjamins, der auf seiner Flucht in die USA dort zurückgewiesen worden ist und zurück ins besetzte Frankreich hätte fahren müssen. „Notizen zu Walter Benjamin, Christoph Fleischer, Welver 2019“ weiterlesen