Predigt über Matthäus 15, 21-28, Christoph Fleischer, Welver 2015

Predigt über Matthäus 15, 21-28 (wird am 27.09.2015 in Möhnesee-Günne und Soest-Meiningsen gehalten)

Das Vertrauen einer nichtjüdischen Frau (Gute Nachricht Bibel)

Jesus verließ die Gegend und zog sich in das Gebiet von Tyrus und Sidon zurück. Eine kanaanitische Frau, die dort wohnte, kam zu ihm und rief: »Herr, du Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! Meine Tochter wird von einem bösen Geist sehr geplagt. «

Aber Jesus gab ihr keine Antwort.

Schließlich drängten ihn die Jünger: »Sieh zu, dass du sie loswirst; sie schreit ja hinter uns her! «

Aber Jesus sagte: »Ich bin nur zum Volk Israel, dieser Herde von verlorenen Schafen, gesandt worden. « Da warf die Frau sich vor Jesus nieder und sagte: »Hilf mir doch, Herr! «

Er antwortete: »Es ist nicht recht, den Kindern das Brot wegzunehmen und es den Hunden vorzuwerfen.«

»Gewiss, Herr«, sagte sie; »aber die Hunde bekommen doch wenigstens die Brocken, die vom Tisch ihrer Herren herunterfallen. «

Da sagte Jesus zu ihr: »Du hast ein großes Vertrauen, Frau! Was du willst, soll geschehen. « Im selben Augenblick wurde ihre Tochter gesund.

 

Liebe Gemeinde,

 

Wozu glauben? Glauben, so wie Jesus das Wort gebraucht, ist kein Wissenszeugnis und auch keine Einstellungsprüfung. Glaube ist vielmehr ein Lebensvollzug. Viele Menschen kommen Jahrzehnte ohne den Glauben aus und geraten dann doch einmal in eine Situation, die ihnen die Notwendigkeit des Glaubens vor Augen führt. Das können persönliche Schicksalsschläge sein, aber auch Krankheitserfahrungen. In unserer Geschichte ist es eine kanaanäische Frau, die das so erlebt und hier auch in der Erzählung vorführt.

Jesus tritt demgegenüber sozusagen fast zurück, obwohl auch er handelt, sogar sehr deutlich. Hier wird gezeigt, dass der andere Mensch durch den Glauben einer Person bereichert oder verändert werden kann. Jesus wusste von dieser Geschichte an, dass er nicht nur für die Mitglieder des Volkes Israel gekommen war, sondern für alle Menschen, so wie wir es ohnehin annehmen. Ein Evangelium für alle Völker zu verkünden, darauf wäre Jesus wohl vorher so gar nicht gekommen. Er bezog sich allein auf die Israeliten, genauer: die „verlorenen Schafe des Hauses Israel“ (nach Luther). Aber wenn schon verlorene Schafe, warum dann nicht auch Andere? Dass die Frage auf der Hand liegt, zeigt das Verhalten der kanaanäischen Frau. Die Bibel erzählt wie üblich im Telegrammstil. Hier müssten noch viel mehr Informationen her. Woher kam die Frau genau? Wann hat sie von Jesus erfahren? Für wen hielt sie ihn eigentlich? Welche Krankheit hatte ihre Tochter genau? Überhaupt ist die Szene ein wenig unklar. Sie kommt zu Jesus, begegnet aber gleichzeitig den Jüngern. Wie kann man sich das vorstellen? Im Freien oder in einem Haus? „Predigt über Matthäus 15, 21-28, Christoph Fleischer, Welver 2015“ weiterlesen

Glaubensgedanken lesen und aufschreiben, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2015

Zu: Uwe Metz (Hg.): Woran glaubst Du? Bekenntnisse heller Köpfe, wacher Geister und tiefer Seelen, Verlag und Buchhandlung der Evangelischen Gesellschaft GmbH, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-945369-00-5, Preis: 14,95 Euro

PatternDas kleine Taschenbuch hat 112 Seiten Text „Woran glaubst du?“ und 48 leere Seiten zum Stichwort „Daran glaube ich!“ Die eigenen Notizen zum Glauben können auf die passende Homepage hochgeladen oder in einen Facebook-Kommentar hineingesetzt werden (www.woran-glaubst-du.info). Ausgehend vom Namen des Verlages und der herausgebenden Redaktion des Evangelischen Gemeindeblatts erstaunt die Vielfalt der Antworten der zumeist prominenten oder profilierten Männer und Frauen, die der Aufforderung gefolgt sind, ihre Meinung zum Glauben zu Papier zu bringen. Christliche Liedermacher neben Pastorinnen und Pastoren, aber auch Politiker, Schauspielerinnen, Kabarettisten, Unternehmer und Künstler haben sich beteiligt, 20 Frauen und 28 Männer. Bei den meisten wird das Wort „Glaube“ wie im Titel verbal aufgefasst, einige wenige, eine deutliche Minderheit, referieren eine Kurzfassung des kirchlichen Glaubensbekenntnisses. Erstaunlich ist die Vielfalt der Antworten, die immer persönlich an den eigenen Erfahrungen anknüpfen. Fakt ist: Der Glaube geschieht heute als ein möglicher Aspekt des Lebensvollzugs, sei es in der Form von Sinnfindung oder ethischer Orientierung. Kein Wunder, dass hier auch eine Orientierung am Buddhismus nicht ausgeschlossen ist. Evangelisch von Gott reden heißt hier mehrheitlich, ein Erfahrung bezeugen, einen persönlichen Bezug finden und darstellen, nicht ohne Bezug zur Bibel oder Kirche, aber keinesfalls im Sinn von Ableitung oder Schlussfolgerung des eigenen aus der Tradition. Eine Begründung wie, die Bibel sagt A und ich glaube daher B, gibt ist selten. Eher ist die Frage, wie das Gottesbild Jesu aus unseren Alltag anwendbar ist. „Glaubensgedanken lesen und aufschreiben, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2015“ weiterlesen

Predigt über Johannes 20, 19-29, Christoph Fleischer, Welver 2015

Johannes 20, 19-29, Quasimodogeniti 2015, Gehalten in Meiningsen

19Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch!

20Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen.

21Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.

22Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist! 23Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.

24Thomas aber, der Zwilling genannt wird, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam.

25Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich’s nicht glauben.

26Und nach acht Tagen waren seine Jünger abermals drinnen versammelt und Thomas war bei ihnen. Kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und tritt mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch!

27Danach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!

28Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott!

29Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich gesehen hast, Thomas, darum glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!

Liebe Gemeinde,

heute halte ich eine Predigt über diesen Text mit einem Gedicht von Annette von Droste-Hülshoff aus ihrem Gedichtzyklus: Das geistliche Jahr. Sie hat zu dem jeweiligen Bibeltext des Sonntages ein Gedicht geschrieben, ein Jahr lang. Das Gedicht für den ersten Sonntag nach Ostern passt zu dem von uns gelesenen Predigttext aus dem Johannesevangelium.

125883PAnnette von Droste-Hülshoff:

Am ersten Sonntage nach Ostern

(Quelle: http://www.lwl.org/LWL/Kultur/Droste/Werk/Lyrik/GeistlicheGedichte/OsternundEins)

Evang.: Jesus geht durch verschlossene Türen und spricht: „Der Friede sei mit Euch!“

Und hast du deinen Frieden denn gegeben
An Alle, die dich sehnen um dein Heil,
So will ich meine Stimme auch erheben:
Hier bin ich, Vater, gib mir auch mein Teil!
Warum sollt‘ ich, ein ausgeschloßnes Kind,
Allein verschmachtend um mein Erbe weinen?
Warum nicht sollte deine Sonne scheinen,
Wo doch im Boden gute Keime sind? „Predigt über Johannes 20, 19-29, Christoph Fleischer, Welver 2015“ weiterlesen

Von vorhandenen Glaubenssystemen und ihrer kompletten Erneuerung, Rezension von Gerhard Kracht, Recklinghausen 2014

Zu: Andrea Gardner, Ändere deine Worte und du änderst deine Welt, J. Kamphausen Verlag Mediengruppe, Bielefeld, 2014, ISBN 978-3-89901-702-1, Preis: 16,95 Euro
Die Filme
Das Buch basiert auf der Videosequenz der Autorin Andrea Gardner. Der knapp zweiminütige Film „The Power of Words“ ist konkrete Handlungsanweisung des besprochenen Buches.
https://www.youtube.com/watch?v=Hzgzim5m7oU 
In dieser kurzen Sequenz demonstriert die Autorin, wie mit Worten innere und äußere Welten verändert werden können. Der 2. Teil des Films „the power of words“ baut auf das Vermögen des Einzelnen auf, mit Worten Hindernisse aus dem Wege zu räumen.
https://www.youtube.com/watch?v=jnwQYwAnud4.
9783899017021Frieden entsteht von selbst, indem der Einzelne mit Worten, das eigene Bewusstsein neu konzipiert. 
Das Buch
 „Ändere deine Worte, dann änderst du deine Welt!“ enthält die Ausführungsbestimmungen für den eigenen weiteren Visualisationsprozess beider Videos. 
 „Von vorhandenen Glaubenssystemen und ihrer kompletten Erneuerung, Rezension von Gerhard Kracht, Recklinghausen 2014“ weiterlesen

Gotteserfahrung im Glauben, Rezension von Christoph Fleischer, Werl 2014

Zu: Reinhard Marx: glaube!, Kösel-Verlag München 2013, ISBN 978-3-466-37084-9, Preis: ?

Sicherlich kann man nicht behaupten, dass der Erzbischof und Kardinal, der jetzt zum Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz gewählt worden ist, ein nicht-theistisches Gottesbild vertritt. Aber er richtet sich gegen vollmundiges Gotteswissen seitens der Kirche. Die schon aus der Bibel bekannte negative Theologie gibt hier eine Richtung vor, die Gott nicht absolut aus dem Wissen einer höheren Macht ableiten will, sondern als Glaubenserfahrung versteht. Gott ist anders und niemand kann Gott direkt begegnen. Allerdings wird sich Gott kleinmachen, wird Mensch. Vielleicht kann man sagen, dass an die Stelle der Erlösung die Menschwerdung Gottes tritt. Wichtiger als das Was des Glaubens ist das Wen, die Beziehungsebene.

„Gotteserfahrung im Glauben, Rezension von Christoph Fleischer, Werl 2014“ weiterlesen