Die Unverfügbarkeit Gottes. Beobachtungen zur Dekonstruktion des Christentums bei Jean-Luc Nancy im Text „Die undarstellbare Gemeinschaft“. Christoph Fleischer, Werl 2012

Vorbemerkung

 

Es ist sinnvoll, den Text „Die undarstellbare Gemeinschaft“ von Jean Luc Nancy vor dem Hintergrund von Postmoderne und Dekonstruktion, der 1985 in französischer Sprache, 1988 ins Deutsche übersetzt, erschienen ist, einer erneuten Lektüre zu unterziehen. Dabei versuche ich, dem Text zu folgen und Kernaussagen herauszustellen. Nancy hat 2008 in deutscher Übersetzung das Buch „Dekonstruktion des Christentums“ veröffentlicht, worin Texte von 1995 – 2005  enthalten sind. Die Tatsache, dass der Text aus dem Jahr 1985 in den gleichen Zusammenhang gehört, verdanke ich einem Hinweis von Prof . Hans-Joachim Lenger aus Hamburg, der mir in einer E-Mail vom 28.12.2011 aufzeigte, dass der Text eingescannt wurde und im Internet unter der Rubrik „Seminar-Reader“ frei zugänglich ist.[1] Die Frage nach einer „Dekonstruktion des Christentums“ hat für mich im Gegensatz zu Jean Luc Nancy die Bedeutung, das Christentum aus der Ummantelung durch eine hierarchisch-patriarchale Metaphysik herauszulösen und somit für heute lesbar zu machen. Daher zeige ich parallel zur Lektüre Querverbindungen zum Christentum oder zur christlichen Theologie auf oder weise darauf hin, dass Jean Luc Nancy solche Bezüge herstellt. Für ihn sind dies allerdings noch Nebenmotive, da er sich in der Hauptsache dem Begriff des Kommunismus stellt. Damit ist, soweit ich erkenne, nicht die Struktur des damals noch in Europa vorhandenen „real existierenden“ Kommunismus gemeint, sondern eher der Inhalt kommunistisch-sozialistischer Weltanschauung auf der Grundlage von Karl Marx, der dazu zitiert wird. Die Frage ob der Begriff „Kommunismus“ inhaltlich auch noch heute, nach 25 Jahren, seine Gültigkeit hat, wird damit nicht beantwortet. Diese Frage bleibt in diesem Text offen, da die Blickrichtung in meiner Wahrnehmung auf die „Dekonstruktion des Christentums“ zielt. Womit der Begriff der „Gemeinschaft“ also keinesfalls durch das Wort „Kommunismus“ einfach ersetzt wird. Das Wort ist nur ein weiteres Beispiel dafür, wie dieser Begriff verwendet werden kann. Es steht m. E. außer Frage, dass der Begriff „Gemeinschaft“ mit Grundinhalten der christlichen Tradition in enger Verbindung steht. Zusätzlich möchte ich darauf hinweisen, dass ich zwischen den Worten „Gemeinschaft“ und „Gemeinschaftsidee“ oder „Begriff der Gemeinschaft“ keinen Unterschied sehe, da ich philosophische Texte grundsätzlich als Abhandlungen über Begriffe verstehe. Wirklichkeiten kommen m. E. nur soweit in den Blick, als dass sie von Begriffen evident gedeckt sind. Auf der Ebene der theologischen Begrifflichkeit steht dem Begriff „Gemeinschaft“ das Wort Gott gegenüber.  Daher habe ich schon mit der Formulierung des Titels „Die Unverfügbarkeit Gottes“ ohne weitere Argumentation zeigen wollen, dass sich die Bearbeitung der Gemeinschaft auf den Gottesbegriff beziehen lässt und dass „undarstellbar“ oder „entwerkt“ die Vorstellung von Unverfügbarkeit berühren. Der Begriff “Unverfügbarkeit“ stammt nicht aus dem Wortschatz von Jean Luc Nancy. Mir ist bewusst, dass ich damit die Linie Jean Luc Nancys selbst verlasse und in soweit zu ihr in Gegensatz trete, da dieser das Christentum mit der Dekonstruktion desselben für beendet ansieht, was ich so nicht sehe. Das heißt allerdings nicht, dass ich der Argumentation Nancy in wesentlichen Punkten nicht folge – er würde sie allerdings auf das Phänomen der Säkularität beziehen. Daher wird im folgenden Aufsatz, der sich eng an den o.g. Text anlehnt, die Formulierungsweise Nancys in der inzwischen vergriffenen deutschen Übersetzung des Buches „La communauté désoeuvrè“[2] zum Teil beibehalten, weil die dekonstruktive Argumentation sehr eng mit der Sprache verknüpft ist. Die Worte erklären sich gegenseitig und werden in ein sprachliches Netzwerk überführt. Dass dieses Netzwerk innerhalb eines philosophischen Diskurses funktioniert, wird untermauert und der Transfer, wie üblich, den Leserinnen und Lesern überlassen.

 

Das Ende der Gemeinschaftsidee.

 

Die Frage, was auf die Idee der Gemeinschaft folgt, betrifft nicht nur die Philosophie oder vielleicht die Soziologie. Der Text verweist auf die Gesellschaft und somit auch die europäische Geschichte nicht nur auf der Ebene der Philosophie, sondern ebenso auf der religiösen Ebene. Zunächst muss aber (von Nancy her) klar sein, dass es, auf welcher Ebene auch immer, weder Denkverbote noch Einengungen gibt. Wenn es also schon immer, trotz aller Berechtigung,  ein wenig merkwürdig schien, etwa die Bibel auf einen „roten Faden“, also auf eine im Sozialismus endende Botschaft –Nancy spricht durchweg von „Kommunismus“- zu fixieren, wie es die politische Theologie und die „Theologie der Befreiung“ zu tun pflegt, so ist die christliche Religion andererseits keinesfalls auf eine individuelle Heilsbotschaft zu beschränken (zur Kritik des Individuellen dann später). Auch in der Ethik spielt der Gedanke der Gemeinschaft keine kleine Rolle. Auf alle metaphorischen Gestalten der Gemeinschaft wie Familie, Volk Gottes, Gemeinde, Kirche und die Verkündigung dieser Metaphern ist die Frage anzuwenden, warum die Gemeinschaft nicht darstellbar oder entwerkt, nicht herstellbar geworden ist. Darstellbarkeit und Entwerkung bzw. Herstellbarkeit sind auf begrifflicher Ebene identisch. Mit dem Begriff der Darstellbarkeit spielt die Übersetzung wohl auf den zweiten Teil über den „Mythos“ an, wobei dann Mythos als Darstellung von Gemeinschaft zu definieren wäre. Inwiefern Nancy dieser Einstellung entspricht, wird dann in der Bearbeitung des zweiten Abschnitts deutlich. Die Anwendung der Gedanken zur Gemeinschaft auf den Gottesbegriff erschließt sich im Lauf des Textes dadurch, dass im Text Nancys alle begründenden begrifflichen, weltanschaulichen Institutionen[3] für jede Form von Gemeinschaft einbezogen sind, wozu der Gottesbegriff zweifelsohne gehört. Die Argumentation Nancys setzt beim Modell des „Kommunismus“ an. Später jedoch kommt neben der Gemeinschaft die Mythologie in den Blick, wodurch letztendlich der Blick auf die Religion ermöglicht wird. Nancy selbst streift die Religion hin und wieder, ohne dabei stehen zu bleiben.[4] Einerseits bleibt der folgende Essay sehr nah am Text Nancys, andererseits schlägt er Brücken zur christlichen Religion und Theologie.

 

Erster Teil: „Die entwerkte Gemeinschaft“[5]
Wie schon bei einer politischen Idee (und nicht nur dort) ist es keine gute Sache, angesichts des Endes der Gemeinschaft mit der Schuldfrage zu operieren. Menschen, die an institutionellen Gestalten einer überholten Gemeinschaftsidee festhalten, neigen dazu, von Verrat zu sprechen und die Entwicklung der Gesellschaft über das Ende der Idee hinaus zu ignorieren. In diesem Fall offenbaren sich in der Regel starre, metaphysische Denkwege oder gar Denkverbote, die angesichts der heutigen Situation unangemessen erscheinen. Die Immanenz als das „Menschliche“ wird von Nancy als eine Frage nach Gemeinschaft interpretiert: Dass in politischer Hinsicht die Immanenz, also die den Menschen betreffende Form nach Gemeinschaft fragt, muss die Theologie nicht tröstlich stimmen, da die aufgeworfenen Fragen nicht einfach mit einer negativen Anthropologie (Erbsündenlehre) beantwortet werden können.

 

Singularität statt Individualität.

 

Die Lösung besteht keinesfalls darin, den Menschen lediglich als Individuum zu denken, da sich dieser Begriff von dem der Gemeinschaft ableitet, wie Nancy an späterer Stelle zeigen wird, und dennoch die „abstrakte Form einer Zerlegung“ (S.5) ist. Das Individuum erfährt den Tod als Grenze. Die Einzelnen sind nicht ohne eine Welt zu denken, wobei die Kategorie des Absoluten ins Spiel kommt, da es eine Kategorie der Metaphysik ist, mit der sich dieser Gedanke auseinandersetzen muss. Nancy deutet den Begriff des „Absoluten“ allerdings von seiner lateinischen Grundbedeutung her als das „Losgelöste“. Da es losgelöst ist, darf es nicht in eine Beziehung verstrickt sein, und so dies geschieht, muss das Absolute diese (unzulässige) Verbindung zurückweisen.[6] Daraus folgt: Das Absolute jedoch kann nicht über eine Beziehung begründet werden. Somit kann die Menschheit nicht endgültig als ihre Gesamtheit „jenseits von Beziehung und Gemeinschaft“ (S. 7) begründet werden. Es ist angesichts dieser aporetischen Argumentation, in der grundlegende Begriffe einander ausschließen, nicht Gott, der als Inbegriff der Frage nach dem Sinn bezeichnet werden muss. Wobei Nancy mit Georges Bataille[7] feststellt, dass diese Frage „die menschliche, göttliche Existenz ganz tief in die Dunkelheit ohne Wiederkehr eindringen läßt“ (Bataille, Georges: V, S.127-138, zit. n. ebd., S. 8). Bei  Nancy kommt in Orientierung an Bataille die Kategorie der Ekstase in den Blick, womit wohl eine Extremerfahrung gemeint ist, die in religiöser Hinsicht zu beurteilen ist. An Kierkegaard erinnert die Beobachtung, dass menschliche Wesenserfahrung sowohl von Zerrissenheit zwischen der „Totalität der Dinge“ und dem „Sein“ (S.8) bestimmt ist. Das „Absolute“ steht in einer „Beziehung zu[8] seinem eigenen Sein“ (S.8), so stellt Nancy fest, wodurch -wie bei Kierkegaard- das Selbst sich als Beziehung bestimmt.[9] Nancy macht nun deutlich, dass sich angesichts des ausgefallenen Gemeinschaftsbegriffs, der auch den Begriff der Individualität zerstört, die Frage der „Singularität“ stellt: „Was sind ein Körper, ein Gesicht, eine Stimme, ein Tod, eine Schrift…?“ (S. 9).

 

Die Frage der Gemeinschaft.

 

Die Elemente des Menschseins wollen nun begrifflich erfasst werden. An dieser Stelle wird deutlich, dass genau diese Frage von Karl Marx (dem Begründer des Kommunismus)[10] weitgehend ausgeblendet worden ist, womit sich eben der Kommunismus selbst als Metapher untauglich macht. Das Scheitern seines politischen Konzepts macht es aber geradezu nötig, die Frage nach der Gemeinschaft erneut zu stellen. Hierzu richtet Nancy zunächst den Blick auf die Entstehung des bürgerlichen Subjekts, worin sich die Gemeinschaft quasi spaltet in Menschen als Einzelgänger und als bürgerliche Teile einer „freien souveränen Gemeinschaft“ (S.12), wobei jeder die eine und dann auch wieder die andere Rolle spielt. Die Frage, die sich nun stellt und den Blick auf die christliche Religion und ihre Gestalten und Traditionen eröffnet, ist die, ob die Metapher der zerstörten Gemeinschaft nicht ein Grundgedanke der religiösen Tradition ist und sich von daher in die Gegenwart hinein auch oft ohne Bezug auf die Religion entfaltet. Ist die „lebendige Darbietung ihrer eigenen Einheit“ (S. 13) nicht etwa auch eine Beschreibung des Abendmahls, wie es in der Formulierung des „Einswerdens ihrer selbst mit ihrem eigenen Wesen“ (S.13) aus der Sicht der Bibel um die Gegenwart Gottes geht (Apostelgeschichte 17, 28: „In ihm leben, weben und sind wir“…). In Worten Nancys: „Die Gemeinschaft könnte also durchaus sowohl der älteste Mythos des Abendlandes als auch der durch und durch moderne Gedanke der Teilhabe der Menschen am göttlichen Leben sein: Es ist dies die Vorstellung vom Menschen, der in die reine Immanenz eindringt.“ (S. 14).

 

Die Menschwerdung des Göttlichen.

 

Diese Immanenz kann als Auferstehung gedeutet werden, die „den Menschen als auch Gott eine gemeinsame Immanenz zurückgibt“ (S. 14). Die oft so gottlos erscheinende Säkularität formuliert Metaphern der Gegenwart Gottes in den Begriffen „Gemeinschaft, Tod, Liebe, Freiheit“ (ebd.). Diese Beobachtung ist allerdings kein Grund, sich in einen religiös-sozialen Idealismus zu flüchten. Denn Jean-Luc Nancy dreht im Folgenden diese Erkenntnis geradezu um: „Das christliche, das moderne, humanistische  Bewusstsein vom Verlust der Gemeinschaft könnte vielleicht tatsächlich nichts anders sein als die transzendentale Illusion einer Vernunft, die die Grenzen der ihr möglichen Erfahrung überschreitet…“ (S. 15). Zurückgekehrt zum historischen Modell der Entstehung der Moderne gelangt Nancy nun zur Feststellung: „Die Gesellschaft ist nicht aus dem Zusammenbruch einer Gemeinschaft entstanden.“(ebd.). Wenn aus zeitgenössischer Sicht ein Zusammenhang mit dem „Phantasiegebilde von der verlorenen Gemeinschaft“ nun der Verlust der „Immanenz und die Vertrautheit einer Einswerdung“ (S. 16) vermisst wird, so scheint hier, theologisch-religiös gesprochen, der Verlust der Erfahrung Gottes auf, der aber nun im Text von Nancy mit dem Ereignis des menschlichen Todes korrespondiert: Im Tod gibt es „keine Gemeinschaft und keine Kommunikation“ (ebd.). Dass der Tod ein Zustand der Gott-Ferne ist, wird auch in einigen Psalmen der Bibel ausgesagt, wie in Psalm 6, 6: „Denn im Tode gedenkt man deiner nicht; wer wird dir bei den Toten danken.“ Oder in Psalm 22, 2 in der Todesnähe: „Mein Gott, mein Gott, warum  hast du mich verlassen?“

 

Die Aufhebung des Todes existiert nicht.

 

Wer also in der Konstitution der Gemeinschaft den Tod ignoriert, so ist Nancy wohl zu verstehen, vollzieht gleichzeitig so etwas wie kollektiven Selbstmord, wie im Nationalsozialismus geschehen, womit wohl die Erfahrung des sinnlosen 2. Weltkriegs, der nicht als zu gewinnender Krieg geführt wurde, sondern um den ideologisch gewollten Völkermord im Sinn Hitlers umzusetzen. Für Deutschland an sich, kann man diesen Vorgang als kollektiven Selbstmord bezeichnen. Dieses Argument macht gleichzeitig deutlich, dass Nancy nicht an einer Ideengeschichte interessiert ist, sondern wohl im Sinn der Dekonstruktion gedankliche Modelle in den Zusammenhang historischer Ereignisse oder gegenwärtiger Entwicklungen stellt. Zugleich verallgemeinernd stellt Nancy fest, erneut die Gedanken über den Tod aufgreifend, dass die „menschliche Immanenz“ eine „Todesgemeinschaft“, ja „eine Gemeinschaft von Toten“ (S. 17) ist. Er dekonstruiert das Christentum, indem er die Aufhebung des Todes (durch Christus) nun in nicht-religiöser Sprache beschreibt: „Das will heißen, dass der Tod hier nicht der unbeherrschbare Exzess der Endlichkeit, sondern die unendliche Vollendung eines immanenten Lebens ist; es ist der Tod selbst, der hier der Immanenz überantwortet wird, und gerade diese Aufhebung des Todes hat sich die christliche Kultur, als wolle sie damit ihre eigene Transzendenz verschlingen, letztlich zum höchsten Werk erkoren.“ (ebd.). Doch da sich lediglich der einmalige „singuläre“ Tod ereignet, existiert die „Aufhebung des Todes“ in der Realität nicht. Die moderne Gesellschaft hat dem Tod lediglich den Sinn in der Geschichte gegeben und ihn an die Gemeinschaft geknüpft. Der außerhalb des Todes im Leben befindliche Sinn liegt daher außerhalb der Gemeinschaft. Der Tod ist damit das Grundmotiv der Metaphysik. Kein Mensch kann so sprechen: „Ich bin tot.“ Hier ist Heideggers Philosophie aufgenommen, die in der gedanklichen Begegnung mit dem Tod zeigt, dass „Ich“ kein „Subjekt“ ist, da es o. g. Satz nicht aussprechen kann. Logisch gefolgert heißt es bei Nancy: „Was kein Subjekt ist, eröffnet und öffnet sich eine(r) Gemeinschaft, die zu denken, wiederum alle Möglichkeiten einer Metaphysik des Subjektes übersteigt.“ (S. 19). Der Tod führt nun in der Tat zur Entdeckung der Gemeinschaft, was zumindest die unmittelbare Trauer auch offenbart, die in einer Todesanzeige, einer Trauerrede u. ä. dem oder der Verstorbenen seinen/ihren Ort in der Gemeinschaft (quasi nachträglich) zuweist, soweit er/sie diesen vor seinem Tod auch realisiert hat. Daraus folgt in den Worten Nancys als Definition so etwas, was dann einen kategorischen Imperativ nach sich zieht: „Die Gemeinschaft ist das, was stets durch und für den anderen geschieht.“ (S. 20) An dieser Stelle zieht Nancy keine Parallelen zum Christentum, obwohl sich der Gedanke angesichts der zentralen Stellung des Gekreuzigten im christlichen Glauben geradezu aufdrängen müsste, so dass Kirche dann nichts anderes ist als das Bekenntnis zum getöteten Jesus Christus. Dass die Gemeinschaft damit ihren Mitgliedern die Endlichkeit vor Augen hält, wie Nancy es feststellt, ist ebenso kein Widerspruch zum Bekenntnis der Auferstehung, die als Darstellung der Immanenz der Verstorbenen fingiert, in Gott, mit Gott, durch Gott als dem Garanten der Gemeinschaft. Nancy orientiert sich mit Worten Batailles allerdings wieder am Kommunismus der Dreißigerjahre des letzten Jahrhunderts und sieht sogar in der fanatischen Gemeinschaftsidee des Faschismus „ein letztes heftiges Aufbäumen des Christentums“ (S. 22) – wohl aber gegen dessen Intention, indem er die Vision von der „Einswerdung“ zu verwirklichen suchte. Insofern setzt Nancy hier aber das Christentum mit seiner metaphysischen Gestalt gleich, wie das schon Friedrich Nietzsche vorgedacht hat. In einem Exkurs wird daraufhin die Sinnlosigkeit, ja sogar die Menschenverachtung des religiösen Opfer-Gedankens gezeigt, noch nicht einmal als Gedanke des Opfers Christi, sondern als Opfer des Einzelnen für die Gemeinschaft, wie z. B. in der Kriegsrhetorik des Faschismus im 2. Weltkrieg.

 

Die Unterbrechung des Selbst-Bewusstseins.

 

Die Lektüre Batailles führt auf die Unmöglichkeit der Gemeinschaft zurück. Hier taucht zum ersten Mal das Wort „Unterbrechung“ auf, das nach Nancy die Gemeinschaft die „Unterbrechung des Selbst-Bewusstseins“ (S.26) ist. Der Gegensatz zur Gemeinschaft ist für Nancy, Bataille folgend, die subjektive Souveränität der Liebenden und des Künstlers“ (S. 28). Es ist in diesem Zusammenhang vielleicht verständlich, wieso der westliche Import von Gesellschafts- und Demokratie-Ideen in andere Ländern sowohl zum Aufbrechen alter Konflikte, als auch zu neuen bürgerkriegsähnlichen Machtkonstellationen führt. Es geht hier zwar nicht darum, der Demokratie grundsätzlich die Fähigkeit abzusprechen, Gesellschaft zu organisieren, doch hat folgende Aussage nichts an Aktualität verloren: „Wir begreifen vielleicht, daß es nicht mehr darum gehen kann, einem gemeinschaftlichem Wesen Gestalt oder Form zu geben, um es uns darzubieten und um es zu feiern; vielmehr geht es darum, die Gemeinschaft zu denken, das heißt jenseits von irgendwelchen kommunitären Entwürfen oder Modellen die drängende und vielleicht noch immer unerhörte Forderung nach Gemeinschaft zu denken.“ (S. 30). Es ist zu überprüfen, ob die Behauptung Nancys, von Gemeinschaft sei heute nicht mehr die Rede, sich in den letzten 25 Jahren weiterhin bewahrheitet hat.

 

Singularität.

 

Das Denken des Subjekts und das der Gemeinschaft sind nach Nancy inkompatibel. Das heißt jedoch nicht, dass auch die Kommunikation ausfallen würde. An die Stelle der Einswerdung, die die Idee der Gemeinschaft darstellt, tritt die Beschreibung der Grenze. Es geht nicht mehr um eine Erfahrung der Verschmelzung, sondern vielmehr wird an der Grenze die Erfahrung des Diskurses und der Kommunikation gemacht. Die Gemeinschaft, die sich an der Grenze des Todes verdeutlicht, ist eine „Gemeinschaft endlicher Wesen und als solche ist sie selbst endliche Gemeinschaft“ (S.35).

 

Endlichkeit und Gemeinschaft.

 

Das Individuum dagegen befasst sich nicht mit seiner Grenze und ist fiktiv unendlich. Mit diesen kurzen Gedanken beschreibt dieser Abschnitt sozusagen fast beiläufig die Krise der Globalisierung unter der vorherrschenden Wachstumsideologie. Erneut betont Nancy die Verabschiedung des Individuums durch die Singularität, die „kein Werk“ ist, noch aus „einem Wirken“ (S.36)  hervorgeht.
Nancy sieht also von der Krise der Gemeinschaft die Idee des Individuums gleichermaßen berührt. Dabei fällt erneut eine Parallelität zur christlichen Theologie auf, mit der beispielsweise Paulus im Römerbrief aus einer allgemeinen Kritik der Gesetzesidee folgert, es gebe vor Gott kein Ansehen der Person (Römer 2, 11). Es sollte bei Nancy eine Warnung davor herausgehört werden, die Vorstellung des Individuums zu überfrachten. Aus der Singularität folgt keine Vereinzelung, sondern die Existenz der Personen im „immateriellen und materiellen Raum“, sowie zugleich die Erfahrung „der Grenzen anderer Singularitäten.“ (S. 37). Die Erfahrung des Anderen ist die Erfahrung seiner und ihrer Grenzen und diese schließt die Endlichkeit ein.  Nancy schreibt: „Die Endlichkeit schreibt das Wesen des Seins, insofern es Endlich-Sein ist, a priori als Mit-Teilung der Singularitäten ein.“ (ebd.). Dieser Satz erinnert Bibelleser unwillkürlich an Worte aus dem 90. Psalms: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ (Psalm 90, 12).  Nun folgt fast so etwas wie eine Neudefinition des Begriffs der Gemeinschaft als eine Art „ontologische ‚Sozialität‘“ (ebd.), die nicht im Einswerden aller erfüllt wird. Es ist die Frage, ob das In-Gesellschaft-Leben schon eine anthropologische Konstante genannt werden kann.

 

Kommunikation.

 

An Derridas Vorstellung vom „Ereignis“[11] erinnert, dass Gesellschaft bei Nancy nun eben nicht als ein Sein erfahren wird, sondern als Ereignis -im Phänomen- der Kommunikation, die an die Stelle der Einswerdung tritt. Kurz gesagt: Die Endlichkeit der Menschen existiert als Kommunikation. Die Endlichkeit erscheint und wird zum Phänomen. Sie wird als das singuläre Sein in der menschlichen Erfahrung kommuniziert, mitgeteilt, was immer schon zu einem Anlass der gegenseitigen Anrufung wird. Indem die Kommunikation die Singularitäten quasi an das Vorhandensein mehrerer Singularitäten koppelt, kommt nun erneut ein Teil des Gemeinschaftsbegriffs zum Tragen, der darin besteht, „daß die Endlichkeit zusammenerscheint und nur zusammen-erscheinen kann,… sich zu mehreren darstellt und daß sich die Endlichkeit stets im Gemeinsam-Sein und als dieses Sein-selbst darstellt…“ (S.38). Das Gesetz als „Urteil der Gemeinschaft“ (ebd.) ist also ein Teil der Kommunikation, womit sich erneut die Argumentation des Paulus im Römerbrief in Verbindung bringen ließe. Vielleicht kann man von daher sogar sagen, dass das Gesetz konstitutiv für die Gemeinschaft ist und zugleich den einzelnen Menschen ihre Persönlichkeit und Singularität verdeutlicht, woraus folgt, dass das Gesetz dazu dient, die menschliche Singularität zu zeigen. Das Thema der Dekonstruktion des Christentums taucht also bei Nancy auch an Stellen auf, an denen er damit gar nicht explizit argumentiert. Unter modernen  Gesichtspunkten muss in diesem Zusammenhang von Kommunikation Rede sein, die Ereignis ist und nicht zu einem „sozialen Band“ (S.39) stilisiert werden sollte.

 

Zwischen.

 

Allerdings hat die Kommunikation die Funktion, einen Raum zu offenbaren, den es eigentlich gar nicht gibt, das Zwischen: „Komparenz“, so nennt Nancy dies, ereignet sich in ihr, der Kommunikation: „Sie besteht im Erscheinen des Zwischen als solchem: du und ich (das Zwischen-uns); in dieser Formulierung hat das und nicht die Funktion des Nebeneinandersetzens, sondern die des Aussetzens.“ (ebd.). Die Kommunikation zwischen Singularitäten setzt auch keine eventuelle gemeinsame oder vergleichbare Innerlichkeit voraus. Von einer Zerrissenheit ist die Rede, die darin besteht, „dem Draußen ausgesetzt zu sein“ (S. 40). Dieses Draußen ist nach Nancy auch der Ort der Sprache, die sich im Mund bildet, nicht in der Kehle. Das Sprechen ist zugleich in mir und außerhalb, d. h.: Ich bin „expositus“ (ausgesetzt). Als Rückschluss auf die Gemeinschaft findet nun erneut eine Annäherung an Derrida statt: „Man kann sie nicht herstellen, man er-fährt sie als Erfahrung der Endlichkeit.“ (S. 41).

 

Die Andersheit der Mitmenschen.

 

Gemeinschaft ist kein Werk; sie ist entwerkt (wie der Titel sagt). Anstelle von „Herstellung und Vollendung“ ist hier von „Unterbrechung“, „Fragmentarisierung“ und „In-der-Schwebe-Sein“ (S. 42) die Rede. Urplötzlich fällt nun ein religiöser Begriff; mit Bataille stellt Nancy fest, dass die „Entwerkung der Gemeinschaft“ (siehe Titel) in der Sphäre des „Heiligen“ geschieht. In der Schöpfungsgeschichte wird aus einem einzelnen Menschen eine Pluralität. Der Mitmensch ist dabei nicht mit mir identisch, sondern ist anders. Die Grundbedingung der Anthropologie wird durch den Tod der Anderen hergestellt: Im Tod des Anderen erkenne ich mich nicht selbst. Der Tod des Anderen stellt sowohl mir selbst auch in der Person des Anderen die Singularität vor Augen, wofür Heideggers Argumentation wichtig ist. Es ist die Frage, ob dies nicht gerade auch in der Genesis im Mythos der Schöpfung des Menschen gemeint ist, was nun mit dem korrespondiert, was Nancy hier mit Heidegger aus der Erfahrung des Todes folgert: „Wir sind gleiche, weil wir, jeder einzelne von uns, dem Draußen, das wir für uns selbst sind, ausgesetzt sind. Der Gleiche ist nicht der mit mir Identische. Weder finde ich mich im anderen wieder, noch erkenne ich mich in ihm: Ich erfahre in oder an ihm die Andersheit und die Alteration, die ‚in mir selbst‘ meine Singularität außerhalb meiner setzt, und sie so unendlich enden lässt.“ (S. 44). Das zuvor erkannte Zwischen ist also der Raum, der meine Singularität gerade in der Beziehung zum Anderen beinhaltet.

 

Gemeinschaft ist Gott.

 

Abgesehen von den Überlegungen von Levinas oder Buber zum Anderen oder zum Du, ist die Frage, ob hier nicht schon Denkstrukturen auftauchen, die in der herkömmlichen Theologie in der Trinitätslehre ausgedrückt werden. Aus theologischer Sicht muss es erlaubt sein, zu fragen: Gibt es bei Nancy also Bezüge zu einer Gotteslehre, die das Beziehungs- und Existenzmodell der Anthropologie widerspiegelt oder eröffnet? Selbst der Tod, der offensichtlich nur in einer gemeinsamen Erfahrung der Menschen bewältigt und bearbeitet werden kann, ist durch die Christologie in der Trinitätslehre verankert. Es ist dabei nicht so, dass quasi automatisch das Heilige in die Gesellschaft zurückkehrt. Hier ereignet sich vielmehr so etwas wie ein Spiegelbild. Nancy nimmt dies bewusst auf: „Es erweist sich vielmehr, daß das Heilige aus nichts anderem als der Mitteilung der Gemeinschaft besteht.“ (S. 46). Gerade dieser Abschnitt hätte ausführlicher zitiert werden müssen, um die Verbindung Nancys zur Theologie noch deutlicher aufzuzeigen. Es muss hier bei den angedeuteten Skizzen bleiben. Theologisch gesehen und unter Berücksichtigung der Metaphysik-Kritik, die Nancy mit Derrida leistet, ist „Gemeinschaft“ ein anderes Wort für Gott. In anderen Worten beschreibt es Nancy religionsphilosophisch: „Die ‚Transzendenz‘, die keine ‚heilige‘ Bedeutung mehr hat, bezeichnet jedoch genaugenommen nichts anderes als den Widerstand gegen die Immanenz. Die Gemeinschaft wird uns gegeben – oder wir werden gemäß der Gemeinschaft gegeben und aufgegeben: Es ist dies eine zu erneuernde, mitzuteilende Gabe, kein Werk, das herzustellen wäre.“ (S. 47).

 

Beispiele: Liebe und Politik.

 

Nancy zeigt dies am Beispiel Batailles, dass für die Gemeinschaft das Beispiel der Liebenden heranzuziehen ist: An ihm werden einige Aspekte differenziert durchgespielt. Ausschlaggebend ist die Bemerkung Nancys: „Die Liebenden berühren sich, die Mitmenschen aber nicht. Diese banale und recht lächerliche Wahrheit bedeutet, dass die Berührung, die zwar nicht erreichte, aber greifbar nahe und wie verheißene (nunmehr wortlose und blicklose) Immanenz, die Grenze ist.“ (S. 51). Das Beispiel der Liebenden verdeutlicht quasi exemplarisch die Evidenz der Beobachtung über die „entwerkte Gemeinschaft“, die der Titel dieser Schrift bzw. in der deutschen Übersetzung dieses Kapitels andeutet[12]. Hierzu gehört substanziell die Erfahrung der Grenze. Diese zeigt sich zum Beispiel den Liebenden in der Geburt eines Kindes, das wohl ein „Kind ihrer Liebe“ sein mag, aber nicht als ihr Werk angesehen werden kann. Aus der entsprechenden Beobachtung folgert Nancy nun auch Kriterien des Politischen, die etwa im Faschismus gnadenlos missachtet wurden. Auch eine Funktion des Politischen lässt sich aus der entwerkten Gemeinschaft folgern: „’Politisch‘ würde bedeuten, dass eine Gemeinschaft sich auf die Entwerkung ihrer Kommunikation hin ausrichtet oder zu dieser Entwerkung bestimmt ist, eine Gemeinschaft also die ganz bewusst die Erfahrung ihrer Mit-Teilung macht.“ (S. 54). Eine andere Konsequenz zielt auf die Bedeutung des freien Journalismus und der freien Meinungsäußerung und lautet schlicht: „Man darf nicht zu schreiben aufhören.“ (ebd.).

 

Zweiter Teil: „Der unterbrochene Mythos“.

 

Jean-Luc Nancy säkularisiert in seiner Schrift „Die undarstellbare Gemeinschaft“ die Grundgedanken des Christentums und deutet so auch die Grundmotive der Postmoderne. Dabei sind zugleich die Ordnungsstrukturen des metaphysischen Denkens offengelegt, sowohl in der Gesellschaft, als auch in der Religion. Konstruktiv an der Darstellung Nancys ist, dass sie sich sowohl auf individuelle Fragen, als auch auf gesellschaftliche Phänomene bezieht. Tod, Liebe und Kommunikation gehören genauso zum Kontext der Religion wie zu dem der Gesellschaft. Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich christlich-religiöse Grundgedanken in ihrer Struktur anthropologisch formulieren lassen. Dabei ist es in einem säkularen Kontext nicht unbedingt nötig, ungeachtet seiner Wirklichkeit und Wirksamkeit, den Begriff „Gott“ zu verwenden. Darin liegt wohl die eigentliche Herausforderung postmoderner Diskurse an christliches Denken, dass genauso wie in der christlichen Praxis auch die Kommunikation des Glaubens mit und ohne den Bezug auf Gott ausgedrückt werden kann. Beide Sprachformen können allerdings auch spiegelbildlich verwendet werden, wobei die eine Seite jeweils die Wahrheit der anderen bestätigt. Im Grunde ist dies in der Bibel auch schon in der weisheitlichen und der prophetischen Tradition geschehen, die bei Jesus von Nazareth zusammenfinden. Im Folgenden wird es mit Bezug auf die Tradition darum gehen zu fragen, ob und wie die wechselseitige Verwendung von Mythos und Realitätsbezug möglich ist.

 

Abwesenheit oder Unterbrechung des Mythos.
In Religionen, aber nicht nur dort, gibt es Versammlungen in Form einer Gemeinschaft. Die Gründung einer Gemeinschaft mittels einer Erzählung wird mythisch genannt; die Erzählung ist der Mythos. Diese Struktur jedoch ist einerseits eine Erfindung des 19. Jahrhunderts bzw. wurde von da an bis zu den Nationalsozialisten derart verzeichnet und missbraucht, dass nach Jean-Luc Nancy schon Bataille, der dieses Thema bearbeitete, von einer grundsätzlichen Abwesenheit des Mythos gesprochen hat. Der „Zugriff auf den Mythos“ ist „unmöglich geworden“ (S. 62). Nancy schreibt dazu: „Unsere Welt von diesem ‚Mangel‘ aus zu denken, könnte wohl eine unerläßliche Aufgabe sein.“ (ebs.). Nancy gebraucht dafür die Formulierung „Unterbrechung des Mythos“, auch als Titel des 2. Teils und begründet dies folgendermaßen: „Wenn man annimmt, daß der ‚Mythos‘ jenseits der Mythen, ja sogar gegen den Mythos selbst, etwas bezeichnet, das nicht einfach verschwinden kann, dann ginge es darum, zur äußersten Grenze des Mythos zu gelangen, an einer Grenze entlangzugehen, an der der Mythos selbst nicht etwa aufgehoben, sondern vielmehr in der Schwebe, unterbrochen wäre.“ (ebd.). Der Begriff „Mythos“ wird wie bei Derrida nicht rationalistisch oder gar von einer verdeckten Metaphysik geprägt verwendet[13], die im Grunde der Metapher von Stufen etwa einer Leiter oder Pyramide entspricht. Die Metapher, die Nancy mit der Nennung des Begriffs „Grenze“ verwendet und mit Begriffes des Wortfeldes „Weg“ verbindet, ist klar ersichtlich. Sie meint ein Gebiet, ein Areal, das umgrenzt ist und das –in der Kommunikation- auf dem Weg an der Grenze entlang umgangen wird und so umgrenzbar ist und beschreibbar ist, jedoch nicht dadurch, dass man das Gebiet betritt. Auf eine solche Argumentation muss einer erstmal kommen! Zum einen ist klar, dass die Philosophie so etwas wie einen methodischen Atheismus pflegt und religiöse Begriffe bestenfalls dekonstruiert, zum anderen ist diese Methode aber sehr klar abgegrenzt gegenüber einer sonst oft üblichen Ignoranz gegenüber religiöse Rede im Stil des Naturalismus. Vielmehr bleibt Nancy ganz auf der Sprach- und Denkebene und formuliert Wege, geht an Grenzen entlang und sucht nach Begriffen, die fast an Bultmanns Bemühung in der „Theologie des Neuen Testaments“ erinnern, vom Glauben zu reden, ohne die Sprache des Mythos zu verwenden.[14] Doch diese Methode Bultmanns, sofern sie sich allerdings nicht mit bestimmten Brieftexten des Paulus deckt, würde auf eine Ausklammerung dessen hinauslaufen, was mit Mythos gemeint ist und war. Umgekehrt betont Nancy, dass die Bedeutung des Mythos nicht aufgegeben oder abgeteilt werden darf.

 

Die zwei Naturen des Mythos.

 

Mit dem Begriff „Mythos“ geschieht so etwas wie die Trennung des Begriffs von der durch ihn bezeichneten Sache bzw. Sprachebene. Dadurch entsteht eine zweifache Bedeutung des Wortes „Mythos“, sodass sogar der Satz möglich ist: „Der Mythos ist ein Mythos.“ Der Bedeutungswandel des Wortes vollzieht sich folgendermaßen: „Der Mythos ist in erster Linie ein volles ursprüngliches Wort, das das innerste Wesen einer Gemeinschaft mal offenbart, mal gründet.“ (S.64). Einmal geht es also um die Gestalt der Mitteilung, die der Mythos enthält und einmal um seine funktionale Bedeutung im Sinn der Gründung. Der Inhaltsaspekt hat die Frage der Religion zu erörtern. Insofern es sich um die reine Sprachgestalt handelt, kann man sagen, dass der Mythos ursprünglich die „dem Menschen mitteilende Natur“ ist, und später, davon abgeleitet im Motiv der Schöpfung und dem Schöpfer, die Vorstellung einer „zweiten Natur“ (S. 65) in der Natur. Der Mythos wurde als „’die sich selbst erklärende Mythologie’“ (Schelling: Philosophie der Mythologie, Bd. II, 1856, /. Vortrag, zit. n. ebd.) bezeichnet.

 

„Der Mythos ist ein Mythos.“

 

Aus der Transzendenz folgt nun einerseits die Sprache selbst, wie „das Wort der Dinge, die sich offenbaren“ (S. 66, vgl. Johannes 1,1: „Am Anfang war das Wort…“). Daher gehören zur Religion eben nicht nur der Mythos, sondern genauso der Ritus und der Kultus (vgl. S. 67). Die Mitte der Botschaft des Mythos ist die „Einswerdung“ (S. 68), die die Gründung und die Offenbarung miteinander verknüpft. Da diese Beschreibung der Mythologie in der Entwicklung auf einer Darstellung der Romantik im 19. Jahrhundert beruht, ist die Frage, wie heute in der „postmodernen Menschheit“ ohne „Verbindung zum Mythos“(S. 69)  von Mythos gesprochen werden kann. An dieser Stelle tritt in der christlichen Theologie gemeinhin die Beobachtung auf, auf die Nancy hier allerdings nicht eingeht, dass sich die Überlieferung der Bibel in der Genesis von der antiken Mythologie absetzt. Von diesem Gedanken ausgehend, Nancys Definition berücksichtigend, kann man im Johannes-Prolog einen weiteren Schritt darin sehen, dass nun das Wort nicht nur von Gott ausgeht, wie in der priesterlichen und prophetischen Tradition, sondern auch in der Gestalt Jesu „Mensch“ wird, in dem die Grenze zwischen göttlicher und profaner Sphäre fast verschwindet. Doch wird damit wirklich schon gesagt, dass der „Mythos ein Mythos“ (S.70) ist? Wenn das dialektische Denken die Aufhebung des Mythos postuliert, indem es die „Gründung“ quasi als „Fiktion“ beschreibt, hebt es den Mythos ganz aus den Angeln. Auf der Basis des Naturalismus lässt sich keine Religion beschreiben.

 

Die Fiktion ist ein Wirken.

 

Nancy stellt fest, dass der Mythos, der aus rationalistischer Sicht eine Fiktion ist, trotzdem mit der Erfahrung eines Wirkens verknüpft werden kann und dass sich beides in der Erfahrung nicht ausschließt. Von der Substanz des mythischen Wirkens kommt nun Nancy daher zu der Beobachtung, in der deutlich wird, dass das Verschwinden des Mythos keine Auflösung darstellt, sondern dass das Wirken des Mythos aus der Sprache selbst hervorgeht. An dieser Stelle wird die Dekonstruktion des Christentums (von Nancy unbeabsichtigt) zu einer Brücke zur Theologie: „Diesem Mythos oder dieser Logik folgend kann die Mythologie nicht als bloße Fiktion abgetan werden, denn die Fiktion, die sie darstellt, ist ein Wirken: … der Mythos ist nicht einfach ein ‚Mythos‘, wenn er als Mythos diese wirkende Macht besitzt, und wenn diese wirkende Macht und die zwar unterschiedlichen aber ähnlichen Operationen … im Grunde nicht heterogen, sondern homogen sind. … Der Mythos bedeutet sich selbst und verwandelt so seine eigene Fiktion in Gründung und Eröffnung des Sinns selbst.“ (S. 71f.) Diese Erkenntnis wird nun noch detaillierter ausgeführt. Das Denken vom Menschsein und der  Natur wird zur Ontologie, die natürlich auch rational ausgedrückt werden kann, etwa unter Bezugnahme auf Immanuel Kant als „Selbst-Figuration der Menschheit als Natur“ (S. 73) und der „Natur als Menschheit.“ (ebd.). Daraus lässt sich dann sogar die Entwicklung der Neuzeit erklären, die aber auch nach Verzicht auf die Sprache des Mythos dem gleichen human-zentrierten Denken verhaftet ist. Der Mythos ist auch da noch im Hintergrund die zentrale Figur, die als Deutungsmittel fungiert.

 

Die Dekonstruktion entlarvt die Religionskritik.

 

Die Globalisierung wird allerdings von Nancy an dieser Stelle noch nicht thematisiert: „Am Anfang schlägt die Macht des Mythos das Bewußtsein mit Stupor[15] und treibt es ‚außer sich‘ (das heißt es wird dadurch erst bewußt). Am Ende ist das Bewußtsein Selbst-Bewußtsein und Bewußtsein der Totalität als Mythos geworden und erstreckt sich auf (oder als) das Bewußtsein vom mythischen (oder subjektiven) Wesen des ‚Selbst‘ aller Dinge.“ (S. 74). Die Dekonstruktion funktioniert also ganz ähnlich wie die moderne Religionskritik, mit dem Unterschied, dass sie nicht mit dem Anspruch argumentiert, eine bessere oder eine andere Wahrheit vertreten zu können. Erneut spielt Nancy mit dem Satz: „Der Mythos ist ein Mythos.“ Dieser hat „den Wert einer entzauberten Ironie (‚die Gründung ist eine Fiktion‘) und den Wert einer ontopoeto-logischen Bejahung (‚die Fiktion ist eine Gründung‘).“ (S.75). Dem gegenüber ist die rein rationalistische Religionskritik als einseitig zu bezeichnen. Vielleicht hat sie in ihrer Einseitigkeit den „Willen zum Mythos“ in seiner Einäugigkeit erst möglich gemacht, der sich laut Nancy, Bataille folgend, im Nationalsozialismus zeigte. Die Kirche selbst hat die Gefahr des neuzeitlichen Mythos zu spät erkannt, da sie (zunächst) den Unterschied zu ihrer eigenen Mythologie nicht wahrgenommen hat.

 

Mythos und Gemeinschaft.

 

Hier ist der Ort, an dem sich der zweite Teil des Aufsatzes, der sich bislang ausschließlich dem Mythos widmete, zum Gemeinschaftsbegriff zurückkommt wie er im ersten Teil entfaltet wurde. Die Erkenntnis, „dass die Gemeinschaft ein Mythos ist“ und die „Unterbrechung des Mythos auch notwendiger-weise die Unterbrechung der Gemeinschaft“ (S. 77) zeigt die Verbindung von Postmoderne und Dekonstruktion. Die Argumentation Nancys berührt also die Aussage Lyotards vom Ende der großen Erzählungen und zeigt einen weiteren Schritt der Konsequenzen dessen auf.[16] Aufgrund der hier auch immer wieder angesprochenen Ideologie- und Machtverfehlungen des NS-Regimes erweist sich die Folgerung als schlüssig, dass die im Mythos enthaltene Vorstellung der Einswerdung nicht nur eine Fiktion ist, sondern in der Realisierung von katastrophalen Konsequenzen begleitet ist. Worin bleibt jedoch die Möglichkeit dieses Mythos bestehen? Die Erkenntnis vom Verlust der Gemeinschaft scheint zugleich den Wunsch nach Gemeinschaft hervorzurufen. Die Gemeinschaft ruft den Widerstand gegen ihre eigene Auflösung selbst hervor. Es ist nach Blanchot eine „’nicht bekennbare Gemeinschaft’“ (S. 78). Somit gehört die Singularität zur Gemeinschaft. Der Verlust des Mythos wird z. T. sogar als Befreiung erlebt. Hierbei wird deutlich, dass aus der Vorstellung der Unterbrechung des Mythos kein neuer Mythos gemacht werden kann.

 

Literatur und Mythos.

 

Die Frage, was den Mythos denn nun ersetzt, da doch die Gemeinschaft als nicht bekennbare, unterbrochene bestehen bleibt, wird mit einem Hinweis aus der Literatur beantwortet. Nancy stellt Literatur und Mythos sehr dicht nebeneinander und sieht im Mythos[17] den Ursprung der Literatur überhaupt: „Die Literatur ist nicht nur Erbin (oder das Echo) des Mythos, sondern wurde selbst als Mythos gedacht und muß wohl in gewissem Sinn als Mythos gedacht werden – und zwar als Mythos der mythenlosen Gesellschaft.“ (S. 84). Und nur, wo es eine „Offenbarung“ gibt, kann von einem „Werk“ gesprochen werden (S. 85).[18] Nancy versucht dabei aufzuzeigen, dass sich Literatur und Mythos im Werk nicht zueinander verhalten wie verschiedene Teile; der Unterschied zwischen beiden besteht jedoch darin, dass die Literatur nicht wie der Mythos auf eine Vollendung zielt. Dann muss aber davon ausgegangen werden, dass der Begriff der Gemeinschaft sich nicht in der Kommunikation erschöpfen darf.

 

Grenze.

 

Damit steht die Frage im Raum: Ist eine Mitteilung in der Literatur doch nur ein Zeichen des Fragmentarischen oder ist Mit-Teilung selbst schon Gemeinschaft? Die Vielfalt der Literatur scheint darauf hinzudeuten, dass sie zwar mythischen Ursprungs ist und im Sinne des Mythos etwas mit-teilt und offenbart, aber in einem ständigen Fluss und Wechsel sich befindend wohl unvollendet bleibt. D. h.: Der Text unterbricht sich selbst und bleibt unvollendet, auch wenn er in seinem Bereich zur „Mitteilung des Mythos“ (S. 87) gehört. Literatur und Religion sind einander sehr ähnlich, da es in beiden Bereichen um „Gemeinschaft“ geht und darum, das „durch-und-für-den-Anderen-Sein“ (S. 90) zu verstehen. Im Zusammenhang mit Literatur ist die Schrift die Darbietung der Grenze: „Nicht die Grenze der Kommunikation, sondern die Grenze, an der die Mitteilung stattfindet.“ (ebd.). Es ist dies wiederum ein Zeichen der „Unterbrechung des Mythos“, der nun erneut jenseits dieser Grenze zu erfahren ist. Offen ist die Frage: Kann man so innerhalb der Mitteilung etwa erneut aus einer Idee einen Mythos machen? Klar ist jedoch auf jeden Fall, dass jedes „Sein“ sich einer „Mitteilung“ verdankt (vgl. S. 91). Das ist kein Mythos, sondern einfach ein fortwährender Mitteilungsprozess. Hieraus folgt immer wieder, dass der „Mythos vom Schriftsteller“ auf die früheren mythischen Erzählungen übertragen wird. Die Offenlegung dieser Übertragung, die sicherlich nach psychologischem Muster zu interpretieren ist, weist auf die gleiche Problematik, auf die Derrida hinweist, nach der in der Entstehung des Textes nicht nur der Schriftsteller als Autor, sondern auch der Kontext als Mitautor zu bezeichnen sei[19]. Nancy plädiert jedoch dafür, nicht „das Verschwinden des Schriftstellers“ (S. 93) zu sehen: „In der Singularität vollzieht sich die literarische Erfahrung der Gemeinschaft.“ (ebd.).

 

Dritter Teil: Der Charakter der Kommunikation[20].

 

Der dritte Abschnitt des Textes setzt die Überlegungen über die Rolle des Schriftstellers fort, ohne dem Gesagten jedoch neue Aspekte hinzuzufügen. Hinzuweisen ist lediglich darauf, dass sich die „Funktion der Botschaft“ (S. 96) von Buch, Film, Musik, Volk usw. auf die Gesellschaft bezieht. Es ist schon eine Frage bzw. Herausforderung, warum es dann noch eine Gemeinschaft gibt oder ob es noch zur Bildung von Gemeinschaft(en) kommt. Der Kommunikation haftet in der Gesellschaft eine grundlegende Schwäche an, da ein Werk wirklich erst dann ein Werk ist, wenn es als Werk aufgegeben wird: „Der Charakter der Kommunikation, den das Werk nur dann annimmt, wenn es als Werk aufgegeben wird, besteht weder in einer ganzheitlichen Innerlichkeit noch in einer allgemeinen Zirkulation.“ (S. 97). Zur Bewertung der Kommunikation zieht Nancy nun Karl Marx heran und zieht eine Parallele zum Arbeitsbegriff. Zunächst wirkt die Bewertung des Kapitalismus in diesem Zusammenhang überzogen. Aber aus heutiger Sicht wäre zu prüfen, ob sich diese theoretischen Untersuchungen in dem wiederfinden lassen, was aktuell unter Globalisierung verstanden wird. Die Singularität steht zum Schluss wieder im Vordergrund. Nancy macht nicht den Fehler, den Mythos der Gemeinschaft im Kommunismus indirekt aufzurichten. Anstelle eines überzogenen Wahrheitsbegriffs steht er dazu, die Wahrheit der Unterbrechung z. B. in Gedanken zu finden, die zum Phänomen der Mystik zu passen scheinen: „Der Mut der Unterbrechung besteht vielmehr im Wagnis des Schweigens, oder, um es weniger summarisch zu formulieren, er besteht darin, geschehen zu lassen, daß etwas sich sagt, das niemand – kein Individuum, kein Wortführer sagen könnte: eine Stimme, die keines Subjekts Stimme sein könnte, eine Rede, die keines intelligenten Kopfes Richtspruch je wäre, eine Stimme also, die einzig die Stimme und das Denken der Gemeinschaft in der Unterbrechung des Mythos ist.“ (S. 105). Gemeinschaft (oder sollen wir Gott sagen?) ist kein vorhandenes Sein, sondern ein Geschehen, dass sich erst in der „Artikulation von Gemeinschaft“ (ebd.) ereignet. Nur, was in der Sprache vom „Grund der Gemeinschaft“ ausgeht, ist keine „Mythologie oder Ökonomie“ (S. 106). Am Ende steht der Appell „sprechen zu lassen, was niemand, kein Subjekt, je sagen könnte“ (ebd.). Religion kann heute nur darin bestehen, dieses Sprechen-lassen einzuüben, ohne dogmatische Rechthaberei, sondern im Dialog, der die Singularität des Anderen nicht in Frage stellt, sondern auch in dessen Wort und Glauben mit der Wahrheit rechnet, soweit diese möglich ist. Wer nur seinen eigenen Mythos kennt, wird dann kein Wort mehr vernehmen. Gott ist immer der oder die Andere, der oder die zu uns spricht. Gemeinschaft ereignet sich über Grenzen hinweg im Austausch und unter Anerkennung jeder einzelnen Singularität. Abgewandelt mit Bonhoeffer: Eine Gemeinschaft, die es gibt, gibt es nicht.

 


[1]  Jean-Luc Nancy: Die undarstellbare Gemeinschaft, Verlag Edition Patricia Schwarz, Stuttgart 1988, deutsche Übersetzung von: Jean Luc Nancy: La communauté désoeuvrè, erschienen 1985. Im Text werden die Seitenzahlen in Klammern gesetzt, wenn dieses Buch gemeint ist. Der vergriffene Text befindet zur Zeit im Internet unter http://hjlenger.de/.

[2]    D.h.: Der ursprüngliche Buchtitel, „die entwerkte, nicht bewerkstelligte Gemeinschaft“ wird in der deutschen Übersetzung als Titel des ersten Teils beibehalten.

[3]     „Institution“ hier nicht im sozialogischen, sondern im sprachlichen Sinn

[4]    Das Buch von Jean-Luc Nancy: Dekonstruktion des Christentums. Diaphanes, Zürich-Berlin, 2008 bietet (weitere) Beispiele der Betrachtung der Religion, soll aber hier aus methodischen Gründen außen vor bleiben.

[5]    Vgl. S. 2-56

[6]     Vgl. S. 6

[7]    Nancy bezieht sich im laufenden Text sehr auf G. Bataille, aus dessen Oeuvres complétes er zitiert. Bataille, von Beruf Bibliothekar hat als Autor diverser Bücher und Begründer der Zeitschrift Critique großen Einfluss auf die Arbeit von R. Barthes, M. Blanchot, J. Derrida und M. Foucault. (Quelle: wikipedia.de)

[8]     Die Worte sind im Buch durch kursiven Druck herausgehoben. Da ich alle Zitate kursiv schreibe, stelle ich sie durch Fettdruck heraus.

[9]    Womit der Satz Kierkegaards vom Selbst, das „sich zu sich selbst verhält“ einen Sinn bekommt. Vgl. Sören Kierkegaard. Die Krankheit zum Tode. 1849.

[10]    Warum sich Nancy immer mal auf Marx bezieht, wird nie explizit gesagt, sondern ergibt sich aus der Abfolge der Begriffe: Gemeinschaft-Kommunismus-Marx

[11]  Jacques Derrida. Signatur, Ereignis, Kontext in: ds. Limited Inc., Deutsche Übersetzung, Hrsg. von Peter Engelmann, Passagen Verlag Wien 2001

[12]  Zum Titel: s. o.

[13] Vgl. Jacques Derrida. Die Struktur, das Zeichen und das spiel. In: Postmoderne und Dekonstruktion, hrsg. von Peter Engelmann, Reclam, Stuttgart, 1990, S. 127ff  (Der Text Derridas über den Mythos wird nicht ausdrücklich von Nancy zitiert, jedoch muss er als bekannt vorausgesetzt werden).

[14]  Rudolf Bultmann. Theologie des Neuen Testaments, Tübingen, 5. Auflage 1965

[15] Lat. Erstarrung (Quelle: Wikipedia.de)

[16]  Vgl. z. B. Jean-Francois Lyotard: Randbemerkungen zu den Erzählungen, in: Postmoderne und Dekonstruktion, Text französischer Philosophen der Gegenwart, hrsg. von Peter Engelmann, Reclam Stuttgart 1990

[17]  Es ist daher nicht abwegig, in der Religion eine Gestalt der Literatur zu sehen, wie dies kürzlich von Martin Walser angesprochen worden ist (Martin Walser, Über Rechtfertigung, eine Versuchung: Zeugen und Zeugnisse, Rowohlt, Hamburg 2012)

[18]  Es ist dann wohl die Aufgabe der Literaturkritik, die hiermit kurz gefasst ausgesprochen wird.

[19]  Vgl. J. Derrida, Limited inc. a.a.O.

[20] Der dritte Teil trägt die Überschrift: „Der literarische Kommunismus“ (S. 96)

Hier ist ein interessanter Aufsatz, der die schrift von Jean-Luc Nancy philosophisch betrachtet. Auch zur Frage der Immanenz einige interessante Beobachtungen: Marcus Quent: keine werke mehr, Eine erste Annäherung an Jean-Luc Nancys Begriff der entwerkten Gemeinschaft. in: anwesenheitsnotiz 1, November 2010

 

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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