Eckhart, Querdenker des Mittelalters, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2019

Zu:

Harald-Alexander Korp: Dem ruhigen Geist ist alles möglich, Mit Meister Eckhart lernen, im Hier und Jetzt zu sein, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2019, gebunden, 239 Seiten, ISBN 978-3-579-01461-6, Preis: 20,00 Euro

Links: http://www.hakorp.de

Harald-Alexander Korp (geb. 1961) ist Publizist und lehrt Spiritualität. Auf seiner Homepage werden Bühnenprogramme, Vorträge und Publikationen angezeigt. Er bietet Seminare zur Gelassenheit und Achtsamkeit am Benediktushof in Holzkirchen an (https://www.benediktushof-holzkirchen.de/).

Er schreibt dieses Buch vor dem Hintergrund seiner Erfahrungen im neu gegründetem Meister-Eckhart-Kloster in Berlin. Die Gemeinschaft dieses kleinen Klosters existierte etwa sieben Jahre. Und geht inzwischen in diversen Gruppen, wie dem Meister-Eckhart-Kreis weiter. Bruder Johannes, Mitbegründer dieses Klosters ist inzwischen verstorben.

Wenn ich es richtig deute, ist Meister Eckhart nur durch seinen natürlichen Tod der Hinrichtung auf dem Scheiterhaufen entgangen. Die Verurteilung seiner Lehre durch die Kirche war bereits beschlossen und wurde später mehrfach bekräftigt. Insofern ist es schon ungewöhnlich, ein Kloster nach ihm zu nennen.

Eckhart hatte als Ordensgeistlicher und Theologe verantwortungsvolle Aufgaben bei den Dominikanern inne und stand auch im Dialog mit den damals sich neugründenden Klostergemeinschaften der Beginen. Diese klösterliche Bewegung integriert Frauen und Männer war lebensorientiert und beharrte nicht auf Ehelosigkeit und Disziplin, wie die durch die benediktinische Regel geprägte Klöster der Kirche.

Die Verbindung der Lehren Meister Eckharts (um 1260 – 1326) mit der Gegenwart der Lesenden wird im Buch zu einer Einladung, sich in den Übungen zur Reflexion des eigenen Lebens anregen zu lassen, die immer wieder einladen, spirituelle Erfahrungen in der Gegenwart zu machen.

Gerade im Anfangsteil wird die Person Meister Eckharts und der Hintergrund seiner dargestellt. Die Schriften Meister Eckharts sind überwiegend Predigten, die als Nachschriften verbreitet worden sind, und dies, obwohl seine Schriften auf dem Index standen.

Im Buch sorgen die eingestreuten Zitate für eine ständige Anbindung an die Gedankenwelt dieses Mystikers. Harald-Alexander Korp führt die Leserinnen und Leser dabei aber immer in die Gegenwart, sondern einfach Gedanken vermittelt, die von Meister Eckhart hergeleitet werden.

Prägend ist das theologische Grundverständnis Eckarts, der es wagt, Gott nicht (nur) als andere Wirklichkeit oder Person zu sehen, sondern als eine Kraft die in der Welt genauso wie in unserem Inneren ist, als den Seelengrund. Darauf bauen die praktischen und religiösen Konsequenzen auf, die einen ganz anderen als einen nur religiösen Blick auf die Welt und das Leben erlauben. Die Lehre Eckhart wird, wie zuvor angedeutet immer wieder auch in Beispielen die auf die heutige Zeit verweisen, in den Abschnitten Erkenntnisweg, Übungsweg und Ethik entfaltet.

Der Schlussteil stellt eine Beziehung her zur religiösen Vielfalt in der Welt, in der es wie z. B. im Buddhismus Elemente gibt, die der Auffassung Meister Eckharts entsprechen, die, wie es schon der Untertitel sagt, einladen immer im „Hier und Jetzt“ zu sein. Die Mystiker aller Zeiten und Religionen laden also nicht zu ein, ihre Lehre im strengen Sinn zu wiederholen, sondern immer wieder die Verbindung der Religion mit dem Lebensalltag zu suchen.

 

 

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