Glauben erschöpft sich nicht im Denken. Warum ich auch als Mann die feministische Theologie würdigen möchte. Christoph Fleischer

Der Bericht meiner Lektüre eines feministischen Dialogs über den Glauben zwischen Antje Schrupp und Barbara Steidl:

„Kann eine Feministin fromm sein? Ein E-Mail-Dialog zwischen Antje Schrupp und Barbara Streidl“
Mit dem Gedanken, dass Glauben sich nicht im Denken erschöpft, beginnt Barbara Streidl ihren Dialog mit Antje Schrupp. Eher distanziert kirchlich eingestellt fand sie darin Trost, Worte eines Psalms aufzusagen, deren Inhalt jedoch „ihr unangenehm“ ist, „Der Herr ist mein Hirte“ (Psalm 23). Antje Schrupp rät ihr daraufhin, darauf zu achten, was sie „tatsächlich glaube“ und nicht, was sie meint, glauben zu sollen. Trotzdem rekurriert Barbara Steidl noch einmal auf das „Sollen“, das einem unterschwelligen, man müsste sagen impliziten, Bedürfnis entspreche: „Ich möchte an etwas glauben.“ Dazu signalisiert Antje Schrupp Zustimmung und erklärt, das Stichwort „Feminismus“ aufgreifend, dass in den Begriffen des „Sollens“ ein patriarchaler Modus auftaucht, was die feministische Theologie offengelegt habe. Woran man glaubt, das „kann man Gott nennen“, aber auch genauso „gut leben für alle“. Hieraus wird deutlich, dass der Glaubensgedanke von patriarchalen Denkstrukturen befreit und so in einem positiven Sinn geschwächt wird und zugleich individualisiert. Barbara Streidl fragt an dieser Stelle zurück, da sie, gut säkular gedacht, das Wörtchen „fromm“ mit Gedanken von Mangel oder Einschränkung verbindet. Worin diese Einschränkung genau besteht, wird nicht deutlich, ist wohl eher ein Gefühl. Antje Schrupp dagegen sieht eine Lösung darin, sich von männlichem Denken abzusetzen, da sich „Frauen“ eher für eine gute Sache einsetzen als für sich selbst, und darin Kraft gewinnen, und aus diesem Grund auf den sogenannten Individualismus ohnehin wenig Wert legen. Interessanterweise scheint Barbara Streidl genau dies zu überhören oder zurückzustellen, weil sie möglicherseise bereits ahnt, dass ihr kleiner Diskurs zuletzt beim Individuum landen wird. Sie dagegen kommt nun erneut auf die Problematik des „Fromm-seins“ zurück, von der Antje Schrupp anfangs sagte, es hieße, sich „am Willen Gottes“ zu „orientieren“. Sie, Barbara Streidl, dagegen fühle darin schon eine Art Zwang, der bei ihr den Gedanken auslöst, sich einer Idee unterordnen zu müssen, von der es heißt, sie betreffe alle Menschen. Indirekt stellt sie also die Frage danach, wen die Sache des Glaubens betrifft und wie. Dabei geht auch sie zu recht von existentiellen Fragen aus, hier von denen, die eine Ausgrenzung des Weiblichen aus der Religion betreffen. Ihre Frage lautet: „Wie schaffe ich es, ein von schlechten Bildern und rein männlich konnotierten Ideen einen Weg zum Glauben zu finden?“ Antje Schrupp antwortet, dass einerseits Fehldeutungen von, wie sie es sagt, echter Wahrheit zu unterscheiden seien, und andererseits patriarchale Denkstrukturen herauszufiltern sind. Eine Bestätigung dafür findet sie darin, dass eine durch Männer geprägte Überlieferung trotzdem Frauen an Schlüsselpositionen der Glaubensüberlieferung stellt, z. B. als Zeuginnen der Auferstehung. Von daher könne auch nicht alle nach außen so erscheinenden Praktiken, wie das Tragen eines Kopftuches bei Musliminnen pauschal abgelehnt werden, sondern müsse man die einzelnen Frauen fragen, was sie damit verbinden. Hiermit deutet sich auch an, dass möglicherweise einzelne Verhaltensweise zwar patriarchal erscheinen, sich aber im Kern schon z. B. zu einer weiblichen Identität entwickelt haben. Die Frage nach einer „besseren“ Religion, so sagt sie, ist ohnehin irrelevant, da sie ausschließlich von Konkurrenz geprägt ist. Barbara Streidl hält die Argumentation mit weiblichen Glaubenszeuginnen dagegen für eine Krücke. Was die Religion angeht, neigt sie ohnehin zum Pantheismus. Sie sagt zu recht, dass sie den Zugang zum Glauben letztlich in sich selbst finden muss.
Zu Recht weist nun Antje Schrupp auf die Diskussion familiärer sprich männlicher Gewalterfahrungen hin, die eben auch mit dazu geführt habe, ein deutlich gewalt- und hierarchiefreies Gottesbild entwickeln zu wollen. Hiermit kommt sie indirekt darauf zurück, dass mit der frühen Dorothee Sölle zu sagen ist, dass der Glaube immer konkret sei. „Es sind immer konkrete Menschen, mit denen ich es zu tun habe.“ Es ist schon richtig, dass man auch in der Frage hier noch einmal hinter die patriarchal geprägte Tradition zurückfragt. In anderer Hinsicht tut das ja auch Bert Brecht in den „Fragen eines lesenden Arbeiters „z. B: wer baute das siebentorige Theben?“, da sich aus dieser Perspektive Geschichte immer als Herrschaftsgeschichte darstellt und weniger als Lebensgeschichte. Die Reaktion Barbara Streidls führt abgesehen von der Propagierung eines „freien Willens“ in eine Distanz zum christlichen Glauben, da sie sich dabei am männlich geprägten Mainstream orientiert und nicht daran, was „feministisch“ gedacht, noch zu denken möglich wäre. Sie schreckt im Grunde noch davor zurück, den „Kontext des Glaubens“ zu betreten. Darin wird ja auch deutlich, dass sie die Position der Distanz zur Religion bewusst gewählt hat, ohne jedoch darauf zu verzichten, bei Bedarf quasi auf ihre möglich religiöse Denkweise zurückzugreifen, wie ja am Anfang schon skizziert.
Antje Schrupp bietet ihr nun das Bild der „Enklave“ auf dem „Kontinent“ des Glaubens an. Sie sagt sinngemäß: Du selbst entscheidest, wem du Autorität und Vollmacht geben willst. Die Frage danach, wie sie persönlich „ihrem Bedürfnis nach Glauben“ (als Frau) nachgehen kann, wird von anderen, z. B. den Autorinnen und Autoren der „Bibel in gerechter Sprache“ geteilt. Sie dreht also Barbara Streidls Frage einfach um und sagt: „Wie käme ich dazu, meinem Bedürfnis nach Glauben nicht nachzugehen…?“ Diese Konsequenz wird nun im Schlusssatz von Barbara Streidl ebenfalls bestätigt. Sie sagt, sie habe nun die Hoffnung, „selbst zu entscheiden, woran ich glaube, und wie ich meinen individuellen Glauben leben.“
Gerade vom Schluss her zeigt sich, dass der Feminismus eine Leitfrage ist, die dazu dient, den persönlichen Glauben eines individuellen Menschen mit seinen eigenen kontextuellen Erfahrungen und Bedürfnissen in den Blick zu nehmen. Zu Recht wird in diesem Zusammenhang durch die feministische Theologie darauf verwiesen, dass es auch möglich ist, an anderen Menschen anzuknüpfen, die ihre Bedürfnisse und Erfahrungen miteinander teilen können, wie diese beiden Autorinnen es tun. Die Voraussetzung dazu besteht auf jeden Fall darin, die Religion des und der anderen zu achten. Das Vorbild der feministischen Theologie besteht darin, darauf hinzuweisen, dass das sprachliche Gebäude des christlichen Glaubens derart patriarchal und hierarchisch geprägt ist, dass viele Menschen spüren, vor allem Frauen, dass sie ihr Bedürfnis zu glauben in vielen dieser Worte nicht ausleben können bzw. sich in dieser Sprache fremd fühlen. Die christliche Religion der Zukunft muss, so zeigte es ja auch der Schluss des Gesprächs, streng von der konkreten Situation des Subjekts aus gedacht werden. Dazu neutestamentlich Beispiele zu finden, dürfte nicht gerade schwierig sein. Es ist möglich, die Bibel gegen den patriarchalen Mainstream zu lesen. Die Bibel öffnet sich solchen individuellen Fragen, wen sie Jesus von Nazareth als ein solches Individuum darstellt, der von sich sagen und behaupten kann, ein geliebter Sohn Gottes zu sein. Hiermit meine ich nicht gerade die patriarchale Struktur, die in diesem Vater-Sohn Verhältnis auch aufscheint, sondern das Symbol für ein Gefühl des Angenommen-seins und des Geliebt-seins.

Einsamkeit und Freundschaft. Christoph Fleischer, Werl 2010

Ernst Bloch schildert in seinem Buch „Das Prinzip Hoffnung“ die Zusammengehörigkeit von Einsamkeit und Freundschaft. Es geht ihm insgesamt um Hoffnung und damit um Ideale und Wunschvorstellungen, um Träume. Deshalb kann Einsamkeit hier kein Zustand sein, unter dem Menschen leiden, sondern einer, den sie sich sogar hin und wieder wünschen. Dies ist zugestanden nicht für das gleiche Alter immer gleich erstrebenswert. Der zu befürchtende Zustand, den Menschen unter Einsamkeit verstehen, sollte besser als Verlassenheit bezeichnet werden. Im Idealzustand ist sie vielmehr eine Art Störungslosigkeit, von einem eher introvertierten Ich erwünscht. So schreibt Sören Kierkegaard in seinem Hauptwerk „Entweder – Oder“: „Mein Kummer ist meine Ritterburg… Von diesem Wohnsitz fliege ich hinunter in die Wirklichkeit und ergreife meine Beute. Aber ich halte mich unten nicht auf; ich trage sie heim auf mein Schloss. Was ich erbeute sind Bilder…“. Doch ist diese Einsamkeit wirklich, wie Ernst Bloch schreibt, das „christlich-narzisstische Wunschbild“ und somit das Ideal zum Übergang in den Kapitalismus, der zwar auf Individualismus aufbaut, dennoch die Einsamkeit selbst nicht erfunden hat? Richtig verstanden geht es darum, in der Einsamkeit einen Rückzugsraum zu entdecken, einen Bereich, der zur Kraftquelle werden kann und muss, ohne den Gemeinschaft zwangsläufig leer wird, wie „Einsamkeit ohne Gemeinschaft blind wird“ (Ernst Bloch).

Dass eine Art Gesellschaft schon von vornherein zum menschlichen Leben gehört, zeigt das Urbild der Familie, in die ein Mensch hinein geboren wird. Doch die Gesellschaft wiederum ist zu groß und unübersichtlich, um wirklich den Raum für die anfänglich erfahrene Geborgenheit zu bieten. Schon von Aristoteles her wird Freundschaft allerdings zu einer Grundsäule gesellschaftlichen Verhaltens. Sie setzt privates Eigentum voraus, um die Erfahrung des Geschenkes zu ermöglichen. Sie ist in ihren Idealen letztlich immer auf das Ganze bezogen: „Was die Gerechtigkeit nur fordert, das leistet ohne Zwang die Freundschaft; sie bewirkt jene Eintracht, worin eine Verletzung der gegenseitigen Rechte nicht mehr vorkommt, also selbst zum Gedanken an Gerechtigkeit kein Anlass mehr ist.“ (Bloch). Mit diesem Idealzustand nicht nur beschrieben, sondern auch belastet, als Wohlwollen, Eintracht und Wohltun bezeichnet, muss Freundschaft letztlich auch einer Entwicklung unterworfen sein und kann zerbrechen oder sich verändern. Dennoch, auch die Nachbarschaft etwa als Ideal der amerikanischen Siedler spiegelt die Vorstellung der Freundschaft wieder. Doch wo Licht ist, da ist auch Schatten. Bloch steht der Vorstellung Adam Smiths kritisch gegenüber, der meint, die Sympathie wäre ein Antrieb der Marktwirtschaft. Wo Begriffe wie Kauf und Verkauf in die Freundschaft eintreten, ja wo eventuell sogar von Ausnutzung die Rede ist, wird sich eine Freundschaft nicht lange halten. Der Marxismus dehnt das Ideal der Freundschaft auf die ganze Gesellschaft aus, indem er sie möglichst von solchen schädigenden Wirtschaftsbeziehungen zu befreien sucht. Doch dass sich dies realisieren könnte, hat sich in der Geschichte noch nicht erwiesen. Von daher bleibt von diesem Abschnitt letztlich gerade nicht der Schluss mit seinem idealistisch utopistischen Ausblick, sondern die Tatsache, dass sich Einsamkeit und Freundschaft in einem Wechselverhältnis befinden. Dass die Freundschaft auch ein religiöses Ideal ist, dürfte unbestreitbar sein. Wichtig ist aber auch ihre Idealisierung zu vermeiden, wie andersherum Einsamkeit nicht nur negativ genannt werden darf. Beide sind sicherlich in den Prozess der Biografie eingebunden, in dem es ohnehin auch das Loslassen und Neugewinnen von Bindungen und Beziehungen geben muss.

Anmerkung: Ernst Bloch: Das Prinzip Hoffnung, Dritter Band, Suhrkamp Frankfurt/M. 1978, S. 1125-1134, „Doppellicht Einsamkeit und Freundschaft“.

Der Glaube an Gottes Liebe in Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft. (eine kurze Dogmatik nach 1. Johannes 4, 16b – 21) Notiz von Christoph Fleischer, Werl 2008

Vergangenheit:

Interessant ist, dass hier von Christi Gebot und Gottes Liebe die Rede ist. Eigentlich müsste es ja Christi Liebe und Gottes Gebot heißen.

Diese Umkehrung ist wichtig, daraus wird die Grundlage unseres Christentums. Das Gottes Gebot ist in seiner Liebe zu verstehen.

Gott gibt keine Gebote mehr um Menschen zu richten, zu verurteilen, zu schädigen, zu verletzen.

Gott sendet seinen Sohn.

Gott schenkt Versöhnung.

Gott ist nun die Liebe.

Die Liebe Gottes ist also die Liebe Jesu Christi.

Viele Menschen verstehen Jesus als den Boten der Liebe.

Sein Leben, seine Passion ist das höchste Symbol der Liebe, das es gibt.

Aber seine Liebe wird für uns nun durch den Glauben auch zum Gebot,

zur Bruderliebe, zur Nächstenliebe, zur Feindesliebe zur Liebe der Menschen und der Schöpfung.

Die Liebe Christi gilt dem Leben in der Gegenwart.

Gegenwart:

Christen leben als Menschen in der Welt.

Christus, der auch als Mensch in der Welt war, ist nun bei Gott.

Christus hat seine Verbindung zu Gott, auf die Menschen im Glauben übertragen. Gott hat seine Liebe zu Christus auf die ausgeweitet, die mit Christus in Verbindung stehen.

Das heißt: Christen leben als Menschen in der Welt,

aber als Glaubende leben sie in Gott, sind weltlich und religiös zugleich.

Religiös zu sein bedeutet, mit der Zukunft von Gott her rechnen.

Unsere Existenz ist geöffnet hin auf die Zukunft.

Zukunft:

Der Glaube zeigt jedem Leben eine Richtung.

Es gibt keinen Glauben, ohne von der Zukunft zu reden.

In der ursprünglichen Verkündigung der Bibel hatte die Rede von der Zukunft die Gestalt des Gerichts.

Die Gerichtsverkündigung schreckt viele Menschen davon ab, zu glauben.

Doch das Symbol des Gerichts zeigt uns eine Zukunftsperspektive auf.

Die Gegenwart steht unter der Verantwortung.

Das Gericht Gottes zeigt, dass wir unser Leben zu verantworten haben.

Die Antwort auf Gottes Liebe haben wir schon zu geben.

Wer seine Mitmenschen nicht liebt, liebt Gott auch nicht.

Aber die Zukunft an sich ist keine Bedrohung, kein Grund zur Angst vor Gott.

Gott verurteilt nicht, weil er die Sprache der Liebe spricht, durch Christus.

Der Glaube an Christus ist der Raum im Menschen, der durch die Liebe Gottes gefüllt wird.

Die Angst verschwindet in der Liebe.

Predigten beim Schuljahresabschluss Lippe-Berufskolleg Lippstadt, Christoph Fleischer, Werl 2009

Predigten beim Schuljahresabschluss Lippe-Berufskolleg Lippstadt 2009

Predigt zum Gottesdienst: Lebensbaum und Zukunftsträume
Evangelium Markus 4, 30 – 34 Das Gleichnis vom Senfkorn
30 »Wie geht es zu, wenn Gott seine Herrschaft aufrichtet?«, fragte Jesus. »Womit können wir das vergleichen?
31 Es ist wie beim Senfkorn: Wenn es in die Erde gesät wird, ist es der kleinste Same, den es gibt. 32 Aber ist es einmal gesät, so geht es auf und wird größer als alle anderen Gartenpflanzen. Es treibt so große Zweige, dass die Vögel in seinem Schatten ihre Nester bauen.«

Liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Eltern und Angehörigen, liebe Lehrerinnen und Lehrer, liebe Schulleitung,

Einstieg: Kürzlich kam ich auf die Frage, was habe ich, damals, in der Schule gelernt? Es kam so: Ich las in einem Buch eine kurze Notiz. Ein Doktorand der berühmten Hochschule in Harvard USA wurde gefragt, was er an der UNI gelernt hat, und er antwortete nur mit drei gleichlautenden Worten: „Prepare, prepare, prepare,…“ also auf Deutsch: „Bereite dich vor!“ Und als ich dies so las, fragte ich mich selbst, was ich denn antworten würde, und auf einmal fiel mir ein Satz ein, den ich in meiner Schulzeit öfters gehört hatte, und der lautet: „Es gibt keine dummen Fragen!“

Und so denke ich ist es gemeint, dass Jesus eine solche Frage aufgreift: »Wie geht es zu, wenn Gott seine Herrschaft aufrichtet?« Diese Frage lässt sich leicht vom Bild der Herrschaft her beantworten, und doch wäre diese Antwort falsch. Es ist wirklich keine dumme Frage, dies wird an den Bildern deutlich, die Jesus zur Erklärung gebraucht.
Diese Frage lautet für uns übersetzt heute: Was ist der Sinn unseres Lebens, von Gott her gesehen, also über unsere eigene Person hinaus? Wir können es oft nicht sagen, wir leben in der Gegenwart. Die Zukunft ist uns verschlossen.

Und doch wissen wir, dass die Zukunft kommt. Am Tag des Schulabschlusses, an Tagen eines Übergangs wird uns dies immer neu bewusst. Es gibt Einschnitte, es gibt Stufen. Die Zukunft liegt vor uns. Und so machen wir uns Vorstellungen.

Wünsche für die Zukunft, Zukunftsträume – die sind erlaubt. Die Frage: Was wünschen Sie sich für Ihre Zukunft, ist keine dumme Frage. Die greifbaren Ziele sind die nächsten. Die Vorstellungen von unserer Kindheit und Herkunft her, die nahe liegenden. Die Visionen, die gibt es auch noch. Ich gehe jetzt aus bestimmten Gründen nicht ins Detail.

Nur auf die drei Bilder des Textes sollten wir einmal schauen, und dann sehen wir auch drei mögliche Arten, sich auf Zukunft einzustellen:
– Das kleinste Samenkorn, das Senfkorn ist voller Potential. Wir sollten also unser Leben von unserem Potential her sehen.
– Aus dem Samen wächst eine Pflanze. Hier ist Entwicklung. Es gibt keien Zukunft ohne Entwicklung.
– In seinen Zweigen können Vögel ein Nest bauen. Das Leben in der Natur kann auch wieder nützlich für andere sein.
Diese drei Bilder gibt uns Jesus auf die Frage nach der Möglichkeit der Erfüllung von Gott her. Wir sollten uns diese Möglichkeiten bewusst in Frageform fassen:
Welche Wurzeln haben? Woher komme ich? Wo stehe ich? Was ist mein Potential?
Möchte ich wachsen? Sage ich „Ja“ zu Veränderungen?
Welche Art von Verantwortung möchte ich übernehmen? Womit möchte ich anderen dienen? Wer sind diese Anderen?

Wir möchte aber heute nicht bei diesen Fragen stehen bleiben, sondern in einer Aktion zeigen, dass wir, dass die Schülerinnen und Schüler, wie ich Sie jetzt bewusst noch einmal nenne, sich einmal dieser Herausforderung stellen. Doch dazu jetzt mehr!

– Danach folgte ein Aktion, bei der mit Zukunftswünschen beschriftete Blätter an einen vorbereiteten Baum gehängt wurden.

Predigt zum Gottesdienst „Die Welt vor mir ist für mich gemacht“
Evangelium Matthäus 5, 13 – 16: Salz und Licht
13 Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten.
14 Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. 15 Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. 16 So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.

Liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Eltern und Angehörigen, liebe Lehrerinnen und Lehrer, liebe Schulleitung,
„Die Kraft des positiven Denkens“ so lautet ein Buchtitel. Früher war ich da skeptisch. Sollen wir jetzt alle Probleme unter den Teppich kehren? Doch heute bin ich der Meinung, dass dies nicht gemeint ist. Gemeint ist, dass wir Menschen aufgefordert sind, unser Leben bewusst zu leben, mit einer Einstellung, einem positiven und optimistischen Denken. Warum? Weil nur dieses positive Denken die Potentiale in uns freisetzen kann. Und wer hat´s erfunden? – Nicht die Schweizer, .. Nein, im Grunde stammt es von Jesus und ist in den Evangelien dokumentiert.
So auch in den Bildern dieses kleinen Textes aus der Bergpredigt Jesu. Den ich kurz erläutern möchte:
Zweimal: Ihr seid… Das ist doch schon die entscheidende Richtung. Es geht nicht darum, was andere von euch denken, sondern ihr seid! Es geht nicht darum, was andere für euch für gut halten und raten, sondern ihr seid! Das was ihr werden könnt, das habt ihr in euch. Hört auf zu existieren, fangt an zu sein! Das ist Wort am Tag des Schulabschlusses, des Übergangs in eine Berufsausbildung oder ein weiteres Lernen! Ihr seid. Geht Euren eigenen Weg, denn ihr habt ein Potential!
Dazu nun zwei Symbole: Ihr seid das Salz der Erde. Darin steckt eine Verheißung und ein Bild: Salz am Essen, das macht Geschmack. Ihr seid das, was der Erde den Geschmack gibt, die notwendige Farbe, das Leben. Eure Güte und euren Einsatz wollen die Menschen. Die Welt wartet auf euch. Stellt es nicht auf den Speicher, denn dann verdirbt das Salz. Nehmt euer Potential und gebt es in das Essen. Salzt mit euren Gedanken Worten und Taten. Wollt ihr zu etwas nütze sein, und wer wollte das nicht, dann entdeckt euer eigenes Potential, eure Bestimmung. Im Film Matrix wird dies anschaulich beschriebt, Neo, der Auswählte kann erst dann seiner Bestimmung gemäß handeln, als er entdeckt, was es bedeutet, an sich selbst zu glauben. Das ist kein rücksichtsloser Egoismus, sondern ein Aufruf zur Gemeinschaft. Aber zur echten Gemeinschaft und nicht zur Masse. Was Salz bedeutet, das hat jeder selbst in sich und für jeden und jede ist das auch verschieden.
Das nächste Bild unterstreicht das: Ihr seid das Licht der Welt. Dieses Bild kann zur Überheblichkeit verführen, doch das soll es nicht. Es geht einfach darum, nun auf die Welt zuzugehen. Das Licht, die Gegenwart, die Präsenz unter Menschen ist gefordert. Jeder dar auch in sein Kämmerlein zurückgehen, aber genauso darf er, oder sie leuchten, den anderen Menschen zeigen, was ihm oder ihr wichtig ist. Licht soll gesehen werden. „Stell dein Licht nicht unter den Scheffel!“ Entdecke deine Möglichkeiten, und lebe danach. Die Menschen, die auf dich warten, kennst Du vielleicht jetzt noch gar nicht. Das ist schon ein Grund, offen auf andere zuzugehen.
Schulabschluss ist ein Anlass, innezuhalten und nachzudenken, sich auf sich selbst zu besinnen. Ein Zeugnis sagt ja auch nichts anders als: Sie haben Potential! Und so greife ich noch einmal den Satz von Peter Fox auf: Die Welt vor dir ist für dich gemacht.
Auf die Zukunft zu gehen, bedeutet sich darüber Gedanken zu machen, was man denn von der Zukunft erwartet. Dazu wurden im Unterricht einige Beispiele genannt:
– Guten Schulabschluss
– Danach eine Ausbildungsteile, diese erfolgreich abschließen, Studium
– Mut, gute Arbeit, gutes Arbeitsklima, gute Arbeit leisten, Fleiß, Engagement, Ehrgeiz, Durchsetzungsvermögen, Mut, Erfahrung, Motivation
– Freunde, Familie, Erfolg, Verantwortung, Ehepartner, der mich unterstützt, Liebe, Zuneigung, Verlobung, Heirat,
– Viel Geld, eigenes Auto, eigene Wohnung, Haus, Vermögen
– Gesundheit, Glück, Unterstützung von Freunden
– Verstand, Intelligenz, Selbstbewusstsein, Zielstrebigkeit, Zufriedenheit, Selbständigkeit
– Entscheidungen treffen und davon überzeugt sein
– Gutes Allgemeinwissen, fortgeschrittene geistige Reife
– Auskommen mit Menschen, Freizeit
– Etappen, die wir in unserem Leben schon gemeistert haben und die wir noch meistern müssen
Überleitung: Es gibt eine Geschichte, die beginnt mit den Worten: „In einem Traum, betrat ein Mann einen laden. Dort stand ein Engel hinter dem Verkaufstresen…“

Im Fortgang des Gottesdienstes wurde diese Geschichte gespielt…

Lesung und Ansprache – Christoph Fleischer – zum Einschulungsgottesdienst der Conrad-von-Ense Schule am 17.08.2009

Lesung Jesus Sirach, Kapitel 6 (Gute Nachricht Bibel)

5 Durch freundliche Worte gewinnst du viele Freunde

und einleuchtende Rede verschafft dir ihre Zustimmung.

6 Menschen, die dich grüßen, solltest du viele haben;

aber als Ratgeber nimm nur einen unter tausend!

7 Wenn du jemand zu deinem Freund machen willst,

dann vertrau dich ihm nicht zu schnell an;

finde zuerst heraus, ob er es verdient.

8 Mancher ist dein Freund, solange es für ihn nützlich ist;

aber sobald du in Schwierigkeiten gerätst, ist er nicht mehr da.

9 Es gibt Freunde, die fangen Streit mit dir an und hängen es gleich an die große Glocke;

dann kommst du ins Gerede.

10-11 Es gibt Freunde, die mit an deinem Tisch sitzen,

solange bei dir alles zum Besten steht.

Sie folgen dir wie dein Schatten und befehlen deinen Dienern, als wären es ihre eigenen.

Aber sobald du in Schwierigkeiten gerätst, verschwinden sie.

12 Wenn es dir schlecht geht,

wollen sie nichts von dir wissen und lassen sich nicht mehr sehen.

13 Halte dich fern von deinen Feinden und

nimm dich in Acht vor deinen Freunden!

14 Ein zuverlässiger Freund ist wie ein sicherer Zufluchtsort.

Wer einen solchen Freund gefunden hat, der hat einen wahren Schatz gefunden.

15 Er ist nicht zu bezahlen und mit nichts aufzuwiegen.

16 Ein zuverlässiger Freund ist ein echtes Heilmittel;

wer dem Herrn gehorcht, findet einen solchen Freund.

17 Ein Mensch, der sich an den Herrn hält,

kann auch rechte Freundschaft halten;

denn der Freund, den er wählt, passt zu ihm.

Monatsspruch August 2009: Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. Numeri 6,24-26

Liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Eltern und Verwandten, liebe Lehrerinnen und Lehrer,

Der Segens-Spruch den ich vorgelesen haben, passt ganz gut zum vorgesehen Thema: Lächeln. Irgendjemand sagte einmal, Das Lächeln ist die netteste Art, jemandem die Zähne zu zeigen! Wir begegnen anderen Menschen, und egal ob es neue Freunde sind oder jetzt völlig fremde Gesichter, wir lesen in ihren Gesichtern unheimlich viele Botschaften, und umgekehrt, sie in unserem Gesicht. Es geht dabei um pure Menschlichkeit. Das nimmt jeder Angst und jeder Sorge den Wind aus den Segeln, denn die anderen zeigen uns: Wir sind Menschen, wie Du auch. Das gilt im Übrigen auch für Eure Lehrerinnen und Lehrer. Wir begegnen einander menschlich in unseren Gesichtern. Das menschliche Gesicht ist ein Phänomen. Es zeigt allgemeine Züge, es zeigt weibliche und männliche Züge und es ist auch ganz individuell. So gehen wir immer wieder aufeinander zu und wecken damit instinktiv aneinander auch die Neugier! Was macht der oder die andere so, denkt sie oder er vielleicht sogar ganz genauso wie ich? Vielleicht entdecken wir schon auf dem ersten Blick den Freund oder die Freundin! …

Wir begegnen also einander in Gesichtern, im Angesicht, früher sagte man im Antlitz. Und besonders sympathisch ist es uns, wenn diese Gesichter lächeln. In dem Segenswort, das wir gehört haben, wird genau dies von Gott gesagt, wenn er und Gutes wünscht und segnet. Gott kommt uns entgegen und begegnet uns im Lächeln seines Gesichts, ganz unsichtbar, versteht sich.

Das heißt zum einen: Gott begegnet uns freundlich. Gott will, dass es uns gut geht. Er begegnet uns, wie wir einem freundlichen Gesicht begegnen. Man kann auch sagen, dass Gott in Jesus unser guter Freund geworden ist. Gott sagt: „Ich segne dich und behüte dich.“

Das zweite ist: Gott begegnet uns in jedem menschlichen Gesicht. Jedes menschliche Gesicht ist das uns Fremde, das ganz andere. Wir Menschen können uns nahe kommen, und werden uns doch einander immer auf eine bestimmte Art respektieren müssen, weil wir anders sind, und verschieden. Gott sagt: „Ich lasse dein Angesicht leuchten über dir und bin dir gnädig.“

Im dritten Satz wird dies mit anderen Worten noch einmal betont: Gott kommt uns nah. Sein Wort ist seine Gegenwart. Das Lächeln Gottes wird damit zu einem guten Wort, zum Wort Segen. Gott sagt: „Ich hebe mein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.“

Und so kommt in diesem Wort des Segen doch beides zusammen, die Nähe Gottes und sein Lächeln und die Nähe der Menschen und ihr Lächeln. Gott ist Mensch geworden in Jesus, zu Weihnachten im Kind in der Krippe. (Daher ist auf manchen Krippendarstellungen das Jesuskind mit einem Lächeln gemalt worden.) Gottes Zeichen unter uns Menschen ist seitdem das menschliche Lächeln.

Um daran zu erinnern bekommt jetzt jeder Schüler und jede Schülerin, die heute neu anfangen einen Smile-Aufkleber, der dann bitte auf das Lerntagebuch geklebt werden soll, das Bild eines Lächelns.