Zen – nicht nur für Manager, Gerd Kracht, Recklinghausen 2014

Print Friendly

Rezension zu: Hinnerk Polenski: In der Mitte liegt die Kraft © Theseus in J. Kamphausen Mediengruppe GmbH, Bielefeld 2014

Der durch Funk und Fernsehen bekannte Zen-Meister des Daishin-Zen Hinnerk Polenski legt in diesem Buch einen Weg zum Zen-Leadership vor. Dieses Buch richtet sich an Menschen, die einerseits ihre innere Mitte suchen und andererseits verantwortlich im Außen für andere wirken müssen und möchten.

Polenski legt wert auf Führungsverhalten bei Führungspersönlichkeiten. Eine Führungskraft ist laut Autor jede Frau und jeder Mann, die oder der Verantwortung für sich und für andere übernimmt! Jeder und jede also, der oder die aus Selbstführung, Selbstverantwortung und Selbsterkenntnis heraus zum Wohle der Menschen, der Wesen und der Natur in dieser Welt wirkt oder wirken möchte. Polenski legt ein Buch für Menschen vor, die Führung neu definieren. 
Die Zen-Leadership-Übung führt den Menschen in seine Mitte, so Polenski. Ist er in seiner Mitte, versteht er daraus zu Handeln und Einfluss zu nehmen. Dies gilt besonders für Beruf und Arbeitswelt der Übenden. Hier sind alle Berufe angesprochen, die Menschen in den westlichen Industriegesellschaften ausüben, egal, ob sie selbstständig oder angestellt sind. „Zen-Leadership“ ist das Wort für diesen Prozess, verantwortlich in der Gesellschaft zu handeln. Zen-Leadership ist ganzheitlich, denn sowohl die eigenen Interessen wie auch die Interessen der anderen sind immer zugleich gemeint und angesprochen. So ist nach Polenski der Zen-Leadership ein Prozess, der immer das Innere mit dem Äußeren verbindet. 
Nach den einleitenden Begriffserklärungen zu Führungs-Persönlichkeiten und Führungsverhalten, zu Zen-Leadership und Verantwortung, führt Polenski „das Wörtchen Zen“ ein, und gibt gleich zu Beginn zu verstehen, dass Zen sich nicht theoretisch vermitteln lässt. Zen wird erlebt, wenn man sich auf das Abenteuer des Zen-Leadership einlässt. Abenteuerlich sei dieser Übungsweg, da der Berufsalltag vieler Menschen in unserer Gesellschaft von Angst und Selbstzweifeln geprägt sei. Durch die Übung des Zen-Leadership komme der Praktizierende zum Handeln aus der Mitte und könne so den Herausforderungen der modernen Arbeitswelt mit Burn-out-Problematik widerstehen. 
In der Zen-Leadership-Praxis zeigt Polenski die Funktionsweise des menschlichen Geistes. Wo identifizieren wir uns mit Gedanken und Gefühlen – und was passiert, wenn wir diese Gewohnheit beobachten und sogar aufgeben können? Er erzählt Beispiele aus seinen Erfahrungsfundus, während seiner Japan-Besuche. Beim Lernen durch die Praxis für die Praxis, tauche der Zen-Geist auf, der nicht beschreibbar sei, sondern nur im Handeln erkannt werde. 
Dort wo die Zen-Leadership-Praxis falsch verstanden werde, führt Polenski Beispiele an, wie Fehleinstellungen und egoistische Grundeinstellung überwunden werden können. Voraussetzung für den Zen-Leadership Weg sei die Übung der Meditation im Sitzen, das Za-Zen. Die Meditationshaltung im Sitzen sei eine Übung die das Leben aus der Mitte, in Alltag und Sportübungen übertragen könne. 
Das Buch bietet neben einer Reihe guter Ratschläge und weiser Zen-Überlieferungen, auch Übungsformen und Methoden, um sowohl in der Meditationspraxis als auch im Alltag aus der Mitte heraus zu Handeln und zu wirken.
„Ohne Anstrengung kommt niemand weiter auf dem Weg,“ lautet eine zentrale Zwischenüberschrift. Der Autor macht aus seiner Grundhaltung keinen Hehl: Wenn man bereit sei, regelmäßig Za-Zen zu sitzen, wenn man schrittweise lernen will, den Zen-Geist zu verstehen, hat man einen Chance, auf dem Weg weiterzukommen. Voraussetzung dafür sei, dass man bereit ist, Defizite im eigenen Leben wahrzunehmen. Diese könne man in einem langwierigen praktischen Übungsweg umwandeln. Polenski rundet seine Betonung auf Anstrengung aber auch selbst wieder ab: „Eine Grundregel der Zen-Leadership ist deshalb, das zu tun, was nur ich tun kann, als ein Weg, der von mir selbst ausgeht.“ Dieses Buch ist ein Buch mit neuen und unterschiedlichen Aspekten und Zugängen zur Zen- Erfahrung. Sicherlich kommt es den spirituellen Vorstellungen von Führungspersönlichkeiten besonders entgegen.

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

Kommentar verfassen