Der christliche Glaube zwischen Moderne und Religion
Autor: christoph.fleischer
Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.
Rezension zu: Theresia Maria Leitner-Schweighofer, Frankls moralischer Imperativ. Peter Lang Verlag Frankfurt/M. 2009, ISBN 978-3-631-57695-3, 34,00 Euro.
Lebensglück ist aus philosophischer Sicht keine Zufallserrungenschaft, sondern leitet sich von Handlungen ab, die auf einer Ethik der Entscheidung beruht. Die Vorgabe für diese handlungsweisende Entscheidung sind allgemeine Imperative, die die Autorin aus der psychologischen Arbeit Viktor Frankls (1905-1997) entwickelt. „Der Sinn bestimmt das Leben – Viktor Frankls Ethik. Christoph Fleischer, Werl 2009“ weiterlesen
Zu: Jürgen Moltmann, „Sein Name ist Gerechtigkeit“, Neue Beiträge zur christlichen Gotteslehre, Gütersloher Verlagshaus 2008
Ehrlich gesagt, Jemandem, der schon einige Bücher von Jürgen Moltmann gelesen hat, kommt an den im Buch aufgeführten Gedanken Einiges bekannt vor. Wer allerdings zu dieser Gruppe nicht gehört, dem wird hier an ausgewählten Beispielen vorgeführt, was evangelisch theologische Redlichkeit verbindet mit ökumenischer Offenheit, politischer und historischer Betroffenheit und sprachlich-rhetorischer Gewandtheit. „Im Nachdenken mal in die Tiefe gehen. Rezension von Christoph Fleischer, Werl 2008“ weiterlesen
Rezension zu: Markus Reiter, Dumm 3.0. Wie Twitter, Blogs und Networks unsere Kultur bedrohen. Gütersloher Verlagshaus 2010, ISBN 978-3-579-06883-1, 17,95 Euro
Die Formulierung des Buchtitels „Dumm 3.0“ spielt an auf die Bezeichnung des interaktiven Internets als „Web 2.0“. Damit ist die rhetorische Figur der Klimax gemeint, deren Aussage hier ist: Nach Web 2.0 kommt Dumm 3.0. Dass diese Phase jetzt schon im Internet angekommen ist, zeigen z. B. auch erste Reaktionen auf Interviews zu diesem Buch z. B. auf Twitter, womit es aber auch Aufmerksamkeit erzeugt.
Journalismus muss bezahlt werden, um gut zu bleiben.
Markus Reiter kennt sowohl vom „Readers Digest“ als auch von der „FAZ“ her die Funktionsweise des professionellen Journalismus, der Informationen auf ihren Nachrichtengehalt hin prüft, bewertet und aus der Vielzahl von Meldungen auswählt. Journalismus muss zudem gesellschaftliche Skandale aufwecken und Demokratie erlebbar machen. Er darf nicht nur in den Suchdiensten des Internets recherchieren, sondern muss dies auch persönlich vor Ort und im Gespräch. In Reiters Buch kommen daher Blogger wie Presse-Journalisten gleichermaßen zu Wort.
Das Internet ist die Zukunft.
Obwohl der Autor schon mit dem Titel die Zukunft des Internets schwarz malt, die Entgleisungen der Bloggerszene als „Kakophonie“ bezeichnet, ist klar: Die Präsenz des Internets hat schon jetzt begonnen, die journalistische Welt zu verändern. Interessanterweise kommt in diesem Zusammenhang der Schritt zu den Massenmedien Radio und TV ein wenig zu kurz. Dass man in den Zeitungen die Nachrichten von gestern liest, weiß ja schon der Radiohörer und nicht erst der Nutzer des Internets. Manchmal schienen Markus Reiters prophetische Zukunftsvisionen den Weg zu einer deutlicheren Analyse zu verstellen. Was bringt die Zukunft wirklich? Wird die Tageszeitung abgesehen von überregionalen Massenblättern bald nur noch als E-Book gelesen, wie er prophezeit? Wäre es wirklich ein Beinbruch, wenn die Auflagenstärke der Presse auf den Stand der sechziger und siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts zurückfallen würde? Klar ist heute allerdings: Für die Meinungsvielfalt braucht die Presse in den Zeiten des Internet nicht mehr zu sorgen.
Demokratie, Meinungsfreiheit und Globalität.
Markus Reiter stellt an anschaulichen Beispielen dar, wie z. B. den „Piraten“, dass der Internet-Journalismus zu Meinungsinseln privater Gruppen führt, so er nicht ohnehin ein Spiegelbild der kommerziellen Angebote ist. Der Unterschied zwischen öffentlich und privat ist im Internet verschwunden. Suchdienste ersetzen den Journalismus nicht, können aber hochaktuelle Infos liefern (Beispiel: Wiederwahl des Bundespräsidenten). Die wichtigste Funktion des Internet scheint jedoch zu sein, Globalität herzustellen.
Fazit.
Markus Reiter verdeutlicht die Umbruchphase, in die das Internet den Journalismus gebracht hat. Manche Qualitätsverluste in der eigenen Zunft werden beklagt. Das Buch ist anregend und verdeutlicht die Empfindlichkeiten, die durch Kostendruck und Konkurrenz ausgelöst werden. Die Polemik Reiters gegen den Internetjournalismus klingt an einigen Stellen überzeichnet, wenn er auch zu Recht auf Missstände hinweist. Bezahlter Journalismus wird bleiben, nicht nur für die Eliten, sondern gerade auch für die nicht elektronisch lesenden Massen. Langfristig jedoch mögen elektronische Datenträger die Druck-Erzeugnisse verdrängen. Das Abo der Zeitung jedoch wird auch dann ein Abo bleiben. Das Internet vermittelt Globalität und Gleichzeitigkeit im „Second Life“, die Information im ersten Leben dagegen Lokalität und gute Recherche. Der Autor stellt wichtige Fragen und weist zu Recht auf die Aufgaben von Bildung hin. Die Geschichte der Zivilisation ist bis jetzt immer auf neue Medien eingestiegen, ohne die alten gänzlich aufzugeben. Es gibt die Bibel neben dem Fernsehen. Also wird es in Zukunft auch die Zeitung neben dem Internet geben. Dies alles wird vernetzt sein. Die Blogger-Cliquen werden sich hoffentlich auflösen. Und was bezahlt werden kann und soll, wird auch zu bezahlen sein.
zu: Britta Bannenberg: AMOK. Ursachen erkennen – Warnsignale verstehen – Katastrophen verhindern. Gütersloher Verlagshaus 2010 ISBN 978-3-579-06873-2, 17,95 Euro
Die Gefahr von Amok-Taten ist für uns mit Erfurt (2002) und Winnenden (2009) kein Phänomen des Auslands mehr. Trittbrettfahrer und Amokdrohungen drehen zusätzlich an der Angstspirale. Die Juristin und ehemalige Langstreckenläuferin Britta Bannenberg wirkt dem durch Versachlichung entgegen: „Was ist von drohenden Äußerungen, Sympathiebekundungen für Amokläufe, Bombenanschlägen und Tötungsdelikten zu halten? Wann sollte die Polizei eingeschaltet werden? Was können Lehrer, Mitschüler, aber besonders auch Eltern frühzeitig tun, um auf beunruhigende Entwicklungen adäquat zu reagieren? In diesem Buch wird versucht, die Leser zu einer besseren Einschätzung solcher Entwicklungen und Situationen zu befähigen.“ Es ist hilfreich und der derzeitigen Situation angemessen, dass sich die Autorin auf Amok in Schulen konzentriert. Somit ist dieses Buch für den pädagogischen Kontext, für Eltern und Lehrer gut geeignet.
Die Täter verstehen lernen.
Gefährlich und eine Herausforderung für die Prävention ist, dass die späteren Täter im Vorfeld nicht auffallen. Mehrere Fakten müssen zusammenkommen: Mangelnder Schulerfolg, normales Elternhaus, Computerspiele, Zugang zu Schusswaffen und psychische Probleme, eventuell mit Suizidgedanken, sind wohl Voraussetzungen solcher Gewaltausbrüche, die einerseits mit der Publizität der Taten rechnen, Hass und Aggressivität auf die Schule projizieren und zugleich den eigenen Suizid einkalkulieren.
Vorbilder und Tatmuster.
Das Vorbild der Columbine Highschool und Abläufe wie in Erfurt, Emsdetten und Winnenden lassen die Autorin Tatmuster gewinnen, die dann auch Rückschlüsse für die Prävention erlauben. Abschiedsbriefe von Tätern, Emails von Trittbrettfahrern und Taten von Nachahmern wie Drohungen werden analysiert. Gewaltphantasien und ein gestörter Umgang mit Kränkung und Versagen, meist dann auch das Gefühl, gemobbt zu werden, führen in diese Tatmuster hinein. Eine öffentliche Berichterstattung über Suizid kann die Ausführung der Tat begünstigen, da ähnlich wie bei einem Selbstmordattentat der Suizid eingeplant ist.
Prävention.
Die Maßnahmen der Prävention, die die Autorin vorschlägt, sind besonders im schulischen Kontext zu sehen. Stille Schüler dürfen nicht ignoriert werden. Maßnahmen zur Verbesserung des Schulklimas, Aktionen gegen Mobbing sind auch präventiv gegen Amok. Die Beschäftigung mit Suizid allgemein sollte eher vermieden werden, außer im Kontext mit aktuellen Ereignissen. Die mediale Beschäftigung mit Gewalt aber ist ein sinnvolles Thema, zumal es im Vorfeld von Amok sogar dazu kommt, dass Computerspiele im Kontext des Plans der eigenen Schule gespielt werden. Drohungen sind stets ernst zu nehmen, Krisenpläne im Vorfeld abzustimmen. Das Handyverbot an Schulen sollte aufgehoben werden, da die Handys im Krisenfall sehr gut geeignete Warnmelder sind.
Fazit:
Die hier aus dem Buch herausgefilterten Bemerkungen ersetzen nicht die Lektüre dieses wichtigen Buches, das gerade im Detail und der Schilderung konkreter Fälle die Herausforderung deutlich werden lässt: AMOK-Taten geschehen mitten unter uns. Das Buch kann dazu verhelfen, mehr auf einzelne Menschen zuzugehen und das Schulklima zu verbessern.
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