Theologische Grundsätze, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2017

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Jürgen Moltmann: Hoffen und Denken, Beiträge zur Zukunft der Theologie, Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn 2016, gebunden, 295 Seiten, ISBN 978-3-7887-3009-3, Preis: 24,99 Euro

Das Vorwort macht deutlich, dass sich Jürgen Moltmann (geb. 1926) dieses Buch zum 90. Geburtstag geschenkt hat, doch darüber verliert er kaum ein Wort. Im Grunde zeigt er einfach auf, warum er neben den aktuellen Beiträgen noch zwei bislang unveröffentlichte Texte aus seinem Archiv (1959/ohne Jahresangabe) hinzugefügt hat. Die meisten Texte sind aus Vorträgen hervorgegangen. Der Nachweis der Erstveröffentlichungen und Vortragsorte am Ende des Buches zeigen die universelle und ökumenische Weite seines Werkes noch im hohen Alter: Sheffield (1981), Utrecht (2008), Prag (2008), Peking (2010), Rio de Janeiro (2011), London (2011), Seoul (2014), Oxford (2014), Princeton (2015). Die übrigen Texte wurden in Deutschland vorgetragen und/oder in einer theologischen Zeitschrift veröffentlicht.

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Nietzsches boshafte Heiterkeit, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2017

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Andreas Urs Sommer: Nietzsche und die Folgen, J.B.Metzler Verlag, 208 Seiten, ISBN 978-3-476-02654-5, Preis: 16,95 Euro

Andreas Urs Sommer ist seit 2016 Professor für Philosophie in Freiburg, und war vorher in Zürich tätig. Von 2008 bis 2014 war er wissenschaftlicher Kommentator der Werke Nietzsches. Er hat neben drei großen Kommentaren einige Bücher zu philosophischen Themen herausgegeben, wie „Werte“ (2016), „Seelenruhe“ (2009), „Zweifel“ (2005) und „Die Lust, selber zu denken“ (2002).

Ein Wort, das man über das Werk Nietzsches stellen kann, ist „Hinterfragen“. Es ist eine Wortschöpfung Friedrich Nietzsches selbst, erschienen im Buch „Morgenröthe“: „Hinterfragen. – Bei allem, was ein Mensch sichtbar werden lässt, kann man fragen: was soll es verbergen? …“ (S.69) Das hier vorgelegte Buch über Nietzsche legt vom Titel her den Schwerpunkt auf die Folgen, also auf Nietzsches Wirkungsgeschichte im 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Dass es in den Beschreibungen zwischen des Begriffen „Ernst“ und „Heiterkeit“ variiert, geht schon aus den Kapitelüberschriften hervor. Ein Widerspruch, der dabei auffällt, ist, dass die Vereinheitlichung der diversen Gedanken und schriftlichen Anstöße Nietzsches z. B. 1933 durch Bäumler zur Würdigung Nietzsches als „Denker“ führte. Doch dass, wie auch schon bei Karl Marx, Sören Kierkegaard, Ludwig Feuerbach und andere, seine Haupttätigkeit schriftstellerisch war (d. Rez.), passt nicht so recht zu solcher Bündelung der Themen Nietzsches, die letztlich sogar einer Fälschung auf den Leim geht, dem aus dem Nachlass von Nietzsches Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche epilierten Werk „Der Wille zur Macht“. An einer Stelle greift Andreas Urs Sommer diese schillernde Beurteilung auf, indem er den Fernsehmoderator und Journalist Harald Schmidt als „Großen Philosophen“ bezeichnet. Die Auswirkung Nietzsches auf Kunst und Literatur steht jedenfalls hier nicht umsonst vor der Philosophie. „Nietzsches boshafte Heiterkeit, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2017“ weiterlesen

The Stone – auf Deutsch, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2017

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Peter Catapano / Simon Critchley (Hg.): Von Kung-Fu bis Ladypower, 33 Übungen in moderner Philosophie, Aus dem Englischen von Tobias Gabel, J.B.Metzler, Stuttgart 2017, gebunden, 247 Seiten, ISBN 978-3-476-04344-3, Preis: 19,99 Euro

Durch Zufall bin ich auf „The Stone“, die philosophische Kolumne der New-York-Times gestoßen. Ich habe über Google eine Verbindung zwischen Jacques Derrida und Jürgen Moltmann gesucht. Unter den angezeigten Texten war ein Interview mit John D. Caputo aus „The Stone“ über das Taschenbuch „The Truth“, das im Jahr 2014 bei Penguin in London erschienen ist. Anlass für eine philosophische Taschenbuchreihe war das Jubiläum der Londoner U-Bahn.

Natürlich war ich zunächst enttäuscht, dass dieses Interview in der deutschen Ausgabe von „The Stone“ nicht enthalten ist. Der Grund ist ganz einfach: Die hier abgedruckten und übersetzten Texte sind allesamt aus den Jahren 2010 bis 2012. „The Stone – auf Deutsch, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2017“ weiterlesen

Jüdische Religion, philosophisch betrachtet, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2017

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Emmanuel Lévinas: Schwierige Freiheit, Versuch über das Judentum, aus dem Französischen von Eva Moldenhauer, Jüdischer Verlag, Frankfurt am Main 2017, die 1. Auflage der dieser Ausgabe erschien 1992, Softcover 1992, 186 Seiten, ISBN 978-3-633-24112-5, Preis: 15,00 Euro

Eine interessante Erfahrung beim Rezensieren ist die, dass während des Schreibens partiell eine zweite Lektüre erfolgt. Diese Erfahrung ermöglicht hier der Buchmarkt durch ein Reprint als Neuauflage, sodass die Leserinnen und Leser zu einer erneuten Lektüre eingeladen sind, oder, wenn sie diese Arbeiten von Emmanuel Lévinas nicht kennen, dazu, sie zur Kenntnis zu nehmen.

Das Buch „Schwierige Freiheit“ ist eine Aufsatzsammlung, in der Texte aus unterschiedlichen Ausgaben und Quellen von Emmanuel Lévinas zusammengestellt sind, die insgesamt mit dem Judentum zu tun haben (Link zum Inhaltsverzeichnis siehe unten). Das sind kurze Artikel aus Zeitschriften genauso wie längere Aufsätze und Vorträge. Die umfangreichsten Texte sind die „messianische(n) Texte“ (46 Seiten) und die Niederschrift des Vortrags über Franz Rosenzweig „‘Zwischen wie Welten‘ (Der Weg von Franz Rosenzweig)“ (25 Seiten). In dieser Rezension soll keine weitere Inhaltsangabe erfolgen, sondern ich möchte einige Sätze zitieren, die mir bei der Lektüre aufgefallen sind, Sätze zum Judentum, die ich als Christ eigentlich ebenso formulieren könnte. „Jüdische Religion, philosophisch betrachtet, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2017“ weiterlesen

Humanismus-Kritik Heideggers, Rezension Christoph Fleischer, Welver 2017

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Martin Heidegger: Über den Humanismus, Vittorio Klostermann, Frankfurt am Main 1949, 11. Auflage 2010, Preis: 9,80 Euro

 

Diese Einzelschrift „Über den Humanismus“ ist im Band 9 der Martin Heidegger Werkausgabe enthalten, die auch unter dem Titel „Wegmarken“ als Aufsatzband in der roten Reihe des Verlages Vittorio Klostermann für 19,80 Euro erhältlich ist. Es sind Aufsätze, die von 1919 bis 1961 erschienen sind, also eine Entwicklung der Philosophie Heideggers nachzeichnen können. Der Text der Einzelausgabe ist wort- und seitengleich. Redaktionelle Veränderungen gegenüber der Erstausgabe von 1949 sind als Anmerkungen notiert. Was allerdings fehlt, ist die Übersetzung der französischen Textteile, die im Original enthalten sind. Ein großer Nachteil ist auch, dass im Einzelheft die Seitenzahlen der Werkausgabe fehlen, die für ein fachlich orientiertes Zitieren notwendig wären. „Humanismus-Kritik Heideggers, Rezension Christoph Fleischer, Welver 2017“ weiterlesen