Religion (setzt) in Bewegung! Ausstellungsbericht von Dr. Vera und Joachim Leberecht, Herzogenrath 2025

Foto 1 Werbeplakat PRAYMOBIL, Joachim Leberecht

Playmobil wer kennt sie nicht, die kleinen Plastikfiguren, die seit gut 50 Jahren in vielen Kinderzimmern zu finden sind? Ganze Welten lassen sich damit phantasievoll gestalten, ganze Epochen nachspielen”. Mit dem Titel seiner neuesten Ausstellung, Praymobil, knüpft das Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen bewusst an diese Erfahrung an: Beweglichkeit, sinnliche Erfahrung und Spiel sind in dieser Schau verknüpft mit religiöser (Gebrauchs-)Kunst.

Bewegte Bildwerke

Die Ausstellung zeigt 80 Exponate, darunter 70 Leihgaben, davon viele aus Tirol und der Schweiz. Vor allem im Alpenraum sind etliche mit den gezeigten Werken verbundene Bräuche noch lebendig. So gibt Praymobileinen lebhaften Eindruck davon, wie Kunst und religiöses Brauchtum zusammenkommen. Diese Zusammenstellung ist insofern einzigartig, als noch nie so viele, auch seltene, bewegte Bildwerke zu sehen waren.

Im Spätmittelalter, aus dem die meisten Ausstellungsstücke stammen, wurde mithilfe beweglicher Elemente versucht, eine Illusion des Lebendigen herzustellen. Bei einem Jesus am Kreuz (Foto 2) Christus mit beweglichen Armen) können Kopf, Kinn und sogar die Zunge bewegt werden und das Bluten aus der Wunde in der Seite dargestellt werden. Das Karfreitagsgeschehen konnte auf diese Weise besonders realistisch nachvollzogen werden. Durch ihre ebenfalls beweglichen Arme konnte die Figur nach dem Gottesdienst sogar vom Kreuz abgenommen, Maria in den Schoß und anschließend in ein Grab gelegt werden.

Spielen mit dem neugeborenen Jesuskind

Neben beweglichen Christusfiguren sind Himmelfahrtsgruppen zu sehen: Dabei konnten Jesus oder auch Maria durch ein Loch in der Kirchendecke (das Heilig-Geist-Loch”) hochgezogen werden. Auch das kleine Christuskind ist in zahlreichen Ausführungen ausgestellt. Gezeigt werden schwangere Marienfiguren, denen zu Weihnachten das kleine Baby aus dem Bauch genommen werden konnte. (Foto 3 Maria mit Bauchkasten).

Für das Baby gab es eine ganze Reihe von Möbeln; es konnte in Wiegen gelegt oder auf Kissen, Stühle oder der Mutter Maria auf den Schoß gesetzt werden. Diese Figuren waren besonders in Frauenklöstern beliebt und wurden den zum Teil sehr jungen Novizinnen zur Pflege anvertraut.

Die Ausstellung versucht erfolgreich ein Crossover von Kunst, Brauchtum, bildendem Theater, Musik, Performance und Gebrauchsgegenständen. Und Gebrauchsgegenstände sind die gezeigten Stücke im doppelten Sinn: Zum einen wurde die Kunst teilweise intensiv genutzt (beispielsweise indem Kinder sich an Palmsonntag zu Jesus auf seinen hölzernen Esel dazusetzen durften) (Foto 4 Jesus reitet auf einem Esel) und hat auch entsprechende Gebrauchsspuren. Zum anderen wurde sie auch gebraucht, um Glauben/Religion erlebbar und im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar zu machen. Die sinnlich-spielerischen Aspekte von Kunst bzw. religiösen Gegenständen und deren interaktiver Gebrauch stellen eine Verbindung her zwischen den Menschen damals und uns heute.

Perspektivwechsel

Den Ausstellungsverantwortlichen ist es ein Anliegen, durch immer wieder neue Perspektivwechsel auf (mittelalterliche) Kunst die Relevanz von Kunst für die Menschen von heute zu erhalten. Dabei verschieben die Kuratoren Michael Rief und Dagmar Preising in ihrem Beitrag Handelnd oder bewegt? im Ausstellungskatalog (S.18-20) den von Peter Jetzler seit 1983 in die kunsthistorische Literatur eingebrachten Begriff von „handelnden Bildwerken“ in „bewegte Bildwerke“. Aus unserer Sicht greift der Begriff bewegte Bildwerke  für das rituelle Nachspielen der Passionshandlung zu kurz, denn hier ist doch Christus der Handelnde. Vielleicht wird zukünftig unterschieden zwischen handelnden Bildwerken und bewegten Bildwerken. Für beides gibt es gute Argumente.

Für uns persönlich wirft die Ausstellung vor allem die Frage auf, wie die Relevanz von Religion und Glauben für die Menschen heute weiterhin erhalten bleiben und immer wieder neu vermittelt werden kann. Ähnlich wie die Kunst muss schließlich auch der Glaube immer wieder aktualisiert und mit dem eigenen (Er-)Leben verbunden sein, damit er uns Menschen im wahrsten Sinn des Wortes bewegt.

Praymobil geht es nicht um eine Zur-Schau-Stellung von Kuriositäten (auch wenn von befremdlich” über unfreiwillig komisch” bis süß” einiges zu entdecken ist). Wer sich darauf einlässt, wird zum Nachdenken über den eigenen Glauben angeregt: Was verbindet mich mit den Menschen über die Jahrhunderte hinweg? Wo will ich vielleicht keinen blutenden Jesus mehr sehen; aber wo ist mir die vertraute große Krippe in der Kirche doch lieb geworden und lässt mir die frohe Weihnachtsbotschaft extra nahekommen? Spannende Anstöße, die die Ausstellung gleichzeitig spielerisch und mit Potential auf Tiefgang gibt.

Wann und wo?

 

Praymobil ist im Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen, Wilhelmstr. 18, noch bis zum 15. März zu erleben. Neben einem normalen Museumsbesuch können auch Führungen durch die Ausstellung gebucht werden.

 

Einen besonderen Eindruck von der Wirkung der ausgestellten Kunst gibt eine musikalische Aufführung der spätmittelalterlichen Wolfenbüttler Marienklage am 22.2.26 in St. Adalbert in Aachen (https://ordovirtutum.de/marienklage/).

 

Dem reich bebilderten, informativen Katalog ist im besten Sinne anzumerken, dass die konzeptionell aufwändige Ausstellung durch eine jahrelange Vorlauf- und Planungsphase gegangen ist. Er ist im Paul Imhof Verlag erschienen und für 49,95 Euro im Museum erhältlich.

 

Mehr als nur Ortsgeschichte, Pressehinweis, Hartmut Hegeler, Unna 2025

Hartmut Hegeler: Rittersitz in Unna-Massen. Geschichte des adligen Rittergeschlechts von Romberg und Haus Massen.
Schriftenreihe der Stadt Unna 66. Stadtmarketing Unna, 2025, ISBN 978-3-927082-70-0
Hardcover 24,90 €

Das neu erschienene Buch von Hartmut Hegeler beleuchtet auf 298 Seiten die Geschichte von Haus Massen und der adeligen Familie von Romberg von den Anfängen bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts. Erstmals liegt hiermit eine umfassende Gesamtdarstellung der Geschichte des Rittersitzes dieser evangelischen Adeligen und ihrer Familien vor. Diese wird eingebettet in die Zeitgeschichte der Stadt Unna und der Historie der Grafschaft Mark. Diese Aristokraten gehörten zu den wohlhabendsten Familien in Westfalen, verkehrten mit den einflussreichen Personen ihrer Zeit und vermehrten durch geschickte Heiratspolitik Einfluss und Besitz. Doch sie waren auch von den Schattenseiten des Schicksals betroffen, von Krieg, Bankrott, Wahnsinn und Mord.

Viele Grabsteine in der Stadtkirche zeugen von ihrem Einsatz. Als der Kirchturm des evangelischen Gotteshauses in Unna am 4. Juni 1559 während des Nachmittagsgottesdienstes durch einen Blitzschlag entzündet wurde, ließ ihn die Freifrau Grude von Haus, Witwe von Bernd von Romberg, auf ihre Kosten wieder aufbauen. Seit der Zeit besaß die Familie von Romberg ein besonderes Läuterecht in der Kirche zu Unna. Zwei Kirchenbänke mit je vier Sitzen gehörten dem Rittergut Massen und standen noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts in der Stadtkirche.

Die Geschichte des Hauses Massen reicht weit über lokale Heimatgeschichte hinaus. Der berühmte Pfarrer Philipp Nicolai beschrieb in einem bis dato unbekannten Brief vom 14. April 1586 in bewegenden Worten die Rettung der Evangelischen in der Schlacht von Schwelm durch den „Romberger“ von Haus Massen.

Urkunden, Akten und erschütternde Quellen werfen neues Licht auf das Schicksal von dem Rittersitz Haus Massen. Die Historie der Adelsfamilie wird angereichert durch umfangreiches Bildmaterial (u.a. Abbildungen, Wappen, historische Karten) sowie genealogische Quellen. Ein Index erschließt Namen von Personen und Orten.

Hartmut Hegeler, Pfr.i.R., hat zahlreiche historische Arbeiten zur Geschichte der Frühen Neuzeit und zur Lokalgeschichte veröffentlicht.

Nachruf der Evangelischen Kirche von Westfalen auf Claus Humbert, Ralf Lange-Sonntag, Bielefeld, Januar 2024

Vorbemerkung: Obwohl unsere Freundschaft seit meinem Weggang aus Dortmund 2003 etwas eingeschlafen ist, hat mich die Nachricht über seinen frühen Tod sehr betroffen gemacht. Das Foto auf der Traueranzeige, die ich über das Internet einsehen konnte, zeigt ihn so lebensfroh, wie wir ihn kannten. Claus verstärkte in Münster unser Team der ESG, studierte dann aber nach einigen Semestern weiter in Heidelberg, wo er seine Frau Sabine kennenlernte. Er war Familienvater und engagierter Gemeindepfarrer in Witten. In Zusammenarbeit mit der Ökumenischen Werkstatt Wuppertal haben wir gemeinsam einen Konfijahrgang über KU in Ökumenischer Perspektive erstellt (Vom Glauben der die Welt umspannt).

Als ich später im Kirchenkreis Soest arbeitete bemerkte ich einmal auf Facebook ein Foto vom See Genezareth, dass mich dann regelmäßig als Startbildschirm auf meinem PC begrüßte.

Hier nun der Nachruf der Evangelischen Kirche von Westfalen:

 Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: Wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Röm 14,8 

In der Nacht zum 17. Dezember 2023 ist Pfarrer Claus Humbert nach schwerer Krankheit kurz vor Vollendung seines 65. Lebensjahrs gestorben. 

Claus Humbert war Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Annen in Witten, bevor er im Juni dieses Jahres in den Ruhestand ging. Neben Themen des Miteinanders von Kirche und Sport sowie sozialpolitischen Fragestellungen galt sein großes Engagement besonders dem jüdisch-christlichen Dialog. In einem Kontaktstudium mit „Studium in Israel e.V.“ konnte er seine Kenntnisse vom jüdischen Glauben ver-tiefen und Netzwerke im Dialog knüpfen. Anschließend war er Ansprechpartner für das Fortbildungsprogramm von „Studium in Israel e.V.“ Mehrfach führte Claus Humbert Gruppen nach Israel und Palästina und organisierte Pastoralkollegs zu Fragen des jüdisch-christlichen Dialogs. Dadurch hat er viele Menschen in Beziehung zum jüdischen Glauben und zum Land Israel bringen können. 

Claus Humbert war seit Jahren tätig als kreiskirchlicher Beauftragter des Kirchenkreises Witten-Hattingen für den christlich-jüdischen Dialog. Als Abgeordneter der westfälischen Beauftragtenkonferenz für den christlich-jüdischen Dialog vertrat er die Evangelische Kirche von Westfalen bei der EKD-weiten „Konferenz Landeskirchlicher Arbeitskreise Christen und Juden“. Die westfälische Beauftragtenkonferenz für den christlich-jüdischen Dialog wählte ihn auf ihrer letzten Sitzung im September 2023 zu ihrem Sprecher. 

Wir danken Claus Humbert für sein großes Engagement, das viele Impulse gesetzt und den Dialog entscheidend geprägt hat. Sein Humor und sein Optimismus werden uns im christlich-jüdischen Dialog fehlen. Wir werden Claus Humbert schmerzlich vermissen. 

Gott behüte seine Seele und segne seinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit. Seiner Familie und allen Trauernden sprechen wir unser Beileid aus und wünschen ihnen Kraft und Trost. 

Im Namen der Beauftragtenkonferenz der EKvW für christlich-jüdischen Dialog: 

Ralf Lange-Sonntag 

(Beauftragter der EKvW für den christlich-jüdischen Dialog) 

Bürgermeister Wigant begrüßt Entscheidung des OVG zum Flughafen, Pressemeldung, Kreisstadt Unna

Ein passendes Video:

Unna, den 26. Januar 2022

Nacht und Abendflug rechtswidrig

Mit Freude und auch Erleichterung hat Unnas Bürgermeister Dirk Wigant die heutigen Entscheidungen (Mittwoch, 26. Januar 2022) des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Münster aufgenommen. In dieser Entscheidung hat das OVG die Genehmigung der Bezirksregierung Münster über die Zulassung von Flugverkehr in den abendlichen Nachtstunden am Flughafen Dortmund aus dem Jahr 2018 für rechtswidrig und nicht vollziehbar erklärt.

Lärmschutz hat Vorrang

„Für uns steht der Schutz der Bürgerinnen und Bürger der Stadt Unna an erster Stelle. Deshalb freue ich mich auch, dass das Gericht in seiner Entscheidungsfindung dem Lärmschutz der Bürgerinnen und Bürger deutlichen Vorrang eingeräumt hat“, sagte Unnas Bürgermeister Dirk Wigant. Geklagt hatten fünf Privatpersonen und die Stadt Unna.

Schon 2015 hatte das OVG die ursprüngliche Fassung der Genehmigung vom 23. Mai 2014, mit der erstmalig planmäßige Landungen bis 23 Uhr und planmäßige Starts bis 22.30 Uhr zugelassen worden waren, wegen Abwägungsmängeln für rechtswidrig und nicht vollziehbar erklärt.

Mit der Änderungsgenehmigung vom 1. August 2018 sollten diese Abwägungsfehler behoben werden. Danach waren planmäßige Landungen bis 23 Uhr, verspätete Landungen bis 23.30 Uhr und verspätete Starts bis 22.30 Uhr zugelassen. Auch bei dieser Genehmigung stellte das Gericht Abwägungsfehler fest.

In seiner Begründung führte das Gericht aus, dass die Lärmschutzbelange der Bevölkerung, die das Gewicht der für die Verlängerung der Betriebszeit sprechenden öffentlichen Verkehrsinteressen mindern, von der Bezirksregierung als zuständiger Genehmigungsbehörde unzureichend festgestellt und berücksichtigt worden sind. Die Bezirksregierung hat Fluglärmbelastungen mit einem nächtlichen Dauerschallpegel von weniger als 45 dB(A) nicht in ihre Abwägung  einbezogen. Ebenso wenig sind durch die Bezirksregierung die Lärmbetroffenheiten durch maximale Einzelpegel ermittelt und berücksichtigt worden.

Rechtskraft erst in vier Wochen

Allerdings hat das Gericht die Genehmigung der Bezirksregierung noch nicht aufgehoben. Die Flugzeuge dürfen vorerst weiterhin nach 22 Uhr am Dortmunder Flughafen starten und landen – das aber nur so lange, bis die Urteile des OVG rechtskräftig sind – einen Monat nach Zustellung des Urteils.

Zwar hat das OVG die Klage der Kreisstadt Unna als unbegründet abgewiesen, weil die Klagebegründungsfrist nach dem Umweltrechtsbehelfsgesetz nicht eingehalten worden sein soll. Diese Frage ist durchaus strittig, für den Rechtsstreit aber im Ergebnis ohne Belang, da das OVG die Genehmigung, jedenfalls aus anderen Gründen für rechtswidrig erachtet hat.

Für die Bürger*innen der Kreisstadt Unna zählt allein, dass die Genehmigung der Bezirksregierung aus dem Jahr 2018 rechtswidrig und nicht vollziehbar ist.

 

 

 

Museum Haus Opherdicke, Pressemeldung Kreis Unna, 14.01.2022

Mit Kultur ins neue Jahr (unter 2G oder 2G+, Zusatz des Bloggers)

Kreis Unna. Langsam schleicht er sich ein: Der Alltag im neuen Jahr. Wer jetzt schon eine kleine Auszeit braucht, für den lohnt sich vielleicht der Besuch im schönen Museum Haus Opherdicke: In aller Ruhe in die Bilder der aktuellen Ausstellung „Hermann Stenner und seine Lehrer“ eintauchen – das geht noch bis zum 27. Februar immer mittwochs bis sonntags.

BZ: Museum Haus Opherdicke. Foto: Oliver Nauditt

Auch das Bistro hat geöffnet – selbstverständlich ist der Besuch nur unter Einhaltung der aktuellen Regeln möglich. Das heißt 2G (geimpft oder genesen) fürs Museum und für das Bistro 2G+ (geimpft oder genesen plus Booster oder negativer Test). Also Nachweise und Ausweis beim Besuch nicht vergessen. Zu den neuen Regeln zählt auch, dass eine OP-Maske für einen Besuch nicht mehr ausreicht – die FFP2-Maske ist Pflicht.

 

Einführungsvideo und Skulpturenpark

Wer die Ausstellung im kreiseigenen Wasserschloss in Holzwickede besucht, sollte zunächst in den Medienraum des Museums gehen. Dort gibt ein Einführungsvideo, in dem viel Wissenswertes zur Ausstellung von einer Expertin erklärt wird. Und wenn das Wetter passt, lohnt sich im Anschluss nach dem Bummel durchs Museum auch ein Spaziergang durch den Skulpturenpark für eine kleine Auszeit zu Jahresbeginn. PK | PKU

Zusatz vom Blogger: Ich habe einige Bilder auf Google hochgeladen, die man auf Google Maps findet (Opherdicke, Bilder auf google maps)