Bedenken gegen Heidegger, Rezension von Markus Chmielorz, Dortmund und Christoph Fleischer, Welver 2015

Zu: Peter Trawny und Andrew J. Mitchell (Hg.): Heidegger, die Juden, noch einmal, Heidegger Forum 11, Vittorio Klostermann Verlag, Frankfurt/M. 2015, ISBN 978-3-465-04245-7, 256 Seiten, Preis 24,80 Euro

Vorbemerkung

Diese gemeinsame Rezension folgt dem Inhaltsverzeichnis dieses Buches. Die in Französisch abgedruckten Texte von Françoise und Danielle Cohen Lévinas bleiben unbearbeitet.

Heidegger, die Juden 9783465042457Der Band referiert bis auf eine Ausnahme die Vorträge der ersten internationalen Tagung des Martin-Heidegger-Instituts Wuppertal vom 30.10. bis 1.11. 2014. Das Thema der Tagung „Heidegger und die Juden“ erinnerte an den gleichnamigen Text von Jean-François Lyotard „Heidegger et, les juifs“ (1988). Diese gemeinsame Rezension folgt eher einem weltanschaulichen wie politischen Interesse, als dem Wunsch, einer Expertenmeinung eine weitere hinzuzufügen. Wir sind weniger an Heidegger als Person oder an seiner Philosophie interessiert, sondern an dem philosophischen, merkwürdig schamhaften und schweigsamen Umgang mit der Geschichte, die man mit den Stichworten Shoa, Auschwitz oder Holocaust verbindet. Zur weiteren Lektüre sei dazu das Sonderheft des Philosophiemagazins empfohlen (Philosophiemagazin, Sonderausgabe 03, Die Philosophen und der Nationalsozialismus, Hamburg 2015). Obwohl es in der Zeit zwischen 1945 und heute Gelegenheit gab, sich dazu zu äußern, z. B. nach dem ersten und weiteren Frankfurter Auschwitzprozessen ab 1963, gab erst ein Fernsehprojekt namens Holocaust Ende der siebziger Jahre den Anstoß dazu. Auch die sog. Wehrmachtsaustellung kam erst später. Der Philosoph Heidegger war in die Zeit des Nationalsozialismus persönlich involviert und steht somit beispielhaft für eine die Gesellschaft durchdringende Weltanschauung, die man sich heute kaum vorstellen kann. Allenfalls die Tatsache, dass nunmehr Heime von Asylsuchenden brennen anstelle Synagogen, kann man als ein Indiz einer solchen „metaphysischen“ Einstellung verstehen. Die Rezension referiert die Artikel überwiegend aus dem beschriebenen Lektüreinteresse heraus. Ein Fazit erübrigt sich daher. (C.F.)

„Das ‚Da-‚ des Daseins zeige nur an, dass ich den Platz eines anderen einnehme“, zitiert Klaus Englert in seinem Essay „Philosophie eines Überlebenden“ Emmanuel Lévinas‘ Antwort auf Martin Heidegger: über sechs Millionen ermordete Juden, 18 Millionen tote Zivilist_innen in der Sowjetunion, 500.000 ermordete Sinti und Roma, 15.000 in Konzentrationslagern inhaftierte Homosexuelle, deren Todesrate bei 60% lag. Völkermord und Vernichtung, ein „totaler Krieg“.

Philosophie, die Liebe zur Weisheit, sapere heißt schmecken, sapientia der Geschmack – es ist dies der bittere Geschmack des Totalitären: Das „1.000-jährige Reich“ als eine Metapher für das Ende der Geschichte, für eine perverse Eschatologie, für eine todbringende Apokalypse.

Heideggers „Schwarze Hefte“ also. Eine aktuelle Debatte, nicht zufällig 70 Jahre nach dem Ende der Schreckensherrschaft, die Grund genug ist für eine Selbstreflexion. Ein Anlass zu erhellen, worauf die Diskussion zielt und worauf sie gründet. Wie geht „postmetaphysisches Denken“, das sich so gerne auf Heidegger beruft? (M.C.)

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Abschied vom personalen Gottesbild – Rezension von Markus Chmielorz, Dortmund 2015

Zu: Ella de Groot: Gott – Der Atem der Welt. = Schriften zur Glaubensreform, Band 4. Hg. v. Hubertus Halbfas und Klaus-Peter Jörns. Gütersloh [Gütersloher Verlagshaus] 2015

Gott - Der Atem der Welt von Ella Groot
Gott – Der Atem der Welt von Ella Groot

Im Gütersloher Verlagshaus liegt ein schmales Bändchen vor, in dem die Autorin Ella De Groot unter dem Titel „Gott – Der Atem der Welt“ nichts geringeres als ein neues Gottesbild entwirft. Ella De Groot lebt Seelsorge; sie ist Pfarrerin im Kreis Seidenberg der reformierten Kirche Muri-Gümligen im Kanton Bern in der Schweiz.

Den wesentlichen Bezugspunkt von Religion beschreibt de Groot so: „Da ist ein Seinsgrund, der mich trägt, ein Mysterium, das mich umgibt, und das sich in mir und durch mich wie durch alles Lebendige entfalten will.“ (5-6) In Frage also steht mit dieser Angabe eines Seinsgrundes, eines Mysterium ein personales Gottesbild ebenso, wie überlieferte Vorstellungen vom dem, was wir mit dem Bild „im Himmel“ verbinden. „Abschied vom personalen Gottesbild – Rezension von Markus Chmielorz, Dortmund 2015“ weiterlesen

Jugendgemäße Konfiarbeit, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2015

Zu: Hans-Ulrich Keßler und Burkhart Nolte: Im Himmel und auf Erden, Holk 2.0, Konfikurs, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2015, ISBN 978-3-579-07413-9, Preis: 7,99 Euro mit: Hans-Ulrich Keßler und Burkhardt Nolte, Im Himmel und auf Erden, Holk 2.0, Handbuch zum Konfikurs, mit DVD, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2015, ISBN 978-3-579-07425-2, Preis, 24,99 Euro, sowie beide Bücher zusammen als Package: ISBN 978-3-579-07417-7, Preis 29,99 Euro

Im Himmel und auf Erden von Hans-Ulrich Kessler
Im Himmel und auf Erden von Hans-Ulrich Kessler

Dass der etwas altertümliche Ausdruck Konfirmandenunterricht oder Konfirmandenarbeit schlicht auf Konfi gekürzt wird, hat sicherlich nicht nur mit der Rücksicht auf gendergerechte Sprache zu tun. Konfi kommt auch einfach besser an, weil man als Jugendlicher heute eben sowieso alles abkürzt oder am besten auch noch anglisiert, ironisch gesagt. Und wenn die Verbindung von Konfi und Jugend hier schon zum Prinzip gehört, ist das m. E. schwierig. Früher sagte man: Sie kommen als Kinder und gehen als Jugendliche. Wenn man als 12-jähriger den auf ein Jahr verkürzten Konfirmandenunterricht besucht, der am Modell der Jugendarbeit orientiert zur Konfirmandenarbeit wird, ist man vom Gesetz her noch kein Jugendlicher. Na gut, die Zeit vergeht schnell und die Pubertät mag unmittelbar bevorstehen, wenn man nicht schon mitten drin ist. „Jugendgemäße Konfiarbeit, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2015“ weiterlesen

Glaube oder Steuer? Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2015

Zu: Jochen Teuffel: Rettet die Kirche, Schafft die Kirchensteuer ab, fontis – Brunnen, Basel 2014, ISBN 978-3-03848-011-2, 144 Seiten, gebunden, 12,99 Euro

Rettet-die-Kirche.-Schafft-die-Kirchensteuer-ab.-Jochen-Teuffel-204011Jochen Teuffel ist ein promovierter Theologe und Pfarrer der bayerischen Landeskirche, heute Gemeindepfarrer im Kirchenkreis Augsburg, der eine Zeit lang am „Lutheran Theological Seminary“ in Hongkong als Dozent gearbeitet hat. Der dortigen Gemeinde (Praise Lutheran Church, Mongkok Road, Hongkong) ist das Buch gewidmet, da es eine der vielen lutherischen Kirchen in der Welt ist, die auch ohne Kirchensteuer leben.

Seine Thesen zu Beginn und weite Strecken des Buches vor allem im ersten Teil sind davon bestimmt, dass die Kirche von den Worten der Bibel und der Bekenntnisse bis hin zur Barmer Theologischen Erklärung von 1934 geprägt ist und nicht von staatskirchenrechtlichen Vorgaben. Am deutlichsten wird es vielleicht in These 3: „Kirche lebt nicht von Abgaben der Gläubigen, sondern allein durch die Selbsthingabe Jesu, die wir im Abendmahl empfangen.“ (S. 8). „Glaube oder Steuer? Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2015“ weiterlesen

Gerd Kracht, Nachruf, mit zehn Worten von Angelus Silesius, Christoph Fleischer, Welver 2015

Gerd Kracht, Mitarbeiter der Homepage www.der-schwache-glaube.de, ist am 15. Mai 2015 an einem Herzinfarkt im Alter von 62 Jahren plötzlich gestorben. Im Jahr 2004 sind wir uns im Kreis der Studierendenpfarrer wiederbegegnet, wobei mir das „wieder“ dieser Begegnung gar nicht so bewusst war wie ihm. Immerhin konnten wir an gemeinsame Erinnerungen an die Studienzeit in Münster anknüpfen, wo er, der ältere von uns beiden, bei der KSG und ich bei der ESG tätig war. Sein letzter Beitrag über das Buch „Jeder Mensch ist ein Mystiker, Impulse von seelischer Ganzwerdung“ von Abraham H. Maslow hat irgendwie schon mit der Zeit in Münster zu tun, da der Herausgeber und Mitverleger des Peter Hammer Verlages, Erhard Doubrava auch in Münster war (http://www.der-schwache-glaube.de/?p=2898). Gerd schrieb mir in einer Email: „Ich erinnere mich an ein Erlebnis, dem Jugendtreffen der Taizé Freunde. 15.000 in Notre Dame mit Frère Roger. Eigentlich waren wir schon immer Mystiker, besonders wissen wir das, wenn wir diese Ereignisse ins Bewusstsein zurückholen.“ Ich selbst habe Frère Roger in meinem ersten Semester in Münster erlebt. „Gerd Kracht, Nachruf, mit zehn Worten von Angelus Silesius, Christoph Fleischer, Welver 2015“ weiterlesen