Gott in der Menschheit, Rezension, Christoph Fleischer, Welver 2019

Zu: Reza Azlan: Gott, eine Geschichte der Menschen, Aus dem Englischen über setzt von Thomas Görden, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2018, gebunden, 317 Seiten, ISBN: 978-3-579-08716-0, Preis: 22,00 Euro, erscheint demnächst als Taschenbuch im Verlag Pantheon: https://www.randomhouse.de/Paperback/Gott/Reza-Aslan/Pantheon/e561343.rhd

Reza Aslan (zuletzt: Jesus von Nazareth und seine Zeit) ist als Kind iranischer Einwanderer in den USA aufgewachsen und daher in den Religionswelten des Christentums und des Islams zu Hause. In diesem Buch widmet er sich der Entstehung der Gottesgestalt in der Menschheitsgeschichte. Dabei lässt er sich von der Grundidee Ludwig Feuerbachs  (1804 – 1872) leiten, der Gottesgedanke sei als menschliche Projektion eng mit dem Menschheitsgedanken verknüpft.

Die Menschheitsgeschichte wird im Buch Azlans zwar mit der Erzählung von Adam und Eva in Verbindung gebracht, geht aber immer wieder weg von der biblischen Erzählung hin zur menschlichen Frühgeschichte, wie sie inzwischen aus der Bodenarchäologie erhoben worden ist.

Schon aus der Zeit der Menschen als Jäger und Sammler gibt es in Höhlenmalereien Ansätze von religiös künstlerischer Symbolik.

Für Reza Aslan symbolisiert das Ende der biblischen Paradiesgeschichte den Übergang zur Sesshaftigkeit mit Ackerbau und Viehzucht.

Doch gab es eine Anbetung Gottes schon zuvor in der Steinzeit?

Eine einschneidende Entdeckung dafür ist die „Tempelanlage“ von Göbekli Tepe in der Osttürkei nahe der antiken Stadt Urfa. Lange vor der Entstehung der altorientalischen Gottheiten muss es schon in der späten Steinzeit um 10.000 v. Ch. eine Gottesvorstellung gegeben haben. Da die T-fömigen Pfeiler in Göbekli Tepe die menschliche Figur symbolisieren, geht man dabei von einer Gottesfigur in Menschengestalt aus.

Indem archäologische Funde die Erforschung der Religionsgeschichte ergänzen, geht man inzwischen davon aus, dass die Religion bereits tradiert wurde, als die Schriftoffenbarungen noch gar nicht existierten.

Das Buch von Reza Aslan ist eine interessante und packend erzählte Einführung in die Frühgeschichte der menschlichen Religion mit passenden Querverbindungen zur biblischen Tradition.

Hinweis auf die Internetrecherche zur Kirchenumnutzung

http://www.kauf-eine-kirche.de/2019/05/09/internetrecherche-ueber-fragen-der-kirchenumnutzung-erweiterbar-christoph-fleischer-welver-2019/

Ein Leben voller Glück und Wunder, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2019

Zu:

Jando: Im Himmel gibt es einen Bahnhof, Illustrationen von Antje Arning (Antjeca), Verlag KoRos Nord GmbH, Bad Zwischenahn 2019, gebunden, 79 Seiten (ohne Werbung), ISBN: 978-3945908150, Preis: 11,98 Euro, Link: https://jandoautor.com

Geschichten in Küstennähe mit leichter Meeresbrise schreibt Jando aus Bad Zwischenahn mit Wunder andeutenden Titeln wie „Sternenreiter“ und „Traumflieger“. Die Bücher zeigen Jando als brillanten Erzähler, der es versteht, einen roten Faden einer auch für Kinder einleuchtenden Geschichte mit Tiefgang und Lebensweisheit zu verknüpfen. „Ein Leben voller Glück und Wunder, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2019“ weiterlesen

Sakralisierte Politik, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2019

Zu:

Sarah Thieme: Nationalsozialistischer Märtyrerkult, Sakralisierte Politik und Christentum im westfälischen Ruhrgebiet (1929 – 1939), Campus Verlag Frankfurt/ New York 2017, broschiert, 546 Seiten, ISBN: 978-3-593-50808-5, Preis: 39,95 Euro

Link: https://www.campus.de/buecher-campus-verlag/wissenschaft/geschichte/nationalsozialistischer_maertyrerkult-14290.html

Das Buch von Sarah Thieme wird sicherlich zuerst den Heimatforschern begegnen, wenn sie im Internet nach Spuren des Nationalsozialismus suchen. So interessierte mich selbst die Verflechtung der evangelischen Kirchengemeinde Iserlohn mit der Bewegung der Deutschen Christen. Über die Internetsuche bei Google-Books wird das Buch über Ereignisse im westfälischen Ruhrgebiet und angrenzender Kommunen angezeigt. „Sakralisierte Politik, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2019“ weiterlesen

Die Sprache der Symbole, Christoph Quarch

Was der Brand von Notre Dame uns über unser Menschsein lehrt

Notre Dame ohne Baugerüst

Machen wir ein Gedankenexperiment: Man stelle sich vor, ein Forscherteam im Silikon-Valley hätte am Morgen des 15. April einem ihrer mit den besten Algorithmen der Künstlichen Intelligenz ausgestatteten Superrechner die Frage vorgelegt, wie hoch das zu erwartende Spendenaufkommen für den Wiederaufbau einer französischen Kathedrale nach einem Brand des Dachstuhls und dem partiellen Einbruch des Deckengewölbes ausfallen dürfte. Selbst wenn die Programmierer dezidiert von Notre Dame gesprochen hätten, dürfte die Super-KI wohl kaum darauf gekommen sein, dass für den Wiederaufbau dieser Kirche innerhalb von nur zwei Tagen weit mehr Spenden aufgebracht würden als für die fünf weltweit größten Projekte des Roten Kreuzes (Syrien, Südsudan, Irak, Nigeria, Jemen) zusammen in einem ganzen Jahr. „Die Sprache der Symbole, Christoph Quarch“ weiterlesen