Eine Einführung in die Psalmen, zuerst erschienen im MBK-Verlag Bad Salzuflen 1940, spätere Ausgaben im Hänssler-Verlag und in den Dietrich Bonhoeffer Werken, Band 5, inzwischen gemeinfrei.
In aktuelle Rechtschreibung gesetzt von Christoph Fleischer, Welver 2017
„Herr, lehre uns beten!“
So sprachen die Jünger zu Jesus. Sie bekannten damit, dass sie von sich aus nicht zu beten vermochten. Sie müssen es lernen. Beten-lernen, das klingt uns widerspruchsvoll. Entweder ist das Herz so übervoll, dass es von selbst zu beten anfängt, sagen wir, oder es wird nie beten lernen. Das ist aber ein gefährlicher Irrtum, der heute freilich weit in der Christenheit verbreitet ist, als könne das Herz von Natur aus beten. Wir verwechseln dann Wünschen, Hoffen, Seufzen, Klagen, Jubeln – das alles kann das Herz ja von sich aus – mit Beten. Damit aber verwechseln wir Erde und Himmel, Mensch und Gott. Beten heißt ja nicht einfach das Herz ausschütten, sondern es heißt, mit seinem erfüllten oder auch leeren Herzen den Weg zu Gott finden und mit ihm reden. Das kann kein Mensch von sich aus, dazu braucht er Jesus Christus.
Die Konfirmationspredigt wurde am 07.05.2017 in Lohne und in etwas geänderter Form am 14.05.2017 in Bad Sassendorf gehalten. Der „Wunderapfel“ ist auf dem Kirchhof von Lohne. Der zweite Baum ist ein roter Boskop und steht bei einer Familie in Bad Sassendorf.
Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Gemeinde, liebe Angehörigen und Gäste,
Einstieg: Wir halten in diesem Gottesdienst inne und denken daran, dass die Eltern und Paten zur Eurer Taufe versprochen haben, euch im christlichen Glauben zu erziehen. Heute mit der Konfirmation versprecht ihr, selbst die Verantwortung für diesen Weg im Glauben zu übernehmen. Ein dazu recht passender Text ist der Psalm 1, den wir zu Beginn gemeinsam gesprochen haben.
Ich möchte daher auf den Psalm zurückkommen und lese ihn in einer freien Form als Gedicht:
Den Weg wählen. Nach Psalm 1.
Du, Gott, willst allen Menschen Freude machen,
Die immer gut sind und gerecht.
Denn so gelingen ihre Sachen.
Auf deinem Weg lebt man nicht schlecht.
Du, Gott, ich möchte wie die Bäume leben,
Auf Wurzeln fest an Wassern steh´n,
Will Jahr um Jahr auch Früchte geben,
Elastisch auch im Windhauch geh´n.
Du, Gott, ganz anders wird es denen gehen,
Die ständig egoistisch sind.
Wie Spreu wird sie der Wind verwehen.
Für gute Wege sind sie blind.
(Quelle: Psalmengedichte. Christoph Fleischer, Neubearbeitung, Werl 2011)
Es geht in der Tat in diesem Psalm um einen Weg, den Weg des Lebens. Es ist der erste von 150 Psalmen der Bibel und er gibt so ein wichtiges Thema vor, eine Frage, nach der jeder und jede fragen sollte. Klar ist, dass dabei zuerst von Gott die Rede ist. Wir wollen also unsere Lebenswege mit Gott gehen. Die wichtige Frage ist also die Frage nach dem Sinn des Lebens von Gott her gesehen.
Der Psalmbeter, den ich nach dem traditionellen Vorbild David nenne. Ist sich da sich sicher, unser Lebensweg ist von Gott her zu sehen. Wir sollen und können uns daran erinnern, dass jeder Tag ein immer neues Geschenk Gottes ist. Jeder neue Tag ist der Rest deines Lebens.
Predigt zum 1. Advent 2016, gehalten in der reformierten Gemeinde Soest (Schiefer Turm)
Jeremia 23, 5-8 (Zürcher Bibel)
5 Sieh, es kommen Tage, Spruch des HERRN,
da lasse ich für David einen gerechten Spross auftreten,
und dieser wird als König herrschen
und einsichtig handeln
und Recht und Gerechtigkeit üben im Land.
6 In seinen Tagen wird Juda gerettet werden,
und Israel wird sicher wohnen.
Und dies ist sein Name, den man ihm geben wird:
Der HERR ist unsere Gerechtigkeit!
7 Darum, sieh, es kommen Tage, Spruch des HERRN,
da wird man nicht mehr sagen:
So wahr der HERR lebt, der die Israeliten heraufgeführt hat aus dem Land Ägypten!, 8 sondern: So wahr der HERR lebt,
der die Nachkommen des Hauses Israel heraufgeführt
und hergebracht hat aus dem Land des Nordens
und aus allen Ländern, wohin er sie versprengt hat!
Dann werden sie auf ihrem eigenen Boden wohnen.
Liebe Gemeinde,
Dieser Predigttext macht es uns nicht leicht, in der Adventszeit die Weihnachtsvorbereitung zu erkennen. Trotzdem ist die Verbindung vorhanden. Sie wird aber nicht erkennt, wenn man das Weihnachtsfest von der Menschwerdung Gottes her betrachtet. Man muss es vielmehr als das sehen, was es ja auch in den Evangelien ist: Ein herausragendes Ereignis in der Geschichte Israels. Unser Glaube muss sich zwangsläufig immer wieder auf Israel beziehen, denn der verheißene Retter ist zunächst in diesem Volk und in dieser Religion erwartet worden. Mir passiert es auch, dass mir immer wieder neue und andere Details bewusst werden. So ist mir im letzten Jahr bewusst geworden, dass man den Namen Jesus nicht nur von seiner Wortbedeutung her sehen soll, sondern auch ins einer ursprünglichen hebräischen Form kennen sollte. „Predigt über Jeremia 23, Christoph Fleischer, Welver 2016“ weiterlesen
in der letzten Woche kam am Rande der Konfirmandenprüfung die Frage auf, warum man den Karfreitag als höchsten evangelischen Feiertag bezeichnet. Die Frage ist tatsächlich berechtigt, denn der Zusammenhang ist nicht einfach zu erklären. Anders ausgedrückt: Die Kreuzigung Jesu ist zweifelsfrei eins der wichtigsten Glaubensereignisse und Bekenntnisse. Doch da Jesus am Kreuz zu Tode kommt, ist der Begriff Feiertag irgendwie auch nicht so ganz angebracht.
Entweder nimmt man die Kreuzigung als Tod eines Menschen ernst, dann ist mir nicht zum Feiern zumute, oder man sieht in der Kreuzigung das wichtigste evangelische Glaubensbekenntnis, das zu feiern wäre. Doch es müsste dann auch unmittelbar einleuchten, was daran dann zum Feiern Anlass gibt. In diesem Fall müsste der Zusammenhang von Karfreitag und Ostern mitgedacht werden. Karfreitag ist nur darum der höchste evangelische Feiertag, weil es ohne den Kreuzestod Jesu kein Ostern gäbe. Das Osterfest ist doch mehr als ein fröhliches Eiersuchen oder Feier des österlichen Sonnenaufgangs, sondern die Bestätigung und Auferweckung des Gekreuzigten. Was ist daran aber nun ausschließlich besonders evangelisch?
Ich denke, dass die Epistel, die uns heute als Predigttext gegeben ist, eine Antwort auf dieses angeschnittene Problem liefert. Ich nehme vor der Lesung die Pointe einfach mal vorweg: Wir feiern heute die Kreuzigung Jesu als Heilsereignis zwischen Gott und den Menschen. Der Verdienst dies besonders herausgestellt zu haben, gebührt dem Apostel Paulus.
Der Glaube der Urgemeinde an die Auferstehung Jesu war ihm zunächst ein Greuel. Er verfolgte die Gemeinde der messianischen Juden, der Christen. Doch dann erschien ihm in einer epileptischen Krise vor Damaskus, als er sich von einem Blitz geblendet fühlte und erblindete, der gekreuzigte und auferstandene Christus in einer Vision und fragte ihn: „Saul, was verfolgt du mich?“ Das ist eigentlich ein Bibelwort aus dem Samuelbuch. David fragt Saul, der ihn heimtückisch verfolgte. Zuletzt wurde David doch König. David steht hier für Christus und Saul für Saulus, der später Paulus hieß.
Durch diese Erscheinung verstand auch Paulus die Auferstehung des Gekreuzigten als das Heilsereignis. Der Gekreuzigte lebt. Die Verfolgung ist sinnlos.
Doch das veränderte die Vorstellung vom Messias bei Paulus selbst: Es gibt keine messianische Machtergreifung, sondern einen Machtverzicht Gottes. Niemand muss daran verzweifeln, dass die judäische Revolution ausgeblieben ist. Gott selbst verzichtet auf die Durchsetzung einer irdischen Herrschaft und ermöglicht so das Wirken seines Geistes. Aber wozu das alles? Wozu muss Jesu sterben, um uns das Heil der Güte Gottes zu übergeben?
1Deshalb sandte der HERR den Propheten* Natan zu David. Natan ging zum König und sagte:
»Ich muss dir einen Rechtsfall vortragen: Zwei Männer lebten in derselben Stadt. Der eine war reich, der andere arm.
2Der Reiche besaß eine große Zahl von Schafen und Rindern. 3Der Arme hatte nichts außer einem einzigen kleinen Lämmchen. Er hatte es gekauft und zog es zusammen mit seinen Kindern bei sich auf. Es aß von seinem Brot, trank aus seinem Becher und schlief in seinem Schoß. Er hielt es wie eine Tochter.
4Eines Tages bekam der reiche Mann Besuch. Er wollte keines von seinen eigenen Schafen oder Rindern für seinen Gast hergeben. Darum nahm er dem Armen das Lamm weg und setzte es seinem Gast vor.«
5David brach in heftigen Zorn aus und rief: »So gewiss der HERR lebt: Der Mann, der das getan hat, muss sterben! 6Und das Lamm muss er vierfach ersetzen – als Strafe dafür, dass er diese Untat begangen und kein Mitleid gehabt hat!«
7»Du bist der Mann!«, sagte Natan zu David. »Und so spricht der HERR, der Gott Israels:
‚Ich habe dich zum König über Israel gesalbt* und dich vor den Nachstellungen Sauls gerettet. 8Ich habe dir den ganzen Besitz deines Herrn gegeben, habe seine Frauen in deinen Schoß gelegt und dich zum König über Juda und Israel gemacht. Und wenn das noch zu wenig war, hätte ich dir noch dies und das geben können. 9Warum hast du meine Gebote missachtet und getan, was mir missfällt? Du hast den Hetiter* Urija auf dem Gewissen, durch das Schwert der Ammoniter* hast du ihn umbringen lassen und dann hast du dir seine Frau genommen. 10Genauso wird nun das Schwert sich in aller Zukunft in deiner Familie Opfer suchen, weil du mich missachtet und die Frau des Hetiters zu deiner Frau gemacht hast.’«
13David sagte zu Natan: »Ich bekenne mich schuldig vor dem HERRN!«
Natan erwiderte: »Auch wenn der HERR über deine Schuld hinwegsieht und du nicht sterben musst – 14der Sohn, den dir Batseba geboren hat, muss sterben, weil du mit deiner Untat den HERRN verhöhnt hast!« 15Dann ging Natan nach Hause.
Liebe Gemeinde,
als ich diesen Text beim Bibel-Gespräch in der REHA-Klinik vorgestellt habe, stellte sich für mich heraus, dass er die Hörerinnen und Hörer vor einige Probleme stellt. Es ist nicht einfach, einen Teil einer Erzählung zu verstehen, wenn man zumindest die vorangegangene Geschichte nicht kennt/gehört hat. „Predigt über 2. Samuel 12, 1-15 (Auswahl), Christoph Fleischer, Welver 2014“ weiterlesen
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