Der schreckliche Anschlag auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ in Paris am 08. Januar 2015 motivierte die französische Zeitschrift „Libération“, eine Auswahl von Texten Voltaires herauszugeben, einem der geistigen Väter der Französischen Revolution. Der Suhrkamp-Verlag Berlin hat eine deutsche Übersetzung dieser Schrift vorgelegt:
Voltaire: Über die Toleranz, Mit einem Vorwort von Laurent Joffrin, Suhrkamp Verlag Berlin 2015, ISBN 978-3-518-46656-8, 199 Seiten, Preis: 7,- Euro
„Was ist Toleranz? Sie ist Menschlichkeit überhaupt. Wir sind alle gemacht aus Schwächen und Fehlern; darum sei erstes Naturgesetz, dass wir uns wechselseitig unsere Dummheit verzeihen.“ (S. 31, Voltaire im Philosophischen Wörterbuch). Dem ist nichts entgegenzusetzen. Diese Gedanken der Freiheit und Toleranz können durch keine religiöse oder politische Idee außer Kraft gesetzt werden. „Mit Religionen leben, Bücherschau zum interreligiösen Dialog, Sammelrezension von Christoph Fleischer, Welver 2015“ weiterlesen
Zu: Folker Siegert: LUTHER und das Recht, mit einem Beitrag von Frieder Lötzsch, Studienreihe Luther 3, Hrsg. von Dieter Beese, Günter Brakelmann, Arno Lohmann, Luther Verlag Bielefeld 2014, ISBN: 978-3-7858-0651-7, 202 Seiten, Preis: 12,95 Euro
Ein Blick in das Inhaltsverzeichnis zeigt, dass dieses Buch eine Sammlung unterschiedlicher Beiträge ist. Liest man es vom Ende her, so findet man zuletzt auf zwei Seiten eine „Erklärung der Evangelischen Lutherischen Kirche in Amerika gegenüber der jüdischen Gemeinschaft“, die in dem Satz gipfelt: „Im Einverständnis mit dem Lutherischen Weltbund missbilligen wir insbesondere die Aneignung der Worte Luthers seitens moderner Antisemiten zur Verbreitung des Hasses gegenüber dem Judentum bzw. jüdischer Menschen von heute.“ (S. 200)
Von hier aus gesehen wird deutlich, dass das Anliegen beider Autoren auch als (ehemalige) Mitarbeiter des Institutum Judaicum an der Uni in Münster darin besteht, einen angemessenen Umgang mit den Schmähschriften Luthers gegen die Juden (seiner Zeit?) zu finden. Der bekannte Weg mit „Luther gegen Luther“ wird hier empfohlen. Allerdings nicht dadurch, dass die judenfreundlichen Frühschriften Luthers in die Waagschale gegen die späten Schmähschriften geworfen werden, sondern dem Titel „Luther und das Recht“ entsprechend, indem Beispiele aus der Rechtsgeschichte Luthers und des Luthertums allgemein als Gegengewicht gegen zeitbedingte Aussagen gesehen werden. Folglich behandelt der Artikel von Folker Siegert, dem man den Vortragsstil noch deutlich anmerkt, Fragen des Rechts ausgehend vom römischen Recht, über das Naturrecht im lutherischen Sinn, bis hin zum Verständnis der Tora (S. 7 – 71). Nicht zufällig in der Mitte des Bandes findet sich die Quellensammlung mit dem ursprünglichen Titel „Luther und das Recht“ von Wolfgang Beyer aus dem Jahr 1935, sprachlich überarbeitet und mit Anmerkungen versehen (S. 75 – 158). Während der Artikel von Folker Siegert erst am Ende zum Thema der Behandlung antijudaistischer Texte überleitet, ist der abschließende Text von Frieder Lötzsch diesem Thema gänzlich gewidmet: „Luthers späte Judenschriften: ein Politikum mit Fehlern“ (S. 159 – 198). „„Luther gegen Luther“, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2015“ weiterlesen
Der Runde Tisch gegen Gewalt und Rassismus möchte sich einmal mehr gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern sowie Vertreterinnen und Vertretern vieler gesellschaftlicher Gruppen, Initiativen und Parteien für ein friedliches Zusammenleben in Unna einsetzen.
Aus diesem Grund sind alle Interessierten eingeladen,
am Freitag, 27. Februar 2015 um 18.00 Uhr, Treffpunkt: Rathausplatz,
gemeinsam ein Zeichen für Toleranz und Vielfalt, unter dem Motto „Alle sind anders, alle sind gleich, alle sind wichtig“ in Unna zu setzen.
Nach einer Kundgebung auf dem Rathausplatz gehen alle gemeinsam durch die Fußgängerzone bis zur Lindenbrauerei. Dort findet dann im Anschluss um 19.30 Uhr ein Konzert im Kühlschiff ( „Imagine – Living Life in Peace“) statt.
Zum Hintergrund: Über einen Link wurde ich mal wieder auf die Seite der Online-Petition aufmerksam. Da dachte ich mir, einmal eines meiner letzten Themen zu veröffentlichen und zu einer Petition zu machen. Es geht um die Tatsache, dass es selbst dort zu einem Freund-Feind-Denken kommt, wo Menschen sich für Freiheit, Toleranz, Selbstbestimmung, Demokratie usw. engagieren. Wo wir jemandem zum Freund machen, um beispielsweise gegen Vorurteile zu agieren, machen wir zugleich jemand anderen zum Feind. Intoleranz den Intoleranten! Ich verstehe Jesus anders. Er muss tatsächlich die Menschheit als Einheit gesehen haben.
Daraus folgt, dass regionale Konflikte durch diejenigen geklärt werden, die zur Region gehören. Im besagten Konflikt vertritt die Türkei zudem die NATO. Der Krieg zwingt die Gegner zu Verhandlungen. Daraus müssen doch spätestens in einer solchen humanitären Katastrophe Lösungen resultieren. Schon die Berichte über Kubane zeigen, dass die Türkei medizinische Hilfe leistet und Flüchtlinge aufnimmt. Wieviele Syrer sind schon in die Türkei geflohen und leben in Flüchtlingslagern entlang der syrischen Grenze? Es gibt also keinen Grund, der Türkei dies nicht zuzutrauen. Sie ist als Nachbarland direkt betroffen und leistet schon jetzt Hilfe.
Wir Mitteleuropäer neigen dazu, auch friedliche Konflikte erst dann zu verstehen, wenn wir sie in gut und böse, Freund und Feind eingeteilt haben. Wie ist es aber, wenn wir in jedem zuerst den Menschen sehen? Alle Menschen sind gleich geschaffen, und doch sehr verschieden. Der Wert des Menschen liegt nicht in den Unterschieden, sondern in den gemeinsamen Bedürfnissen nach Leben und Lebensgrundlagen.
Zu: Das Manifest der Toleranz, Sebastian Castellio, Über Ketzer und ob man sie verfolgen soll, Aus dem Lateinischen von Werner Stingl, Mit einer historischen Darstellung von Hans R. Guggisberg, Herausgegeben und eingeführt von Wolfgang F. Stammler, Alcorde Verlag, Essen 2013, ISBN 978-3-939973-61-4, Preis: 36,00 Euro
Zunächst: Die Lektüre dieses Buches ist nicht einfach, da es eine Vielzahl von historischen Texten enthält. Die in der Überschrift genannte Quelle, das „Manifest der Toleranz“ von Sebastian Castellio (1554), ist neben der Darstellung der Hinrichtung Servets am 27.10.1553 eine Zusammenstellung zeitgenössischer Antworten auf die Frage, ob man in der Kirche Ketzer mit dem Tode bestrafen sollte. Hinzugefügt ist die Verteidigungsschrift vor dem Rat in Basel aus dem Jahr 1563.
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