Klarstellungen zum Völkermord im osmanischen Reich, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2015

Zu: Jürgen Gottschlich: Beihilfe zum Völkermord, Deutschlands Rolle bei der Vernichtung der Armenier, Christoph Links Verlag, Berlin 2015, ISBN: 978-3-86153-817-2, Preis: 24,90 Euro

9783861538172Jürgen Gottschlich, früher Mitbegründer und Journalist der TAZ, jetzt freier Korrespondent in Istanbul, hat ein außerordentlich informatives Sachbuch über die Vernichtung der Armenier im ersten Weltkrieg herausgegeben. Wer, wie ich, immer zu wenig vom ersten Weltkrieg verstanden hat, da die kollektive Erinnerung fast vollständig von der Materialschlacht in Frankreich und Belgien bestimmt wird, sieht nun hier, dass noch zuvor das vergebliche Anrennen gegen die Meerenge der Dardanellen die Kriegsgegner Deutschlands, England und Frankreich an die 100000 Menschenleben gekostet hat. Zum anderen war ein Winterfeldzug 1914/15 durch das osmanische Reich gegen Russland ein derartiges Fiasko, so dass nun ein Schuldiger herhalten musste, das Volk der Armenier.

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Was Träume bewirken können, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2015

Zu: Jando, Traumflieger, Lena schreibt Briefe an Gott, mit Illustrationen von Antjeca, KoRos Nord, Bad Zwischenahn 2015, ISBN: 978-3-9814863-2-2, Preis: 13,99 Euro

Jando TraumfliegerJando, mit bürgerlichem Namen Jens Koch, hat seine erfolgreiche Karriere als Fernsehjournalist hinter sich gelassen und arbeitet stattdessen als Autor. Sein drittes Buchprojekt nach „Windträume“ und „Sternenreiter“ wird erneut von den ansprechenden Illustrationen seiner Schwester Antjeca bereichert.

Jando ist seiner norddeutschen Heimat treu, indem er den Hauptort seines Buches „Traumflieger“ einfach Norderoog nennt. Der Name dieser erfundenen Insel ist schlicht eine Kombination aus Langeoog und Norderney. Einen Leuchtturm hat die Insel auch.

Mit dem Besuch dieses Leuchtturms beginnt das Märchen von Lasse und Lena, das durch eine geschickte doppelte Zeitverschiebung in der Rahmenerzählung in den 50iger oder 60iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts spielen muss, der Kindheit von Lasse und Lena. Früher hätte man anfangs schlicht gesagt: „Es war einmal …“.

Fakt ist: Der erste Brief Lenas an Gott, in dem es um den Mitschüler Lasse geht, kommt bei Gott nicht nur an, sondern wird auch beantwortet. Die Antwort Gottes besteht wie so oft im Leben in einer neuen Aufgabe, die aber Lena und Lasse in das Abenteuer verwickelt, in dem sie lernen, sich als „Traumflieger“ zu verstehen. Die Motive der Erzählung sollen in dieser Rezension nicht entfaltet werden, um der Geschichte nicht vorab ihre Faszination zu nehmen. Eine Frage sei allerdings herausgegriffen, auf die das Buch eingeht, nämlich wie Kinder mit dem Tod umgehen und wie man sie in ihrer Trauer unterstützen kann. Die Frage ist nämlich: Wird Lasse seinen früh verstorbenen Vater wiedersehen und wenn, wo wird das sein?

Einige Sätze aus dem Buch sollen die Bildwelt der „Traumflieger“-Geschichte ein wenig entfalten. Es sind Sätze eines alten Mannes, dem die Familie im Leuchtturm auf Norderoog begegnet. „’Es steht alles hier: Die Abenteuer mit Anastasia, das Traumfliegen zu anderen, weit entfernten Planeten und wie ein Halbwaisenkind der großen Liebe begegnet. Und dann gibt es noch Lenas wundersame Beziehung zu Gott. Schließt die Augen und hört mir gut zu. Gemeinsam werden wir in eine Welt eintauchen, in der die Macht der Träume Grenzen überwindet und Liebe die Flagge der Menschlichkeit ist.’“ (S. 29)

Für leselustige Kinder wird man hier nichts hinzufügen müssen. Für Erwachsene der älteren Generation sei noch hinzugefügt, dass man sich an literarische Vorbilder von James Krüss, Michael Ende und Pippi Langstumpf erinnert fühlt. Es ist in der Tat kein Kinderbuch, sondern ein Buch für Erwachsene und Kinder, vielleicht für Menschen, die wieder etwas vorlesen möchten. Und vielleicht können große und kleine Leserinnen und Leser so miteinander über ihre Träume ins Gespräch komme.

 

Buber-Biographie für den interreligiösen Dialog, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2015

Zu: Karl-Josef Kuschel, Martin Buber – seine Herausforderung an das Christentum, Gütersloher Verlagshaus Gütersloh 2015, ISBN 978-3-579-07086-5, Preis: 24,99 Euro

Martin Buber - seine Herausforderung an das Christentum von Karl-Josef Kuschel
Martin Buber – seine Herausforderung an das Christentum von Karl-Josef Kuschel

Karl-Josef Kuschel (geb. 1948), emeritierter Professor für Kultur und interreligiösen Dialog der Fakultät für Katholische Theologie in Tübingen, legt zum 50. Todestag des jüdischen Religionsphilosophen und Bibelübersetzers Martin Buber (1878-1965) eine Biographie vor, die zugleich eine anschauliche Einführung in dessen umfangreiches publizistisches Werk darstellt. Dabei ist das Buch spannend und gut lesbar. Die Lebensdaten stellen uns einen Menschen vor Augen, dessen Lebenslauf religiöse, philosophische, psychologische und politische Themen und Ereignisse des 20. Jahrhunderts verbindet. Die Rezension muss darauf verzichten, hieraus eine Essenz herzustellen, sondern muss einfach dazu auffordern, dieses Buch zu lesen. Es ist wissenschaftlich rezipierbar, ohne dabei ständig in ein Lexikon blicken zu müssen, anrührend und verständlich von der ersten bis zur letzten Seite. Die  Werkausgaben sind angeführt genauso wie die zahlreiche Sekundärliteratur. Zeitgenössische Quellen werden belegt, der historische Kontext erläutert. Es gibt nichts zu kritisieren.  „Buber-Biographie für den interreligiösen Dialog, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2015“ weiterlesen

Mord mit religiösem Hintergrund, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2015

Zu: Marianne Bunes: Mutterwut, Kriminalroman, Ulrike-Helmer-Verlag Sulzbach/ Taunus 2015, ISBM: 978-3-89741-370-2, Preis: 12,95 Euro

Sicherlich ist dieses Buch der Autorin und Lektorin Marianne Bunes eine Millieustudie in Gestalt eines „Kriminalromans“. Die Täterin sitzt in der Bunes MutterwutForensik ein und wartet auf ihren Prozess. Sie schreibt auf, was in den letzten Wochen und Monaten geschehen ist, nicht ohne in Rückblenden die familiäre Vorgeschichte zu beleuchten. Sie lebte vorher in der Wohnung ihrer Großmutter im Obergeschoss, wobei sie praktischerweise deren Möbel behalten hat. Ihre Eltern wohnen im gleichen Haus im Erdgeschoss, wobei interessanterweise Haus und Grundstück mit dem Teich am Rande des Waldes der Tochter gehören. Würde sie im Haus der Eltern wohnen, wäre sie sicher längst ausgezogen. Immerhin passen die Eltern hin und wieder auf die zwei Katzen auf, doch dabei bleibt es nicht. Die Mutter bringt oft unaufgefordert etwas zu essen, räumt in der Abwesenheit die Wohnung der Tochter auf, legt eine besser passende Tischdecke auf und sortiert Kleidung aus, die nicht ihrer Vorstellung entspricht.  „Mord mit religiösem Hintergrund, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2015“ weiterlesen

Was sind Wendepunkte des Lebens und wonach fragen Menschen wirklich? Rezension von Emanuel Behnert, Lippetal 2015

Rezension zu: Matthias Beck: Leben ~ Wie geht das – Die Bedeutung der spirituellen Dimension an den Wendepunkten des Lebens, Styria Verlagsgruppe Wien, Graz, Klagenfurt, ISBN: 978-3-222-13351-0, Preis:    19,99€

Leben, wie geht das_Cover_300dpiWer auf der Suche nach spirituellen Erfahrungen, die sein Leben bereichern, ihm vielleicht gar einen tragfähigen Grund verleihen können, die weiterführende Antworten geben können bei den intensiven Fragen, die das Leben immer wieder an uns richtet, mag vielleicht zunächst froh sein, in diesem Buch, das von seiner Umschlaggestaltung her sehr ansprechend, weil zurückhaltend und damit durchaus äußerst seriös wirkend erscheinend, einen richtungweisenden Ratgeber gefunden zu haben. Doch bereits beim ersten Blick in das Inhaltsverzeichnis fällt auf, dass zunächst gar nicht deutlich wird, ob und wenn ja welche Wendepunkte des Lebens denn über die unterschiedlichen Lebensalter hinaus berücksichtigt werden. Auffallend, dass ein großer Teil des Buches sich der Kindheit und Pubertät des Menschen widmet (laut Inhaltsangabe S. 26 – 50 und S. 106 – 144). Lediglich die Seiten 145 – 154 sind explizit der zweiten Lebenshälfte des Menschen zugewendet, zählt man das 25. Kapitel „Krankheit und Leid“ wohlwollend noch einmal zu diesem Lebensabschnitt hinzu, kann man diesen Buchteil wohlwollend (?) um 13 Seiten erweitern. Jedoch bleibt zu überlegen, dass gerade Krankheit und Leid, auch wenn sie vermehrt in zunehmendem Lebensalter auftreten mögen, keine Exklusivitätsbeschreibung des fortgeschrittenen Lebensalters des Menschen sind. Menschen machen in allen Zeiten ihres Lebens die, mitunter sehr prägenden Erfahrungen von Krankheit und Leid.  „Was sind Wendepunkte des Lebens und wonach fragen Menschen wirklich? Rezension von Emanuel Behnert, Lippetal 2015“ weiterlesen