„Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends /wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts /wir trinken und trinken“. Paul Celans „Todesfuge“ hallt durch das Jüdische Museum Westfalen in Dorsten. Sie durchdringt den ganzen Raum und erreicht den Besucher ganz tief im Inneren. „Ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete / dein aschenes Haar Sulamith er spielt mit den Schlangen“.
Das Gedicht ist das Hauptmotiv in den Bildern des jüdischen Künstlers Yury Kharchenko. Es taucht immer wieder in seinen Gemälden auf: Mal sind einzelne Verse, mal ganze Strophen handschriftlich in den Werken eingebunden. „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland sein Auge ist blau / er trifft dich mit bleierner Kugel er trifft dich genau“. Kharchenkos Werke werden seit Mai in der Dauer- und Sonderausstellung des Museums präsentiert. Noch bis zum 21. August 2016 ist seine Ausstellung „Wege des Unsichtbaren“ im Jüdischen Museum Westfalen zu sehen. Die 87 Bilder hängen zwischen Thorarollen und Kidduschbechern, Channukka –Leuchtern und anderen jüdischen Kultusgegenständen. „„Wege des Unsichtbaren“ von Yury Kharchenko Große Ausstellung im Jüdischen Museum Westfalen Dorsten, Pressemeldung“ weiterlesen
Die Hinfahrt über die Sauerlandlinie war unproblematisch. Markus und ich waren im Gespräch vertieft, kein Regen, kein Schnee, kein Stau. So konnten wir in Frankfurt die Zeit von 11 bis 16 Uhr ausnutzen, die wir uns gesetzt hatten.
Auf der Buchmesse von Besucherrückgang keine Spur. Viele Schulklassen waren da, auch viele Nationalitäten vertreten, das ist mir aufgefallen. (Dass die Herbstferien in Hessen erst an diesem Freitag beginnen, haben wir erst im Stau auf der Rückfahrt verstanden.)
Drängeln und Schubsen, ja das gab schon mal ein paar kleine Verletzungen. Gut, dass Markus immer ein Pflaster dabei hat. Auch die Promis wie Thomas Gottschalk müssen durch das Gewühl hindurch.
Zu: Peter Trawny und Andrew J. Mitchell (Hg.): Heidegger, die Juden, noch einmal, Heidegger Forum 11, Vittorio Klostermann Verlag, Frankfurt/M. 2015, ISBN 978-3-465-04245-7, 256 Seiten, Preis 24,80 Euro
Vorbemerkung
Diese gemeinsame Rezension folgt dem Inhaltsverzeichnis dieses Buches. Die in Französisch abgedruckten Texte von Françoise und Danielle Cohen Lévinas bleiben unbearbeitet.
Der Band referiert bis auf eine Ausnahme die Vorträge der ersten internationalen Tagung des Martin-Heidegger-Instituts Wuppertal vom 30.10. bis 1.11. 2014. Das Thema der Tagung „Heidegger und die Juden“ erinnerte an den gleichnamigen Text von Jean-François Lyotard „Heidegger et, les juifs“ (1988). Diese gemeinsame Rezension folgt eher einem weltanschaulichen wie politischen Interesse, als dem Wunsch, einer Expertenmeinung eine weitere hinzuzufügen. Wir sind weniger an Heidegger als Person oder an seiner Philosophie interessiert, sondern an dem philosophischen, merkwürdig schamhaften und schweigsamen Umgang mit der Geschichte, die man mit den Stichworten Shoa, Auschwitz oder Holocaust verbindet. Zur weiteren Lektüre sei dazu das Sonderheft des Philosophiemagazins empfohlen (Philosophiemagazin, Sonderausgabe 03, Die Philosophen und der Nationalsozialismus, Hamburg 2015). Obwohl es in der Zeit zwischen 1945 und heute Gelegenheit gab, sich dazu zu äußern, z. B. nach dem ersten und weiteren Frankfurter Auschwitzprozessen ab 1963, gab erst ein Fernsehprojekt namens Holocaust Ende der siebziger Jahre den Anstoß dazu. Auch die sog. Wehrmachtsaustellung kam erst später. Der Philosoph Heidegger war in die Zeit des Nationalsozialismus persönlich involviert und steht somit beispielhaft für eine die Gesellschaft durchdringende Weltanschauung, die man sich heute kaum vorstellen kann. Allenfalls die Tatsache, dass nunmehr Heime von Asylsuchenden brennen anstelle Synagogen, kann man als ein Indiz einer solchen „metaphysischen“ Einstellung verstehen. Die Rezension referiert die Artikel überwiegend aus dem beschriebenen Lektüreinteresse heraus. Ein Fazit erübrigt sich daher. (C.F.)
„Das ‚Da-‚ des Daseins zeige nur an, dass ich den Platz eines anderen einnehme“, zitiert Klaus Englert in seinem Essay „Philosophie eines Überlebenden“ Emmanuel Lévinas‘ Antwort auf Martin Heidegger: über sechs Millionen ermordete Juden, 18 Millionen tote Zivilist_innen in der Sowjetunion, 500.000 ermordete Sinti und Roma, 15.000 in Konzentrationslagern inhaftierte Homosexuelle, deren Todesrate bei 60% lag. Völkermord und Vernichtung, ein „totaler Krieg“.
Philosophie, die Liebe zur Weisheit, sapere heißt schmecken, sapientia der Geschmack – es ist dies der bittere Geschmack des Totalitären: Das „1.000-jährige Reich“ als eine Metapher für das Ende der Geschichte, für eine perverse Eschatologie, für eine todbringende Apokalypse.
Heideggers „Schwarze Hefte“ also. Eine aktuelle Debatte, nicht zufällig 70 Jahre nach dem Ende der Schreckensherrschaft, die Grund genug ist für eine Selbstreflexion. Ein Anlass zu erhellen, worauf die Diskussion zielt und worauf sie gründet. Wie geht „postmetaphysisches Denken“, das sich so gerne auf Heidegger beruft? (M.C.)
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