zu Georg Schwikart: Du hörst mich, Die Psalmen in neuen Worten, Vier-Türme-Verlag Münsterschwarzach 2015, ISBN 978-3-89680-3, Preis: 14,99 Euro, erscheint am 18.08.2015 (Christoph Fleischer, Welver 2015)
Diese Sammlung der Psalmen ist sehr interessant, da es sich um Bearbeitungen in aktueller Sprache handelt. Zu jedem biblischen Psalm findet sich je ein Text. Der Benediktinerpater Pirmin Hugger und der herausgebende Autor Georg Schwikart sowie die Autorin Christel Kehl-Kochanek sind mit den meisten Texten vertreten. Meinen Text zu Psalm 25 hat der Autor im Internet gefunden. Dazu gibt es auch andere Beispiele, wo der Herausgeber im Quellennachweis schlicht vermerkt: „Rechte beim Autor.“ „Moderne Psalmen, eine Voranzeige“ weiterlesen
Verlesung des Textes Lukas 18, 9-14 (Gute Nachricht Bibel):
9Dann wandte sich Jesus einigen Leuten zu, die voller Selbstvertrauen meinten, in Gottes Augen untadelig dazustehen, und deshalb für alle anderen nur Verachtung übrig hatten. Er erzählte ihnen folgende Geschichte:
10»Zwei Männer gingen hinauf in den Tempel*, um zu beten, ein Pharisäer* und ein Zolleinnehmer*.
11Der Pharisäer stellte sich vorne hin und betete leise bei sich: ‚Gott, ich danke dir, dass ich nicht so bin wie die anderen Menschen, alle diese Räuber, Betrüger und Ehebrecher, oder auch wie dieser Zolleinnehmer hier! 12Ich faste* zwei Tage in der Woche und gebe dir den vorgeschriebenen Zehnten* sogar noch von dem, was ich bei anderen einkaufe!‘ 13Der Zolleinnehmer aber stand ganz hinten und getraute sich nicht einmal, zum Himmel aufzublicken. Er schlug sich zerknirscht an die Brust und sagte: ‚Gott, hab Erbarmen mit mir, ich bin ein sündiger Mensch!’«
14Jesus schloss: »Ich sage euch, der Zolleinnehmer ging aus dem Tempel in sein Haus hinunter als einer, den Gott für gerecht* erklärt hatte – ganz im Unterschied zu dem Pharisäer. Denn alle, die sich selbst groß machen, werden von Gott gedemütigt, und alle, die sich selbst gering achten, werden von ihm zu Ehren gebracht.«
Liebe Gemeinde,
Dieses Gleichnis klingt plausibel, ist aber bei näherem Hinsehen nicht einfach. Vom „Pharisäer“ und vom „Zöllner“. Wir wissen, dass die Pharisäer als Gegner Jesu bezeichnet werden und dass er auch sonst mit Zöllner zu tun hatte. Einige der Jünger waren Zöllner. Von daher verwundert es nicht, dass sich Jesus hier für den Zöllner ausspricht.
Ohne dieses Vorwissen, kommt das aber auch ein wenig schräg rüber. Ich las, dass bei Konfirmandinnen und Konfirmanden beide als unsympathisch gelten. Einer wegen seiner angeberischen Art und der andere wegen seiner unterwürfigen Art. Dann müsste man schon Jesu Absicht theologisch deuten, denn es geht ja indirekt auch um das Gebet. Das stille Gebet in der letzten Reihe ist Jesus wohl lieber als das laute Gebet, das jeder hören kann. Doch nun kommt für mich ein neuer Aspekt dazu, der dieses Gleichnis noch einmal aus einer anderen Perspektive betrachtet. Bei dieser Betrachtung geht es gar nicht so sehr darum, wer von beiden besser oder sympathischer ist, sondern was Jesus damit eigentlich verdeutlichen möchte.
Münster (SMS) Der Feiertag Maria Himmelfahrt (15. August) erinnert in der katholischen Kirche an die leibliche Aufnahme der heiligen Muttergottes in den Himmel. Die münstersche Künstlerin Hilde Schürk-Frisch widmete sich zeitlebens intensiv dem Motiv der Maria. Sie schuf kleine Heiligenfiguren, Bronzeplaketten, Reliefs aber auch Monotypien mit religiösen Inhalten. Ihre Marienfiguren verkörpern neben der heiligen Gottesmutter auch die weltliche Mutter. Schürk-Frisch stellt sie als Thron der Weisheit, als Schwangere, als Mutter-Kind-Gruppe mit dem Christuskind und später als die um ihren Sohn trauernde Muttergottes dar. Mehr dazu können Besucher in der Ausstellung „Neue Kunst wird gebraucht“. Bildhauerin Hilde Schürk-Frisch zum 100. Geburtstag“ im Stadtmuseum erfahren. Der Eintritt ist frei.
Zu: Hans-Martin Lübking: Kursbuch Konfirmation, ein Anwendungsbuch, Für die unterschiedlichen Modelle in der Konfirmandenarbeit, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2015, ISBN 978-3-579-07435-1, 88 Seiten A-4, Preis: 9,99 Euro (kurz: Anwendungsbuch); Hans-Martin Lübking: Kursbuch Konfirmation, Arbeitsbuch für Konfirmandinnen und Konfirmanden, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 3. Auflage 2015 (1. Auflage 2013), Broschur ISBN 978-3-579-06180-1,160 Seiten A-4, Preis: 11,99 Euro, weitere Ausgaben: Loseblattsammlung und Ringbuchordner mit eingelegter Loseblattsammlung (kurz: Arbeitsbuch); Hans-Martin Lübking: Kursbuch Konfirmation, Ein Praxisbuch für Unterrichtende in der Konfirmandenarbeit, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh2014, ISBN 978-3-579-07414-6, 240 Seiten A-4 mit CD-ROM, Preis: 22,99 Euro (kurz: Praxisbuch).
Anwendungsbuch.
Kursbuch Konfirmation von Hans-Martin Luebking
Obwohl das Leitmedium sicherlich das Arbeitsbuch darstellt, ist zunächst einmal das Anwendungsbuch zu besprechen, da es in diesem Jahr neu erschienen ist. Da der Konfirmandenunterricht (KU) bzw. die Konfirmandenarbeit, wie es hier heißt, in den Landeskirchen der EKD nicht einheitlich ist, geht dieses Buch auf die unterschiedlichen Modelle dafür ein und geht davon aus, dass sich das Arbeitsbuch auch für unterschiedliche Modelle eignet. Die „Umbruchphase“ ist nicht zu ignorieren. Hans-Martin Lübking, langjähriger Leiter des pädagogischen Instituts der westfälischen Landeskirche in Schwerte-Villigst, bedauert die Verkürzungstendenz auf ein Jahr, befürwortet hingegen die neue methodische und organisatorische Vielfalt, z. B. die Unterstützung durch ausgebildete Teamerinnen und Teamer. „Konfirmandenarbeit mit Bildungsanspruch, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2015“ weiterlesen
Zu: Peter Trawny und Andrew J. Mitchell (Hg.): Heidegger, die Juden, noch einmal, Heidegger Forum 11, Vittorio Klostermann Verlag, Frankfurt/M. 2015, ISBN 978-3-465-04245-7, 256 Seiten, Preis 24,80 Euro
Vorbemerkung
Diese gemeinsame Rezension folgt dem Inhaltsverzeichnis dieses Buches. Die in Französisch abgedruckten Texte von Françoise und Danielle Cohen Lévinas bleiben unbearbeitet.
Der Band referiert bis auf eine Ausnahme die Vorträge der ersten internationalen Tagung des Martin-Heidegger-Instituts Wuppertal vom 30.10. bis 1.11. 2014. Das Thema der Tagung „Heidegger und die Juden“ erinnerte an den gleichnamigen Text von Jean-François Lyotard „Heidegger et, les juifs“ (1988). Diese gemeinsame Rezension folgt eher einem weltanschaulichen wie politischen Interesse, als dem Wunsch, einer Expertenmeinung eine weitere hinzuzufügen. Wir sind weniger an Heidegger als Person oder an seiner Philosophie interessiert, sondern an dem philosophischen, merkwürdig schamhaften und schweigsamen Umgang mit der Geschichte, die man mit den Stichworten Shoa, Auschwitz oder Holocaust verbindet. Zur weiteren Lektüre sei dazu das Sonderheft des Philosophiemagazins empfohlen (Philosophiemagazin, Sonderausgabe 03, Die Philosophen und der Nationalsozialismus, Hamburg 2015). Obwohl es in der Zeit zwischen 1945 und heute Gelegenheit gab, sich dazu zu äußern, z. B. nach dem ersten und weiteren Frankfurter Auschwitzprozessen ab 1963, gab erst ein Fernsehprojekt namens Holocaust Ende der siebziger Jahre den Anstoß dazu. Auch die sog. Wehrmachtsaustellung kam erst später. Der Philosoph Heidegger war in die Zeit des Nationalsozialismus persönlich involviert und steht somit beispielhaft für eine die Gesellschaft durchdringende Weltanschauung, die man sich heute kaum vorstellen kann. Allenfalls die Tatsache, dass nunmehr Heime von Asylsuchenden brennen anstelle Synagogen, kann man als ein Indiz einer solchen „metaphysischen“ Einstellung verstehen. Die Rezension referiert die Artikel überwiegend aus dem beschriebenen Lektüreinteresse heraus. Ein Fazit erübrigt sich daher. (C.F.)
„Das ‚Da-‚ des Daseins zeige nur an, dass ich den Platz eines anderen einnehme“, zitiert Klaus Englert in seinem Essay „Philosophie eines Überlebenden“ Emmanuel Lévinas‘ Antwort auf Martin Heidegger: über sechs Millionen ermordete Juden, 18 Millionen tote Zivilist_innen in der Sowjetunion, 500.000 ermordete Sinti und Roma, 15.000 in Konzentrationslagern inhaftierte Homosexuelle, deren Todesrate bei 60% lag. Völkermord und Vernichtung, ein „totaler Krieg“.
Philosophie, die Liebe zur Weisheit, sapere heißt schmecken, sapientia der Geschmack – es ist dies der bittere Geschmack des Totalitären: Das „1.000-jährige Reich“ als eine Metapher für das Ende der Geschichte, für eine perverse Eschatologie, für eine todbringende Apokalypse.
Heideggers „Schwarze Hefte“ also. Eine aktuelle Debatte, nicht zufällig 70 Jahre nach dem Ende der Schreckensherrschaft, die Grund genug ist für eine Selbstreflexion. Ein Anlass zu erhellen, worauf die Diskussion zielt und worauf sie gründet. Wie geht „postmetaphysisches Denken“, das sich so gerne auf Heidegger beruft? (M.C.)
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