Bernhard Nitsche, Klaus von Stosch, Muna Tatari (Hg.): Gott – jenseits von Monismus und Theismus? Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2017, ISBN 978-3-506-78260-1. Preis: 39,90 Euro
Die Einleitung des Aufsatzbandes weist einerseits auf die Erosion des Gottesbegriffs in der Bevölkerung hin und andererseits auf aktuelle Diskussionen um den Theismus in Theologie, Philosophie und interreligiösem Dialog. Die zusammenfassende Vorstellung aller Artikel in der Einleitung soll hier nicht wiederholt werden (siehe Leseprobe mit Inhaltsverzeichnis und Einführung: https://www.schoeningh.de/uploads/tx_mbooks/9783506782601_leseprobe.pdf, hier. S. 20). Die Aufsätze dokumentieren eine Tagung in der katholischen Akademie Schwerte im Jahr 2014, auf deren Fortsetzungsdiskussion kürzlich das Magazin Publik Forum hingewiesen hat (http://www.der-schwache-glaube.de/2018/02/06/gott-neu-denken-hinweis-und-rezension-christoph-fleischer-welver-2018/).
Mein Schöpfer kennt mich durch und durch
Psalm 139
1 Ein Lied Davids. HERR, du durchschaust mich, du kennst mich bis auf den Grund.
2 Ob ich sitze oder stehe, du weißt es, du kennst meine Pläne von ferne.
3 Ob ich tätig bin oder ausruhe, du siehst mich;
jeder Schritt, den ich mache, ist dir bekannt.
4 Noch ehe ein Wort auf meine Zunge kommt, hast du, HERR, es schon gehört.
5 Von allen Seiten umgibst du mich, ich bin ganz in deiner Hand.
6 Dass du mich so durch und durch kennst, das übersteigt meinen Verstand;
es ist mir zu hoch, ich kann es nicht fassen.
7 Wohin kann ich gehen, um dir zu entrinnen,
wohin fliehen, damit du mich nicht siehst?
8 Steige ich hinauf in den Himmel – du bist da.
Verstecke ich mich in der Totenwelt – dort bist du auch.
9 Fliege ich dorthin, wo die Sonne aufgeht, oder zum Ende des Meeres, wo sie versinkt:
10 auch dort wird deine Hand nach mir greifen, auch dort lässt du mich nicht los.
11 Sage ich: »Finsternis soll mich bedecken, rings um mich werde es Nacht«,
12 so hilft mir das nichts;
denn auch die Finsternis ist für dich nicht dunkel und die Nacht ist so hell wie der Tag.
13 Du hast mich geschaffen mit Leib und Geist, mich zusammengefügt im Schoß meiner Mutter. 14 Dafür danke ich dir, es erfüllt mich mit Ehrfurcht.
An mir selber erkenne ich: Alle deine Taten sind Wunder!
15 Ich war dir nicht verborgen, als ich im Dunkeln Gestalt annahm, tief unten im Mutterschoß der Erde.
16 Du sahst mich schon fertig, als ich noch ungeformt war.
Im Voraus hast du alles aufgeschrieben;
jeder meiner Tage war schon vorgezeichnet, noch ehe der erste begann.
17 Wie rätselhaft sind mir deine Gedanken, Gott, und wie unermesslich ist ihre Fülle!
18 Sie sind zahlreicher als der Sand am Meer.
Nächtelang denke ich über dich nach und komme an kein Ende.
19 Gott, bring sie doch alle um, die dich und deine Gebote missachten!
Halte mir diese Mörder vom Leib!
20 Sie reden Lästerworte gegen dich;
HERR, deine Feinde missbrauchen deinen Namen!
21 Wie ich sie hasse, die dich hassen, HERR!
Wie ich sie verabscheue, die gegen dich aufstehen!
22 Deine Feinde sind auch meine Feinde, ich hasse sie glühend.
23 Durchforsche mich, Gott, sieh mir ins Herz, prüfe meine Wünsche und Gedanken!
24 Und wenn ich in Gefahr bin, mich von dir zu entfernen,
dann bring mich zurück auf den Weg zu dir!
Der Psalm 139 ist ein einzigartiger Text antiker Literatur. Wie ein Gedicht ist er in Strophen eingeteilt. Der Kommentar unterscheidet vier Strophen: „Der Psalm beschreibt einen Reflexionsprozess des Beters von der Erfahrung seiner umfassenden Erforschung durch den allgegenwärtigen Gott (1. Strophe) über die Erwägungen zu den nicht realisierbaren Fluchtbewegungen des Beters vor Gott (2. Strophe) hin zur Bejahung der Verbindung des Schöpfers mit seinem Geschöpf (3. Strophe) und zu den sich daraus ergebenden Konsequenzen für die Wahrung der Gemeinschaft zwischen dem Beter und dem Weltgott (4. Beter).“ (Frank Lothar Hossfeld, Erich Zenger (+): Die Psalmen III, Psalm 101 – 150, Echter Verlag Würzburg 2012, S. 839, das Kürzel JHWH habe ich durch das Wort Gott ersetzt.) Die Worte, die der Psalm für Gott, Erde und Mensch gebraucht, werde ich in dieser Predigt dem Erfahrungsraum des Universums zuordnen, weil ich meine, dass einige Aussagen des Psalms in unserer heutigen Sprache die Erfahrungsebene meinen, die wir allgemein das Universum nennen. Manche Menschen, die heute von Universum anstelle von Gott reden, meinen damit allerdings etwas anderes, eher eine kosmische Macht, eben wie ein Gottesbegriff. Ich meine mit Universum einen umfassenden Begriff der Erfahrung von Schöpfung und Natur. Das Universum, das ich meine, lässt sich beobachten und wahrnehmen. Ich nenne dazu ein paar Bilder vom Möhnesee: Das Wasser kräuselt sich vom Wind. Es nimmt die Farbe des Himmels an, heute grau von den Wolken und morgen blau. Die Wälder am Ufer, aber auch die rot untergehende Sonne spiegeln sich darin. Nebel steigt aus den Wäldern hinauf in die
Wolken, die sehr tief hängen. Ein anderes Mal schient das Sonnenlicht durch die Wolken hindurch und zeichnet regelrechte Strahlen. Im Universum sind die Elemente der Landschaft immer in einer Verbindung miteinander.
In der ersten Strophe des Psalms wird dies schon vorausgesetzt:
Wir verwenden Cookies, um unsere Website und unseren Service zu optimieren.
Funktional
Immer aktiv
Die technische Speicherung oder der Zugang ist unbedingt erforderlich für den rechtmäßigen Zweck, die Nutzung eines bestimmten Dienstes zu ermöglichen, der vom Teilnehmer oder Nutzer ausdrücklich gewünscht wird, oder für den alleinigen Zweck, die Übertragung einer Nachricht über ein elektronisches Kommunikationsnetz durchzuführen.
Vorlieben
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist für den rechtmäßigen Zweck der Speicherung von Präferenzen erforderlich, die nicht vom Abonnenten oder Benutzer angefordert wurden.
Statistiken
Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu statistischen Zwecken erfolgt.Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu anonymen statistischen Zwecken verwendet wird. Ohne eine Vorladung, die freiwillige Zustimmung deines Internetdienstanbieters oder zusätzliche Aufzeichnungen von Dritten können die zu diesem Zweck gespeicherten oder abgerufenen Informationen allein in der Regel nicht dazu verwendet werden, dich zu identifizieren.
Marketing
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist erforderlich, um Nutzerprofile zu erstellen, um Werbung zu versenden oder um den Nutzer auf einer Website oder über mehrere Websites hinweg zu ähnlichen Marketingzwecken zu verfolgen.
Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.